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Einleitung
Nun überlegen Sie sich etwas noch viel Spannenderes: Stellen Sie sich für einen Augenblick die gesamte Geschichte des Universums vor. Nach allen zur Verfügung stehenden Daten ist es vor etwa fünfzehn Milliarden Jahren in einer gewaltigen Explosion entstanden und hat damit die Bühne für einen kosmischen Tanz von Energie und Licht geschaffen, der bis zum heutigen Tag andauert. Nun stellen Sie sich die Geschichte des Planeten Erde vor. Eine anfänglich amorphe, aus dem ursprünglichen Feuerball entstandene Staubwolke, verdichtete sich zu einem festen Ball, fand ihren Weg in eine von der Schwerkraft bestimmten Umlaufbahn um die Sonne, schuf in Milliarden von Jahren durch eine komplexe Interaktion zwischen Licht und Gasen eine Atmosphäre und eine Biosphäre, die nicht nur im Stande war, Leben zu erzeugen, sondern auch zu erhalten und zu vermehren. Jetzt stellen Sie sich vor, dass nichts davon je geschehen ist. Nehmen Sie statt dessen an, dass die ganze Geschichte nur als ein abstraktes Potenzial vorhanden war – ein kosmischer Traum unter zahllosen anderen kosmischen Träumen – bis sich Leben in diesem Traum in irgendeiner Weise bis zu dem Punkt entwickelte, an dem ein bewusstes, fühlendes Wesen entstand. In diesem Augenblick, einzig und allein aufgrund der Beobachtung durch dieses Wesen, entstand plötzlich das gesamte Universum, einschließlich der gesamten Geschichte, die diesem Augenblick vorausging. Nichts war bis zu diesem Augenblick jemals geschehen. In diesem Augenblick allerdings ereigneten sich fünfzehn Milliarden Jahre. Wenn das für Sie nur wie die komplizierte Hintergrundstory einer Science Fiction-Szenerie oder die weltliche Version einer der großen Schöpfungsmythen der Erde klingt, dann setzen Sie sich jetzt lieber. Dem Physiker Amit Goswami zufolge ist die obige Beschreibung eine wissenschaftlich haltbare Erklärung der Entstehung des Universums. Wie viele andere, die sich dieser Sichtweise anschließen, ist Goswami überzeugt, dass das Universum, um zu existieren, eines bewussten fühlenden Wesens bedarf, das seiner gewahr ist. Er postuliert, dass es ohne Beobachter nur als Möglichkeit besteht. Wie man so gern in wissenschaftlichen Kreisen sagt: Goswami hat seine Hausaufgaben gemacht. Er hat Beweismaterial aus neuesten Forschungen auf den Gebieten kognitiver Psychologie, Biologie, Parapsychologie und Quantenphysik zusammengetragen und, indem er sich stark auf alte mystische Traditionen stützt, deduziert er ein neues Paradigma, das er „monistischen Idealismus“ nennt: nämlich die Ansicht, dass nicht Materie, sondern Bewusstsein die Grundlage aller Existenz ist. Dr. Goswami, Professor für Physik an der Universität von Oregon und Mitglied des „Institute of Theoretical Science“ ist nur einer von einer stetig wachsenden Zahl abtrünniger Wissenschaftler, die sich in den letzten Jahren in den Bereich des Spirituellen vorgewagt haben – im Bemühen, sowohl die scheinbar unerklärlichen Ergebnisse ihrer Experimente zu interpretieren als auch ihre intuitiven Schlüsse bezüglich der Existenz einer spirituellen Dimension des Lebens zu bestätigen. Der Höhepunkt von Goswamis Arbeit ist sein Buch Das bewusste Universum. Wie Bewusstsein die materielle Welt erschafft. Das Buch hat seine Wurzeln in den Versuchsdaten der Quantenphysik (der Elementarteilchenphysik) und kombiniert eine Vielzahl von Ergebnissen und Theorien auf den Gebieten von künstlicher Intelligenz, über Astronomie bis zur Mystik des Hinduismus, womit gezeigt werden soll, dass die Entdeckungen der modernen Wissenschaft mit den tiefsten mystischen Wahrheiten vollkommen übereinstimmen. Er meint, dass die Quantenphysik, wie auch eine Anzahl anderer moderner Wissenschaften, zeigt, dass die essentielle Einheit, welche die Grundlage der Wirklichkeit bildet, eine experimentell beweisbare Tatsache ist. Aufgrund der ungeheuren Konsequenzen, die sich aus dieser wissenschaftlichen Bestätigung des Spirituellen ergeben, ist Goswami leidenschaftlich bemüht, seine Theorie so vielen Menschen wie möglich zu erklären, um einen, wie er meint, dringend notwendigen Paradigmenwechsel herbeizuführen. Er ist sich sicher, dass durch die jetzt möglich gewordene wissenschaftliche Validierung der Mystik vieles, was früher einen Glaubensakt erforderte, jetzt empirisch bewiesen werden kann. Das materialistische Paradigma, das mehr als zweihundert Jahre lang die wissenschaftliche und philosophische Denkweise dominiert hat, kann daher endlich in Frage gestellt werden. Das Interview mit Amit Goswami war eine Erfahrung, die alle hergebrachten Überlegungen und Konzepte in Frage stellte. Während ich ihm zuhörte, wie er viele Ideen, die ihm selbstverständlich waren, erläuterte, musste ich zeitweise eine derart große Skepsis überwinden, dass ich mich weit über den Rahmen aller meiner bisherigen Konzepte hinaus bewegen musste. (Goswami ist auch ein großer Science Fiction Fan; sein erstes Buch The Cosmic Dancers (Die kosmischen Tänzer) ist Science Fiction vom Standpunkt eines Physikers. Ob man nun letztendlich einige seiner eher esoterischen Theorien akzeptiert oder nicht, man muss dennoch respektieren, mit welcher Kreativität und Leidenschaftlichkeit er bereit ist, die Dinge in Frage zu stellen. Goswami ist offensichtlich bereit, mit seinen Ideen Risiken einzugehen und nachdrücklich darum bemüht, seine Untersuchungen einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Bei Konferenzen und vor anderen Foren ist er ein begehrter Referent über die aufregenden Entdeckungen der neuen Wissenschaft und ihrer Bedeutung, nicht nur ihrer Methodologie, sondern auch ihrer Auswirkung auf die Gesellschaft als Ganzes. In Indien, seinem Herkunftsland, ist er in einer wachsenden organisierten Bewegung tätig, die einen Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Spiritualität zum Ziel hat, und bemüht, ein akademisches Studium für „Bewusstseinsforschung“ zu gründen, das auf der Annahme beruht, dass Bewusstsein der Urgrund allen Seins ist. Viele sehen in Goswami einen Pionier auf seinem Gebiet. Mit dem Versuch, den materialistischen Realismus in die Knie zu zwingen und alle Wissensgebiete in einem einzigen Paradigma zusammen zu fassen, hofft er, einem neuen, holistischen Weltbild, das den Geist an erste Stelle setzt, den Weg zu bereiten. Soweit wir wissen, ist er damit der einzige Wissenschaftler des neuen Paradigmas, der den unter den New-Age Denkern so beliebten Relativismus in die Schranken weist. In einer Zeit, in welcher der Verfall menschlicher Werte und die Erosion jedweden Sinngehaltes epidemische Ausmaße erreicht hat, kann man sich kaum etwas Wichtigeres vorstellen. Dennoch, ungeachtet der wichtigen und wertvollen Arbeit, die er zu leisten scheint, bleiben ernsthafte Vorbehalte bestehen, ob Goswamis Ansatz letztendlich zu der von ihm erhofften Transformation führen wird. Denker wie Huston Smith und E.F. Schumacher verweisen auf die Arroganz oder zumindest eine Art von Naivität der Wissenschaftler, die glauben, dass sie die Reichweite ihrer Disziplin so weit ausdehnen können, dass sie in irgendeiner Weise die spirituelle Dimension des Lebens einschließen oder erklären könnte. Diese Kritiker meinen, dass schon der bloße Versuch, das Spirituelle wissenschaftlich zu begründen, das Ergebnis desselben materialistischen Impulses sei, den er zu entwurzeln trachtet, und eben deshalb nur im Stande ist, den Geist, Gott und das Transzendente auf bloße Gegenstände der wissenschaftlichen Faszination zu reduzieren. Ist die Wissenschaft in der Lage, die Realität der transzendenten Dimension des Lebens zu beweisen? Oder würde sie dem spirituellen Potenzial der menschlichen Rasse besser dienen, wenn sie die inhärenten Beschränkungen ihres Feldes anerkennen würde? Das folgende Interview konfrontiert uns mit diesen Fragen.
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