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Einleitung
Als Tochter einer jüdischen Mutter und eines italienischen Vaters wurde sie 1949 im Arbeiterstadtteil Brooklyn in New York geboren. Alyce Louise Zeoli wurde katholisch getauft und ging auf eine katholische Schule. Obwohl sie eine unerklärliche Anziehung zu Buddha-Statuen spürte, behauptet sie, nichts über Buddhismus gewusst zu haben – bis zu ihrem folgenreichen Treffen mit Penor Rinpoche im Alter von 26 Jahren. Ihre spirituelle Tiefe begann sich im Alter von 19 Jahren zu zeigen, als sie mit ihrem ersten Mann und ihrem kleinen Kind auf einer abgelegenen Farm in North Carolina lebte. Sie hatte wiederholt prophetische Träume, in denen ihr „gesagt“ wurde, was sie tun solle. Sie betete immer wieder darum, Führung zu erhalten und praktizierte systematisch verschiedene Arten von Kontemplation, die, wie sie entdecken sollte, von ihrer Art her ähnlich wie im tibetischen Buddhismus waren. „Ich hatte nicht die Worte dafür“, erklärte sie gegenüber Mackenzie, „aber ich wusste, es hatte nichts mit der Vorstellung von Gott als ‚Alter-Mann-auf-dem-Thron‘ zu tun. Worauf ich meditierte war eine non-duale, alles durchdringende Essenz – die Formen und das Formlose waren vereint, nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Ich sah, das war das einzig Wertvolle – das und die mitfühlende Aktivität als Ausdruck dessen.“ Sie meditierte weiterhin einige Jahre lang intensiv, währenddessen führte sie ein häusliches Leben. Als sie dreißig war, hatte sie eine spirituelle Erfahrung, die ihr klar machte, dass ihr persönliches Leben vorbei war und dass sie allein dafür geboren wurde, anderen zu helfen. „Von da an“, sagte sie, „begannen die Leute, zu mir zu kommen.“ Jetsunma zog 1981 mit ihrer Familie nach Washington, D.C., wo sie bald von einer Gruppe New Age-Suchender entdeckt wurde. Eines Tages wurde ihre Gruppe einem tibetischen Lama vorgestellt, der Teppiche verkaufte, um Geld für die Unterstützung junger Mönche in seinem Kloster im südlichen China zu sammeln. Obwohl Jetsunma und ihre Schüler nichts über Tibet und nur wenig über Buddhismus wussten, entschieden sie sich, Geld für das Kloster zu sammeln, und daraufhin folgte ein Briefwechsel. Ein Jahr später erhielten sie einen Brief von dem Mönch, der ihnen die Teppiche verkauft hatte; er informierte sie darüber, dass Seine Heiligkeit Penor Rinpoche, der Abt des Klosters, seine erste Lehrreise in die U.S.A. unternehmen würde. Er wollte auch Washington besuchen, um den Menschen zu danken, die so viele seiner jungen Mönche unterstützt hatten. Als Jetsunma den kaum 1,60 m großen tibetischen Meister zum ersten Mal sah, brach sie in Tränen aus. „Nun, Sie müssen mir glauben, ich bin nicht der Mensch, der so etwas normalerweise tut. Ich bin eine nüchterne Frau. Um Himmels Willen, ich bin aus Brooklyn! Aber ich konnte mich einfach nicht zurückhalten. Ich weinte und weinte. Ich sah ihn einfach an und dachte: ‚Das ist mein Herz… Das ist mein Geist… Das ist alles‘“ Penor Rinpoche ging dann mit Jetsunma zurück zu ihrem Haus, wo er alle ihre Schüler befragte, um genau herauszufinden, was sie sie gelehrt hatte. Als Jetsunma den Lama fragte, woher ihre Lehren kamen, sagte er: „In der Vergangenheit warst du ein großer Bodhisattva, jemand, der für alle Zeiten nur dafür arbeitet, fühlende Wesen zu befreien. Du hast deine Praxis zu einem Grad vervollkommnet, dass du sie in keiner zukünftigen Lebenszeit mehr vergessen wirst. Du wirst es immer wissen; es wird immer zu dir zurückkommen. Es ist in deinem Geist und wird nie mehr vergessen.“ 1988 kehrte Penor Rinpoche nach Washington zurück und leitete Jetsunmas offizielle Inthronisation (Anerkennung als Tulku), welche von den Medien mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde. Seitdem führt Jetsunma einen buddhistischen Tempel ihrer tibetischen Linie in Poolesville in Maryland, und in den letzten Jahren hat sie ein neues Zentrum in Sedona in Arizona aufgebaut. Ich suchte schon lange Zeit nach einem Anlass, um Jetsunma zu interviewen, endlich hatte ich einen! Was konnte passender sein als mit einem westlichen weiblichen Tulku über die Beziehung zwischen Geschlechtszugehörigkeit und Erleuchtung zu sprechen? Im folgenden Dialog stellte ich dieser amerikanischen Dakini (weibliche Verkörperung der Buddhaschaft), die bekannt dafür ist, dass sie viel Wert auf ihre weibliche Erscheinung legt und ihrer Kleidung, ihren Haaren und Nägeln große Aufmerksamkeit widmet, einige sehr herausfordernde Fragen zu diesem sehr herausfordernden Thema. Sie war keineswegs eine Enttäuschung für mich.
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