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DIE VEREINIGTEN STAATEN SIND zu etwas geworden, wofür sie vormals nicht gegründet wurden. Einst waren sie der Zufluchtsort für diejenigen, die dem Machtmissbrauch entflohen waren, jetzt haben sie selbst fast absolute Macht erreicht und üben sie auch aus. Sie sind ein Imperium geworden. Damit ist die Feststellung einer Tatsache gemeint und nicht ein Urteil nationalen Charakters. Es ist als Weg Amerikas zu verstehen und nicht als Anklage gegen die amerikanische Politik. Die Vereinigten Staaten als Imperium zu betrachten eröffnet einen größeren Bezugsrahmen zum Verständnis ihrer Geschichte, ihrer Rolle in der Welt und ihrer zukünftigen Verantwortung. VOM FALL DER BERLINER MAUER BIS ZUM FALL DER TWIN TOWERS Erstaunlicherweise war die ungeheure, einzigartige Macht der Vereinigten Staaten nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht sofort erkennbar. Obwohl einige wenige Beobachter erkannten, dass Amerika in ein, wie der Kolumnist Charles Krauthammer es nannte, unipolares Stadium eingetreten war, dachten die meisten Kommentatoren, dass durch das Ende der Sowjetunion und das Ende des Kalten Krieges die alten Machtverteilungen wieder hergestellt würden. Diese Ansicht war absolut verständlich. Die letzten fünf-zehnhundert Jahre europäischer Geschichte waren im Grunde multipolar. Die Hauptmächte Europas standen in ständiger Konkurrenz zueinander, ohne dass irgendeine der Mächte einen übermäßigen Vorteil erringen konnte, weder in der mittelalterlichen Ära der Stadtstaaten noch in der modernen Ära der Nationalstaaten. Selbst Britannien war in seiner Hochblüte im 19. Jahrhundert durch Frankreich, Russland, Spanien und Deutschland eingeschränkt. Während der Regentschaft von Königin Viktoria, von 1837 bis 1901, die den Höhepunkt der britisch-imperialen Macht markierte, führte Britannien 72 verschiedene militärische Feldzüge, um seine Rivalen in Schach und seine kolonialen Gebiete intakt zu halten. Die gesamte Bedeutung des Begriffs Realpolitik gründet auf einem Gleichgewicht der Macht zwischen den wichtigsten Staaten. Dass die Vereinigten Staaten aus diesem multipolaren Rahmen ausgebrochen sind, um unipolare globale Dominanz zu erlangen, ist eine außergewöhnliche Errungenschaft in den Annalen der Geschichte und seit Rom vor zweitausend Jahren noch von keiner Macht erreicht worden. Da die Welt so sehr daran gewöhnt war, in multilateralen und multipolaren Dimensionen zu denken, brauchte sie einige Zeit, um diese neue historische Situation zu begreifen. Die Clinton-Regierung (1993-2001) war im Grunde eine Übergangsperiode, in der sich die Vereinigten Staaten als eine, wie der französische Außenminister Hubert Vedrine es nannte, „Supermacht“ entpuppte, während sie in ihrer Mentalität grundsätzlich immer noch multilateral und kollaborativ war und sich auch so verhielt. Der Titel von Richard Hass’ Buch The Reluctant Sheriff, 1998 herausgegeben, fasste sehr treffend jenes Vermächtnis zusammen, welches Clinton später hinterlassen sollte. Clinton konzentrierte sich hauptsächlich auf die Integration der globalen Wirtschaft und die amerikanische Hegemonie. Selten benutzte er die ihm zur Verfügung stehende Macht, sondern suchte in gemeinsamen Belangen lieber die kollegiale Zusammenarbeit mit den Alliierten Amerikas. In dem Glauben, dass die Vereinigten Staaten die „unentbehrliche Macht“ sind, wie es die damalige Staatssekretärin Madeleine Albright so gerne ausdrückte, agierte Clinton diese Unentbehrlichkeit mit Diskretion aus. Er initiierte begrenzte militärische Aktionen gegen den Irak und den Sudan und führte die europäische Koalition im Kosovo an. Im Großen und Ganzen aber blieb er dem Multilateralismus und der Aufrechterhaltung der von seinen Vorgängern ausgehandelten internationalen Abkommen verpflichtet. Das schloss den umfassenden Atomsperrvertrag und das Abkommen über die anti-ballistischen Raketen ein, die von den Präsidenten Kennedy und Nixon unterzeichnet worden waren, um Amerikas nukleare Möglichkeiten zu begrenzen. Clinton verhandelte und unterzeichnete auch das Kyoto-Protokoll zur globalen Erwärmung, welches den Ausstoß der Fluorkohlenwasserstoffe in die Atmosphäre begrenzen soll. All diese Abkommen umrahmten die strategischen Interessen der USA im Kontext von kollektiven Sicherheitsüberlegungen. Ganz allgemein waren die 90er Jahre von einer starken Verpflichtung gegenüber dem internationalen Recht geprägt, vom Arbeiten innerhalb des Kontexts des Systems der Vereinten Nationen und vom Einhalten bereits existierender Abkommensverpflichtungen. Amerika spielte sicherlich in allen Beratungen eine führende Rolle, doch sowohl die Amerikaner als auch die größere Weltgemeinschaft betonten in gleichem Maße die Wichtigkeit der Partnerschaft wie sie die Führungsrolle Amerikas anerkannten. Dann kam der 11. September 2001. Die Reaktion der neuen Bush-Regierung veränderte
das frühere Gleichgewicht auf dramatische Weise, indem sie Asymmetrien
verstärkte, die bereits da waren, die aber unbeachtet geblieben waren,
weil sie sich nicht in Handlungen ausdrückten. Genau an dem Punkt, wo sie
als unumstrittene Supermacht hervortraten, wurden die Vereinigten Staaten überraschend
und mit ungeheurer Wucht attackiert, und zwar von Personen, die keinem bestimmten
Staat angehörten und die für den amerikanischen Nachrichtendienst
nahezu unsichtbar waren. In einem der unglaublichsten Ereignisse der neueren
Geschichte wurde eine Nation, die sich selbst für unverwundbar hielt, ohne
jede Vorwarnung total verwundbar. Ihre Antwort darauf war ein Gegenschlag mit
überwältigender militärischer Macht in Afghanistan und im Irak,
mit dem sie Freund und Feind gleichermaßen klar machte, dass es nur eine
unbestrittene militärische Macht in der Welt gibt: die Vereinigten Staaten
von Seit dem 11. September haben die Vereinigten Staaten ihre nationale Sicherheit verstärkt und mehr präventive militärische Schläge durchgeführt. Präsident Bush hat den Krieg gegen den Terrorismus zur höchsten Priorität der Innen- wie der Außenpolitik erklärt. Der Multilateralismus, in welchem die Koalition die Mission bestimmt, ist vom Unilateralismus, in welchem die Mission die Koalition bestimmt, abgelöst worden. Abschreckung wurde, wo es ein vorgegebenes Gleichgewicht der Macht gab, durch Präventivschläge ersetzt, wobei die Vereinigten Staaten als erste gegen potenzielle Widersacher losschlagen. DER EINMARSCH IM IRAK Die amerikanischen Truppen halten jetzt das Gebiet zwischen Euphrat und Tigris besetzt. Es gibt keinen Ort auf dieser Welt, der geschichtsträchtiger, komplexer in seiner Politik und von größerer religiöser Leidenschaft beherrscht wäre als dieser. Dass die Vereinigten Staaten in dieser Region die Kontrolle übernommen haben, zu einem Zeitpunkt der Verwundbarkeit und Macht, ist von größter Bedeutung. Amerika hat auf einen Angriff reagiert und Weltvorherrschaft demonstriert, indem es den heiligsten und meist umkämpften Boden der Weltgeschichte besetzte. Was die Welt am meisten an der U.S.-Invasion im Irak störte, war die Art und Weise wie es geschah. Da war nichts von der Finesse zu spüren, womit Präsident Bush sen. eine internationale Koalition mobilisiert und 1991, während des ersten Irakkrieges „Desert Storm“, die Ressourcen und Legitimität der Vereinten Nationen genutzt hatte. Stattdessen fiel George W. Bush aggressiv über den Irak her, bedrohte zuerst die Vereinten Nationen, um sie dann zu marginalisieren, und marschierte im Grunde nur mit den Briten ein, trotz weit reichender internationaler öffentlicher Kritik. Vor dem 11. September fokussierte Präsident Clinton seine ganze Politik auf die Wirtschaft: Er glich das Budget aus, eliminierte das Defizit, trieb freie Handelsabkommen voran und regierte mittels eines gesunden ökonomischen Wachstums. Die U.S.-Ökonomie mag wohl in der amerikanischen Geschichte nie zuvor in besseren Händen gewesen sein als in seiner Amtsperiode, selbst wenn man den Einbruch der High Tech-Ökonomie und des Aktienmarktes am Ende seiner Amtszeit im Jahr 2000 berücksichtigt. Die Amerikaner blickten generell sehr positiv auf die Welt und optimistisch in die Zukunft und waren mit dem multilateralen Rahmenwerk internationaler Beziehungen, in dem sich Amerika bewegte, zufrieden. In der Zeit nach dem 11. September erfuhr Amerika eine grundlegende Umkehr der Emotionen und Wahrnehmungen. Buschs aufgebrachte und äußerst militärische Reaktion auf den 11. September bescherte der Welt die Erfahrung eines Amerikas, das aggressiv, schonungslos, zynisch und dogmatisch war. Fast über Nacht wurde der Präsident von diesem Impuls zur Militarisierung erfasst, und unter seiner Führung auch die amerikanische Öffentlichkeit. Eine vorher weltzentrierte Orientierung wurde radikal von einer national zentrierten Stammesstruktur abgelöst. Multilateralismus wurde durch Unilateralismus ersetzt, globale Diplomatie durch militärische Kraft und Kongenialität durch Konfrontation. Obwohl die Deutlichkeit dieser Wandlung die Welt vor den Kopf stieß, war es eigentlich eine natürliche Reaktion. Unter dem Eindruck eines Traumas, das haben Psychologen schon lange beobachtet, können Menschen und Gruppen eine radikale Umkehr ihrer Werte erfahren. Wenn man die Größe des Traumas bedenkt, das der amerikanischen Psyche durch die Attacke vom 11. September zugefügt wurde, gepaart mit der Tatsache, dass es im Grunde eine militärische Attacke gegen die Vereinigten Staaten war, dann ist es normal und vorhersehbar, dass zunächst wohl ein verstärktes Gefühl der Gemeinschaft entstehen würde und auch Kriegslust. Amerika wurde von einer patriotischen Leidenschaft ergriffen und die ganze Nation vereinte sich in gegenseitiger Unterstützung und Solidarität, wie man es seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen hatte. Diese Gemeinsamkeit war davon getragen, die Nation zu heilen, New York wieder aufzubauen und sich die Täter zu schnappen. Eine überwältigende Anzahl von Amerikanern fühlte das Verlangen, als Nation zusammen zu stehen und zurückzuschlagen. Präsident Busch gab dieser Emotion mit seiner Kriegserklärung gegen den Terrorismus eine Form. In diesem Sinne war Saddam der Anlass, nicht aber der Grund für den Einmarsch im Irak. Dieser Punkt wurde von Thomas Friedmann in seiner Kolumne in der New York Times aufgezeigt. Er merkte an, dass die Attacke vom 11. September der „wahre Grund“ für die Invasion war. Wie Friedman es ausdrückte: die Taliban aus Afghanistan zu vertreiben war nicht genug. Amerika musste in der arabischen Welt noch jemanden verhauen, und Saddam war genau der Richtige. „Auf Saudi Arabien oder Syrien einzuschlagen wäre gut gewesen. Aber wir schlugen Saddam aus einem einzigen Grund: weil wir es konnten, weil er es verdient hatte und weil er direkt im Herzen dieser Welt saß.“ Alle anderen Gründe waren sekundär, einschließlich der Frage der Massenvernichtungswaffen und der angeblichen Verbindung zwischen Irak und Al-Kaida. Was an Nachwirkungen des 11. September zusammenkam war das psycho-emotionale Verlangen nach Vergeltung und die geostrategische Gelegenheit, der ganzen Welt die überwältigende militärische Macht der Vereinigten Staaten zu demonstrieren. Die Weltöffentlichkeit reagierte scharf auf die Aggressivität der Busch-Regierung und stellte auf dramatische Weise die Integrität der amerikanischen Führung in Frage. Der Einmarsch im Irak unter Missachtung einer überwältigenden Opposition gab vielen den Eindruck, dass aus Amerika, dem globalen Führer, Amerika, das Gauner-Imperium geworden war. Seit dem Krieg vermehren sich praktisch überall auf der Welt die anti-amerikanischen Gefühle, auch in Europa, das traditionellerweise Amerikas stärkster Verbündeter ist. IMPERIALE FRAGEN Am Ende des Zweiten Weltkrieges gründeten die Vereinigten Staaten die Vereinten Nationen aus einem Eigeninteresse heraus. Heute missachten die Vereinigten Staaten die Vereinten Nationen aus einem ganz anderen Eigeninteresse heraus. Die Vereinigten Staaten wollten helfen, Kriege zwischen den Nationen zu verhindern, indem sie die Vereinten Nationen gründeten. Jetzt finden die Vereinigten Staaten, dass die Vereinten Nationen schwach sind, korrupt, uneffizient, bürokratisch und unfähig, in kritischen Fragen eine Führungsrolle einzunehmen, wenn es um internationale Sicherheit und gegen Schurkenstaaten geht. Also haben die Vereinigten Staaten die Vereinten Nationen übergangen und die Rolle des Richters und Antreibers im Bereich der internationalen Sicherheit übernommen. Gleichzeitig repräsentieren die Vereinten Nationen für die meisten
Menschen – einschließlich der meisten Amerikaner – Aber womit die Vereinten Nationen und die größere Weltgemeinschaft klar kommen müssen ist die Realität, dass die Vereinigten Staaten nicht mehr eine Nation unter Nationen sind. Sie sind ein Imperium unter den Nationen. Das ist ein absoluter Schlüsselbegriff, wenn man verstehen will, warum Amerika so handelt, wie es handelt, und warum die internationale Gemeinschaft so besorgt ist. Amerika hat sich zur Supermacht ohne Gleichen entwickelt, die auf der ganzen Welt Länder und Institutionen kontrolliert. Es kann und wird sich gewisse imperiale Vorrechte herausnehmen, speziell nach dem 11. September und weil es jetzt keine gegnerische Macht gibt, die es herausfordert. Imperien nehmen sich unweigerlich das Recht heraus, für die eigenen Interessen zu handeln, weil eben aus imperialer Sicht Macht das Recht bestimmt. Bei der Beurteilung amerikanischer Handlungen muss sich die Welt im Klaren sein, dass militärische Macht das A und O eines Imperiums ist und dass Imperien versuchen, internationales Recht und multilaterale Institutionen zu schwächen, um die eigene Beweglichkeit zu maximieren und die Überlegenheit zu erhalten. Die Königsstrategie eines Imperiums besteht darin, zu entzweien und zu erobern. Die Verwirrung und der Groll gegen die Vereinigten Staaten sind zum Teil darauf
zurückzuführen, dass sich viele, so wie der Philosoph Francis Fukuyama,
in dem Glauben wiegten, dass das Ende des Kalten Krieges irgendwie auch das
„Ende der Geschichte“ bedeuten und dass es Imperien und andere schreckliche
Dinge nicht mehr geben würde. Aber durch die extrem militärische außenpolitische
Formierung der Busch-Regierung, ohne jetzt dabei die allgemeine Krise anzusprechen,
in der die Welt sich befindet, waren wir schockiert, als wir erkannten, dass
die Geschichte sich zurückgemeldet hat. Die mangelnde Vorbereitung der
Welt eben darauf ist zu einem großen Teil Schuld an dem Dilemma, in dem
sie sich befindet. Paradoxerweise bewegt sich, so wie das amerikanische Imperium eine Fortsetzung der Geschichte ist, auch die Geschichte selbst über das Imperium hinaus. Sie ist eigentlich im vorletzten Stadium der Entwicklung vor der vollen globalen Integration. Dies ist der entscheidende Punkt, warum die Vereinigten Staaten sich selbst als Übergangsimperium betrachten müssen. Sie werden das Letzte Imperium sein, entweder weil sie es selbst wollten oder als Opfer. Was die Geschichte einfordert müssen sogar Imperien anerkennen, oder sie werden verschlungen. Warum wird es das letzte Imperium sein? Weil die Welt unter dem Eindruck ökonomischer Globalisierung und direkter Kommunikationstechnologie sehr schnell zu einem integrierten System wird. In einem integrierten System ist es das System selbst, welches von größter Wichtigkeit ist, nicht ein bestimmter Teil davon. Die Vereinigten Staaten sind jetzt stark, weil das globale System noch nicht fertig gebaut ist. Wenn es einmal so weit ist, wird die U.S.-Macht im größeren Ganzen aufgehen. Es ist die historische Herausforderung für Amerika, jenes System zu bauen, das einst seinen Platz einnehmen wird. In einer integrierenden Welt muss Führerschaft von der Beherrschung in eine Verwaltung übergehen. Kulturelle Nuancen und soziale Ungleichheiten sind viel wichtiger als militärische Macht, und ethnische und religiöse Fragen gehen viel tiefer als die Macht des Staates. Es reicht nicht aus, einen Präzisionskrieg zu führen, um erfolgreich regieren zu können. Rohe Gewalt schafft keine Freunde und kann auch die Meinung eines Menschen nicht ändern. Es gibt in zunehmendem Maße einen zivilisatorischen Kontext, den es zu
beachten gilt. Die internationale Gemeinschaft benötigt eine Führung,
die sensibel gegenüber sozialen und kulturellen Unterschieden sowie politischen
und ökonomischen Voraussetzungen ist. Sie braucht eine Führerschaft,
die jene integrierenden Institutionen fördert, die notwendig sind, um diese
komplexen Faktoren für ein gerechtes Management des globalen Systems zusammenzubringen.
Verschiedenheit kann nur durch Geduld und Kompromiss integriert werden. Alle
Stimmen müssen gehört und Konsens geschaffen werden, im Kontext von
gegenseitigem Respekt sowie internationalen Normen und Prozeduren. In diesem
Kontext ist Führerschaft erfolgreicher durch Einflussnahme als durch Nötigung
und erfolgreicher durch Ermächtigung anderer als durch das Ausüben
von Macht über andere. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Vereinigten Staaten über das 21. Jahrhundert herrschen so wie Rom über das erste Jahrhundert herrschte. Die wichtigste Frage ist nicht, ob sie das tun werden, sondern ob sie anerkennen werden, dass das der Fall ist. Nur wenn sie die Bürde der Führerschaft bewusst annehmen, werden sie in der Lage sein zu bestimmen, welche Art des Imperiums sie sein werden. Diese Entscheidung wird ihr eigenes Schicksal ebenso wie das der Erde über Jahrzehnte hinaus bestimmen. Je mehr sie ihren eigenen Gründungsvisionen treu bleiben und durch die Lehren, die aus den Erfahrungen früherer imperialer Mächte gezogen werden können, gestützt sind, desto eher werden sie bestehen bleiben. Amerika ist an seinem Punkt der Macht, die Welt ist an ihrem Punkt der Integration. Wie werden sie zusammenkommen? Wird die Welt Pax americana erleben, den amerikanischen Frieden? Oder Pox americana, die amerikanische Plage? Wird man sich an Amerika als den Architekten der ersten globalen Weltordnung erinnern oder als einer Tragödie epischen Ausmaßes? Jim Garrison ist der Präsident des State of the World Forum, das er 1995 zusammen mit Michail Gorbatschow gründete und welches das größte existierende Forum von Führungspersönlichkeiten der Welt außerhalb der Vereinten Nationen ist. Er hat eine Anzahl weiterer Organisationen gegründet, einschließlich der International Foreign Policy Association (Internationale Vereinigung für außenpolitische Angelegenheiten) und die Gorbachev Foundation/USA. Zu seinen akademischen Abschlüssen zählen ein Master in Theologischen Studien der Harvard Divinity School (1975) und ein Doktor der Cambridge University (1982). Garrison hat sechs Bücher über verschiedene Aspekte philosophischer Theologie und Geschichte geschrieben, darunter Civilization and the Transformation of Power (2000). Sein jüngstes Buch, America as Empire, aus dem der obige Artikel entnommen wurde, soll im Januar 2004 erscheinen.
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