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Es ist ein Szenario, von dem viele Wissenschaftler träumen: Eines Tages stoßen Radioteleskope auf eindeutige Anzeichen einer zusammenhängenden Nachricht, auf eine Botschaft vom anderen Ende des Himmels, eine interstellare Grußkarte von einer weit, weit entfernten, außerirdischen Zivilisation. Können Sie sich die ungeheure Wirkung vorstellen–die Aufregung, die Erwartung, die tief greifenden Implikationen, die philosophische Riesenwelle, die über unsere Kultur hinweg-rollen würde? Wie würden wir auf dieses kosmische "Hallo" antworten? Wie grüßt man E.T.? Was geschieht, wenn die Erde plötzlich den galaktischen Redestab in der Hand hält und es an der Zeit ist, sich mitzuteilen? Nun, bevor Sie sich zu sehr darum sorgen, dass wir dabei ins Fettnäpfchen treten könnten, werden Sie sicher froh sein zu erfahren, dass es Leute gibt, die viel Zeit darauf verwandt haben, genau diese Frage zu erörtern. Doug Vakoch, Sozialwissenschaftler an dem privat finanzierten SETI-Institut (SETI ist eine Abkürzung für Search for Extraterrestrial Intelligence–Suche nach außerirdischer Intelligenz) trägt einen amtlichen Titel, bei dem man für gewöhnlich zweimal hinsieht– er ist Direktor für die Erstellung außerirdischer Nachrichten. Vakochs Aufgabe ist, Fragen zu erforschen, über welche die wenigsten von uns je nachgedacht haben, wie zum Beispiel: Welche Aspekte der menschlichen Kultur wollen wir mit unseren galaktischen Nachbarn teilen? Sind es die universalen Elemente unserer planetaren Zivilisation, oder heben wir die zahlreichen Unterschiede hervor? Reden wir über Wissenschaft, Musik, Kunst? Und eine der grundlegenden Fragen, die diesen ungewöhnlichen Wissenschaftler beschäftigen, lautet: Was ist mit der Religion? Wie vermitteln wir die ethische, moralische und spirituelle Seite der menschlichen Kultur? Vakoch ist nicht der erste, der sich über diese Themen Gedanken macht. Der verstorbene Carl Sagan war Mitgestalter einiger der ersten menschlichen Ausflüge in die extraterrestrische Kommunikation, die mit den Raumschiffen Pioneer und Voyager stattfanden. Heute erscheinen jene Botschaften jedoch beschränkt und "eher wie eine Botschaft für uns als für die Außerirdischen", sagt Vakoch und erklärt uns, dass es in diesen Übermittlungen eine Tendenz gab, "alles Kontroverse zu vermeiden". (Es gab zum Beispiel keine Kriegsbilder.) Außerdem wurde das Hauptaugenmerk auf wissenschaftliche Inhalte gelegt, was zu Lasten "eines umfassenderen Bildes von uns" für die potenziellen Außerirdischen ging. Es ist jedoch eine heikle Angelegenheit, einen Konsens über ein Thema wie Religion zu finden, weshalb sich Vakochs Arbeit bei SETI nun auf zwei Hauptaspekte konzentriert, die unseren Nächsten im Kosmos vermitteln sollen, wer und was wir sind: Altruismus und Evolution. Altruismus ist offensichtlich essenziell für unser Verständnis von Spiritualität, und in gleicher Weise wird das Konzept der Evolution dafür von Tag zu Tag wichtiger. Aber wie wollen Sie dies einer intelligenten Spezies ohne jeden menschlichen Kontext mitteilen? Die Evolution, welche, wie Vakoch erklärt, "die kosmische, geologische, biologische und kulturelle Evolution" mit einschließt, scheint man ja wenigstens in der Bildsprache darstellen zu können, das abstrakte Konzept des Altruismus jedoch erfordert ein paar neue Denkweisen. Aus diesem Grund hat Vakoch einige der hellsten Köpfe unserer Zeit herangezogen, damit sie dieser Frage auf Konferenzen nachgehen, die Titel tragen wie: Encoding Altruism: The Art and Science of Interstellar Message Composition (Altruismus kodieren: Die Kunst und Wissenschaft der Erstellung interstellarer Botschaften), eine Tagung, die im vergangenen Jahr in Paris stattfand. Die Teilnehmer stellen sich der Herausforderung, über die menschliche Kultur aus der Perspektive nicht nur einer anderen Spezies, sondern einer Lebensform nachzudenken, die das Ergebnis einer völlig anderen planetarischen Biogenese und sozialen Evolution ist–sie schlüpfen sozusagen in die Haut von Aliens. Doch es könnte auch einige Seiten der menschlichen Kultur geben, die wir mit unseren außerirdischen Freunden gemein haben, ein Wissen, das wahrhaft universal ist. Wer kann schon sagen, ob unsere religiösen Empfindungen in ihrer Essenz nicht ähnlich sind, selbst über den kosmischen Ozean hinweg? Wird E.T. ein Verständnis von Altruismus haben–oder von Gott, Kreativität oder Leere? Das sind faszinierende Überlegungen. Und in einer Welt, in der es vielen schon schwer fällt, die Ansichten der Menschen am anderen Ende der Straße zu verstehen, geschweige denn die von Menschen im Irak oder in Afghanistan, ist es doch ermutigend zu wissen, dass einige Wissenschaftler den Maßstab auch weiterhin hoch ansetzen. Wenn E.T. also schließlich anruft, dann wird vielleicht keiner von uns exakt vorbereitet sein, aber wenigstens werden wir auch nicht ganz den egozentrischen, ethnozentrischen, anthropozentrischen oder geozentrischen Idioten abgeben–und vielleicht von den Nachbarn auf Planet X etwas mehr Respekt ernten.
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