Es gibt ein altes Sprichwort: Einmal ist Zufall, zweimal ein
Trend, dreimal schon eine Disziplin. Nun, Leute, ich glaube, wir
haben da ein waschechte neue Disziplin vor uns. Es scheint, als
hätte die spirituelle Welt ihren Blick plötzlich vom
sprichwörtlichen eigenen Nabel auf die weiteren Aussichten der
Zukunft gerichtet. Ja, die Gegenwart, lange Zeit der heiße Trend
in spirituellen Publikationen, ist womöglich bald
passé–und die Zukunft könnte, na ja, halt die
Zukunft sein. Als entscheidender Beweis für diese neue Mode
gilt, dass Neale Donald Walsch, phänomenal erfolgreicher
New-Age-Autor der Serie Gespräche mit Gott, jetzt mit
Tomorrow's God auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist.
Das Buch untersucht unsere neuesten spirituellen Denkweisen und
die Veränderung unserer Vorstellungen des Göttlichen. Der
Vollständigkeit halber muss nun gesagt werden, dass WIE
auch ein Beispiel und–beginnend mit der Thematik unserer
letzten Ausgabe Gott im 21.
Jahrhundert–vielleicht sogar an diesem speziellen
Trend mitbeteiligt ist. Aber wir sind nicht allein. Derzeit
werden einige interessante Werke veröffentlicht, die unsere
spirituellen Impulse in den Zusammenhang einer evolutionären und
damit veränderungs- und zukunftsorientierten
Weltsicht stellen. Hier einige, die in Kürze erscheinen werden:
Robert Wrights kommendes Werk handelt von der Zukunft der
Religion; Eckhart Tolle soll, so sagt man, an A New
Earth schreiben, einem Buch, welches die nächste Welle
unserer spirituellen Zukunft untersucht; auch Ken Wilbers
Kosmic Karma ist in Vorbereitung, das kurz auf die
Geschichte von Allem eingehen wird, und dann eine deutliche
Vorliebe für die Zukunft und mehr noch für die Evolution an den
Tag legen wird. Selbst Unternehmensberater, wie Peter Senges
Team, mischen mit. Ihr soeben erschienenes Buch
Presence führt das Konzept des
"Pre-Sensing"–des Vorausahnens der
Zukunft–ein, um auf diese Weise Einsichten für die
Gegenwart zu erhalten. Bedeutet all dies nun, dass die Zukunft
eine große Rolle in der Spiritualität spielen wird oder die
Spiritualität eine große Rolle in der Zukunft? Wie auch immer,
Gottes jüngste Neugestaltung wird sich ganz gewiss zu einem der
interessantesten Kulturmuster des nächsten Jahrzehnts entfalten
...
21 Gramm. Das ist der Titel des kürzlich
in die
Kinos gekommenen Spielfilms mit Sean Penn und Naomi Watts
und–einem Forscher zufolge–auch das Gewicht der
menschlichen Seele. Ob Sie es glauben oder nicht, ein
Wissenschaftler am Beginn des 20. Jahrhunderts betrieb
ausgiebige Forschungen an sterbenden Menschen und soll
nachgewiesen haben, dass der Körper im Augenblick des Todes 21
Gramm an Gewicht verliert. Offensichtlich ist er dabei äußerst
akribisch vorgegangen, denn andere mögliche Faktoren für den
Gewichtsverlust wurden ausgeschlossen. Dick, groß, klein oder
fett–es waren immer 21 Gramm. Die meisten Wissenschaftler
zeigen sich von den Ergebnissen unbeeindruckt, aber das hat die
Populärwissenschaften nicht davon abgehalten, sich der Idee
anzunehmen. 21 Gramm–das ist vielleicht alles, was jeder
von uns mitbringt, wenn die Zeit gekommen ist, vor unseren
Schöpfer zu treten ... Falls Sie zufällig zu den vier oder fünf
Leuten hier im Westen gehören, an denen der Hype um das Buch
Die Prophezeiungen der Celestine
irgendwie vorbei gegangen ist, machen Sie sich nichts
daraus–Sie werden bald eine zweite Chance bekommen. Und
diesmal können sie das Buch umgehen und gleich mit dem Film
starten. Ja, James Redfield, seine peruanischen Regenwälder und
die neun Prophezeiungen kommen bald in ein Kino in ihrer Nähe.
Obgleich das New Age selbst wohl im Schwinden begriffen ist,
erwacht das Franchising, welches diese Ära quasi definiert hat,
an den Sets und in den Studios von Hollywood zu neuem Leben.
Werden Die Prophezeiungen der Celestine jetzt für die
Spiritualität das tun, was
Der Herr der Ringe für die
Phantasie tat? Davon ist zumindest einer überzeugt–der
Autor persönlich. WIE traf James Redfield während eines
Castings in Los Angeles, wo er uns mitteilte, der Schlüssel für
die Übertragung des Buches auf die Leinwand bestehe darin, dafür
zu sorgen, dass die Abenteuergeschichte, auf der das Buch
basiert, im Zentrum des Drehbuchs steht, und fügte noch hinzu,
dass der Film aktualisiert wird und in der Welt nach dem
11.
September spielt. Unsere Gesellschaft habe sich verändert,
erklärte Redfield, sie sei einfach "viel pessimistischer als
1994". Nun, wenn Pessimismus unser Problem ist, dann kann
man sich kaum ein besseres Gegenmittel vorstellen als die
optimistische Sichtweise, die in den Prophezeiungen der
Celestine enthalten sind. Das Filmteam ist jetzt in
Florida, wo ein Großteil der
Geschichte gedreht
wird–Florida als Double für den peruanischen Dschungel.
Wenngleich es fast unmöglich ist, vorherzusagen, ob ein Film
Kassenschlager oder Flop wird, so würden wir gegen die Zugkraft
des Celestine-Mythos jedoch keine Wette eingehen
wollen. Eines kann man wenigstens mit Sicherheit sagen: Machu
Picchu, pass auf. Der peruanische Tourismus wird sicher einen
kräftigen Aufschwung erleben ... Auch der bayerische Tourismus
hat eine neue Attraktion.
Der Club of Budapest trifft die
Jugend. Der von Ervin Laszlo gegründete Club von ganzheitlichen
Vordenkern und Künstlern beteiligt sich am Jugendfestival
Young and Free. 70.000 Besucher erwartet man im Juli
bei diesem Festival in Höchstadt/Bayern. Der Club of Budapest
liefert nicht nur das Motto 'You can change the world',
sondern auch viel Programm in Form von
Vorträgen und
Diskussionen ... Die Naropa-Universität in Boulder im US-Staat
Colorado ist auf dem Wege, eine der ranghöchsten alternativen
Universitäten des Landes zu werden. Aber in der Hast, der
Ehrbarkeit und dem Ansehen einer ernsthaften Universität gerecht
zu werden, hat wohl so mancher in dieser Institution seine
radikaleren Wurzeln vergessen. Die Schule wurde 1974 von Chogyam
Trungpa gegründet, einem mächtigen Lehrer des Tibetischen
Buddhismus, der sich in Boulder sowohl mit seinen sublimen
spirituellen Lehren, als auch mit seiner einzigartigen Vision
eines East-meets-West-Buddhismus und seinem provozierenden
persönlichen Verhalten einen Namen machte. Aber seit Trungpas
Tod im Jahr 1985 hat sich viel verändert, und Naropa, jetzt in
Privatbesitz und privat geführt, hat bisher großen Erfolg
genossen und sich in einem blühenden alternativen akademischen
Umfeld niedergelassen. Welche Ansichten herrschen dort heute
über die Lehren ihres Gründers? Puls hat erfahren, dass
die Lesung eines sehr bekannten spirituellen Lehrers am Naropa
Beschwerdeanrufe bei der Universität zur Folge hatte, ein
Umstand, der Besorgnis unter den Mitarbeitern auslöste. Wieso?
"Zu kontrovers" hieß es, aber jetzt kommt der Hammer: Als
man sie darauf hinwies, dass doch der Gründer von Naropa selbst
einer der kontroversesten Lehrer der 70er und 80er gewesen war,
räumten einige der Angestellten ein, dass heutzutage wohl selbst
Trungpa an dem Ort, den er gegründet hatte, mit seinen Lehren
nicht willkommen wäre. Autsch, was für eine Ironie! Ob sie ihrem
Stammvater nun wirklich die Tür verschließen würden oder nicht:
Hier zeigt sich deutlich, was ein bisschen Erfolg und allgemeine
Anerkennung aus einem radikalen Herzen machen können ... Der
immer länger werdenden Liste derer, die der Menschheit nicht
einmal mehr ein paar Jahrzehnte geben, um die Dinge auf dem
Planeten Erde in Ordnung zu bringen, ehe sich, Sie wissen schon
was, zur sprichwörtlichen Katastrophe auswächst, können Sie nun
auch die amerikanische spirituelle Lehrerin Shanti Mayi
hinzurechnen. Im indischen Rishikesh, wo man ShantiMayi für
gewöhnlich während der Wintermonate antrifft, soll sie bei einer
Zusammenkunft mit dortigen spirituellen Suchern ihrer Sorge
Ausdruck verliehen haben, dass wir für einen Bewusstseinswechsel
auf Erden sehr wenig Zeit haben, wenn wir die vielen möglichen
Katastrophen, die sich am menschlichen Horizont zusammenbrauen,
noch abwenden wollen. Ihre Besorgnis ist das Echo so vieler
weiterer Futuristen, Wissenschaftler, Politiker und spiritueller
Lehrer, dass sie uns allen Grund zur Panik sein muss–und
ganz gleich, wie gut die Arbeit der NASA in den nächsten zwei
Jahrzehnten auch sein wird–die Flucht zum Mars ist wohl
kaum eine praktikable Alternative! Natürlich sagte ShantiMayi
auch, dass sie sich keine wirklichen Sorgen darum mache, ob wir
überleben würden oder nicht, denn Gott werde schließlich
fortbestehen. Mag sein, aber es wäre noch besser, wenn auch wir
fortbestünden. Lasst uns also mit aller Kraft hoffen und noch
härter für eine Welt arbeiten, in der Gott, Rishikesh,
ShantiMayi und wir alle überleben und weit ins 21. Jahrhundert
hinein gedeihen können!


