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eine liebesgeschichte des 21· jahrhunderts


teil IV
 

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"Die intime E-Mail-Chronik der in Brooklyn geborenen Ella Paris und des Bay Area-Surfers Evan McAllister ist eine wirklich unvergleichliche metaphysische Vision, in der Himmel und Hölle und dynamische und passive Energien auf kraftvolle Weise einander gegenübergestellt sind. In der zweiten Folge erlebten wir gebannt mit, wie Ellas Vater seinen Kampf mit dem Krebs verlor und wie Evan Ella in einem letzten verzweifelten Versuch erklärte, dass das Leben nur ein Traum sei. Am Ende gab es ein extrem kathartisches Telefongespräch, in dem Ella Evan mit seiner Neigung konfrontierte, emotionale Intimität zu vermeiden – und damit die intimen Leidenschaften einer ganzen Generation enthüllte – etwas, das die Leser nach Atem ringen und nach mehr verlangen ließ."

The San Mateo Register

Von: "Ella Paris" [ellaparis@hotmail.com]
An: "Evan McAllister" [glassyzen@yahoo.com]
Datum: Di, 02 März 2004 23:42:08 (EST)
Betreff: E+E

Evan, nun reicht's. Wir können es uns nicht leisten, weiterhin solch unklare Verhältnisse zu haben. Vor einer Woche haben wir das letzte Mal miteinander gesprochen. Sieben lange Tage und dein Schweigen ist lauter als jedes Wort. Es ist tatsächlich ohrenbetäubend laut. Du verhältst dich wie ein Kleinkind, das, sobald es seine Hände über die Augen hält, denkt, dass man es nicht mehr sehen kann. Wahrscheinlich war es falsch, zu glauben, dass du dich in mich verlieben würdest, wenn ich etwas nachhelfe. Mein unehrlicher Anruf, mein Plan, der zunichte gemacht wurde, weil du mir die kalte Schulter gezeigt hast. Wenn ich nach links schaue, erkenne ich ein paralleles Universum, indem ich uns als gute Freunde sehe, wir lachen, tauschen Bücher aus, wachsen zusammen auf, gehen getrennte Wege, haben aber trotzdem immer liebevolle gemeinsame Erinnerungen, und mir gefällt, was ich da sehe. Aber wüsstest du, wie es in mir aussieht, dann würdest du erkennen, dass es so nicht weitergehen kann, es sei denn, man will es drauf anlegen, an der Liebe zu ersticken, indem man versucht, sie zu unterdrücken. Ich sitze hier und zittere wie Espenlaub beim bloßen Gedanken daran, dass du das schließlich lesen wirst. Ach übrigens – und ich wollte dir das schon lange sagen – , wenn du das hier liest, bin ich längst weg. Es ist schon komisch, die letzte Woche hat mir einerseits gezeigt, wie belanglos die Liebe ist, aber gleichzeitig auch bewiesen, wie sehr ich dich doch tatsächlich liebe. Ich erkenne, dass, egal wie schlecht es ist, ganz gleich wie totenstill, ich damit fertig geworden bin. Ich werde weiter leben. Vielleicht sogar mit der erstaunlichen Fähigkeit, mich weiter zu entwickeln. Also, so steht es bei mir im Moment. Obwohl ich ein Rückflugticket habe, das drei Monate gültig ist, habe ich eigentlich nicht vor, es zu benutzen. Ich sehe diese Reise als einen echten Neuanfang, eine Wiedergeburt, wenn du es so nennen magst, und das Ende liegt in so weiter Ferne, dass ich nicht zu sagen vermag, wie es aussehen oder wann es sein wird. Es tut mir Leid, dass alles so auseinander gegangen ist. Ich fühle mich zum größten Teil dafür verantwortlich.

Von ganzem Herzen, Ella Paris



Von: "Evan McAllister" [glassyzen@yahoo.com]
An: "Ella Paris" [ellaparis@hotmail.com]
Datum: Mi, 03 März 2004 11:38:27 (PST)
Betreff: Re: E+E

okay, ich bin im moment echt baff, was du wahrscheinlich auch bezwecken wolltest. "sieben lange tage" des schweigens bringen dich dazu, mich ein kleinkind zu nennen, dein herz vor mir auszuschütten, deine liebe zu gestehen, und abzuhauen (wohin überhaupt?) – einfach so hals über kopf? hast du nicht dran gedacht, mich zu FRAGEN, warum ich mich nicht bei dir gemeldet habe, seit wir letzte woche miteinander gesprochen haben? nein? nun, ich werd's dir sagen: noch am selben tag ist meine schwester mackenzie weinend von der schule nach hause gekommen und hat meiner mutter gesagt, dass sie schwanger sei. und nicht nur das. sie dachte sogar daran, abtreiben zu lassen. wie du weißt, ist meine mutter eine total überzeugte christin, daher kannst du dir ja denken, wie sie auf all das reagiert hat. so ... ich musste mich hier zuhause mit einer menge scheiße herumschlagen, und es tut mir leid, dass ich dir nicht gleich erzählt habe, was los ist. okay? es tut mir leid, wenn das jetzt gemein oder böse rüber kommt, aber ich bin einfach etwas geknickt wegen deinem brief.

ella, wenn du wirklich so für mich empfindest, was mich total aus der bahn wirft, weil du nie dergleichen erwähnt hast, warum hast du es mir denn nie gesagt? ich versteh dich einfach nicht! warum hast du mir nichts davon gesagt, als wir letzte woche miteinander telefoniert haben? du wolltest, dass ich mich von courtney trenne, und hast mir dann gesagt, ich solle selber herausfinden, wieso ... ich weiß nicht. ich meine, jetzt macht es sinn, da du die dinge beim namen genannt hast. vielleicht war ich auch einfach mal wieder nur ein blödmann, der sich der ganzen sache nicht bewusst war. aber was jetzt? du liebst mich?? und trotzdem bist du auf reisen gegangen? echt, ey. was glaubst du, wie ich mich jetzt fühle? wir sind doch alt genug, um vernünftig miteinander zu reden, oder?

wo auch immer du jetzt bist, du hast sicher die möglichkeit, irgendwie deine e-mails abzurufen. also, schreib mir bitte zurück oder ruf mich an. ich habe vor, mich von courtney zu trennen, wenn ich sie morgen sehe, was dich glücklich machen sollte. glaub es oder nicht, aber sie ist sogar noch verwirrender als du! mensch, ich kann im moment mit der ganzen sache einfach nicht umgehen.

evan



Von: "Ella Paris" [ellaparis@hotmail.com]
An: "Evan McAllister" [glassyzen@yahoo.com]
Datum: Do, 11 März 2004 12:02:08 (EST)
Betreff: Indien

Ich sitze gerade in einem verrauchten Internet-Cafe, die Luft um mich herum ist erfüllt vom Lärm der Menschen und der hupenden Autos. Ich bin erst seit einer Woche in New Delhi und schon hat sich alles verändert und ist anders. Nein, anders ist untertrieben. Ich konnte es genau in dem Moment spüren, als ich aus dem Flugzeug auf den Asphalt gestiegen bin und mich ein Hauch dieser fremdartigen Luft streifte. Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben so etwas gerochen oder eingeatmet. Die letzten sieben Tage war ich geistig durcheinander und habe versucht, mich in den überfüllten Straßen zurechtzufinden. Die Tatsache, dass ich allein und auf mich selbst gestellt bin, macht mir Angst, und die meiste Zeit habe ich durch den Jetlag alles durch eine abgehobene Verschwommenheit wahrgenommen. Aber ich hab mich auf Anhieb verliebt – in das unerbittliche Bombardement von Farben, Gerüchen und Klängen, und in die wilde, heftige Realität des Lebens hier. Ich weiß nicht, ob das, was ich schreibe, Sinn macht, aber ich muss schnell schreiben, denn ich befürchte, dass der Computer wieder abstürzen wird, wie schon zweimal zuvor. (Vielleicht liegt es an der offenen Anschlussleitung, die nur ein paar Schritte vom Cafe entfernt in einer Anschlussdose steckt – nur so eine Vermutung).

Ich muss sagen, es ist wirklich eine interessante Erfahrung, deine E-Mail von dieser Seite der Welt aus zu lesen, und es tut mir leid, dass ich dir nicht gesagt habe, dass ich hierher kommen würde. Ich habe wirklich nicht geglaubt, dass du dir etwas aus mir machst, da du dich nach all dem, was geschehen ist, nicht bei mir gemeldet hast. Ich war mir sicher, dass wir am Ende der Geschichte angekommen sind. Und jetzt erkenne ich, dass eigentlich nur mein Hang zum Melodramatischen und zu großen Verkündigungen die eigentliche Situation verschleiert hat.

Herrjeh! Ich wünschte, du könntest mit eigenen Augen sehen, wie groß alles hier ist, viel größer als das Leben, oder zumindest größer als das Leben, das ich kannte ... In ein paar Tagen werde ich zum Hauptsitz der UNICEF gehen, um meinen Bereich zugeteilt zu bekommen. Ich habe mein ganzes Leben lang auf ein Abenteuer gewartet, auf ein wirklich gefährliches – voller Gefahren und Risiko, aber das hier ist mehr als ich mir jemals hätte träumen lassen, als ich noch bequem im fest umgrenzten Gebiet von Brooklyn saß. Weißt du, ich wollte schon immer wissen, wer Ella Paris wirklich ist, aber jetzt scheint die Möglichkeit so greifbar, so als könnte es jeden Moment geschehen. Ich weiß, dass du weißt, wovon ich rede, das ist der Grund, warum wir Freunde sind und überhaupt. So, ich gehe jetzt zurück in mein Hotel, bevor es zu spät wird. Sag Mackenzie, dass ich an sie denke, und hoffentlich bist du ok. Ella

p.s. Hier ist das Rezept, nach dem Gott die Luft in Indien erschaffen hat, er hat es mir "zugebeamt"

Zutaten:

1 Teil Süße von Gewürzen und Ringelblumen

1 Teil getrockneter Dreck

1 Teil Essenz menschlicher Agilität und Wendigkeit

Anleitung:

1. die Zutaten immer weiter erhitzen

2. in einen Cocktailshaker gießen

3. 5000 Jahre lang schütteln



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