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Einleitung
Keiner kann Besserwisser leiden, sagt man. Robert Wright sollte sich das zu Herzen nehmen. Denn in diesem Zeitalter intellektueller Spezialisierung ist Wright ein Vertreter der Intelligenzija, der ganz sicher den Rahmen sprengt. Wie viele frühere Journalisten können letztendlich den Anspruch erheben, ein maßgebliches Buch in einem neuen Wissensgebiet (Evolutionspsychologie) veröffentlicht zu haben; von keiner geringeren Autorität als der New York Times als wichtiger neuer Autor gepriesen zu werden; den großen Biologen Stephen Jay Gould zu einer öffentlichen Debatte im New Yorker herausgefordert zu haben; eine bedeutende politische Kolumne für Michael Kinsleys Online-Magazin Slate geschrieben zu haben; vom früheren Präsidenten Bill Clinton als "Genie" bezeichnet worden zu sein, umfassend über das Informationszeitalter und seine gesellschaftlichen Auswirkungen geschrieben zu haben; in den letzten Jahren einige der weltbesten Wissenschafter für eine Internet-Dokumentation interviewt und ein äußerst erfolgreiches Buch veröffentlicht zu haben, welches eine neuartige kulturelle Evolutionstheorie ausführlich erläutert? Und als wären Politik, Naturwissenschaften, Psychologie und Technologie nicht genug, arbeitet Wright derzeit an einem Buch mit dem vorläufigen Titel The Future of Religion. Mag sein, dass er nicht alles weiß, aber ich möchte mit ihm bestimmt nicht das Wissensspiel Jeopardy um einen hohen Einsatz spielen. Ungeachtet seiner umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit und seiner umfassenden intellektuellen Interessen, gibt es doch einige grundlegende Schlüsselgedanken, die alle Punkte in Wrights eklektischer Welt verbinden und integrieren. Erstens befasst sich sein gesamtes Werk mit den tieferen Fragen menschlicher Motivation – universelle Fragen, die ins Herz der Conditio humana treffen. Fragen, die ihrer Natur nach naturwissenschaftlich, politisch, psychologisch und religiös sind. Einer dieser interdisziplinären Gedanken ist das hochbrisante Thema der Moral, ein Thema, das so grundlegend für menschliches Verhalten ist, dass es intellektuelle Grenzen überschreitet und fast alle Wissensgebiete mit einbezieht. So wurde Wrights bahnbrechendes Buch über Evolutionspsychologie 1997 unter dem Titel Diesseits von Gut und Böse. The moral animal. Die biologischen Grundlagen unserer Ethik veröffentlicht. Zweitens ist Wrights gesamtes Werk durch sein Interesse an der biologischen wie auch der kulturellen Evolution motiviert. Auf Diesseits von Gut und Böse. The moral animal folgte Nonzero: The Logic of Human Destiny, das sich mit dem Thema der Moral befasst, indem es die einzigartigen Vernetzungen untersucht, durch welche sie in das eigentliche Muster unserer Evolutionsgeschichte verwoben ist. Es ist Wrights einzigartige Fähigkeit, das große Bild der menschlichen Kultur aus der Vogelperspektive zu vermitteln, die ihm einen Platz in der kleinen, aber einflussreichen Gruppe von neuen Visionären sichert, die der evolutionären Herausforderung ins Auge blicken, der sich die menschliche Spezies in diesem historischen Augenblick gegenüber sieht – eine Herausforderung, die sehr wohl auch als moralische Krise bezeichnet werden kann. Wenn auch Moral derzeit nicht das coolste Wort in den postmodernen Empfindsamkeiten unserer Intelligenzija sein mag, ist es doch tröstlich zu wissen, dass es Leute gibt, die dieses ewig heikle Thema auf innovative Weise angehen. Wright ist selbst viel mehr Optimist als ein Prophet des Untergangs; dennoch ist er der Überzeugung, dass eine weltweite moralische Transformation absolut notwendig ist, wenn wir uns eine lebendige und überlebensfähige Zukunft für das 21. Jahrhundert wünschen.
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