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Die Erweckung bewussten Wissens in den Kulturen der Welt


von Duane Elgin
 




Obwohl vielen klar ist, dass ein einzelner Mensch sich seiner selbst bewusst sein kann, denken wir selten darüber nach, ob sich auch eine ganze Gesellschaft ihrer selbst bewusst sein kann. Gewiss, in Augenblicken großer Tragödien oder Triumphe scheint es für Millionen autonomer Individuen möglich zu sein, sich als ein einziges Kollektiv ihrer selbst bewusst zu werden. Als zum Beispiel John F. Kennedy ermordet wurde, trauerte praktisch eine gesamte Nation. Mehrere Tage lang hielt ein ganzes Land inne und gemeinsam nahmen die Menschen von ihrem Präsidenten Abschied.

Ein weiterer Moment solch kollektiv geteilten Wissens ereignete sich bei der ersten Mondlandung. Für einige Stunden unterbrach ein Großteil der Welt seine Routine, um zuzusehen, wie die ersten Menschen den Mond betraten. Und in jüngster Zeit schleuderte der Schock des Terroranschlags auf die Türme des World Trade Centers in New York das Bewusstsein einer ganzen Nation in eine neue Zeit hinein: in eine Zeit kollektiver Achtsamkeit.

Die Kraft all dieser Geschehnisse lag nicht nur in dem individuell erlebten Gefühl der Tragödie oder des Triumphes, sondern auch in dem Bewusstsein, dass diese persönliche Erfahrung gleichzeitig von Millionen und sogar Milliarden anderen Menschen geteilt wurde. Offensichtlich kann eine Kultur sich ihrer selbst bewusst werden, und es kann sich, wie im Beispiel der Mondlandung, fast die gesamte Spezies dessen bewusst sein, dass sie gerade einen historischen Augenblick ihrer Evolution erlebt.

Wir haben nicht nur die Fähigkeit zu kollektivem Bewusstsein, ich glaube vielmehr, dass die Erweckung eines solchen kollektiven Bewusstseins auf der Ebene der Gemeinden, Nationen und des ganzen Planeten lebensnotwendig ist, wenn wir uns für eine positive Zukunft entscheiden wollen. Derzeit entwickelt sich eine Krise des Gesamt-Systems und bedroht die Zukunft der Menschheit durch machtvolle Tendenzen – von globaler Klimaveränderung und instabilem Wirtschaftswachstum bis zu geringerer landwirtschaftlicher Produktivität, dem Versiegen billigen Erdöls, einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, dem Artensterben und einem Zunehmen des Terrorismus. Wenn wir den Aufbau einer stabilen Zukunft sichern wollen, werden wir, die Bürger der entwickelten Länder, in den nächsten Jahrzehnten gezwungen sein, uns dieser Welt zu stellen und unsere Lebens- und Arbeitsweise sowie unser Konsumverhalten tief greifend zu verändern.

Um die Veränderung dieser Verhaltensmuster in Richtung auf eine lebensbejahende Zukunft hin willentlich zu verwirklichen, werden hunderte Millionen von Menschen bewusst miteinander kooperieren müssen. Können wir den Sprung auf diese neue Stufe und Fähigkeit unseres kollektiven Bewusstseins schaffen? Meiner Einschätzung nach absolut ja! Ich glaube daran, dass der Kern unseres Entwicklungspotenzials – weitgehend unbemerkt – in der wissenschaftlichen Bezeichnung zu finden ist, die wir uns selbst als Spezies gegeben haben. Genau genommen lautet unser Name nicht einfach Homo sapiens oder "wissender Mensch", sondern Homo sapiens sapiens, "zweifach wissender Mensch". Mit anderen Worten: Wo Tiere die Fähigkeit haben "zu wissen", haben wir Menschen die Fähigkeit "zu wissen, dass wir wissen".

Individuelles Nachdenken bedeutet, uns im Spiegel unseres Bewusstseins zu betrachten und zu beobachten, wie sich unser Leben entwickelt. Analog dazu bedeutet eine soziale Reflexion, uns im Spiegel des kollektiven Bewusstseins zu betrachten, indem wir Instrumente wie Fernsehen und Internet nutzen. Wenn es erst einmal ein solches authentisches Nachdenken in der Gesellschaft gibt, sind auch ein gemeinsames Verständnis und ein Konsens bei der Arbeitsstrategie für eine stabile Zukunft in Reichweite. Wenn dieses gemeinsame Verständnis vorhanden ist, können Dinge schnell und willentlich getan werden, und jeder von uns kann mit den ihm eigenen Talenten zur Schaffung einer lebensbejahenden Zukunft beitragen.

Wie sollen wir nun erreichen, dass unser kollektives Bewusstsein erwacht? Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass es das Fernsehen war, welches die Menschen befähigte, an den vorhin beschriebenen kollektiven Massen-Erfahrungen teilzuhaben. Wir alle haben durch das Fenster des Fernsehens das Attentat auf Kennedy, die Mondlandung und den Einsturz des World Trade Centers miterlebt. Entscheidend ist dies: Wenn wir praktische Schritte unternehmen wollen, damit unsere Gesellschaft erwacht, müssen sich die Bürger meines Erachtens Gehör verschaffen und selbst zum Entstehen einer reflektierenden und auf ihre Bedürfnisse eingehenden Fernsehumgebung beitragen. Zwar haben sich viele in der "Gemeinschaft des Bewusstseins" angewidert vom Fernsehen abgewandt, aber es ist nun einmal Fakt, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen, in den USA und rund um den Erdball, den größten Teil ihrer Informationen einzig aus dieser Quelle bezieht. An diesem Angelpunkt der Menschheitsgeschichte können wir es uns nicht leisten, eine überaus wichtige Technologie zu missachten, die uns dabei hilft, unser kollektives Bewusstsein zum Ausdruck zu bringen. Statt dessen ist es jetzt Zeit für Programme wie authentische Reality Shows, die eine Zukunft der Klimaveränderung und des Artensterbens in dramatischer Weise darstellen; für Sitcoms, die auf humorvolle Weise das Leben in einem "Öko-Dorf" von rund fünfzig Menschen schildern; nationale interaktive Dialoge, die eine ständige Erörterung zukünftiger Energiegewinnung zum Inhalt haben; oder echte Überlebensshows, die uns das Leben in ärmeren Ländern nahe bringen.

Die Welt befindet sich nun seit mehreren Jahrzehnten im Kommunikationszeitalter, und es ist an der Zeit, dass sich eine breite gesellschaftliche Bewegung und auch die Politik mit dem Medienbewusstsein befassen. Unser Umgang mit diesen wirkungsvollen Technologien hält mit den sich verschlechternden Bedingungen auf unserem Planeten nicht Schritt. Wir sind dabei, das Rennen zwischen Erwachen und Katastrophe zu verlieren. Ich glaube, es ist die wichtigste Herausforderung für diese Generation, die außergewöhnlichen Werkzeuge unserer lokal-globalen Verbindungen zu mobilisieren, um bewusst miteinander über unseren Weg in eine stabile und sinnvolle Zukunft zu kommunizieren. Es ist Zeit, dass sich der Bürger die allen zugänglichen Ätherwellen zurück erobert, um mündige Gespräche über unsere gemeinsame Zukunft zu führen und dafür zu sorgen, dass eine Politik des Bewusstseins entsteht, die unsere Fähigkeit zu kollektiver Reflexion und zum Dialog mobilisiert. Es ist an der Zeit, dass wir in den Kulturen der Welt das bewusste Wissen erwecken.

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