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Eine Volksrevolution der Erleuchtung: die Kabbala


Eine alte Geheimlehre kommt im Kabbalah Centre ganz groß raus
von Maura R. O'Connor
 

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DIE GAR NICHT SO GEHEIMEN GEHEIMLEHREN DES KABBALAH CENTRE

Obwohl das Kabbalah Centre es nicht immer klar ausdrückt, so basiert der Kern seiner Philosophie doch unmittelbar auf den Lehren Yehuda HaLevi Ashlags, Autor der ersten Sohar-Übersetzung und Philip Bergs spiritueller Lehrer. Ashlags erste Schriften leisteten eine außergewöhnliche Pionierarbeit, indem sie zwei grundlegende Kräfte aufzeigten, die im Universum wirken: das Verlangen zu geben und das Verlangen zu empfangen. Der Religionswissenschaftler Boaz Huss schreibt über Ashlag: "Die zentrale Vorstellung seines neuen kabbalistischen Systems ist, dass der Schöpfer, den er als den ewigen ‚Willen zu geben' definiert, in einem komplexen dialektischen Prozess der Emanation einen ‚Willen zu empfangen' schuf–die Zuwendung zu empfangen, die Er schenkt. Die Menschen stehen am Ende dieses Emanationsprozesses mit ihrem rein egoistischen Willen zu empfangen. Aber wenn sie ihre Situation erkennen (und Scham darüber empfinden) können die Menschen ihre Natur verändern und sich bemühen, ihren egoistischen ‚Willen zu empfangen' in einen Gott ähnlichen ‚Willen zu geben' zu transformieren.“

Diese Konzepte sind in vereinfachter Form im Buch von Philip Bergs Sohn Michael The Secret: Unlocking the Source of Joy and Fulfillment (2002) dargestellt. "Der einzige Weg, wahre Freude und Erfüllung zu erlangen ist, ein freigiebiges Wesen zu werden. Nun, nachdem Sie The Secret gelesen haben, mögen Sie sich fragen: Kann die Essenz des Lebens wirklich so einfach sein?“

Für das Kabbalah Centre kann und ist es das. Der entscheidende Punkt in der spirituellen Transformation ist der Moment, in dem wir die Entscheidung treffen, lieber zu geben statt zu nehmen, zum Wohle anderer zu leben, statt nur für uns selbst. Und wie Michael Berg in seinem Buch The Way schreibt: "Wahre Erfüllung, sagt uns die Kabbala, kommt durch Transformation: das heißt, von der Verbindung mit dem Licht des Schöpfers, indem wir unsere Natur und Seine Natur des Teilens und Gebens in ein und diesselbe verwandeln.“ Weiter hinten sagt er: "Das ultimative Ziel jeglichen Handelns ist die Transformation unserer Natur–und indem wir unsere Natur transformieren, transformieren wir die Welt.“

Das Kabbalah Centre bietet eine Lehre an, deren Schwerpunkt darauf liegt, unseren individuellen Egos das Rückgrat zu brechen. Für sie ist das Ego buchstäblich all das, was uns daran hindert, uns mit dem Licht des Schöpfers zu verbinden, und uns somit von unserem persönlichen Gefühl der Erfüllung trennt. "Wenn Ihr Ego aus dem Weg ist, dann gibt es keine Grenzen für das, was Sie erreichen können–Liebe, Geld, Gesundheit, Glück.“ Aber machen Sie sich keine Sorgen, falls das klingt wie aus einem der Selbsthilfebücher, welche die Regale der Buchläden überschwemmen. Michael Berg schreibt: "Kabbala ist mehr als eine persönliche Selbsthilfemethode.“ Und in vielerlei Hinsicht hat er Recht.

Ähnlich der traditionellen Kabbala legt auch das Kabbalah Centre sehr großen Wert auf die ethische Dimension des Lebens–etwas, das in krassem Gegensatz zu der materialistischen selbstsüchtigen Kultur steht, in der wir heute leben. "Wahre Selbsterkenntnis führt unvermeidlich zu ganz spezifischen Folgerungen“, schreibt Michael Berg. "Wir erkennen, dass wir volle Verantwortung dafür übernehmen müssen, wer wir als Menschen sind und wo wir auf unserem Lebensweg stehen.“ Als Yehuda Berg während einer Online-Diskussion zu den Kernwerten der Kabbala befragt wurde, sagte er, es gäbe nur zwei. Der erste: "Übernimm Verantwortung. Für jede Situation, in der wir uns befinden, gibt es einen Grund, auch wenn wir sie uns nicht ausgesucht haben. Entscheidend ist die Frage, wir wir damit umgehen. Der zweite: "Gib niemals anderen Menschen oder äußeren Umständen die Schuld an dem, was in deinem Leben passiert.“

Sogar Madonna sagte vor kurzem treffend und ergreifend: "Als ich begann, die Kabbala zu studieren, habe ich Antworten gefunden. Ich erkannte, dass es auf all meine–guten wie schlechten–Worte und Taten stets eine Reaktion in der Welt gibt. Ich fühlte die Auswirkungen von persönlichem und globalem Karma.“ Es ist etwas zweifellos Bedeutsames an der Tatsache, dass Madonna mit dieser Botschaft hunderttausende Menschen erreicht, und dass viele von ihnen zustimmend mit dem Kopf nicken. Womöglich fällt es dadurch nicht mehr so leicht, den wachsenden Hunger nach Ethik und spiritueller Sinnhaftigkeit in unserer gegenwärtigen Kultur zu ignorieren.

Die traditionelle Kabbala hat natürlich immer den Standpunkt vertreten, dass die Menschen ihre moralischen und spirituellen Zielsetzungen durch die jüdischen Gebote oder Mitzvot verwirklichen sollten. Das Kabbalah Centre hingegen erwähnt die Mitzvot so gut wie nie. Wie auch andere New Age-Bewegungen befürworten sie spezifische Praktiken anstelle von Gesetzen und Dogmen. Dieser Schwerpunkt führt in ihren Zentren zu einer ausgeprägten "Wenn-du-dies-tust-dann-bekommst-du-jenes“-Mentalität.

Eine dieser Praktiken ist das "Scannen“. Die Schüler tasten die Seiten des Sohar mit ihren Augen und Fingern ab, statt sie tatsächlich zu lesen. Oder anders ausgedrückt: Die Schüler müssen weder der hebräischen noch der aramäischen Sprache mächtig sein, um die Weisheit und Kraft der Texte des Sohar zu empfangen. So schreibt das Kabbalah Centre auf seiner Website: "Der Sohar ist in erster Linie ein spirituelles Werkzeug ... Je mehr Sie den Sohar in ihr Leben bringen, desto stärker wird Ihre Verbindung mit dem Licht. Die Kabbalisten sagen, dass allein schon der Aufenthalt in der Präsenz dieser Bücher ein undurchdringliches spirituelles Schutzschild gegen die chaotischen und negativen Kräfte in der Welt kreiert.“

Eine andere Praxis im Kabbalah Centre ist der Gebrauch der "72 Namen Gottes“, eine kabbalistische Tradition, die bereits im 4. Jahrhundert erstmals dokumentiert wurde. In seinem Buch The 72 Names of God: Technology for the Soul [dt. Die 72 Namen Gottes: Eine Technologie für die Seele] schreibt Yehuda Berg: "Wenn man diese drei Kraftquellen nutzt–die drei Buchstaben eines jeden der Namen Gottes–und sie richtig zusammenbringt, dann erlangt man die Fähigkeit, die gesamte eigene Welt zu kontrollieren und positiv zu transformieren.“ Die Lehrer im Center bezeichnen die einzelnen Namen Gottes auch als "Nanoroboter“, und ihre transformativen Auswirkungen auf die Seele als eine Art "Nanotechnologie“.

Für Gegner des Kabbalah Centre sind Praktiken wie diese besonders umstritten. Kritiker machen darauf aufmerksam, dass sie nicht nur sehr wenig ernsthafte Verpflichtung abverlangen ("jeder kann einen Sohar kaufen“), sondern auch ihre ursprünglichen kabbalistischen Quellen ins Lächerliche ziehen. Andere Praktiken, wie zum Beispiel das Tragen eines roten Bändchens am Handgelenk zur Abwehr des bösen Blicks, erscheinen in der Tat, zumindest dem Uneingeweihten, als hoffnungslos naiv. Und das wären sie natürlich auch: Diese Praxis, das rote Bändchen zu tragen, entstammt einer mittelalterlichen Kultur des Aberglaubens und der Magie, als man glaubte, dass böse Dämonen und übernatürliche Geister buchstäblich über die Erde streiften.

Aber es gibt noch eine zweite Seite, welche die Kritiker oft allzu voreilig übersehen: Diese Praktiken scheinen zu wirken. Das Tragen eines roten Bändchens oder das Meditieren auf einen der Namen Gottes scheint die Absicht und Entschlossenheit der Schüler des Kabbalah Centre zu stärken und echte transformative Ergebnisse zu bewirken. Ich sprach mit dem Kabbala-Gelehrten und Autor Daniel C. Matt über diese Beobachtung. "Das ist wirklich verblüffend“, stimmte er zu. "Das Ganze mag sicher eine dubiose Seite haben, aber von den Menschen, die ihren Weg durch das Kabbalah Centre gegangen sind, wurden viele transformiert. Offensichtlich gibt es dabei ein ganzes Spektrum, aber die positive Seite dieses Spektrums ist phänomenal.“

Das Kabbalah Centre scheint in Tausenden seiner Schüler positive Veränderungen hervorzubringen, aber interessanterweise betonen sie, dass dies nicht das ultimative Ziel ist. "Wenn schlussendlich eine ausreichend große Anzahl Menschen Erfüllung durch die Methoden der Kabbala gefunden hat, wird eine kollektive Transformation beginnen, die dem Chaos und Leid, die seit Adams Sünde der Menschheit Los waren, ein Ende setzen wird.“ (Hervorhebung von mir). Diese Art von utopischer oder messianischer Vision zieht sich durch viele Bücher des Kabbalah Centre. "Zwangsläufig wird es zum Weltfrieden kommen. Das ist unsere Bestimmung. Wie wir an dieses endgültige Ziel gelangen, hängt ganz und gar von uns ab“, steht in ihnen geschrieben.

Ein Aspekt unseres zukünftigen Utopia wird, Philip Berg zufolge, die vollständige Vernichtung des Todes sein. In seinem Buch Immortality [Unsterblichkeit] schreibt er: "In der kabbalistischen Lehre gehört zu dem ‚Ende der Tage'–das ist unsere gegenwärtige Ära–auch der endgültige Todesstoß gegen die negativen Energien des physischen Körpers, wodurch der Engel des Todes höchstselbst zu Tode kommt. Dieses Ereignis kann durch spirituelle Entwicklung auf individueller Basis, aber auch global herbeigeführt werden, indem unter den Bewohnern der Erde eine kritische Masse an spiritueller Transformation und Erleuchtung erreicht wird.“

Historisch gesehen könnte man die Beziehung der Kabbala zu dem jüdischen Konzept eines zukünftigen Messias als ein stetes Auf und Ab bezeichnen. Die Sabbatianismus-Bewegung im späten 17. Jahrhundert war durch die Behauptung angeheizt worden, dass der Messias, ein Kabbalist namens Sabbatai Zevi, auf der Erde erschienen wäre. Diese Bewegung endete nach nur einem Jahr mit einem Desaster, als Zevi zum Islam konvertierte. Es war zum Teil die Folge dieses Fiasko, dass messianische Ideen in kabbalistischen Schulen und Texten oftmals abgeschwächt wurden. Nicht so im Kabbalah Centre.

In Education of a Kabbalist schreibt Philip Berg: "Nur die Kabbala kann den Messias hervorbringen, und nur die Kabbala kann Frieden bringen.“ Ich fragte Yehuda Berg während eines Interviews im New Yorker Zentrum: "Basiert das Konzept des Kabbalah Centre von einem Messias auf der traditionellen Vorstellung, dass ein einzelner Erlöser uns irgendwann in der Zukunft retten wird?“ "Nein, ganz und gar nicht“, sagte er, "Messias nennen wir eine kritische Masse von Menschen, die erleuchtet sind. Das ist es, was wir mit dem Kabbalah Centre erreichen wollen: eine kritische Masse von Positivität und Erleuchtung, die das Universum transformieren wird. Wenn zwei Menschen erleuchtet sind, geschieht keine große Veränderung. Aber was wäre, wenn eine Milliarde Menschen erleuchtet wäre?“ Er lies diese Frage zwischen uns wirken, ehe er fortfuhr. "Wenn eine Milliarde Menschen erleuchtet ist, dann wird es eine große Veränderung geben. Dann wird es zu einer Veränderung im globalen Bewusstsein kommen.“

Philip Berg schreibt dieses Konzept des Messias seinem spirituellen Lehrer Yehuda Zvi Brandwein zu. "Nach Rabbi Brandweins Ansicht“, so Berg, "besteht der Unterschied zwischen dieser Generation und allen vorhergehenden darin, dass jetzt alle–nicht nur die privilegierten oder außergewöhnlichen Menschen–daran mitwirken werden, den Messias herbeizuführen.“



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