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Wie kann man sterben, wenn man bewusst ist?


Ein Interview mit einem modernen taoistischen Meister
von Andrew Cohen
 

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Peter Ragnar

Ich habe mich oft gefragt, wie es wohl aussehen würde, wenn jemand wie Jack LaLanne oder Anthony Robbins–die ich immer für ihren unbezwingbaren Geist, ihre unglaubliche Selbstdisziplin und ihre Lebensfreude bewundert habe–erleuchtet werden würde. Ich glaube, als ich Peter Ragnar entdeckte, fand ich es heraus.

Dieser erstaunliche Peter Ragnar ist ein moderner Schamane, taoistischer Zauberer, Wissenschaftler des natürlichen Lebens und Meister des Selbst par excellence. Er lebt mit seiner Frau in den Bergen von Tennessee, bezeichnet sich als einen "älteren Bürger", lehnt es aber ab, sein Alter zu verraten, weil er "nicht daran glaubt". An sieben Tagen der Woche absolviert er ein anstrengendes zweistündiges Krafttraining, und vollbringt wahrlich rekordverdächtige Leistungen. Seit mehr als 50 Jahren praktiziert er asiatische Kampfkunst und entwickelte das "Magnetic Qi Gong", seine eigene Version taoistischer Energiearbeit, von der er behauptet, dass sie der Schlüssel zur Unsterblichkeit sei. Er hat die Fähigkeit zu heilen und ist berühmt für seine Hellsichtigkeit und seine telepathischen Fähigkeiten. Er hält eine strenge Diät, bestehend aus Rohkost und Säften, und erforscht schon sein ganzes Leben lang die Beziehung zwischen Körper und Geist auf allen Ebenen. Seine bemerkenswerteste Errungenschaft jedoch ist sein profundes Erwachen zu einer energetischen Dimension des Lebens, dem "bioelektromagnetischen Feld". Zwar haben viele von dieser Dimension der Wirklichkeit und Erfahrung bereits gehört, doch für Peter ist sie eine Welt, in der er tatsächlich lebt.

Dies alles vorausgeschickt, ist Peters überzeugendste und inspirierendste Botschaft sein unerschütterlicher und leidenschaftlicher Aufruf zur Meisterung des Selbst, basierend auf der unnachgiebigen Kultivierung der Absicht. Dieses grundlegende Element seiner Lehre ist eindeutig ein zeitgemäßer Ausdruck der großen amerikanischen New Thought Tradition, welche im frühen 20. Jahrhundert von Napoleon Hill, dem Autor des absoluten Rekord-Bestsellers Denke nach und werde reich verfochten wurde und später von Norman Vincent Peale, der für seinen weithin gefeierten Klassiker der Inspirationsliteratur Die Kraft des positiven Denkens bekannt ist. Hill schrieb 1937: "Was sich auch immer der menschliche Verstand ausdenken kann, das kann er erreichen." Am Beginn des neuen Jahrtausends beweist Peter Ragnar, dass diese Aussage nach wie vor zutrifft!

Andrew Cohen: Peter, wie kommen Sie zu der Ansicht, dass es für einen Menschen keinen erklärbaren Grund gibt, warum er sterben sollte, außer seinem Glauben an den Tod?

Peter Ragnar: Weil ich glaube, dass wir, je nach dem Grad unserer Bewusstheit, letztliche Kontrolle darüber haben. Wenn wir bewusst genug sind, dann können wir alles in unserem Körper geschehen lassen. Wir können ihn erhalten, wir können ihn aber auch töten.

Es lässt sich leicht erkennen, wie Leute ihren Körper mit ihren Gedanken töten–es ist das Produkt ihrer Unbewusstheit gegenüber Ursachen und Wirkungen. Wenn wir uns unserer Gedanken bewusst sind–ich meine bewusst auf erleuchtetem Niveau–, dann befruchten jene Gedanken die Zellstruktur unseres Körpers in einer Weise, die sehr, sehr schwer zu erklären ist. Wenn man Lebenskraft im Überfluss in sich hat, dann strömt sie aus den Augen heraus und strahlt als Hitze, als heilende Hitze, aus den Handflächen. Man strahlt, als ob man die Sonne verschluckt hätte, man ist anders. Nun, wenn man diese Art von dynamischer mächtiger Energie in sich trägt–wie kann man da sterben?

Cohen: Eine interessante Frage!

Ragnar: Das ist natürlich nur eine Arbeitshypothese. Aber je mehr Leben das Energiesystem unseres Körpers durchströmt, desto lebendiger sind wir. Das Leben ist nicht der Tod; Leben ist das Gegenteil von Tod. Es geht also darum, das Leben begeistert anzunehmen. Wie viele Leute tun das mit jedem Gedanken und jeder Tätigkeit und jeder Entscheidung, die sie treffen? Nur sehr, sehr wenige.

Sehen Sie, wir wurden dazu konditioniert, an den Tod zu glauben. Von unserem ersten Atemzug an empfinden wir das Leben als einen Marsch von der Gebärmutter zum Grab.

Cohen: (lacht) Nun, es scheint, als würde alles im Universum, das geboren wurde und eine physische Form annimmt, einen Reifungsprozess durchlaufen, um schließlich zu degenerieren und zu zerfallen.

Ragnar: Das ist richtig. Aber lassen Sie uns das mal vom Standpunkt einer Raupe betrachten, die zum Schmetterling wird. Andrew, kommen Schmetterlinge aus deformierten Kokons, oder kommen sie aus Kokons, die vollkommen ausgereift und perfekt sind?

Cohen: Aus Kokons, die vollkommen ausgereift und perfekt sind.

Ragnar: Genau! Deshalb meine ich, wir sollten uns mit aller Macht bemühen, ein vollkommenes Leben zu erschaffen, vollkommen ausgereifte Menschen zu werden und dann zu schauen, ob wir fliegen können. Nun, vielleicht gelingt es uns nicht, ich kann mich irren. Aber wir sollten bestrebt sein, ein vollkommener Mensch zu werden.

Das mag ziemlich egoistisch klingen. Die Leute könnten sagen: "Oh nein, gib einfach auf, und tu nichts. Du bemühst dich zu sehr." Aber das ist kein Bemühen–das ist unsere Evolution. Unsere Evolution ist, in allem, was wir tun, immer besser zu werden. Die besten Jahre meiner athletischen Fähigkeiten liegen nach Expertenansicht längst hinter mir, und doch gelingt es mir, meine persönlichen Bestleistungen immer wieder zu überbieten. Ich glaube nicht an das Alter; ich bin ohne Alter. Aber ich sage, dass ich zu den älteren Bürgern zähle, ich gehöre einer Generation an, die vor den geburtenstarken Jahrgängen Mitte des letzten Jahrhunderts auf die Welt kam. Und immer noch breche ich Rekorde, zu denen ich nicht fähig gewesen wäre, als ich zwanzig oder dreißig Jahre als war.–Warum? Weil ich nicht an Begrenzungen glaube. Und weil ich nicht an sie glaube, bin ich frei. Ich bin frei, alles zu tun, was ich tun möchte. Wenn ich Weltrekorde brechen möchte, kann ich Weltrekorde brechen–wenn es das ist, was wichtig ist.

Cohen: Was Sie offenbar sagen wollen ist: "Lasst uns jede Anstrengung unternehmen, all unsere uns selbstbegrenzenden Gedanken zu überwinden, all unsere Überzeugungen von emotionaler, psychologischer, geistiger und körperlicher Begrenzung. Lasst uns zuerst herauszufinden versuchen–zumindest, soweit wir uns das als Menschen vorstellen können–, was eine vollkommen erfüllte und absolut positive, begeisterte Annahme der menschlichen Erfahrung ist. Und lasst uns dann schauen, wie das Ergebnis auf allen Ebenen, einschließlich der physischen, aussehen wird." Ist es das, was Sie meinen?

Ragnar: Absolut! Besser kann man es nicht ausdrücken.

Cohen: So, folglich meinen Sie nicht wirklich, dass Sie ewig leben werden, wenn Sie sich bemühen, ein vollkommenes Leben zu leben. Aber da Sie nicht genau wissen, wie lange Sie leben werden, wenn Sie sich um das vollkommene Leben bemühen, sagen Sie: "Lasst es uns herausfinden."–Etwas in der Art?

Ragnar: Genau! Lasst es uns herausfinden. Es ist eine Arbeitshypothese. Lasst uns herausfinden, ob dieses Leben auf achtzig bis neunzig Jahre, oder siebzig bis achtzig Jahre befristet ist, wie auch immer die Gerontologen das einschätzen mögen–oder ob es unbefristet ist und man solange leben kann, wie man in diesem Bewusstseinsraum ist. Wenn man das "vollkommene Leben" leben kann, wie hoch würde dann wohl die Lebenserwartung sein?

Cohen: Was würde es denn bedeuten, ein vollkommenes Leben zu leben?

Ragnar: Nun, zuallererst würde es frei von allen begrenzenden Überzeugungen sein, weil wir keine begrenzten Geschöpfe sind, es sei denn, wir glauben, dass wir begrenzt sind. Und wie nun lassen wir alle Begrenzungen fallen? Indem wir bewusster werden. Indem wir unserem physischen Organismus mehr bewusste Energie und Lebenskraft zukommen lassen, bis wir ihn buchstäblich glühen sehen–wir sehen ihn im Dunkeln glühen.

Cohen: Peter, was ist diese Lebenskraft? Woher kommt sie?

Ragnar: Ich wünschte, ich wüsste es. Die chinesischen Taoisten nennen es Chi, und viele Leute verweisen darauf. Aber das sind nur Worte. Es ist eine Oszillation, die physikalisch absolut messbar ist. Bis zu dem Grad, an dem dein Körper mit dieser Schwingung oszilliert, kann das gemessen werden. Aber was das ist ... sie streiten sich doch sogar noch darüber, was Elektrizität eigentlich ist! Wir wissen, wie man sie erzeugt, aber wir wissen nicht, was sie ist.

Wann immer man ein elektrisches Feld hat, geht damit auch ein magnetisches einher. Man kann also nicht wirklich über Elektrizität reden, ohne auch den Magnetismus zu erwähnen. Aber was steckt dahinter? Man hat entdeckt, dass das kleinste Quantum Energie möglicherweise das ist, was als Chi bezeichnet wird. Es ist die Oszillation von etwas, das ein bioelektromagnetisches Feld verströmt. Je stärker das bioelektromagnetische Feld ist, desto vitaler ist das Individuum, desto mehr Lebenskraft hat es. Und selbstverständlich sieht man es an der Elektrizität in den Augen, man hört es an der Stimme, man sieht es an der Art, wie spontan und fließend die Körperbewegungen sind, man sieht es an der Körperhaltung. Ich weiß nicht, was es ist. Alles, was ich weiß, ist, dass ich das bin.

Cohen: Sie unterscheiden, glaube ich, zwischen pränatalem und postnatalem Chi. Würden Sie bitte erläutern, was der Unterschied zwischen beiden ist?

Ragnar: Grundsätzlich kommen wir mit einer Batterie in dieses Leben, die eine bestimmte Menge Saft enthält. Diesen bezeichne ich als das pränatale Chi. Wenn man nun nichts tut, während man mit eingeschalteten Scheinwerfern und laufendem Radio fährt, macht die Batterie früher oder später–je nachdem, wie groß die Belastung war–schlapp. Das ist im Allgemeinen nach siebzig bis achtzig Jahren. Wir haben also eine Batterie, die wenigstens so lange halten sollte. Wenn man die Batterie jedoch über Nacht wieder auflädt, dann ist kein Ende in Sicht. Das ist das postnatale Chi. Ich habe ein Konzept, welches besagt: Wenn man beim Zubettgehen mehr Energie als beim Aufwachen hat, dann hat man die ganze Nacht über das Ladegerät an.–Das ist das Geheimnis des Lebens. So einfach ist das.



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WIE Ausgabe 18:
Unsere Ausgabe zum Thema Unsterblichkeit


Mit weiteren Artikeln von: Ray Kurzweil, Jakob von Uexküll, Cheri Huber, Ken Wilber & Andrew Cohen, Pierre Teilhard de Chardin



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