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Filmemacherin Lesley Ann Patten versucht, mit Dzongsar Rinpoche,
ihrem tibetisch-buddhistischen Guru ins Reine zu kommen – dem Mann,
den sie beauftragt hat, sie zu "ermorden".
In allen mystischen Traditionen gilt der erleuchtete Lehrer seit Jahrtausenden als heiliger Gral der spirituellen Suche. "Durch die Segnungen und die Güte des Gurus können die Erkenntnis der Leere und der Einheit von Samsara und Nirwana umgehend erlangt werden", heißt es im Chakrasamvara-Tantra. Tatsächlich sind Geschichte und menschliches Bewusstsein von beinahe mythischen Beschreibungen spiritueller Meister durchdrungen, die vielen Menschen den Zugang zu erhabenen und transzendenten Bereichen ermöglichten. Und im Verein mit solchen großen Lehrern wurden Schüler oft selbst legendär; denn das so genannte "Guru-Prinzip" setzte eine so mächtige Kraft der Läuterung und Liebe in Gang, dass die Schüler unwiderruflich transformiert wurden. Erstaunlicherweise ist die ehrwürdige Tradition der Lehrer-Schüler-Beziehung in der säkularen Gesellschaft wieder in Erscheinung getreten, inmitten der neu gefundenen Freiheiten und des kulturellen Pluralismus der postmodernen Welt. Sie begann in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit einem stetigen Strom asiatischer Lehrer in den Westen. Damit wandte sich eine ganze Generation westlicher Sucher, ungeachtet ihrer eigenen religiösen und kulturellen Herkunft, den von diesen Lehrern mitgeführten mittelalterlichen Gebräuchen Tibets, Chinas oder Indiens zu – unbekannte farbenfreudige Systeme der Überlieferung für das erleuchtete Bewusstsein. Diese Gurus wurden selbst zum Gegenstand starker Anziehung, denn sie schienen wunderbarer, lebendiger Ausdruck von Weisheit, Mitgefühl, Liebe und eines erleuchteten Gewahrseins zu sein. Dennoch wandelte sich die Geschichte von Gurus aus dem Osten und Schülern aus dem Westen oft von einer anfänglich idyllischen Liebesgeschichte in den "steinigen Pfad der Ehe". Belastet mit der Schwierigkeit, in einer Zeit zunehmender psychologischer und sozialer Komplexität einen breiten kulturellen Graben überbrücken zu müssen, gerät die gemeinsame Reise des spirituellen Schülers und des östlichen Lehrers zu einem besonders herausfordernden Unternehmen. Dieses Dilemma, das Dilemma des spirituellen Suchers wie auch des Gurus der heutigen Zeit, hat Lesley Ann Patten in Words of My Perfect Teacher (Die Worte meines vollkommenen Lehrers), ihrem in Kinolänge gedrehten Film, vorzüglich eingefangen. Der Streifen ist ein kraftvolles und beeindruckendes Portrait der kulturellen, psychologischen und spirituellen Probleme von vielen, die durch die Verheißung von Transzendenz und die Lehrer und ihre Lehren aus dem Osten angezogen wurden. Er wirft die Frage auf, ob es einem traditionellen Guru in der Welt des 21. Jahrhunderts möglich ist, Sucher zu ihrem eigenen wahren Herzen zu erwecken und Erleuchtung zu katalysieren. Als Schülerin des ehrwürdigen tibetisch-buddhistischen Lamas Dzongsar Jamyang Khyentse Rinpoche dokumentiert Patten die Chronik ihrer eigenen spirituellen, interkontinentalen Odyssee, während sie zusammen mit zwei weiteren Westlern Dzongsar über den ganzen Erdball nachreist. Sie folgt ihm in der Hoffnung nach Erfüllung ihres lebenslangen Sehnens nach Erleuchtung – genau genommen hofft sie, dass er ihr "perfekter Lehrer" ist. Pattens Film wurde in Großbritannien, Kanada, USA, Deutschland und Dzongars Heimat Bhutan gedreht: ein farbenfreudiges Portrait ihrer spirituellen Suche, teils autobiografisch, teils Reisetagebuch. Es ist aus ihrem Bemühen erwachsen, mit ihrer eigenen ambivalenten Haltung zu der Lehrer-Schüler-Beziehung sowie der Ambivalenz zu diesem rätselhaften und ungreifbaren tibetischen "Jetset Lama", zurande zu kommen. In unvergleichlicher Weise macht dieser Lehrer einen ständigen Spagat zwischen Ost und West, wovon sie sich abwechselnd inspiriert oder zur Verzweiflung gebracht fühlt. Patten beginnt den Film mit der Geschichte von Buddhas Erwachen und erklärt, weshalb im Buddhismus der Lehrer so wichtig ist: "Der Buddha sagte, dass Erleuchtung innerhalb der Spanne eines Lebens oder über viele Leben hinweg realisiert werden kann. Es ist das Geburtsrecht eines jeden menschlichen Wesens – aber man braucht einen Lehrer, um es zur Vervollkommnung zu bringen." Die Vergegenwärtigung dieses zentralen Grundsatzes begleiten Aufnahmen von der ruhigen Berglandschaft Bhutans, gefolgt von Bildersequenzen: Big Ben in London, die Gesichter bhutanischer Jungen bei einer buddhistischen Zeremonie, das Gedränge auf den Straßen einer Großstadt zur Hauptverkehrszeit, ihre Reisegefährten, die sorgfältig gefalteten Hände tibetischer Mönche bei einem buddhistischen Ritual, Ballspiele in den Straßen von Los Angeles, dann Dzongsar selbst. Diese erste Abfolge von Bildern ist eine filmische Ouvertüre für das, was kommen wird; eine Nachahmung der Postmoderne als globale Odyssee, worin episodische Vignetten von Ländern, Kulturen, Freunden, Familie und dem verehrten Lehrer zwischen Ost und West hin und her wechseln – den zwei Welten, in denen Dzongsar lebt und die Patten als Dzongsars Schülerin versucht miteinander zu versöhnen. Wie viele ihrer Generation war Patten seit ihrer Jugend von einer eigenartigen Unzufriedenheit und Isolation getrieben und empfand eine Ahnung einer höheren und tiefgründigeren Möglichkeit jenseits ihrer familiären und kulturellen Lebensumstände. "Als Kind flüchtete ich mich in Geschichten von fremden Ländern. Ich sehnte mich nach einem außergewöhnlichen Lehrer, dem Merlin, der mir dabei helfen könnte, das sagenumwobene Schwert aus dem Stein zu ziehen." Ihr spirituelles Sehnen fand schließlich seine würdige Entsprechung in Dzongsar Rinpoche, der eine "merkwürdige Anziehung" ausstrahlte und dessen Hintergrund eindeutig "nicht gewöhnlich" war. Und obwohl sie sich leidenschaftlich zu ihm als einem Helfer hingezogen fühlte, um ihren Hunger nach einer transzendenten Wirklichkeit zu erfüllen, offenbart der Film letztlich den häufigen, immerwährenden Kampf im Kopf und Herzen des spirituellen Suchers – den Kampf zwischen dem, was der Unterwerfung an den Lehrer leidenschaftlich widersteht, und dem, was zutiefst erkennt, dass ein lebenslanges Streben nach Erleuchtung erst durch Hingabe und Vertrauen fruchtbar wird. Dzongsar Rinpoche ist wirklich kein "gewöhnlicher Mensch". Er wurde in eine traditionelle feudale Kultur hineingeboren und als Inkarnation einer der bewundertsten tibetisch-buddhistischen Lehrer der vorangegangenen zwei Jahrhunderte anerkannt. Aufgewachsen in einer Familie von hervorragenden Meistern des Vajrayana-Buddhismus ist er der Erbe einer erhabenen Linie, die auf der unlösbaren Beziehung zwischen Erleuchtung und dem lebenden erwachten Meister beruht, dem Offenbarer des unbeschreiblichen und einzigartigen Zustands der Freiheit. Wie Patten erklärt, wurde die Vajrayana-Tradition im 8. Jahrhundert durch den großen buddhistischen Heiligen Padmasambhava von Indien nach Tibet gebracht. Sie legt den Schwerpunkt auf den "Lehrer, der den Weg aufzeigt, als wichtigsten Bezugspunkt für den Schüler, ... der alle notwendigen Mittel [verwendet], die den Schülern helfen, zu ihrer inneren Weisheit und zu Mitgefühl zu erwachen." "Die Wahrheit hierbei ist", so schrieb Dzongsar, "dass der Guru alle Eigenschaften des Buddhas hat. Er ist der Buddha; er ist der Dharma; er ist die Sangha; er ist alles." Aber Pattens Film zeigt deutlich, dass es besonders schwierig ist, dieses mythische Ideal zu übernehmen, wenn man in die Lebensumstände unserer Gegenwart hineingeboren wird, in der sehr viele der traditionellen Hierarchie- und Autoritätsstrukturen, spirituelle Autorität eingeschlossen, einer Kultur gewichen sind, die selbstbewusste Unabhängigkeit zum geheiligten Wert erhebt. Ihr Film macht auch eine erstaunliche Widersprüchlichkeit in der Psychologie der Postmoderne deutlich, die als Kehrseite des auf die Spitze getriebenen Individualismus oft Zweifel, Misstrauen und einen schwachen Glauben sowie eine unterschwellige Verflechtung mit der für unsere Zeit so spezifischen vagen Unzufriedenheit aufweist.
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