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Eines der schwierigsten Dinge im Leben eines Menschen ist es, in der Lage zu sein, klar zu sehen, die Dinge so sehen zu können, wie sie sind. Und nach vielen Jahren ununterbrochener Lehrtätigkeit kann ich mit Überzeugung sagen, daß es genau das ist, nämlich die Fähigkeit, klar zu sehen, womit auch die ernsthaftesten Sucher ständig zu kämpfen haben. Illusion Lehrer, die Erleuchtung lehren, verwenden oft das Wort "Illusion". Sie sagen uns immer wieder, daß das, was wir sehen, nicht real ist. Das kann schwer zu verstehen sein. Es kann in der Tat sehr verwirrend sein, wenn uns gesagt wird, daß wir die Dinge nicht so sehen, wie sie sind, und mehr noch, daß das meiste von dem, was wir wahrnehmen, tatsächlich eine Täuschung ist. Unnötig zu sagen, daß es uns sehr verängstigen und sogar Furcht einflößen könnte, wenn es sich tatsächlich herausstellen würde, daß wir die Dinge nicht so sehen, wie sie sind. So etwas könnte uns zu Tode erschrecken. Was bedeutet das Wort "Illusion" eigentlich, wenn von Erleuchtung die Rede ist? Was heißt es, wenn uns Lehrer, die Erleuchtung lehren, sagen, daß wir nicht klar sehen? Was heißt es, wenn sie uns sagen, daß das, was wir wahrnehmen, in den häufigsten Fällen nicht so ist, wie es scheint? Wenn etwas illusorisch ist, dann bedeutet das, daß es buchstäblich nicht existiert. Es bedeutet, daß das, was wir wahrnehmen, keine eigene unabhängige Existenz hat. Es bedeutet, daß die Erfahrungen, die wir machen, außer in unserem Verstand und dem Bereich unserer Sinneswahrnehmung nicht existent sind. Es bedeutet also, daß unsere Erfahrung etwas ist, was wir mit unserem eigenen Verstand erschaffen und dann auf die Welt um uns herum projizieren. Ich habe festgestellt, daß die meisten von uns - wenn wir uns dessen auch selten bewußt sind - einen großen Teil ihres Lebens von den eigenen psychologischen und sinnlichen Erfahrungen abgelenkt sind und sich in etwas verlieren, das außerhalb unserer eigenen inneren Erlebniswelt keine eigenständige Realität hat. Das bedeutet, daß der Großteil der Erfahrungen, die viele von uns machen, keine objektive Realität besitzt. Es ist etwas, das wir selbst erschaffen. Was mich meine eigene Erfahrung hierzu gelehrt hat, ist eigentlich ganz einfach, aber gleichzeitig auch eine sehr knifflige Angelegenheit. Das, was diese fast ununterbrochene Illusion, was diesen irrealen Strom von Gedanken und Sinneswahrnehmungen entstehen läßt, ist das endlose Verlangen, das unaufhörliche Begehren nach persönlicher Befriedigung. Einigen mag das offensichtlich erscheinen, dennoch sind die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, unvorstellbar tiefgehend. Begehren Um die Tragweite dessen, worüber ich spreche, zu verstehen, ist es notwendig, daß wir sehr tief in unsere eigene Erfahrung hineinschauen. Sehen Sie, die Erfahrung von vollkommenem Frieden, vollkommenem Glück ergibt sich aus dem Erlöschen des endlosen Verlangens nach etwas für sich selbst - dem endlosen, unaufhörlichen Begehren, nur für sich selbst haben zu wollen. Und wenn wir es wagen, tief in unsere eigene Erfahrung hineinzuschauen, dann werden wir feststellen, sowenig unser Ego es zugeben will, daß die Zeiten in unserem Leben, in denen wir das größte Glück erlebt haben, das heißt das tiefste Gefühl von Frieden, in Wahrheit die Augenblicke gewesen sind, in denen wir aufgehört haben zu begehren - wenn wir aus dem einen oder anderen Grund, und es ist ganz egal warum, von absolut nichts und niemandem in der Welt etwas haben wollten. Natürlich scheint es in der Welt, in der wir leben - in der Welt des Ego und des getrennten persönlichen Selbst - widersinnig zu sein, Glück mit Nichts-Wollen gleichzusetzen. In der Welt des Ego und der Persönlichkeit ruft gerade das Haben-Wollen - dieses und jenes haben zu wollen - Erregung, Vorfreude und intensive Sehnsucht hervor. Es ist wichtig, sich der Tatsache bewußt zu werden, daß wir gewöhnlich dann, wenn wir etwas oder jemanden begehren, uns selbst als intensiv lebendig erfahren, denn genau dann fühlen wir uns mit dem Drang in uns verbunden, haben zu wollen. Und dieses Begehren, dieser Drang, haben zu wollen, wird von der Persönlichkeit und dem Ego als etwas Positives erlebt. Er wird als eine sehr gute Sache erlebt. "Ich will für mich. Das will ich für mich selbst." Wenn wir an die Sache denken, an der wir gerade interessiert sind, wie wunderbar die Sache ist, an der wir gerade interessiert sind - ein neues Haus, ein neues Auto - dann erregt uns das. Und diese freudige Erregung verzerrt unsere Wahrnehmung. Es ist einfacher, der emotionalen Bedeutung dessen, wovon ich spreche, näher zu kommen, wenn wir uns ansehen, was es bedeutet, einen anderen Menschen zu begehren. Wenn wir starkes Verlangen nach einem anderen Menschen empfinden, dann sehen wir, inmitten dieses intensiven Begehrens, in dieser Person unendlich viel mehr, als sie tatsächlich ist. Wenn wir uns zum Beispiel heftig verlieben, empfinden wir bereits die bloße Gegenwart der anderen Person als berauschend. Sie nur zu sehen ist wie Hypnose. Aber das Interessante daran ist, daß es unmöglich zu sein scheint, denselben Rausch aufrechtzuerhalten, sobald wir die Person näher kennenlernen. Wir finden sie dann vielleicht immer noch attraktiv, wir verspüren dann vielleicht noch immer eine ungeheuer starke Zuneigung zu ihr, aber dieses gewisse Etwas, dieser Zauber, ist vergangen. Wenn du nun ein neues Auto haben möchtest, wenn du wirklich eines haben möchtest und den Entschluß gefaßt hast, daß du ein bestimmtes Auto kaufen möchtest, dann fängst du an, ziemlich viel an dieses Auto zu denken. Und wenn du das Auto siehst, wirst du freudig erregt sein. Du wirst dann alles daran lieben. Nur es anzusehen wird dir bereits ein ganz eigenes Gefühl vermitteln. Und wenn du an den Augenblick denkst, in dem du das Auto tatsächlich kaufen wirst, wird die freudige Erregung noch größer. Es ist sehr interessant zu sehen, daß es von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet gar keinen so großen Unterschied macht, ob man sich in jemanden verliebt oder ob man unbedingt ein neues Auto kaufen möchte. Was ich hier zu beschreiben versuche, ist, daß bestimmte Objekte im Bewußtsein oft mehr zu sein scheinen, als sie tatsächlich sind. Und wenn bestimmte Objekte im Bewußtsein mehr zu sein scheinen, als sie tatsächlich sind, dann bedeutet das, daß wir mehr sehen, als wirklich da ist. Wir sehen das Auto, wir sehen die Person, die wir besitzen möchten, da aber beides Objekte unseres Verlangens sind, sehen wir mehr, als tatsächlich vorhanden ist. Und dieses Mehr, das wir sehen, hat sehr wenig mit dem Objekt selbst zu tun. Es hat sehr wenig mit dem Auto zu tun und sehr wenig mit der attraktiven Person. Wenn wir genau genug hinschauen, werden wir selbst feststellen, daß dieses Mehr, das wir sehen, nur unserer Vorstellung entspringt. Das, was wir uns vorstellen, fügen wir dem Bild hinzu. Und das, was wir hinzufügen, ist für uns ein Nervenkitzel und läßt unser Herz ein wenig schneller schlagen. Sehen Sie, wir können ein Jahr lang an dem neuen Auto in diesem Schaufenster vorbeigehen. Aber dann, eines Tages - bum! - passiert etwas. Plötzlich stellen wir fest, daß wir es anders sehen. Jedes Mal, wenn wir jetzt stehenbleiben und das neue Auto anschauen, hat es eine tiefe Wirkung auf unseren Verstand und unsere Sinne. Es ist aufregend. Das Auto nur anzuschauen ist schon ein sinnliches Erlebnis. Da ist etwas Erregendes dabei. Vorher haben wir es gar nicht bemerkt, aber jetzt ist etwas in uns passiert, und dieses Auto ist etwas ganz Besonderes geworden. Dasselbe gilt für Menschen. Man sieht jemanden vielleicht jeden Tag, und dann plötzlich, in einem einzigen Moment, kann etwas geschehen. Es ist genau derselbe Mensch, aber jetzt ist alles anders. Noch einmal, es ist sehr aufschlußreich, daß von einem bestimmten Gesichtspunkt aus betrachtet die Erfahrung mit dem Auto und die Erfahrung mit dem Menschen nicht so verschieden sind. Wie ich sagte, bedeutet Illusion, daß wir etwas mit unserem Verstand und unseren Sinnen erleben, das in Wirklichkeit nicht existiert, das keine eigene unabhängige Existenz besitzt. Wir erschaffen es. Wir sehen das Auto nicht so, wie es tatsächlich ist, wir sehen die Person nicht so, wie sie tatsächlich ist, sondern wir sehen das Auto oder den Menschen plus unserer eigenen Vorstellung, unserer eigenen Phantasie. Es ist überaus wichtig, daß wir das verstehen.
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