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Sally und Jade

 

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Interview

Drei Jahre lang hatte Barry Long in seiner Rolle als Tantra-Meister körperliche Beziehungen zu fünf Frauen. Wir fragten ihn, ob wir eine seiner Tantra-Gefährtinnen interviewen dürften, um aus erster Hand zu erfahren, was es bedeutet, eine sexuelle Beziehung zu einem lebenden Tantra-Meister zu haben. Barry lehnte zwar unsere Bitte ab, direkt mit einer der Frauen zu sprechen, sagte aber, daß er gerne unsere Fragen an zwei von ihnen weiterleiten würde, und daß diese beiden Frauen dann schriftlich antworten würden. Aus ihren Worten spricht die Kraft seiner Lehre für sich selbst.

FRAGE: Sie hatten ein sexuelles Verhältnis zu einem spirituellen Lehrer, der sich selbst als "westlichen Tantra-Meister" beschreibt. Inwiefern unterscheidet sich eine Beziehung mit einem Tantra-Meister von einer herkömmlichen Liebesbeziehung?
Sally   Jade
Sally ist eine der Frauen, über die Barry Long in seinem Interview spricht. Sie hatte fünf Jahre lang eine intime Verbindung mit Barry und ist jetzt siebenunddreißig.

Sally: Erst einmal würde ich sagen, daß ich nie eine Beziehung mit einem Tantra-Meister hatte, obwohl wir oft zusammen waren, wie Menschen, die eine Beziehung miteinander haben. Man geht Beziehungen ein, damit Individuen sich miteinander sicher fühlen können, wo der Einzelne in einem Zustand von Sicherheit und relativer Unwissenheit leben kann und man sich sowohl sexuell als auch psychologisch das gibt, was man sich wünscht, und deshalb bleibt man zusammen.
Mit einem Tantra-Meister zusammen zu sein, geht über mein Bedürfnis nach einer Beziehung hinaus, und das wird zu einem Prozeß der Selbsterkenntnis, des Selbst-Auslöschens und Nichtvorhandenseins, während ich immer mehr eins werde mit dem göttlichen Bewußtsein, das er ist. Im Grunde ist es so, daß man durch den physischen Liebesakt - das Gefährlichste, was es überhaupt gibt - sich mit all seiner persönlichen Liebe, Bindung, Unsicherheit und Eifersucht und den sexuellen Wünschen und allen Besitzansprüchen konfrontiert. In einer herkömmlichen Liebesbeziehung wird man damit niemals ausreichend konfrontiert. Tantrische Liebe ist Liebe zu Gott, dem Unbekannten, Liebe zum Nichts, nicht Liebe zu einem individuellen Mann oder einer individuellen Frau.
  "Ich heiße Jade und bin eine der fünf Frauen, über die Barry in seinem Interview spricht. Ich hatte etwa sieben Jahre lang eine intime spirituelle und körperliche Beziehung zu Barry; es begann, als ich zweiunddreißig war, jetzt bin ich vierzig."

Jade: Zuerst würde ich gerne "tantrisch" näher definieren, denn darüber wird eine Menge Unsinn gesagt. Meiner Erfahrung nach ist Tantra die Kraft, durch die eine Frau durch den Liebesakt tiefer in die Liebe zu Gott im Inneren geführt wird. Ein Tantra-Meister hat diese von Gott gegebene Kraft.
Ich könnte meine Beziehung zu Barry nicht als Beziehung in irgendeinem herkömmlichen Sinn beschreiben. Eine Liebesbeziehung im konventionellen Sinn ist wohl mehr ein offenbar wahlloser, zufälliger Prozeß, der in den seltensten Fällen - wenn überhaupt - mit einer bestimmten Absicht begonnen wird. Die Beziehung zu Barry wurde bewußt eingegangen, als Reinigungsprozeß für mich, es lag also eine Absicht darin. Das war mir bekannt, und Barry sagte das von vornherein. Bei der Verbindung ging es immer nur darum, daß ich zu einem tieferen Verständnis von Gott, der unpersönlichen Liebe, der Wahrheit zurückgeführt würde; deshalb hat Barry mich angenommen. Mir wurde gesagt, ich würde durch die Liebe geführt und im Laufe dieses Prozesses gereinigt werden - der Grad der Reinigung lag in den Händen Gottes. Und so geschah es dann auch.
In einer herkömmlichen Beziehung gibt es meist beiderseits emotionale Bedürfnisse, Erwartungen, Wünsche und Abhängigkeiten - mit anderen Worten: die Liebe ist selbstbezogen oder persönlich. Das war in meiner Beziehung zu Barry nicht der Fall. Die Liebe in Barry war tief und unpersönlich, eine Intelligenz, die aus dem Zusammensein nichts für sich selbst wünschte. Sie oder er war nicht der Person treu, die ich war, sondern kompromißlos dem göttlichen Willen treu, oder dem, was richtig war - dem Zweck, mich näher zu Gott zu führen. Wie wußte ich, daß er dem treu war? Erstens war die Kraft einer solchen Liebe in der Lage, mit den Tiefen in mir Verbindung aufzunehmen, einem Ort außerhalb von Zeit und Raum. Das war sehr außergewöhnlich und gleichzeitig sehr natürlich. Und zweitens beobachtete ich über Jahre hinweg, wie Barry mit absoluter Unerschütterlichkeit selbstlos liebte und diente; in der Tat: mit seinem ganzen Leben ging es ihm darum, andere zu einem größeren Verständnis von Gott zu führen. Dem diente er. Es war für mich also immer klar, daß Barry ein Gott-Mann war, oder verwirklichtes Bewußtsein, und daher eine echte Reflexion darstellte, die helfen würde, mich zu reinigen.


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WIE Ausgabe 2:
Unsere Ausgabe zum Thema Sex & Spiritualität?


Interviews mit: Miranda Shaw, Margot Anand, Barry Long, Rabbi Zalman Schachter-Shalomi, Pater Thomas Keating, Bhante Henepola Gunaratana, Swami Chidananda




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