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Einleitung Unser redaktioneller Mitarbeiter Ross Robertson blickt auf das Interview zurück, welches ihm nachdrücklich bestätigte, dass altmodische Konzepte wie Sünde, Reue und Egotod für die spirituellen Revolutionäre von morgen genauso relevant sind wie für die traditionellen orthodoxen christlichen Meister von heute. ICH WAR GERADE FERTIG MIT DEM ABITUR, zog durch das Land von Bundesstaat zu Bundesstaat und sprang von Job zu Job. Rastlos, wie ich war, verliebte ich mich auf den ersten Blick in What Is Enlightenment?. Mir erging es wie den meisten meiner Freunde: Ich war gebildet, aber desillusioniert. Ich kam mit allen gut aus, aber in mir schlummerte ein spiritueller Hunger, der mich zu höheren Antworten trieb. Gleichzeitig wusste ich nicht, wo solche Antworten herkommen sollten. Das 20. Jahrhundert neigte sich dem Ende zu, und wir lebten gerade unsere Spätversion der für die Generation-X typischen Story der rebellischen Jugend aus–selbstbewusst in unserer Ablehnung des Status quo, aber selbst von den besten bekannten Alternativen weniger inspiriert als vermutlich alle Generationen vor uns. Mutig, aber ziellos. In einer Welt, in der sich eine Katastrophe auf die andere türmte, konnte man leicht erkennen, dass die Dinge so schlecht standen, dass es schon einer wirklich heroischen Anstrengung bedurfte, das Ruder noch herumzureißen. Tief in uns drinnen wollten wir Helden sein, wenn wir könnten, aber keiner von uns glaubte, dass dies wirklich möglich wäre. Das war vor WIE. Dieses Magazin kämpfte mit solch einem Mut, nicht nur für die Möglichkeit, sondern vielmehr die Notwendigkeit radikaler Veränderung, wie ich ihn kaum jemals zuvor zu denken gewagt hatte. WIE war für die spirituelle Welt das, was Earth First! für den Sierra Club war–idealistisch, kompromisslos und total cool. (Earth First! ist eine radikale Umweltschutzorganisation, vor allem in den USA; Sierra Club ist eine etablierte Umweltschutzorganisation mit großem Ansehen; Anm. d. Red.). Die meisten Magazine schläferten mich entweder ein oder verankerten mich im sicheren Hafen etablierter Denkmuster: Dieses hier wirkte mehr wie ein Eimer kaltes Wasser oder wie ein Orkan, der meine Seile löste und mich auf viel turbulentere und viel aufregendere Ozeane lotste. Für unsere Jubiläumsausgabe stelle ich Ihnen meinen Dauerfavoriten vor: Das Interview, das WIE im Jahre 2000 mit dem griechisch-orthodoxen Kirchenältesten Archimandrit Dionysios machte. Der Name verursacht bei mir immer noch Gänsehaut. Welches andere spirituelle Magazin würde sich auch nur in die Nähe eines Mannes wie ihn wagen, einen Meister der alten Schule mit einer Liebe für die Askese und einer Leidenschaft für den Egotod, wie sie am heutigen Markt der Wohlfühlspiritualität ebenso selten sind, wie sie in den alten Klöstern Alltag waren? Nur dass WIE auf keiner religiösen Mission war, zumindest auf keiner konventionellen, ebenso wenig war es reiner Journalismus. Dies war anspruchsvoller spiritueller Aktivismus, der die ernste Weisheit der Vergangenheit für ein vergangenes Zeitalter in Ehren hält, nicht aus nostalgischen Gefühlen, sondern für eine Zukunft, die wir erst noch schaffen mussten, für eine Revolution des 21. Jahrhunderts, die ironischerweise von genau dieser Art Selbst Transzendenz abhing, wie sie von traditionellen heiligen Männern wie Vater Dionysios repräsentiert wird. Kurz gesagt, es war ein Aufruf zur Transformation, und er durchlöcherte die Schleier des Zynismus, der ein Geburtsrecht der Generation X ist. Von all den spirituellen Geschossen, die WIE in alle Richtungen auf selbstverliebte Narzissten abfeuerte, war keines tödlicher als Vater Dionysios. "Ein chirurgischer Eingriff, eine Operation ist nötig", behauptete er, "in unserem Herzen muss etwas durchgeschnitten werden." Ich war gebannt. Für einen wie mich, Mitte zwanzig und mit dem vagen Gefühl im Bauch, dass die Probleme der Welt nicht nur mit der Welt zusammenhingen, sondern mit mir selbst, bestärkte Vater Dionysios genau diese Gefühle, die von der herrschenden Kultur des Selbstakzeptierens kategorisch abgelehnt wurden, von jenem Ethos, der flüstert: Sei freundlich zu dir selbst, du tust dein Bestes. Für ihn war das Unsinn. Hätschle dein sensibles Selbst nicht, riet er–lösche es aus: "Uns erscheint dieses Ego nämlich wie ein Diamant. Es glänzt wie Gold. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. Das Ego gleicht einem Feuer ohne Licht, einem Feuer ohne Wärme, einem Feuer ohne Leben. Es hat den Anschein, als habe es viele Seiten und viele Möglichkeiten–aber was sind das denn eigentlich für Möglichkeiten? Was ist das Ego? Doch nur das Mittel, mit dem ich mich schütze, als ob ich mich mitten in einer Schlacht befinden würde und jeder andere mein Feind wäre. Dann ist der Sieg das Einzige, worum ich mich noch kümmere." In der ursprünglichen Einleitung zu diesem Interview erklärt der Redakteur Craig Hamilton, dass diese Art unbedingter Feindschaft gegenüber dem Egoismus–jener subtilen, hinterhältigen Kraft des Stolzes, der Arroganz und Trägheit, die in den Traditionen als die große Gefahr für das spirituelle Leben betrachtet wurde–das Kennzeichen christlicher Orthodoxie und der Kampfesruf einer 2000-jährigen Nachfolgelinie erleuchteter Heiliger sei. Wie der Wüstenvater St. Johannes Cassian in dem wohl bekanntesten Text der Orthodoxie Die Philokalia schreibt: "[Das Ego] ist schwierig zu bekämpfen, denn es hat viele Formen und taucht in all unseren Aktivitäten auf ... Wenn es einen Menschen nicht mit extravaganter Kleidung verführen kann, dann versucht es dasselbe mit schäbigen Kleidern. Wenn es ihm nicht mit Ehre schmeicheln kann, dann nimmt es Besitz von ihm, indem es ihn dazu zwingt, scheinbare Ehrlosigkeit zu ertragen. Wenn es ihn nicht dazu verführen kann, stolz auf seine Beredsamkeit zu sein, dann verlockt es ihn durch Schweigen zu der Annahme, er hätte die Stille erlangt ... Kurzum, jede Aufgabe, jede Aktivität bietet diesem bösen Dämon eine Chance zum Kampf." Um diesen unerbittlichen Feind im Inneren zu Fall zu bringen, schreibt Hamilton weiter, haben orthodoxe Mönche in allen Jahrhunderten mit unerhörtem Eifer die beiden Schwerter des Gebets und der Entsagung angewendet, bis zu zweihundert Tage im Jahr gefastet, nur ein bis zwei Stunden pro Nacht geschlafen und sich sogar jahrzehntelang allein in irgendwelchen vom Wind gepeitschten Höhlen mit Blick auf die Ägäis zurückgezogen. Für die Entsagenden, die im Zölibat lebten, war die extreme Selbstverneinung weniger eine anstrengende Mühsal als vielmehr ein freudiges Privileg, ein königlicher Weg zu einem erhabenen königlichen Ziel–die Chance, ein reines Gefäß zu werden, durch welches die Pracht Gottes in menschlicher Form auf Erden scheinen möge. Vater Dionysios war, wie sich herausstellte, ein lebendes Beispiel für diese uralte Tradition, ein Archimandrit (oberster Abt) in der griechisch-orthodoxen Kirche, in dem das Feuer der Hingabe stets mit ungewöhnlicher Intensität brannte. Er wurde in einer religiösen Familie in einer kleinen Stadt im nördlichen Griechenland geboren, siebzehnjährig verließ er sein Zuhause, um in eins der berühmten Meteora- Felsenklöster zu gehen, und setzte später seinen Weg auf dem heiligen Berg Athos fort, einer vom Festland isolierten steil aufragenden Halbinsel, die vollkommen dem heiligen Leben gewidmet ist. Dort zog er gegen die Versuchungen von Stolz und Selbstsucht in seinem Herzen in den Krieg und kehrte mit dem Siegesbanner in die Welt zurück, mit Geist und Seele vollkommen in göttlicher Liebe und Großherzigkeit entflammt. Die Redakteure von WIE wollten wissen, was ein Mann wie er wohl über den spirituellen Weg im 21. Jahrhundert zu sagen hätte. Welches würde ein Mann, der so tief in die heimtückische menschliche Neigung zu Selbstbefriedigung geblickt hatte, für die effektivste Waffe im Kampf zu ihrer Überwindung halten? Vater Dionysios beantwortete die Frage mit einem einzigen Wort: "Reue." Diese Aussage war mir unvergesslich und verfolgte mich. Reue? Ich erinnere mich daran, dass ich zuerst dachte: Reue wofür? Ist es nicht ein wenig extrem, diese alten Sprüche von Scham und Sünde aus der Mottenkiste zu holen? Ich meine, im Ernst, wir stehen auf der Schwelle eines ganz neuen Jahrtausends, da sind diese Sprüche einfach nicht mehr angesagt. Und doch sagte er es einfach so, und WIE veröffentlichte es allen Ernstes einfach so. Das war auf merkwürdige Weise cool. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto cooler wurde es. Irgendwie hat Vater Dionysios ein Wort verwendet, das wie ein gefährliches Überbleibsel aus unserer erdrückenden religiösen Vergangenheit immer wieder auftauchte, und er hat ihm den Glanz von etwas Neuen gegeben–sogar von etwas Erhabenen. Mir wurde plötzlich klar: Wow, das ist unglaublich! Ich war völlig baff, und das Gleiche fühle ich heute noch, wenn ich hier sitze und über dieses Interview nachdenke und mich über die Möglichkeit freue, den Staub abzuklopfen und es noch einmal in die Welt schicken zu können. Indem Vater Dionysios den Feind in uns so eindeutig beim Namen nennt, nennt er auch die Realität der Freiheit beim Namen, die reale Möglichkeit grundlegender Transformation in unserem eigenen Leben, was bedeutet, dass bleibende Veränderung keine in weiter Ferne liegende Fantasie sein muss. Und dies ist nicht nur das Kennzeichen christlicher Orthodoxie–es ist das Kennzeichen von WIE. Für eine Generation wie die meine, die nur all zu klar die immer länger werdende Liste geerbter globaler Probleme vor Augen hat, sich gleichzeitig aber wie auf hoher See fühlt, wenn es darum geht, die tieferen Gründe dieser Probleme in uns selbst anzusprechen, wird diese Botschaft nie aus der Mode geraten. Ich kann jetzt deutlich erkennen, dass meine Freunde und ich zu Recht altmodischen religiösen Glaubensstrukturen skeptisch gegenüberstanden, zu Unrecht aber altmodischem religiösem Heldentum gegenüber skeptisch waren–jener Art von Heldentum, die nicht von der Macht herrührt, andere zu dominieren und zu kontrollieren, sondern von der Macht, "einfach die Wahrheit über uns selbst zu sehen", um mit Vater Dionysios' Worten zu sprechen. Er sagt: "Es ist möglich, frei vom Ego zu sein. Das muss auch so sein. Es ist notwendig." Dank WIE hat nun eine ganz neue Leserschaft die Gelegenheit, sich diese Worte zu Herzen zu nehmen–sich vielleicht sogar in sie zu verlieben, so wie ich–nicht nur in ein Magazin, sondern in ihr eigenes höchstes Potenzial. Was ist das Ego? Doch nur das Mittel, mit dem ich mich schütze, als ob ich mich mitten in einer Schlacht befinden würde und jeder andere mein Feind wäre. Dann ist der Sieg das Einzige, um das ich mich noch kümmere.
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