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Das Erwachen zur Geschichte des Universums


Zwei Interviews mit Brian Swimme
von Susan Bridle
 


Einleitung

Unsere Redakteurin Jessica Roemischer präsentiert das folgenreiche zweiteilige Interview mit dem Kosmologen Brian Swimme, das uns die Augen öffnete für den evolutionären geschichtlichen Kontext menschlichen Lebens.


VOR ZWEI JAHRHUNDERTEN schrieb der deutsche Idealist Georg Hegel: "Geschichte als Ganzes ist eine fortschreitende, allmählich sich enthüllende Offenbarung des Absoluten." Als ein Vordenker evolutionärer Theorie versuchte Hegel in seinem philosophischen Entwurf, die grundlegenden Dualitäten des Lebens in einer alles umfassenden, sich entwickelnden Einheit miteinander zu vereinen. Auch wenn er von Evolution im Zusammenhang mit menschlicher Kultur sprach, wurde 200 Jahre später die Evolution aufgrund jüngerer Entdeckungen der Astrophysik und der Astronomie auf die kosmischen Bereiche der Galaxien ausgedehnt. Es ist heute allgemein bekannt, dass wir in einem unermesslich großen, sich entwickelnden Universum leben. Viele von uns sind sich dessen bewusst, doch folgt man dem mathematischen Kosmologen Brian Swimme, dann stellt das Erwachen zu dieser Wahrheit die vielleicht bedeutendste Veränderung im menschlichen Bewusstsein seit zwei Millionen Jahren dar.

Swimme ist der führende Vertreter einer "Geschichte des Universums", einer Entwicklungsperspektive, die sich auf große Zeiträume bezieht und die er in diesem zweiteiligen Interview über seine Arbeit, sowie über das Werk des französischen Jesuitenpaters, Paläontologen und Visionärs Teilhard de Chardin darlegt. Die weit reichende Bedeutung dieser kosmologischen Perspektive ist der Grund dafür, warum ich dieses Interview mit Swimme (erschienen in der Ausgabe 6) für diese Ausgabe zum 15-jährigen Jubiläum von What Is Enlightenment? ausgewählt habe.

Als Experte der evolutionären Dynamik des Kosmos hat Brian Swimme das Ziel, dass wir uns dieses erstaunlichen 14 Milliarden Jahre andauernden evolutionären Prozesses, von dem wir ein Teil sind, bewusst werden. Er ruft uns dazu auf, uns neu zu "erfinden" und neu zu definieren, was es bedeutet, ein menschliches Wesen in einem Universum zu sein, das sich immer weiter entwickelt. Der Paradigmenwechsel, den wir seiner Ansicht nach zu vollziehen haben, kann herausfordernder und bedeutender sein als alles bisher Dagewesene in der Menschheitsgeschichte. In der Darstellung des unermesslichen Panoramas kosmischen Werdens schlägt er den Bogen über unermessliche Zeiträume hinweg in die Zukunft hinein und löst dabei alles, was wir als real und relativ beständig kennen, in einen morphischen, sich entfaltenden und unendlich kreativen Prozess auf. Damit fordert er uns heraus, die Tatsache anzuerkennen, dass wir nicht nur Bürger unserer Gemeinschaften oder Nationen oder sogar des gesamten Planeten Erde sind–sondern Bürger eines sich entwickelnden Kosmos. Wenn wir uns dessen bewusst werden, sind wir in einer sehr viel direkteren, verantwortlichen Beziehung zu uns selbst, zum gesamten Netz des Lebens auf diesem Planeten und zur Zukunft.

Für Brian Swimme, dessen Verständnis durch die Arbeit von Teilhard de Chardin (1881-1955) tief beeinflusst wurde, ist die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Spiritualität von besonderer Bedeutung. Teilhard glaubte, dass das sich entwickelnde Universum und das Göttliche eins sind. Alle Dualitäten und traditionellen Trennungen–zwischen Wissenschaft und Religion, Materie und GEIST, dem Physischen und dem Metaphysischen, zwischen Gott und dem Universum–werden letztendlich miteinander versöhnt und in eine wissenschaftlich verifizierbare Wirklichkeit kosmischer Evolution eingefügt. Diese objektive Wirklichkeit trifft auf uns als menschliche Wesen ebenso zu. Mit den Worten Teilhards: "Ich erkannte, dass meine eigene kleine und unbedeutende Existenz eins ist mit der Gewaltigkeit von allem, was ist, und von allem, was sich im Prozess des Werdens befindet."

In diesem Interview mit Brian Swimme und bei der Diskussion und Zusammenstellung der Beiträge für diese Ausgabe von What Is Enlightenment? wurde unser Verständnis von der evolutionären und geschichtlichen Perspektive, für die Swimme eintritt, zutiefst bereichert und erweitert. Das trug hier bei WIE zur Veränderung unserer philosophischen Grundlage bei. Es wurde für uns immer offensichtlicher, dass die Spiritualität des 21. Jahrhunderts sehr viel mit dem kosmischen evolutionären Prozess zu tun hat, dessen Teil wir sind. Wenn wir unsere Stellung inmitten des wirbelnden und sich entfaltenden Universums begreifen, dann ergibt sich daraus, dass die spirituelle Suche–die Suche nach dem Verständnis, wer wir sind und warum wir hier sind–in einem völlig neuen Licht erscheint. Doch worin genau besteht diese neue Perspektive und wie ist ihr Bezug zu unserem Leben und zum menschlichen Leben an sich? Das waren unsere drängenden Fragen, die wir uns bei der Arbeit an jener Ausgabe stellten. Sie führten mitten hinein in die evolutionären Strömungen und brachten uns einige tiefere Einblicke in das, was die Zukunft des GEISTES und der GEIST der Zukunft möglicherweise für uns bereithalten.

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