Ich erinnere mich an diesen einen Sonntagnachmittag im Jahre 1988 mit der eindringlichen Intensität, die das Gedächtnis gewöhnlich nur für wirklich bedeutungsvolle oder schreckliche Ereignisse bereithält. Allerdings handelte es sich hier um eine Lappalie. Ich lag in der Badewanne und las die New York Times, als ich die Ankündigung entdeckte, dass die wöchentliche Kolumne "Hers" — der einzige Platz in der ganzen Zeitung, der ausdrücklich das Denken von Frauen reflektierte — nicht länger wöchentlich erschiene, da sie im Namen der Gleichberechtigung mit einer neuen Kolumne "About Men" abwechseln würde. Zu meiner eigenen Überraschung brach ich in Tränen aus und schluchzte beinahe unkontrollierbar. Mein Partner kam herbeigerannt und fragte, welches Unglück mich in der Badewanne ereilt hätte. Als ich ihm die Ursache nannte, lachte er: "Verstehst du das denn nicht?", weinte ich, "Die gesamte New York Times beschäftigt sich nur mit Männern!"
Ich weiß nicht, warum ich darauf so stark reagiert habe. Vielleicht weil es ein eindeutiges Zeichen war, dass der kräftige Strom von Frauenthemen, der seit den 60er Jahren den Mainstream überschwemmt hatte, zu einem Rinnsal verkommen war, das sich mit allem vermischte und seine belebende Qualität verloren hatte. Ich bin sicher, dass meine Reaktion ungewöhnlich war, aber sie berührt eine Erfahrung, die von sehr vielen Frauen geteilt wird: das befremdliche, manchmal Wut erzeugende Gefühl, in einer Gesellschaft zu leben, die kaum die eigenen Prioritäten, Belange und tieferen Sehnsüchte widerspiegelt. Trotz der Fortschritte, die in den letzten vier Jahrzehnten gemacht wurden, leidet die westliche Kultur nach wie vor unter männlicher Einseitigkeit: von unserem Vater im Himmel, über die Mitarbeiter der Regierung bis zur Verwüstung von Mutter Natur und der immer stärker werdenden Sexualisierung von Frauen (und Mädchen). Das Rezept für den kulturellen Wandel war beinahe nur: "Man nehme Frauen und rühre sie unter." Als ob sich durch ein bisschen Ausbalancieren der Anzahl von Männern und Frauen im öffentlichen Leben, was jedoch noch nicht einmal eingetreten ist, der grundlegende Ethos unserer Kultur verwandeln und der Kurs der Geschichte ändern würde.
WIE auch immer, während der letzten 20 Jahre begann sich etwas Tieferes in den Frauen zu regen, eine Motivation, die Kultur an ihren Wurzeln zu verändern. Ziel ist es, einen neuen spirituellen und ethischen Kontext zu schaffen, der unsere hypermaskuline Welt ausbalanciert und heilt, indem das Weibliche als heilig verehrt wird. Was damit gemeint wird, ist unterschiedlich, und verschiedene Frauen (oder Gruppen von Frauen) haben das Weibliche auf verschiedene Art identifiziert. Einige sehen das Göttlich-Weibliche in den einzigartigen lebenserhaltenden Rollen, die aus unserer biologischen Rolle als Mutter entstanden sind. Andere sprechen vom weiblichen Prinzip, das eine Kraft in der menschlichen Psyche und ein grundlegender Aspekt der manifesten Welt ist. Und wiederum andere engagieren sich dafür, Rituale wieder zu beleben oder zu erschaffen, um alte Göttinnen zu feiern, und die weibliche Göttlichkeit sichtbarer und bewusster zu machen. Allen (oder den meisten) ist die Empfindung gemeinsam, dass das Heilige nicht in einem transzendenten Bereich irgendwo da draußen gefunden wird, sondern dass das Heilige dem Leben innewohnt. Folglich feiern diese Formen der Spiritualität das sehr menschliche Bestreben, die Einheit mit der Natur und miteinander zu verwirklichen. Oft verehren sie dabei den Körper, Sexualität und Beziehung.
Alles in allem ist das ein nie da gewesenes Phänomen. Niemals vorher in der westlichen/modernen Geschichte haben Frauen aktiv darauf bestanden, dass die heilige Dimension des Lebens ihr (unser) Geschlecht widerspiegelt. Und so weit ich sehen kann, macht dieselbe Frauengeneration, die im letzten Jahrhundert den sozialen Wandel hervorgebracht hat — meine Boomer-Schwestern — den größten Teil derer aus, die sich für dieses Experiment der Veränderung von Kultur und Bewusstsein engagieren.
Als Antwort auf die jüngste Ausgabe von WIE mit dem Titel Die Zukunft der Frauen. Kulturelle & spirituelle Dimensionen der Emanzipation schrieben uns nicht wenige Frauen (und Männer), wir sollten hervorheben, dass der nächste Schritt für Frauen und unsere Kultur die Rückgewinnung des Weiblichen sei. Heute gibt es keinen Zweifel, dass viele Probleme in unserer Welt von einer Betonung der mehr negativen Aspekte der Männlichkeit herrühren, die in der Moderne aufgekommen sind: Rationalität, getrennt von menschlicher Verbundenheit, Wettkampf, Machthierarchien über andere und die Trennung auf vielen Ebenen. Aber was bedeutet es, wenn man sagt, dass das Weibliche die Antwort darauf sei? Zu einfach schafft dies eine eigene polarisierende Zweiteilung, indem man das Männliche mit dem Schlechten und das Weibliche mit dem Guten gleichsetzt. Obwohl "männlich" und "weiblich" nicht synonym mit "Mann" und "Frau" sind, wissen wir, dass die Begriffe stark verbunden sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass Männer und Frauen die Geschichte gemeinsam geschaffen haben, einschließlich der patriarchalen Strukturen, die wir jetzt als destruktiv ansehen. Wie dem auch sei, angesichts der Intensität, mit der einige unserer Leserinnen das Bedürfnis empfanden, das Weibliche zu betonen, begann ich mich zu fragen, ob ich tatsächlich verstanden hatte, was sie meinten, oder ob ich etwas übersehen hatte. Oder vielleicht ist es nur eine semantische Frage, und wir sprechen über das Gleiche, verwenden aber unterschiedliche Begriffe. Wir alle teilen die Sehnsucht, über das Patriarchat hinauszugehen, und empfinden das als äußerst bedeutsam für unsere individuelle und kollektive Evolution (oder gar unser Überleben). Die Frage, die ich ansprechen möchte, ist: wie erschaffen wir eine postpatriarchale Kultur? Und welche Beziehung hat das zum Göttlich-Weiblichen oder zum weiblichen Prinzip?
Das weibliche Prinzip
Von dem, was ich darüber erfahren habe, gewinne ich den Eindruck, dass diese neuen, von Frauen geschaffenen, spirituellen Wege implizit oder explizit auf der bahnbrechenden theoretischen Arbeit des Psychiaters C. G. Jung (1875-1961) basieren. Jung, der die Theorie entwickelte, dass die gesamte Menschheit einen tiefen psychischen Bereich teilt, den er das kollektive Unbewusste nannte, nahm an, dass das Weibliche und das Männliche Prinzipien unseres Daseins sind, so grundlegend für das Leben, dass man sie leicht als an sich heilig ansehen könne. Sie beschreiben zwei grundlegende Arten des Seins, zwei Typen psychischer Energie, die oft von weiblichen oder männlichen Bildern, den sogenannten Archetypen, repräsentiert werden. Das Männliche muss nicht notwendigerweise Mann bedeuten, noch das Weibliche Frau, aber es besteht eine enge Verbindung, weil auf der physischen Ebene der weibliche Körper ein Ausdruck des weiblichen Prinzips und der männliche Körper der Ausdruck des männlichen Prinzips ist. Jung verstand Archetypen als "Bilder der Instinkte" und daher als universell und in der Psyche jedes Menschen wirksam. Nach jungianischer Analyse tauchen archetypische Bilder in Träumen und Mythen auf. Sie gründen sich sowohl auf unsere einzigartigen persönlichen Geschichten als auch auf das kollektive Unbewusste, den Erfahrungsschatz der gesamten menschlichen Geschichte. Deshalb sind die Bilder der Mutter so vorherrschend in unseren Träumen und Symbolen: Jeder von uns hat eine Mutter und jede menschliche Generation ist bemuttert worden. Wichtiger ist vielleicht noch, dass Jung glaubte, die Archetypen seien einem essenzielleren Bereich der Existenz entsprungen, und dass sie uns führen können, indem sie mit uns durch Träume und Symbole interagieren.
Obwohl der Unterschied zwischen Männlichem und Weiblichem selbstverständlich erscheinen mag, ist mir nicht so klar, was damit eigentlich gemeint ist. Einige, wie Ken Wilber, merken an, dass Männer natürlicherweise mehr mit Eros verbunden sind, den er als den kreativen Impuls betrachtet, und dass Frauen mehr mit Agape, dem Mitgefühl, verbunden sind. Andere unterscheiden Sein und Handeln als weiblich bzw. männlich. Jung glaubte offensichtlich, dass das Weibliche mit Eros und das Männliche mit Logos verbunden wäre, was, grob umrissen, mit Gefühlen und Intellekt korrespondiert. Jungs herausragender Schüler Erich Neumann argumentierte, dass das Männliche fokussiertes Bewusstsein, das Weibliche diffuse Bewusstheit sei. Generell, so scheint es, wird das Männliche mit Unabhängigkeit, Selbstbehauptung und klar ausgerichtetem Fokus und das Weibliche mit Empfänglichkeit, Zurückhaltung und einer alles umfassenden Tiefe des Seins verbunden. Beides wird mit den reproduktiven Rollen verbunden, die Männer und Frauen von alters her gespielt haben. Sie sind psychologischer Ausdruck unseres Körpers: Männer oben und außen, Frauen unten und innen.
Dass unsere Körper die Grundlage bilden, durch die wir unser Selbstgefühl erschaffen, ist keine Überraschung. Der bahnbrechende Entwicklungspsychologe Jean Piaget und seine Frau
Valentine Chatenay dokumentierten sorgfältig, wie sich die Fähigkeit zur Abstraktion, inklusive der Sprache, auf die körperliche Interaktion des Säuglings mit Dingen und Menschen aufbaut. Erik Erikson, ein Schützling Anna Freuds, bemerkte vor Jahrzehnten, dass beim Spielen mit Bauklötzen Jungen dazu tendieren, Türme zu bauen, und Mädchen Umzäunungen. Die körperlichen Erfahrungen der frühen Kindheit, die von der Kultur vermittelt werden, formen die tiefste Schicht des Selbst. Deshalb haben sich so viele brillante psychologische Forscher WIE Piaget und Erikson oder auch Freud, Margaret Mahler, Daniel Stern, Jacques Lacan und viele andere so sehr bemüht zu verstehen, WIE das passiert. Noch bevor Untersuchungen zeigten, dass das männliche und weibliche Gehirn unterschiedlich vernetzt sind, erschien es sinnvoll, dass bestimmte persönliche Qualitäten und Charakteristika aufgrund unserer unterschiedlichen körperlichen Erfahrungen bei allen Frauen oder Männern gefunden wurden. Dies wird in der Kultur auf unzählige Arten und Weisen wiedergegeben: durch das im Laufe der Geschichte von so vielen Männern gezeigte Verlangen, in neues Territorium vorzudringen, oder das Verlangen der Frauen, ein Zuhause zu schaffen und zu schmücken. Unsere Erfahrung, in verschiedener Weise verkörpert zu sein, hat auch unsere Psyche und Kultur gestaltet.
Wie unsere Körperlichkeit bestimmt, wer wir als Frauen und Männer sind, interessiert mich seit Langem. Meine akademische Arbeit als Teil der Untersuchungen von Carol Gilligans Forschungsteam über die Entwicklung von Frauen und Mädchen, beschäftigte sich mit Körperlichkeit und der unterschiedlichen Art des Wissens, das Mädchen und Frauen haben, verglichen mit den Normen der männlichen Kultur. Als die Mädchen körperlich heranwuchsen und ihr Verstand das Vermögen entwickelte, kulturelle Ideale und Erwartungen an Frauen ganzheitlich aufzunehmen, stießen sie schnell "gegen die Wand der patriarchalen Kultur", WIE wir es nannten, und sie schnitten sich von sich selbst ab, um durch die schmale Tür zu kommen. Die meisten von uns haben gelernt, dass wir uns von bestimmten Gefühlen (wie Wut und Verletzlichkeit), von einer wirklichen Verbindung zur Sexualität und von unserer eigenen Perspektive auf die Wirklichkeit lossagen müssen, wenn wir Erfolg haben, attraktiv sein und uns sicher fühlen wollen. Wir haben gelernt, uns selbst als Objekte männlicher Kultur zu erschaffen. Paradoxerweise konzentrierten wir unsere Subjektivität darauf, uns selbst zu Objekten zu machen und ständig das passende Bild (oder die Bilder) zu zeigen, damit wir bekamen, was wir wollen. Damit Mädchen nicht durch diesen dunklen Gang gehen müssen, um Frauen im Patriarchat zu werden, müssen wir Frauen diese Dissoziation aufheben und ein neues ganzheitliches Gefühl von uns selbst finden.
Deshalb bin ich verwirrt, wenn ich höre, dass sich das weibliche Prinzip in der Erfahrung der Körperlichkeit gründet oder die Körperlichkeit selbst sei. Aus einem bestimmten Blickwinkel beruhte mein Wert im Patriarchat immer nur auf meinem Körper, meinem Vermögen zum Sex, zum Kinder gebären und nähren. Geist und Seele der Frauen wurden geformt, nährende Gefäße zu sein und in Beziehungen zu existieren, was dieses zu unserer tiefsten Schicht der Konditionierung macht, welche nahezu vollständig unbewusst ist. Ein Zurückgreifen auf Eigenschaften, die sich bei uns Frauen aufgrund unserer Fähigkeit, Leben zu geben und zu nähren, über Tausende von Jahren entwickelt haben und in denen unser höchster Wert die Reproduktion gewesen ist, scheint uns nicht über das Patriarchat hinauszubringen. Wie soll uns das weibliche Prinzip vorwärtsbringen, geschweige denn, uns in eine neue Kultur führen, wenn es sich auf den konditioniertesten Teil unseres Selbst gründet? ...


