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Der Blick vom Zentrum des Universums


von Elizabeth Debold
 

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Der kulturelle Diskurs über Wissenschaft und Religion wurde in den letzten Jahrzehnten nicht auf besonders hohem Niveau geführt, sondern zunehmend in Stammtischmanier. Atheisten und Theisten streiten sich im Radio, in den Zeitungen und auf jeder erreichbaren Bandbreite. Es geht um entscheidende Fragen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Unsere zentrale Identität als Menschen steht auf dem Spiel. Sind wir Gottes Kinder oder nur zufällige Randerscheinungen eines gleichgültigen Universums? Mit anderen Worten: Ist unsere Existenz wichtig für irgendetwas, das größer ist als wir? Inmitten dieses polemischen Schlagabtausches melden sich immer mehr Wissenschaftler zu Wort, deren Liebe und Wertschätzung für unseren kreativen Kosmos uns endlich jenseits dieser Polarisierung führen kann. Hubble und andere Sonden im All haben uns so unglaublich schöne Bilder gezeigt, dass wir von den Wundern – und wir selbst ein Teil darin – beeindruckt sind: den weiß leuchtenden Nebeln, in denen Sterne geboren werden, und glühenden Supernovae, in denen die Elemente geschmiedet werden, aus denen wir bestehen. Das Universum ist viel riesiger, explosiver und kreativer, auf unheimliche Weise schöner und mysteriöser, als sich das irgendwer jemals hätte träumen lassen. Die Größenmaßstäbe dessen, von dem wir ein Teil sind – die riesige dunkle Ausdehnung des Alls, die unendlich kleinen Entfernungen zwischen subatomaren Teilchen und die Spanne der Raumzeit, die sich Milliarden von Lichtjahren zurück ausdehnt – ist nichts weniger als Ehrfurcht gebietend. Der Astronom Carl Sagan sagte einst: „Eine Religion, die die wunderbare Schönheit des Universums so betonen würde, wie sie von der modernen Wissenschaft gezeigt wird, wäre vielleicht in der Lage, Quellen der Verehrung und Ehrfurcht zu erschließen, die von den traditionellen Glaubensrichtungen kaum berührt werden. Früher oder später wird eine solche Religion entstehen.“

Aber damit sich solch eine Religion mit dem menschlichen Herzen verbinden kann, muss sie uns sagen, wie wir uns auf dieses überwältigende Bild, das uns die Wissenschaft aufzeigt, beziehen können. Wo gehören wir hin? Sind wir nur unbeteiligte Zeugen des Schauspiels von der Entstehung dieser fernen Sterne? Die meisten materialistischen Wissenschaftler äußern an diesem Punkt Bedenken und glauben wie Sagan, dass das Universum zwar für uns zentral sein kann, wir aber nicht zentral für das Universum sind.

Deshalb waren wir begeistert, als vor einiger Zeit Joel Primack und Nancy Ellen Abrams „Tour de Force“ zeitgenössischer Kosmologie The View from the Center of the Universe auf unseren Schreibtisch kam. Die beiden Autoren meinen, dass die Menschen tatsächlich eine zentrale Stellung im Universum haben – und neueste wissenschaftliche Untersuchungen uns zeigen können, wie. Sie behaupten nicht, dass wir das geografische Zentrum des Kosmos seien, aber dass wir in Bezug auf verschiedene faszinierende Dimensionen, die uns erst langsam bewusst werden, eine zentrale Rolle spielen.

Dieses dynamische Ehepaar ist in einzigartiger Weise in der Lage, uns zu einer neuen Sicht des Kosmos zu erwecken. Primack ist ein bekannter Physiker und einer der Hauptbegründer der Theorie der Kalten Dunklen Materie, die Teil der allgemein anerkannten Erklärung dafür ist, wie sich Strukturen im Universum formen. Dunkle Materie ist etwas Unsichtbares, das laut der Theorie den Großteil des Universums füllt und auf die sichtbare Materie eine Anziehungskraft ausübt. 1988 wurde Joel Primack Mitglied der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft und arbeitete vor kurzem in einem Ausschuss der Nationalen Akademie der Wissenschaft mit, um festzulegen, was die nächste Forschungsphase der NASA beinhalten soll. Abrams ist Philosophin, Geschichtswissenschaftlerin, Anwältin, Verfahrensanalytikerin und Songwriter. Sie hat international als Beraterin verschiedener Nationen zum Thema intelligente Entscheidungsfindungen für Bereiche gearbeitet, in denen wissenschaftliche Forschung zwar unverzichtbar, aber kontrovers ist. Aber erst ihr Interesse für die Grenzen zwischen Mythen und Wissenschaft hat zu einer derartig fruchtbaren Zusammenarbeit mit Primack geführt. In den letzten 10 Jahren haben die beiden an der Universität von Kalifornien in Santa Cruz einen beliebten „Kosmologie und Kultur“ betitelten Kurs abgehalten, der die Grundlage für ihr Buch ist.

Primack und Abrams streben danach, durch diese neue Kosmologie die Kultur zu verändern. Sie sind auf einer heldenhaften Reise, um eine neue wissenschaftlich exakte Schöpfungsgeschichte zu kreieren, die uns dazu inspirieren soll, über die Konflikte und Trennung hinauszugehen, die diesen Planeten bedrohen. Sie schreiben: „Wenn wir vorhaben, den kommenden Übergang der Erde … klug und gerecht zu lenken, müssen wir zu großer Kreativität, intensivem Engagement, großem Enthusiasmus und unverfälschter Hoffnung inspirieren. Um etwas zu vollbringen, das nach einem Wunder aussieht, brauchen Menschen große und inspirierende Ideen.“

Abrams und Primack behaupten, ihre Arbeit könne zur Entstehung einer neuen Spiritualität führen. Nach ihrer Definition bedeutet spirituell zu sein, unsere Verbindungen zum Kosmos mithilfe wissenschaftlichen Verständnisses zu erfahren. Allein die schiere Ehrfurcht angesichts des Wunders der Existenz, die von diesen beiden überzeugten Materialisten berührt und vermittelt wird, durchbricht die Grenzen der Wissenschaft und führt uns jenseits davon. Obwohl sie selbst niemals das Wort „Gott“ benutzen würden, bringt uns die majestätische Größe ihrer Vision mit der Art von Geheimnis in Berührung, welches die Menschen in der Geschichte seit jeher mit der zeitlosen Sphäre des Transzendenten verbunden haben.



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WIE Ausgabe 28:
Der Blick vom Zentrum des Universums






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