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Einleitung
Aber bald stellen Sie fest, dass in dieser Welt die Dinge nicht unbedingt so sind, wie sie zu sein scheinen. Denn das sind keine Menschen. Nein, es sind Körper-Geist-Organismen, die im Unterschied zu ihren menschlichen Ebenbildern nicht die Fähigkeit zur Wahl zwischen verschiedenen Optionen haben und auch keine Entscheidungen treffen können. In der Tat besitzen diese Organismen absolut nichts, was dem entsprechen würde, was wir den freien Willen nennen. Die Drehbücher zu ihren Leben waren bereits lange, bevor sie geboren wurden, in Stein gemeißelt, und es bleibt ihnen nichts anderes zu tun als mechanisch die Schritte zu tun, die ihre Programmierung vorgibt. Diese scheinbar menschlichen Wesen, so könnte man meinen, sind Maschinen nicht unähnlich. Während sie sich allem Anschein nach wie normale frei denkende Wesen verhalten, die eifrig ihren Alltagsgeschäften nachgehen, sagen sie allerdings, wenn man sie danach fragt, immer wieder beharrlich, dass sie gar nichts tun. In dieser eigenartigen Welt, so sagen sie tatsächlich, gibt es keinen Handelnden. Außerdem kann in dieser Welt auch niemand jemals für irgendetwas verantwortlich gemacht werden. Selbst wenn es so aussieht, als würde eines dieser Wesen einem anderen Schaden zufügen, wird keine Reue empfunden und niemandem wird dafür die Schuld gegeben. Würde man einen dieser Körper-Geist-Organismen dazu befragen, wäre die Antwort, dass es niemanden gibt, der etwas getan hat. Ethik ist hier ein unbekannter Begriff. Die Naturgesetze scheinen in dieser schönen neuen Welt außer Kraft gesetzt zu sein. Oder sie wurden hier vielleicht neu formuliert, denn die Wesen scheinen einige seltsame Gesetze einzuhalten. Sie fragen sich, wo in aller Welt sie sich wohl befinden. Aber Sie sind nicht auf dieser Welt. Sie sind auf dem Planeten Advaita gelandet. Ich war nach Bombay gekommen, um Ramesh Balsekar, einen der bekanntesten heute lebenden Lehrer der Advaita-Vedanta-Lehre, zu interviewen. Er lebt im Herzen dieser riesigen chaotischen Stadt in einem exclusiven Wohngebiet direkt am Meer, das, wie mich mein Taxifahrer informierte, Wohnsitz zahlreicher VIPs ist. Der Portier seiner Wohnanlage zeigte mir mit der automatischen Annahme, dass ich als Westler wohl gekommen war, um Ramesh Balsekar zu sehen, den Weg zu einer oberen Etage, wo Balsekar in einer sehr geräumigen und gediegen eingerichteten Wohnung residiert. Balsekar war ein sehr höflicher Gastgeber und begrüßte mich herzlich in traditioneller indischer Manier. Er war strahlend und lebhaft und ich konnte nur schwer glauben, dass er achtzig Jahre alt sein sollte. Ramesh Balsekar hat einen ungewöhnlichen Background für einen indischen Guru. Er ist im Westen erzogen und ausgebildet worden, machte dann eine äußerst erfolgreiche Karriere in leitender Position und ging im Alter von sechzig Jahren als Präsident der Bank of India in den Ruhestand. Er sagte, dass er immer zum Fatalismus tendiert hätte; seine spirituelle Suche begann jedoch erst, nachdem er sich in den Ruhestand zurückgezogen hatte, eine Suche, die ihn auf raschem Wege zu seinem Guru dem bekannten Advaita-Meister Sri Nisargadatta Maharaj führte. Nisargadatta war ein leidenschaftlicher Lehrer, der in den 70-er Jahren im Westen Berühmtheit erlangte, als eine englische Übersetzung seiner Gespräche mit dem Titel I am That – erschien ein Buch, das ein moderner spiritueller Klassiker wurde. In weniger als einem Jahr nach seiner Begegnung mit Nisargadatta gelangte Balsekar spontan zu dem, was er das letztendliche Verstehen nennt – Erleuchtung, während er für seinen Guru übersetzte. Laut Balsekars Darstellung erteilte ihm Nisargadatta kurz vor seinem Tod die Erlaubnis zu lehren, und seither hat er ohne Unterbrechung seine Botschaft als Nachfolger dieses hoch angesehenen Lehrers weitergegeben. Balsekar hat zahlreiche Bücher über seine Lehre veröffentlicht und in Europa, den Vereinigten Staaten sowie in weiten Teilen Indiens Vorträge gehalten. Er gibt jeden Morgen in seiner Wohnung Satsang (Begegnung mit einem spirituellen Meister), und ein stetiger Strom von fast ausschließlich westlichen Suchenden findet den Weg nach Bombay, um ihn zu treffen. Da wir in dieser Ausgabe von WIE unseren Fokus auf Advaita gerichtet haben, wollten wir Balsekar einerseits deshalb sprechen, weil er ein allgemein bekannter und sehr einflussreicher Advaita-Lehrer ist – jetzt mit Schülern, denen er die Berechtigung erteilt hat, eigenverantwortlich zu lehren, – und andererseits, weil er von vielen als der Nachfolger eines der bekanntesten Advaita-Lehrer der modernen Zeit angesehen wird. Wie dem auch sei, beim Studium der Schriften von Balsekar erkannten wir bald, dass er eine durchaus ungewöhnliche und vielleicht auch von ihm persönlich geprägte Form von Advaita lehrt, die, so hatten wir ganz ehrlich gesagt das Gefühl, zu sehr fraglichen und sogar irritierenden Schlussfolgerungen geführt hat. Denn obwohl das indische Denken seit langem wegen seiner deterministischen Tendenzen kritisiert wird, scheint Balsekar diesen Fatalismus zu einem noch nie da gewesenen Extrem geführt zu haben. Letztendlich war es ebenso sehr der Wunsch, diese Bereiche, die solches Unbehagen hervorriefen, näher zu durchleuchten, wie auch unser allgemeines Interesse an der Advaita-Lehre, die mich schließlich nach Bombay führten, um mit ihm zu sprechen. Und obwohl ich in der Erwartung einer sicherlich herausfordernden Begegnung hierher gekommen war, wird mir jetzt rückblickend klar, dass es absolut unmöglich gewesen wäre, mich in irgendeiner Weise auf dieses Gespräch vorzubereiten, das stattfinden sollte, während uns Kaffee gereicht wurde und wir es uns in seinem Wohnzimmer bequem machten.
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