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Einleitung
Oberflächlich mag das nach „Chancengleichheit“ klingen und sich damit für westliche Ohren erfreulich demokratisch anhören. Wenn Masefields These jedoch zutrifft, würde das eigentlich bedeuten, dass die Welt, in der der Buddha lebte und lehrte, weit entfernt war von der gleichermaßen homogenisierten wie pluralistischen buddhistischen Kultur im heutigen Westen. Seine These besagt nämlich, dass zur Zeit des Buddha die Kraft und die Bedeutung der Erleuchtung unmöglich ignoriert werden konnten und sich in Form klarer und unmissverständlicher Wirkungen auf das Bewusstsein des Einzelnen erfassen ließen. Sie bedeutet auch, dass das Erscheinen eines wahrhaft erleuchteten Lehrers ganz natürlich und spontan zum Entstehen einer authentischen spirituellen Elite führte, deren unbedingte Autorität alle gesellschaftlichen und sozialen Kategorien des weltlichen Lebens transzendierte. Masefield ist für seine Ansichten hinlänglich kritisiert worden, wie er uns erzählte. Von unserem Interesse an seiner Arbeit war er „ganz überrascht“. Seitdem 1986 seine Dissertation in England unter dem Titel Divine Revelations in Pali Buddhism veröffentlicht worden ist, hat er „überhaupt keine Ahnung, wie die Menschen auf das Buch reagieren oder ob es überhaupt jemand gelesen hat“. Trotz der Veröffentlichung einer amerikanischen Ausgabe kurze Zeit später hatte Masefield, der in Sydney, Australien, wohnt, von seinem Verleger in den vergangenen acht Jahren nicht ein einziges Mal irgendeine Nachricht bekommen. In dieser Zeit lehrte er als Gastprofessor an verschiedenen Universitäten auf der ganzen Welt und übersetzte weitere buddhistische Texte. „Meine Arbeit an der Übersetzung von Pali-Kommentaren nimmt mich nach wie vor sehr in Anspruch“, sagte er uns. „Als ich letztes Jahr in Montreal einen Vortrag hielt, war einer der Studenten davon offensichtlich so begeistert, dass er aus dem Vortragssaal stürmte und das Buch kaufte, aber er hat sich nie mit mir in Verbindung gesetzt, um mir zu sagen, ob er es für Unsinn hält oder nicht.“ Wir waren von Masefields Buch inspiriert und wollten mit ihm sprechen, weil es sich im Verlauf unserer Nachforschungen darüber, ob überhaupt jemand weiß, wovon er spricht, wenn es um das Thema Erleuchtung geht, doch als sehr schwierig erwies, eine zeitgenössische Ausformulierung der Lehre Buddhas zu finden, welche die immer Ehrfurcht gebietende und erhabene Natur der transzendenten spirituellen Erfahrung nicht auf ein leicht zu handhabendes Maß reduziert. Masefields Buch hätte in dieser Hinsicht nicht deutlicher sein können, was besonders darauf zurückzuführen ist, dass er etliche kraftvolle Beschreibungen in den Text aufgenommen hat, die aus den Urtexten stammen und von den transformierenden Begegnungen zwischen dem Meister und denen erzählen, die gerade dabei waren, seine Jünger zu werden, ohne dass sie das selbst wussten. Wir stimmten zwar nicht immer mit Masefields Schlussfolgerungen überein, waren aber bewegt durch die Achtung, die er gegenüber den von ihm geschilderten Menschen und Ereignissen empfand, und die Sorgfalt, die er darauf verwandte, die kraftvolle Übertragung durch diese Menschen selbst zum Ausdruck bringen und an den Leser vermitteln zu lassen, die zumindest einige von ihnen in Gegenwart des Buddha vermutlich erlebt haben müssen. Überall in seinem Buch ist Masefields strenge und genaue Analyse der Texte unablässig darauf ausgerichtet, das Wesen und die Auswirkungen dieser mysteriösen Übertragung aufzudecken. Eine zentrale Aussage seiner These lautet, dass das Erlangen der „rechten Einsicht“, welche den ersten Schritt auf dem Achtfachen Pfad des Buddha zur Befreiung darstellt, schon in sich ein transzendentes Ereignis ist und dass „es keine Praxis geben kann, durch die sich diese rechte Einsicht aneignen lasse. Tatsächlich finden wir bei der Untersuchung der Gelegenheiten, bei denen Menschen diese rechte Einsicht erlangten, immer heraus, dass diese Befähigung am Ende auf einer speziell für diesen Einzelnen zugeschnittenen mündlichen Initiation des Buddha beruhte, bei der sich der Buddha zunächst auf die Ebene des betreffenden Individuums begab und es dann durch fortschreitende Ansprache allmählich in einen Bewusstseinszustand führte, in dem es den ständigen Wandel der Erscheinungswelt, die jenseits davon liegende Zufluchtsstätte und den Weg dorthin selbst erkennen konnte. In diesem Augenblick wurde dieses Individuum zum Ariyasavaka, zu einem Menschen, der das Tosen des Zeitlosen Jenseits vernimmt, und dieser durch den Buddha gewährte Einblick war es auch, der die rechte Einsicht des Pfades ausmachte.“ Diese am Anfang stehende „rechte Einsicht“ des Pfades und nicht die am Ende des Pfades stehende Errungenschaft war es auch, die den Ariyasavaka vom Puthujjana unterschied: „Dem Puthujjana fehlt die Einsicht, die durch das Hören des Dhamma (der Lehre) entsteht, entweder weil er nie die Gelegenheit hat, das Dhamma zu hören, oder weil er, wenn er ihn hört, davon unbeeinflusst bleibt, und deshalb die Dinge nie so sieht, wie sie wirklich sind.“ Während Masefield an anderer Stelle weiter ausführt, „dass der ariyan (überweltliche) Achtfache Pfad die alleinige Domäne des Savaka war, … sickerten die Nachrichten über diesen Pfad zwangsläufig irgendwann auch bis zum Puthujjana durch, was zur Folge hatte, dass dieser ihn missverstand. Dies hatte zur Folge, dass wir nun auch auf Mönche stoßen, die Puthujjana sind.“ Masefields Beobachtungen zwangen uns, die Mühseligkeit und den heiklen Charakter der manchmal undankbaren Aufgabe des Buddha in unsere Überlegungen mit einzubeziehen und uns auch zu fragen, inwieweit seine Mühe wohl in unserer heutigen Zeit belohnt worden wäre. Es trifft zu, dass sich der Buddhismus besonders im Westen gegenwärtig einer noch nie dagewesenen Beliebtheit erfreut. Aber welcher Art ist diese Beliebtheit, wollten wir Masefield fragen. Und wie würde die Lehre des Buddha aufgenommen, würde sie uns hier und jetzt von ihm persönlich angeboten? Laut Masefield hatte der Buddha nie irgendwelche Illusionen in Bezug auf das, wogegen er bei seinem Bemühen anzutreten hatte, sowohl spirituell als auch praktisch so viele Menschen wie nur möglich – und dazu zählten auch seine eigenen Schüler – aus einem Schlummer aufzuwecken, dem sich der Großteil der Menschen nur allzu gerne ergibt. „Denn der Buddha“, schreibt er, „dachte unmittelbar nach der Erlangung der Erleuchtung über die dem Puthujjana gleichenden Gewohnheiten der Welt nach und spürte bereits bei dem Versuch, sie zu belehren, einen gewissen Widerwillen:
Wie die wohl bekannte Geschichte weiter ausführt, griff in diesem Augenblick ein himmlisches Wesen, Brahma Sahampati, ein, wie Masefield beschreibt, „und wies darauf hin, dass es Wesen in der Welt gab, deren Blick kaum getrübt war … und die, wenn sie das Dhamma nicht hörten, zugrunde gehen würden, die jedoch das Wissen vom Dhamma erlangen könnten. Als Folge davon suchte der Buddha die Welt mit seinen Buddha-Augen ab, und als er erkannte, dass es solche Wesen gab, erklärte er sich damit einverstanden, um dieser Wesen willen zu lehren. … Es muss jedoch betont werden, dass, auch wenn der Blick solcher Wesen nur wenig getrübt war und diese Wesen das Potenzial besaßen, die Sotapatti-Frucht (in den Pfad eingeführt zu werden) zu erkennen, sie trotzdem immer noch durch Sinnenfreuden eingeschränkte und dadurch an Mara (den kosmischen Versucher) gebundene Puthujjanas waren. Jede Rettung erforderte besonderes Geschick, da dabei auch Maras tückische Ränkespiele durchkreuzt werden mussten.“ Was ermöglichte nun dem Buddha, der ja trotz seiner außergewöhnlichen Errungenschaften nie behauptete, etwas anderes als ein Mensch zu sein, auch nur eine einzige solch qualvolle Rettung zu vollbringen? Masefield vertritt bescheiden und keinesfalls als erster die Ansicht, dass der Grund für die befreiende Wirkung des Sehens der Dinge, „wie sie wirklich sind“, darin liegt, dass der direkte Einblick in das grundlegende Wesen der Dinge in der Tat den transzendenten Kontext offenbart, der allein dem Dhamma seine transformierende Kraft gibt. Das Vollkommene „des Vollendeten“ liegt genau darin, dass er jedes Hindernis überwunden hat, das der Verwirklichung jenes Ortes und der Fähigkeit, den Weg dorthin zu weisen, im Wege steht. Jenem Ort „an dem Wasser, Erde, Wärme und Wind keinen Halt finden, es keinen Sternenglanz gibt, keine Sonne zu sehen ist, kein Mond scheint, keine Dunkelheit gefunden werden kann; und wenn der Weise, der Brahmane, in seiner Weisheit diesen Ort selbst erkennt, wird er von … Glück und Leid befreit.“ „Ohne eine positive Entsprechung zu dem rein negativen Aufhören jeglichen Werdens könnten dem Buddhismus tatsächlich jene vernichtenden Doktrinen angelastet werden, die der Buddha so häufig verneinte“, schreibt Masefield. „Gleichzeitig würde es nicht wirklich möglich sein, Mara und dem unaufhörlichen Werden zu entrinnen. … Da es jedoch auch den Bereich des Unsterblichen gibt, der für den Tod oder Mara verschlossen bleibt, besteht die Möglichkeit, dem Reich des Todes und allem, was damit zusammenhängt, zu entkommen. Durch die Entscheidung des Buddha, das Dhamma zu lehren, wurde das Tor zu diesem Unsterblichen weit aufgestoßen.“
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