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Leserforum

 

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„ONE TASTE”

Herzlichen Glückwunsch zu einer weiteren hervorragenden Ausgabe von WIE. Ich hätte nur einen einzigen kleinen Kritikpunkt anzubringen: die Redakteure von WIE haben meine Arbeit immer sehr genau und fair dargestellt, aber aus der letzten Ausgabe schien hervorzugehen, dass ich Erleuchtung als das Produkt einer Entwicklung sehe oder als die höchste Stufe einer Entwicklung („In der Zwischenzeit: Interview mit Francis Vaughan”). So sehe ich das aber nicht und habe es auch nie so gesehen; oder vielmehr: es ist bestenfalls die „Hälfte” des Bildes, so wie ich es sehe

Erleuchtung ist nicht das höchste Stadium einer zeitbedingten Entwicklung, sondern überhaupt ein Heraustreten aus dem Zyklus der in der Zeit stattfindenden Entwicklung. So wie Shankara schon vor sehr langer Zeit sagte: wäre Erleuchtung ein Ergebnis von bestimmten Handlungen, Phasen oder Ursachen, dann würde Erleuchtung zu einer Wirkung und also zu etwas ausschließlich Relativem, in der Zeit Stattfindendem, Begrenztem und nicht Absolutemdas würde es mit anderen Worten zu Nicht-Erleuchtung machen. Erleuchtung ist vielmehr die radikale Verwirklichung des allgegenwärtigen Zustandes aller Zustände, eine radikale Freiheit, die radikale Fülle ist, eine unendliche Erlösung inmitten von Leiden, die stillschweigende Verwirklichung, im höchsten Grade eins zu sein mit allem, was von einem Augenblick zum anderen in absolut jedem Bereich entsteht, hoch oder niedrig, heilig oder profan. Diese radikale Verwirklichung, die im zeitlosen und stets gegenwärtigen Moment existiert, kann buchstäblich in jeder Phase der normalen Entwicklung auftreten und ist nicht die Auswirkung irgendeiner Ursache, denn sie ist an sich zeitlos und allgegenwärtig, ohne Ursache und ungeboren.

Trotzdem gibt es in allen Kulturen sehr viele Beweise dafür, dass es umso wahrscheinlicher ist, dass diese Verwirklichung eintreten kann, je höher der Grad der Bewusstseinsentwicklung ist. Deshalb wird sogar bei radikalen Pfaden wie Vedanta oder Dzogchen die Meditationspraxis als Hilfe sehr hoch bewertet, nicht aber als die Ursache für Erleuchtung. So wie Richard Baker Roshi sagt: „Erleuchtung passiert wie ein Unfall; die Meditation erhöht dein Unfallrisiko.”

Ebenso macht alles, was dazu beitragen kann, die Fähigkeit zur Entwicklung des Bewusstseins zu steigernmoralische Entwicklung, Wahrnehmungsentwicklung, spirituelle Entwicklung die Wahrscheinlichkeit größer, dass man den eigenen Urgeist erkennt und den eigenen Zustand tatsächlich sieht, und das ist ganz einfach One Tastedie Erkenntnis, dass man selbst und der gesamte Kosmos in allen Bereichen derselbe Geschmack ist, vom Wachen zum Träumen bis hin zum Schlafen, und dieser eine Geschmack ist göttlich.

Psychologische, aber auch spirituelle (oder meditative) Entwicklung ist also hilfreich, um seine tiefen inneren Potentiale zu entfaltenman kann buchstäblich alles entwickeln, von moralischen Reaktionen bis zum Aufgehen in der Meditation (Samadhi). Aber all das gehört dem manifesten relativen Bereich andem Bereich von Samsara –, und bei der Erleuchtung geht es darum, völlig aus diesem Zyklus herauszutreten. Deshalb halten sowohl Vedanta als auch Dzogchen fest, dass bei endgültiger Analyse Meditation an und für sich nicht spirituelles Bewusstsein bringen wird (denn dieses allgegenwärtige Bewusstsein hat keinen Beginn in der Zeit und man kann daher auch nicht hineintreten: man kann nicht in das eintreten, was man nie verlassen hat). Trotzdem machen es sowohl die psychologische als auch die meditative Entwicklung wahrscheinlicher, dass man letzten Endes jeder Entwicklung müde wird und aus dem Rad der endlosen Qual der Erfahrung, die wir Samsara nennen, heraussteigt und in allgegenwärtiger Bewusstheit ruhend den Einen Geschmack in allen Bereichen manifestiert.

Dieses paradoxe Faktum (Erleuchtung ist allgegenwärtig und hat keine Ursache, und doch kann die Entwicklung des Bewusstseins die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man Verwirklichung erlangt) ist der Grund dafür, warum ich in den ersten elf Kapiteln von The Eye of the Spirit über die verschiedenen Formen der Entwicklung spreche und dann im letzten Kapitelim abschließenden Kapiteldavon, völlig aus der Entwicklung herauszusteigen und den allgegenwärtigen One Taste zu erkennen. Beide Seiten dieses Paradoxons der Erleuchtung müssen bedacht werden. Zu oft geben Menschen nur entweder der einen oder der anderen Seite den Vorzug. Wenn sie nur die Entwicklung betonen, dann entgeht ihnen das kostbare und allgegenwärtige Wesen dieses One Taste. Sich immer weiter zu entwickeln heißt für immer am Eigentlichen vorbeigehen. Oder sie betonen nur das radikale Wesen der allgegenwärtigen Erleuchtung und verabsäumen es dann, ihren Schülern die hilfreichen Mittel an die Hand zu geben, die dazu beitragen können, das „Unfallrisiko zu erhöhen”Mittel, die eine psychologische und eine relative spirituelle (oder meditative) Entwicklung beinhalten. In diesem Fall sprechen die Schüler endlos über radikale Transformation, aber nur wenige verwirklichen sie tatsächlich.

Der große Zen-Meister Ma Tsu drückte es wahrscheinlich am besten aus: „Wenn es irgendeine Entwicklung im Tao gibt, dann ist die Vollendung dieser Entwicklung tatsächlich der Ruin und die Zerstörung des Tao. Wenn es aber überhaupt keine Entwicklung gibt, dann bleibt man völlig unerleuchtet.”
Ken Wilber
Boulder, Colorado

HALLO WIE

Auf dem Ken Wilber Event von letztem Wochenende wurde viel darüber diskutiert, was Erleuchtung ist, und auch Ihre Zeitschrift kommentiert. Zur Ausgabe 03 habe ich folgende Bemerkungen: Sie fragen im Editorial, „Weiß überhaupt irgendjemand, worum es geht?”, „Wagt irgendjemand zu wissen, wovon er spricht?” und „Wie können wir wissen, dass wir wissen?” Auch wenn Sie schreiben, dass in puncto Erleuchtung praktisch alle unterschiedlicher Meinung sind, dann scheint mir da ein großer Mangel an wirklicher Erfahrung vorzuliegen. Die echte Erleuchtungserfahrung ist eindeutig definiert, und das schon seit über 3000 Jahren, aber diese ist leider in Ihrem Heft nicht veröffentlicht. Es ist das, was die Inder „Turiyatita” (jenseits des Vierten) oder „Sahaja Samadhi” (den natürlichen Samadhi) nennen. Ken Wilber nennt diese Erfahrung „One Taste”: es ist das permanente, reine Gewahrsein dessen, was IST, und zwar jenseits aller Zustände von Wachen, Traum, Schlaf und Yogi-Trance, denn dieses Gewahren ist kein Zustand mehr, der sich ändern könnte. Wer in diesem reinen Gewahrsein lebt, weiß, dass er weiß, und zwar für immer. Deshalb wird diese Realisation auch der „Yoga des Unwiderlegbaren” genannt. Aber wie kann man nun einen Lehrer beurteilen, ob er wirklich in diesem Gewahrsein lebt oder nur davon theoretisch weiß? Nun, auch da gibt es Regeln: 1. kann man ihm spezifische Fragen über die Natur von Turiya und Turiyatita stellen. Und 2. kann man an seinen Reden, Lehren usw. feststellen, ob er wirklich weiß. Denn bestimmte Aussagen sind nun nicht mehr möglich. Punkt! Ansonsten enthält das Heft einige Perlen: die Beiträge von Ajja, Frances Vaughan und Helen Tworkov.
Johann Munzer
Schweiz

BRIEF AUS BOMBAY

Chris Parishs Artikel („Intime Begegnungen der Advaita-Art: der euphorische Nihilismus des Ramesh Balsekar”) gefiel mir außerordentlich gut. Abgesehen davon, dass der Artikel richtig war, war er nicht nur sehr gut geschrieben, sondern auch ehrlich und aufrichtig.
Ramesh S. Balsekar
Bombay, Indien

AUFRÜTTELN

Ramesh Balsekars „Philosophie” ist letztlich eine Etüde in dümmlicher Semantik. Er beschreibt im Großen und Ganzen die Welt und die Handlungen, die darin stattfinden, als nichts anderes als Ereignisse, die „einfach passieren”. Einerseits ist das von einem erhöhten Blickpunkt aus gesehen eine Binsenweisheit, und letztlich bringt es uns auch nirgendwo hin. Natürlich kann man sagen, dass unsere Gedanken einfach nur geschehen, dass wir sozusagen keine Kontrolle über unsere Kontrollfähigkeit haben, letzten Endes über unsere Entscheidungen keine Entscheidungsfreiheit haben. Balsekar nimmt es zwar nicht zur Kenntnis, aber diese Analyse lässt uns im Kreis gehen, macht alles bedeutungslos, und dann erhält wiederum alles eine tiefe Bedeutung. Der Grundtenor ist: wir nehmen immer noch wahr, dass wir einen freien Willen haben, denn in Balsekars Paradigma ist es der Wille Gottes, dass wir uns als Wesen wahrnehmen, die einen freien Willen haben, und das wir uns als Wesen wahrnehmen, die eine Entscheidungsmöglichkeit haben ungeachtet dessen, dass die Entscheidung, die wir einmal getroffen haben, so getroffen worden ist, wie Gott sie uns zu treffen vorgesehen hat. Deshalb wird die Rolle Gottes letztlich irrelevant für uns. Vielleicht ist auch Gottes Wille vorherbestimmt, aber hat es dann wirklich Sinn, darüber nachzudenken oder es zu wissen? Es bringt uns einfach an den Anfang zurück, nämlich dass wir so geschaffen worden sind, dass wir Entscheidungen treffen müssen, die uns und andere betreffen, und daher tun wir es auch. Die Gefahr von Balsekars Herangehensweise ist jedoch die, die der Interviewer wiederholt aufzeigte: Sie bietet den Menschen eine Ausrede dafür, Entscheidungen zu treffen, die ihnen selbst dienlich sind, oder etwas zu tun oder nicht zu tun, weil die Welt keinen moralischen Inhalt mehr hat. Da alles der Wille Gottes ist, hat es ebenso viel Bedeutung, wenn ich den kleinen Jungen von nebenan umbringe (oder noch weniger), wie wenn du in altruistischer Weise Almosen an die Armen verteilst.

Schließlich finde ich es irritierend, dass Balsekar sich für einen brillanten „Weisen” hält, der „versteht, was geschieht”, nicht so wie der „normale Mensch”, der natürlich diese Einsicht nicht hat. Mutter Theresa andererseits war nichts anderes als ein „programmierter Körper-Geist-Organismus”. Nach meinem Dafürhalten ist dieser selbstgefällige und anmaßende Mann, der in seinem kuscheligen kleinen Strandapart-ment über diese selbstverständliche, aber unvollständige Beobachtung vor sich hin sinniert, dass die Welt das Spiel Gottes ist, nicht dazu qualifiziert, einen Kommentar über die Handlungen eines Menschen abzugeben, der ihm sowohl in der Einsicht als auch im Handeln klar überlegen ist. Und übrigens: Gott hat mich so programmiert, dass ich das sage, denn er weiß, dass Balsekar aufgerüttelt werden muss.
Lisa Novak
E-Mail

WENN GOTT EINGREIFT

Wie immer hat mir auch die letzte Ausgabe von WIE außerordentlich gut gefallen. Andrew Cohens Einleitung war ein wunderbares Resümee des gordischen Knotens, dem sich Menschen gegenübersehen, die Befreiung suchen.

Ein genauer Blick auf die theoretische Physik beantwortet meiner Ansicht nach die Frage, ob freier Wille oder Determinismus: nichts ist vorherbestimmt. Ziehen wir doch nur einmal in Betracht, wie verrückt die These von Ramesh Balsekar ist, dass eine Handlung dann passiert, wenn es Gottes Wille ist, dass sie passiert. Balsekar würde in diesen „Willen” auch den Horror der Todeslager einbeziehen. Ja gut, Dinge passieren, Gedanken tauchen auf, aber es ist nichts anderes als Gottes Energie im Hintergrund, die für diese Taten eingesetzt wird nicht Sein Wille. Es ist unser Wille, es sind unsere Handlungen, die auf dieser kleinen Bühne schaffen und zerstören. Unsere Leben sind nichts anderes als die Punkte an der Oberfläche eines riesigen, bewussten Multiversums. Und wir sind uns selbst überlassen, und Gott mischt sich mit keinerlei Kraft oder Willen in alle unsere Angelegenheiten ein. „Gewalt ist nicht Teil des Tao” sagt Lao Tse. In dem schönen Buch Samadhi und jenseits davon von Sri Surath können wir lesen, dass nur im Zustand von Samadhi (spirituelle Ekstase) Gott ins Spiel kommt: „In diesem Zustand der Stille übernimmt der Vater die Kontrolle. Er formt die Seele neu und treibt sie weiter in eine neue Schöpfung.”

Das Multiversum lässt als bewusstes Wesen erleuchtete Wesen entstehen. Und was ist ein erleuchtetes Wesen? Ein erleuchtetes Wesen ist ein völlig bewusstes Wesen. Wenn man so bewusst ist wie das Multiversum, dann ist man erleuchtet.
Richard H. Pratt,
Doktor der Philosophie
Hendersen, Nevada

WER SIND WIR?

Ich würde gerne einige Worte zu Chris Parishs Interview mit Ramesh Balsekar in der letzten Ausgabe von WIE sagen. Während ich das Interview las, kam mir in den Sinn, dass es vielleicht hilfreich sein könnte, die Frage zu stellen, wer wir sind. Der Interviewer verteidigte immer wieder den Standpunkt, dass wir für unsere Handlungen Verantwortung zu übernehmen hätten, während Balsekar festhielt, dass wir keine Kontrolle über sie haben. Ich denke, beide könnten Recht haben, je nachdem, womit wir uns identifizieren; das Problem ist also, was wir mit „wir” meinen. Solange wir uns mit unserem Körper-Geist identifizieren, sind „wir” zweifellos für unsere Handlungen verantwortlich. Aber sobald unser Bewusstein das erste Niveau des spirituellen Bereichs betritt, identifizieren wir uns nicht mehr länger mit unserem Körper-Geist. Dann werden wir uns der Tatsache bewusst, dass wir einen Körper und einen Geist haben, dass wir in Wahrheit aber mehr sind. Dann identifizieren wir uns mit dem „stillen Zeugen” und beobachten unseren Körper-Geist. Unser Körper-Geist scheint uns dann ein mehr oder weniger autonomes Wesen zu sein, das mit den Worten Balsekars „den Willen Gottes erfüllt”. „Wir” haben keine Kontrolle mehr über unsere Handlungen; wir beobachten sie nur.

Es ist klar, dass sich Parish im Laufe des Interviews mit dem Verstand identifizierte, während Balsekar die Ebene des stillen Zeugen darstellte. Parish beschreibt jedoch den stillen Beobachter sehr gut im Epilog, wenn er von der Einsicht spricht, die er nach dem Interview in diesem Teeladen hatte. Da wurde ihm klar: „Nicht ich trank den Tee! Nicht ich saß an dem Tisch!” Offensichtlich war die Verwirklichung eines neuen und umfassenderen „Ich” aufgetaucht.
John K. Landré
Woodside, Kalifornien

ERLEUCHTUNG FÜR FAULPELZE

In dem auf das Interview mit Ramesh Balsekar folgenden Epilog scheint Chris Parish sagen zu wollen, dass seine „ekstatische” Erfahrung einen Hinweis für die Tiefe, Weisheit und Richtigkeit von Balsekars Beschreibung von Advaita darstellte. Wenn es tatsächlich das war, was Parish ausdrücken wollte, dann bin ich ganz strikt anderer Meinung. Jeder kann eine sehr angenehme Erfahrung haben und trotzdem tief in der Täuschung leben. Ein wirklicher Psychopath könnte in der Tat eine ähnliche Erfahrung haben, wenn er jemanden tötet. Positive Gefühle und ein Freisein von Spannungen sind keinesfalls notwendigerweise ein Indiz für das Vorhandensein von Weisheit. Vielleicht habe ich missverstanden und Parish wollte einfach nur witzig sein. Ich hoffe es. Ramesh Balsekar scheint die Weisheit des „Nicht-Wissens” in die Erleuchtung eines großen Faulpelzes verkehrt zu haben. Meiner Meinung nach kann man von wirklicher Weisheit dann sprechen, wenn man angemessen, frei von konzeptuellen Vorurteilen und ohne Filter handelt, jedoch absolut nicht, wenn man Verantwortung ablehnt. Vielleicht war das Gespräch Balsekars mit Parish ein „geschicktes Mittel”, um am Geist von Parish zu arbeiten, aber ich bezweifle das. Ich bin nicht geneigt, Balsekar so hoch einzuschätzen.
Brian Adler
Boulder, Colorado

Antwort von Chris Parish:

In den letzten Monaten ist klargeworden, dass viele Leser von WIE anscheinend nicht erkannt haben, worauf ich hinauswollte, als ich meine „Erleuchtung” in der Teestube in Bombay nach meiner „intimen Begegnung” mit Ramesh Balsekar beschrieb. Ich möchte an dieser Stelle ganz klar sagen: was mich betrifft, ist der Planet Advaita ein hübscher Ort, und man kann schon einmal dort vorbeischauen, aber leben würde ich dort ganz sicher nicht wollen.

EINER SACHE AUF DER SPUR

Vor zwei Tagen fiel mir euer ausgezeichnetes Magazin, von dessen Existenz ich bis dahin nichts gewusst hatte, in die Hände. Es enthält exakte, zeitgemäße und nützliche Informationen. Eure Artikel über Advaita sind gut verständlich und könnten in ihrer Gesamtheit eine Antwort auf sehr viele Fragen von Schülern darstellen.

Der Artikel über Ramesh Balsekar ist hervorragend. Es ist die klassische Diskussion über den „freien Willen”, eine der Demarkationslinien zwischen Erleuchtung und Suche. Einerseits ist es ein faszinierendes Thema für Philosophen, andererseits ist es für den Weisenfür den ganz klar ist, dass es so etwas nicht gibt nicht einmal der Rede wert. Aber das Interview von Chris Parish zeigte darüber hinaus auch auf ganz brillante Weise auf, wie ein Weiser Präferenzen und Motivationen haben kann, während er gleichzeitig behauptet, keinen eigenen Willen zu haben! Mein Zehnjähriger würde sagen: „Stell dir mal vor!”

Für mich war jedoch von allen Artikeln Simeon Alevs Interview mit Peter Masefield („Das Tosen des zeitlosen Jenseits”) am erstaunlichsten. Der Buddhismus hatte mich niemals angezogen; ich war immer der Meinung gewesen, dass er sicher ebenso weit von Buddha wie der rechte Flügel im Christentum von Jesus entfernt ist. Ich sehe, dass ich Recht hatte. Masefields Interpretation über Buddha stimmt mit meiner eigenen persönlichen Erfahrung und mit der jedes mir bekannten Weisen überein. Die Vorstellung, dass die „richtige Sicht” eine Vorbedingung für den Weg ist, stimmt natürlich mit dem „Einblick”, der „Einweihung” überein, von denen die Advaitins sprechen. Es gibt auf der Welt zwei Arten von Menschen diejenigen, die einen klaren, nicht-dualen Funken von Einblick in die Wirklichkeit hatten, in der es keine „anderen” gibt, und diejenigen, die das nicht hatten. Und ohne diesen „Einblick” ist es nicht möglich, die erforderliche Motivation zu haben, um weiterzumachen oder um sich in richtiger Weise aus dem Irrgarten der Wünsche herauszuwinden.

Masefield ist wirklich einer Sache auf der Spur. Jetzt klingt der achtfache Weg wie Advaita: zuerst braucht man einen Guru, dann eine Einweihung, dann macht man Sadhana (die spirituelle Praxis) mit der rechten Sichtweise. Ich hatte immer gedacht, dass ein globales Aufgehen im Nicht-Sein alles andere möglich machte. Wie kann ein Mensch ohne eine spezielle magische Motivation Erfolg haben? Und Masefield sprach in seinem Interview von der ungewöhnlichen Tatsache, dass die Motivation auch mit der Sicherheit kommt, dass die Verwirklichung garantiert ist. Entweder weiß er das aus eigener Erfahrung oder er ist wirklich dem Großen Burschen auf der Spur. Der Teil der „Garantie” darin ist in hohem Maße esoterisch und unbekannt. Das ist für mich ein wirklicher Fingerzeig. Davon wissen nicht viele Menschen, und ich glaube nicht, dass ich es je zuvor gelesen habe.
Anonym

Liebe WIE-Redaktion

Mit großem Interesse und großer Freude lese ich eure Zeitschrift. Die Summe der Standpunkte und die große Bandbreite zu den einzelnen Themen ist ein Vergnügen und eine Herausforderung, sich über seinen eigenen Standpunkt Gedanken zu machen. Auf das Heft mit dem Titel „Was IST Erleuchtung” habe ich mich besonders gefreut und war wahrscheinlich auch deshalb etwas enttäuscht, da es meine Erwartungen kaum erfüllt hat. Denn in all diesen Gesprächen kommt mir genau die Fragestellung: „Was ist nun Erleuchtung wirklich?” viel zu wenig zum Tragen. Nun gut, ich erfahre viel über Advaita und Buddhismus, aber das meiste davon habe ich schon irgendwo gelesen oder gedacht gefunden. Viel lieber hätte ich mehr von den vielen Leuten gehört, die euch zu diesem Thema schon geschrieben haben. Von mir aus auch irgendwelche kruden Konzepte.
Sebastian Sauter
E-Mail


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Unsere Ausgabe zum Thema: Ego


Ist das Ego unser erbittertster Feind auf dem spirituellen Weg oder unser stärkster Verbündeter in den Wechselfällen des Lebens? Beiträge von: Ammachi, Pater Dionysios, Yogi Amrit Desai, Jack Engler, Robert Frager, Otto Kernberg, Zen Meister Sheng-Yen



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