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„ONE TASTE” Herzlichen Glückwunsch zu einer weiteren hervorragenden Ausgabe von WIE. Ich hätte nur einen einzigen kleinen Kritikpunkt anzubringen: die Redakteure von WIE haben meine Arbeit immer sehr genau und fair dargestellt, aber aus der letzten Ausgabe schien hervorzugehen, dass ich Erleuchtung als das Produkt einer Entwicklung sehe oder als die höchste Stufe einer Entwicklung („In der Zwischenzeit: Interview mit Francis Vaughan”). So sehe ich das aber nicht und habe es auch nie so gesehen; oder vielmehr: es ist bestenfalls die „Hälfte” des Bildes, so wie ich es sehe Erleuchtung ist nicht das höchste Stadium einer zeitbedingten Entwicklung, sondern überhaupt ein Heraustreten aus dem Zyklus der in der Zeit stattfindenden Entwicklung. So wie Shankara schon vor sehr langer Zeit sagte: wäre Erleuchtung ein Ergebnis von bestimmten Handlungen, Phasen oder Ursachen, dann würde Erleuchtung zu einer Wirkung und also zu etwas ausschließlich Relativem, in der Zeit Stattfindendem, Begrenztem und nicht Absolutem Trotzdem gibt es in allen Kulturen sehr viele Beweise dafür, dass es umso wahrscheinlicher ist, dass diese Verwirklichung eintreten kann, je höher der Grad der Bewusstseinsentwicklung ist. Deshalb wird sogar bei radikalen Pfaden wie Vedanta oder Dzogchen die Meditationspraxis als Hilfe sehr hoch bewertet, nicht aber als die Ursache für Erleuchtung. So wie Richard Baker Roshi sagt: „Erleuchtung passiert wie ein Unfall; die Meditation erhöht dein Unfallrisiko.” Ebenso macht alles, was dazu beitragen kann, die Fähigkeit zur Entwicklung des Bewusstseins zu steigern Psychologische, aber auch spirituelle (oder meditative) Entwicklung ist also hilfreich, um seine tiefen inneren Potentiale zu entfalten Dieses paradoxe Faktum (Erleuchtung ist allgegenwärtig und hat keine Ursache, und doch kann die Entwicklung des Bewusstseins die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass man Verwirklichung erlangt) ist der Grund dafür, warum ich in den ersten elf Kapiteln von The Eye of the Spirit über die verschiedenen Formen der Entwicklung spreche und dann im letzten Kapitel Der große Zen-Meister Ma Tsu drückte es wahrscheinlich am besten aus: „Wenn es irgendeine Entwicklung im Tao gibt, dann ist die Vollendung dieser Entwicklung tatsächlich der Ruin und die Zerstörung des Tao. Wenn es aber überhaupt keine Entwicklung gibt, dann bleibt man völlig unerleuchtet.” Ken Wilber Boulder, Colorado HALLO WIE Auf dem Ken Wilber Event von letztem Wochenende wurde viel darüber diskutiert, was Erleuchtung ist, und auch Ihre Zeitschrift kommentiert. Zur Ausgabe 03 habe ich folgende Bemerkungen: Sie fragen im Editorial, „Weiß überhaupt irgendjemand, worum es geht?”, „Wagt irgendjemand zu wissen, wovon er spricht?” und „Wie können wir wissen, dass wir wissen?” Auch wenn Sie schreiben, dass in puncto Erleuchtung praktisch alle unterschiedlicher Meinung sind, dann scheint mir da ein großer Mangel an wirklicher Erfahrung vorzuliegen. Die echte Erleuchtungserfahrung ist eindeutig definiert, und das schon seit über 3000 Jahren, aber diese ist leider in Ihrem Heft nicht veröffentlicht. Es ist das, was die Inder „Turiyatita” (jenseits des Vierten) oder „Sahaja Samadhi” (den natürlichen Samadhi) nennen. Ken Wilber nennt diese Erfahrung „One Taste”: es ist das permanente, reine Gewahrsein dessen, was IST, und zwar jenseits aller Zustände von Wachen, Traum, Schlaf und Yogi-Trance, denn dieses Gewahren ist kein Zustand mehr, der sich ändern könnte. Wer in diesem reinen Gewahrsein lebt, weiß, dass er weiß, und zwar für immer. Deshalb wird diese Realisation auch der „Yoga des Unwiderlegbaren” genannt. Aber wie kann man nun einen Lehrer beurteilen, ob er wirklich in diesem Gewahrsein lebt oder nur davon theoretisch weiß? Nun, auch da gibt es Regeln: 1. kann man ihm spezifische Fragen über die Natur von Turiya und Turiyatita stellen. Und 2. kann man an seinen Reden, Lehren usw. feststellen, ob er wirklich weiß. Denn bestimmte Aussagen sind nun nicht mehr möglich. Punkt! Ansonsten enthält das Heft einige Perlen: die Beiträge von Ajja, Frances Vaughan und Helen Tworkov. Johann Munzer Schweiz BRIEF AUS BOMBAY Chris Parishs Artikel („Intime Begegnungen der Advaita-Art: der euphorische Nihilismus des Ramesh Balsekar”) gefiel mir außerordentlich gut. Abgesehen davon, dass der Artikel richtig war, war er nicht nur sehr gut geschrieben, sondern auch ehrlich und aufrichtig. Ramesh S. Balsekar Bombay, Indien AUFRÜTTELN Ramesh Balsekars „Philosophie” ist letztlich eine Etüde in dümmlicher Semantik. Er beschreibt im Großen und Ganzen die Welt und die Handlungen, die darin stattfinden, als nichts anderes als Ereignisse, die „einfach passieren”. Einerseits ist das von einem erhöhten Blickpunkt aus gesehen eine Binsenweisheit, und letztlich bringt es uns auch nirgendwo hin. Natürlich kann man sagen, dass unsere Gedanken einfach nur geschehen, dass wir sozusagen keine Kontrolle über unsere Kontrollfähigkeit haben, letzten Endes über unsere Entscheidungen keine Entscheidungsfreiheit haben. Balsekar nimmt es zwar nicht zur Kenntnis, aber diese Analyse lässt uns im Kreis gehen, macht alles bedeutungslos, und dann erhält wiederum alles eine tiefe Bedeutung. Der Grundtenor ist: wir nehmen immer noch wahr, dass wir einen freien Willen haben, denn in Balsekars Paradigma ist es der Wille Gottes, dass wir uns als Wesen wahrnehmen, die einen freien Willen haben, und das wir uns als Wesen wahrnehmen, die eine Entscheidungsmöglichkeit haben Schließlich finde ich es irritierend, dass Balsekar sich für einen brillanten „Weisen” hält, der „versteht, was geschieht”, nicht so wie der „normale Mensch”, der natürlich diese Einsicht nicht hat. Mutter Theresa andererseits war nichts anderes als ein „programmierter Körper-Geist-Organismus”. Nach meinem Dafürhalten ist dieser selbstgefällige und anmaßende Mann, der in seinem kuscheligen kleinen Strandapart-ment über diese selbstverständliche, aber unvollständige Beobachtung vor sich hin sinniert, dass die Welt das Spiel Gottes ist, nicht dazu qualifiziert, einen Kommentar über die Handlungen eines Menschen abzugeben, der ihm sowohl in der Einsicht als auch im Handeln klar überlegen ist. Und übrigens: Gott hat mich so programmiert, dass ich das sage, denn er weiß, dass Balsekar aufgerüttelt werden muss. Lisa Novak WENN GOTT EINGREIFT Wie immer hat mir auch die letzte Ausgabe von WIE außerordentlich gut gefallen. Andrew Cohens Einleitung war ein wunderbares Resümee des gordischen Knotens, dem sich Menschen gegenübersehen, die Befreiung suchen. Ein genauer Blick auf die theoretische Physik beantwortet meiner Ansicht nach die Frage, ob freier Wille oder Determinismus: nichts ist vorherbestimmt. Ziehen wir doch nur einmal in Betracht, wie verrückt die These von Ramesh Balsekar ist, dass eine Handlung dann passiert, wenn es Gottes Wille ist, dass sie passiert. Balsekar würde in diesen „Willen” auch den Horror der Todeslager einbeziehen. Ja gut, Dinge passieren, Gedanken tauchen auf, aber es ist nichts anderes als Gottes Energie im Hintergrund, die für diese Taten eingesetzt wird Das Multiversum lässt als bewusstes Wesen erleuchtete Wesen entstehen. Und was ist ein erleuchtetes Wesen? Ein erleuchtetes Wesen ist ein völlig bewusstes Wesen. Wenn man so bewusst ist wie das Multiversum, dann ist man erleuchtet. Richard H. Pratt, Doktor der Philosophie Hendersen, Nevada WER SIND WIR? Ich würde gerne einige Worte zu Chris Parishs Interview mit Ramesh Balsekar in der letzten Ausgabe von WIE sagen. Während ich das Interview las, kam mir in den Sinn, dass es vielleicht hilfreich sein könnte, die Frage zu stellen, wer wir sind. Der Interviewer verteidigte immer wieder den Standpunkt, dass wir für unsere Handlungen Verantwortung zu übernehmen hätten, während Balsekar festhielt, dass wir keine Kontrolle über sie haben. Ich denke, beide könnten Recht haben, je nachdem, womit wir uns identifizieren; das Problem ist also, was wir mit „wir” meinen. Solange wir uns mit unserem Körper-Geist identifizieren, sind „wir” zweifellos für unsere Handlungen verantwortlich. Aber sobald unser Bewusstein das erste Niveau des spirituellen Bereichs betritt, identifizieren wir uns nicht mehr länger mit unserem Körper-Geist. Dann werden wir uns der Tatsache bewusst, dass wir einen Körper und einen Geist haben, dass wir in Wahrheit aber mehr sind. Dann identifizieren wir uns mit dem „stillen Zeugen” und beobachten unseren Körper-Geist. Unser Körper-Geist scheint uns dann ein mehr oder weniger autonomes Wesen zu sein, das mit den Worten Balsekars „den Willen Gottes erfüllt”. „Wir” haben keine Kontrolle mehr über unsere Handlungen; wir beobachten sie nur. Es ist klar, dass sich Parish im Laufe des Interviews mit dem Verstand identifizierte, während Balsekar die Ebene des stillen Zeugen darstellte. Parish beschreibt jedoch den stillen Beobachter sehr gut im Epilog, wenn er von der Einsicht spricht, die er nach dem Interview in diesem Teeladen hatte. Da wurde ihm klar: „Nicht ich trank den Tee! Nicht ich saß an dem Tisch!” Offensichtlich war die Verwirklichung eines neuen und umfassenderen „Ich” aufgetaucht. John K. Landré Woodside, Kalifornien ERLEUCHTUNG FÜR FAULPELZE In dem auf das Interview mit Ramesh Balsekar folgenden Epilog scheint Chris Parish sagen zu wollen, dass seine „ekstatische” Erfahrung einen Hinweis für die Tiefe, Weisheit und Richtigkeit von Balsekars Beschreibung von Advaita darstellte. Wenn es tatsächlich das war, was Parish ausdrücken wollte, dann bin ich ganz strikt anderer Meinung. Jeder kann eine sehr angenehme Erfahrung haben und trotzdem tief in der Täuschung leben. Ein wirklicher Psychopath könnte in der Tat eine ähnliche Erfahrung haben, wenn er jemanden tötet. Positive Gefühle und ein Freisein von Spannungen sind keinesfalls notwendigerweise ein Indiz für das Vorhandensein von Weisheit. Vielleicht habe ich missverstanden und Parish wollte einfach nur witzig sein. Ich hoffe es. Ramesh Balsekar scheint die Weisheit des „Nicht-Wissens” in die Erleuchtung eines großen Faulpelzes verkehrt zu haben. Meiner Meinung nach kann man von wirklicher Weisheit dann sprechen, wenn man angemessen, frei von konzeptuellen Vorurteilen und ohne Filter handelt, jedoch absolut nicht, wenn man Verantwortung ablehnt. Vielleicht war das Gespräch Balsekars mit Parish ein „geschicktes Mittel”, um am Geist von Parish zu arbeiten, aber ich bezweifle das. Ich bin nicht geneigt, Balsekar so hoch einzuschätzen. Brian Adler Boulder, Colorado Antwort von Chris Parish: In den letzten Monaten ist klargeworden, dass viele Leser von WIE anscheinend nicht erkannt haben, worauf ich hinauswollte, als ich meine „Erleuchtung” in der Teestube in Bombay nach meiner „intimen Begegnung” mit Ramesh Balsekar beschrieb. Ich möchte an dieser Stelle ganz klar sagen: was mich betrifft, ist der Planet Advaita ein hübscher Ort, und man kann schon einmal dort vorbeischauen, aber leben würde ich dort ganz sicher nicht wollen. EINER SACHE AUF DER SPUR Vor zwei Tagen fiel mir euer ausgezeichnetes Magazin, von dessen Existenz ich bis dahin nichts gewusst hatte, in die Hände. Es enthält exakte, zeitgemäße und nützliche Informationen. Eure Artikel über Advaita sind gut verständlich und könnten in ihrer Gesamtheit eine Antwort auf sehr viele Fragen von Schülern darstellen. Der Artikel über Ramesh Balsekar ist hervorragend. Es ist die klassische Diskussion über den „freien Willen”, eine der Demarkationslinien zwischen Erleuchtung und Suche. Einerseits ist es ein faszinierendes Thema für Philosophen, andererseits ist es für den Weisen Für mich war jedoch von allen Artikeln Simeon Alevs Interview mit Peter Masefield („Das Tosen des zeitlosen Jenseits”) am erstaunlichsten. Der Buddhismus hatte mich niemals angezogen; ich war immer der Meinung gewesen, dass er sicher ebenso weit von Buddha wie der rechte Flügel im Christentum von Jesus entfernt ist. Ich sehe, dass ich Recht hatte. Masefields Interpretation über Buddha stimmt mit meiner eigenen persönlichen Erfahrung und mit der jedes mir bekannten Weisen überein. Die Vorstellung, dass die „richtige Sicht” eine Vorbedingung für den Weg ist, stimmt natürlich mit dem „Einblick”, der „Einweihung” überein, von denen die Advaitins sprechen. Es gibt auf der Welt zwei Arten von Menschen Masefield ist wirklich einer Sache auf der Spur. Jetzt klingt der achtfache Weg wie Advaita: zuerst braucht man einen Guru, dann eine Einweihung, dann macht man Sadhana (die spirituelle Praxis) mit der rechten Sichtweise. Ich hatte immer gedacht, dass ein globales Aufgehen im Nicht-Sein alles andere möglich machte. Wie kann ein Mensch ohne eine spezielle magische Motivation Erfolg haben? Und Masefield sprach in seinem Interview von der ungewöhnlichen Tatsache, dass die Motivation auch mit der Sicherheit kommt, dass die Verwirklichung garantiert ist. Entweder weiß er das aus eigener Erfahrung oder er ist wirklich dem Großen Burschen auf der Spur. Der Teil der „Garantie” darin ist in hohem Maße esoterisch und unbekannt. Das ist für mich ein wirklicher Fingerzeig. Davon wissen nicht viele Menschen, und ich glaube nicht, dass ich es je zuvor gelesen habe. Anonym Liebe WIE-Redaktion Mit großem Interesse und großer Freude lese ich eure Zeitschrift. Die Summe der Standpunkte und die große Bandbreite zu den einzelnen Themen ist ein Vergnügen und eine Herausforderung, sich über seinen eigenen Standpunkt Gedanken zu machen. Auf das Heft mit dem Titel „Was IST Erleuchtung” habe ich mich besonders gefreut und war wahrscheinlich auch deshalb etwas enttäuscht, da es meine Erwartungen kaum erfüllt hat. Denn in all diesen Gesprächen kommt mir genau die Fragestellung: „Was ist nun Erleuchtung wirklich?” viel zu wenig zum Tragen. Nun gut, ich erfahre viel über Advaita und Buddhismus, aber das meiste davon habe ich schon irgendwo gelesen oder gedacht gefunden. Viel lieber hätte ich mehr von den vielen Leuten gehört, die euch zu diesem Thema schon geschrieben haben. Von mir aus auch irgendwelche kruden Konzepte. Sebastian Sauter
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