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Selbstakzeptanz oder Ego-Tod?


Wir stellen vor: Deepak Chopra, Cheri Huber, Paul Lowe und Saniel Bonder
 

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Einleitung

Erleuchtung ist gleich Tod des Ego. Diese Gleichung galt jahrtausendelang als wahr. Während der lateinische Begriff „Ego”in der Bedeutung von „Ich”offensichtlich ein relativ junger Eintrag im englischen oder deutschen Wörterbuch ist, behauptet praktisch jede wichtige Erleuchtungstradition der Welt seit langem, dass das höchste Ziel des spirituellen und in der Tat des menschlichen Lebens in der Entsagung, der Zurück­weisung und schließlich im Tod des Bedürfnisses liegt, an einer getrennten, auf sich selbst zentrierten Existenz festzuhalten. Von Shankaras Wettern gegen das Ego als „starke und tödliche Schlange” über Mohammeds Erklärung vom „heiligen Krieg gegen die Nafs (Ego)” bis zu der wilden Entschlossenheit der Zen-Meister, jedes notwendige Mittel einzusetzen, um ihre Schüler aus dem Griff des Ego zu befreien, war diese Negativ-Interpretation von Ego, wenn es um den spirituellen Weg ging, über Menschenalter hinweg fest in den Erleuchtungslehren verankert, und zwar größtenteils unangefochten und nicht in Frage gestellt.

Im Laufe unserer Recherchen für diese Ausgabe wurde es jedoch immer deutlicher, dass Sinn und Bedeutung des Ego-Todes in unserer westlichen spirituellen Kultur einer radikalen Wandlung unterliegen, in einer Kultur, die mit Werten wie Autonomie und Selbstbewusstsein durchdrungen und von einem psychologischen Verständnis der menschlichen Natur geprägt ist. In einigen zeitgenössischen spirituellen Schulen kommt diese Neuorientierung einer Verlagerung der Gewichtung gleich, manche würden auch von einer Übersetzung früherer Werte in einen modernen Kontext sprechen. In anderen Schulen aber ist die Ablehnung rigoroser: eine radikale Neuformulierung sowohl des Weges als auch des Ziels des spirituellen Lebens. In der Tat wird dem Ideal des Ego-Todes immer häufiger eher mit Misstrauen als mit Respekt begegnet, eher mit Skepsis als mit Ehrfurchtals einer Chimäre, einer Illusion, als einem Topf voll Katzengold am Ende eines fiktiven spirituellen Regenbogens.

Dass in der spirituellen Welt eine grundlegende Verlagerung der Strukturen stattgefunden hat, war wohl niemals zuvor für uns so offensichtlich gewesen wie im letzten September, als einige Bücher auf unserem Schreibtisch lagen, die diese veränderte Landschaft in einem scharf umrissenen Relief einzufangen schienen. Titel wie „Entspanne dich, du bist schon vollkommen” oder „Du bist absolut ok: Die Überwindung des Hasses auf sich selbstEine liebevolle Anleitung, um sich selbst so annehmen zu können, wie man ist” machten eine Schlussfolgerung, die schon seit langem in der Luft lag, kristallklar: Lehren, die sagen, man müsse sich selbst akzeptieren , haben als Methode, alternativ zum Pfad der Befreiung, weitgehende Anerkennung erlangt. „Im spirituellen Leben dreht sich vieles darum, sich selbst zu akzeptieren,” schreibt Jack Kornfield, der populäre Lehrer für buddhistische Meditation, in seinem Bestseller Frag den Buddha und geh den Weg des Herzens - „vielleicht sogar alles.” Für Kornfield und viele andere Verkünder dieser freundlicheren, sanfteren Spiritualität findet sich an der Wurzel unseres spirituellen Dilemmas eine uns zu Krüppeln machende Selbstverurteilung oder Selbsthass (und nicht so sehr ein narzisstisches Ego)eine bis ins Innerste reichende psychologische Wunde, die wir mit Hilfe wahrer spiritueller Arbeit zu erkennen, zu enthüllen und letztlich zu heilen fähig sind. „Wir müssen uns so akzeptieren, wie wir sind” ist ein wohlbekannter Refrain dieser Lehrendamit alle Teile von uns, einschließlich des Ego, die in den dunklen Ecken der Psyche versteckt gewesen sind, im Rahmen einer vereinheitlichenden Vision von uns selbst wieder ausgesöhnt und integriert werden können. Für die Verfechter dieser Methode ist das traditionelle Ideal des Ego-Todes schlicht ein Anachronismus in der eklektischen und demokratischen spirituellen Kultur unserer Zeit, ein Relikt aus einem anderen Zeitalter, das eine patriarchalische, hierarchische und dualistische Sichtweise des spirituellen Lebens heraufbeschwört, wo der Mensch von Gott getrennt und zu einem Kampf gegen sich selbst aufgerufen ist, um den „schlechten” Teil seiner Persönlichkeit zu töten.

Das, was uns an diesem neuen Paradigma am meisten erstaunte, war nicht so sehr der Umstand, dass die Botschaft der Selbstakzeptanz eine wichtige Rolle in der neu entstehenden „Human Potentials‘-Bewegung spielt (letzten Endes ist das Buch Ich bin ok, du bist ok - damals bahnbrechendbereits in den 70er Jahren erschienen), sondern vielmehr die Tatsache, dass die Philosophie der Selbstakzeptanz jetzt ihren Weg in Schulen gefunden hat, deren Ziel Erleuchtung ist. Gehört sie denn dorthin? Welche Rolle sollte die Selbstakzeptanz im Leben von Menschen spielen, die nach tief gehender spiritueller Befreiung streben?

Wir sind von unserem üblichen Interview-Format abgewichen und sprachen vier spirituelle Lehrer an, die Selbstakzeptanz in ihrer Arbeit betonen, und baten sie um eine schriftliche Antwort auf eine einzige Frage zu diesem wichtigen Thema. Wir kontaktierten den allgegenwärtigen Pionier der New-Age-Philosophie Deepak Chopra; den einstmals als gesetzlichen Thronerben von Osho Rajneesh eingesetzten Einzelgänger in Sachen Therapie und jetzt unabhängigen Lehrer Paul Lowe; die Lehrerin für Zen-Meditation und Autorin einer Reihe viel gelesener Bücher über Zen und Psychologie Cheri Huber; und den langjährigen Schüler und früheren Sprecher von Da Free John, jetzt unabhängiger Lehrer der Methode „white-hot mutuality” (Gemeinsamkeit bis zur Weißglut), Saniel Bonderund sie alle waren liebenswürdigerweise bereit mitzumachen. Und obwohl diese vier unterschiedlichen Lehrer nicht immer unsere Bedenken hinsichtlich dieser neuen Seite der Ost-trifft-West-Spiritualität bestätigten, zwingen uns ihre beredten und erhellenden Antworten auf die Frage, was auf dem Weg der Befreiung wirklich wichtig ist, zu einer Auseinandersetzung mit vielen traditionellen Glaubenssätzen.

Carter Phipps


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WIE Ausgabe 4:
Unsere Ausgabe zum Thema: Ego


Ist das Ego unser erbittertster Feind auf dem spirituellen Weg oder unser stärkster Verbündeter in den Wechselfällen des Lebens? Beiträge von: Ammachi, Pater Dionysios, Yogi Amrit Desai, Jack Engler, Robert Frager, Otto Kernberg, Zen Meister Sheng-Yen



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