Your email address is kept confidential, and will never be
published, sold or given away without your explicit consent.
Thank you for joining our mailing list! Close |

|
|||||||||||||
|
Einleitung Sigmund Freud, Carl Jung und Alfred Adler. Diese drei Gestalten ragen in der Geschichte der modernen Psychologie hoch auf und werfen lange Schatten, die im Laufe eines einzigen Jahrhunderts ein für alle Mal die Art und Weise verändert haben, in der wir das Personalpronomen der ersten Person, „ich,” verwenden. Unter diesen Giganten ist zweifellos Freud der hervorstechende Monolith. Es war Freuds bahnbrechende Verwendung des Begriffs „das Ich” (lat.: ego ), durch die „das Ego” in den allgemeinen Sprachgebrauch einging und allgemeines Interesse für den Prozess der Selbst-Bewusstheit entstehen ließ. Was ist das Ego? Was ist das „Ich,” diese subjektive Empfindung seiner selbst? Wie entstand dieses eindeutige und doch so geheimnisvolle Faktum unserer Erfahrung als Menschen? Was ist das Wesen des „Geistes in der Maschine”? In Religion und Philosophie werden diese Fragen seit Jahrtausenden gestellt, wobei die westliche Psychologie bestrebt ist, wissenschaftliches Sigmund Freud machte sich mit außerordentlicher Leidenschaft, Genialität und Einsicht daran, zu wissenschaftlicher Sicherheit über Essenz und Aktivität des Ego zu kommen, was seiner Meinung nach nur gelingen konnte, wenn man die einzelnen Phänomene des Geistes und des Bewusstseins isoliert als Mechanismen darstellte. Die Auswirkungen kamen einer Revolution gleich. In den mehr als fünfzig Jahren seines bahnbrechenden Forschens über die Psyche des Menschen erarbeitete Freud ein Netzwerk von Theorien über die zahlreichen Strömungen und Gegenströmungen, die sich unter der Oberfläche der menschlichen Persönlichkeit befinden Die Art und Weise, wie wir das „Ich” sehen, scheint darauf abzufärben, wie wir alles andere sehen. Unser Verständnis vom „Ich,” vom Ego, ist vielleicht die erste und am nächsten gelegene Linse, die erste Schicht auf der Hornhaut, durch die wir unsere Erfahrung und auch die Bedeutung des Menschseins betrachten. Freud Die Psychoanalyse Adlers Lehre der Psychologie, die er „Individualpsychologie” nannte, basierte auf dem Gedanken der Unteilbarkeit der Persönlichkeit. Der bedeutendste Unterschied zu den Prämissen Freuds war seine Überzeugung, dass es absolut unumgänglich war, den Menschen als Ganzes zu sehen Carl Jung traf Freud 1907, nachdem er ihm einen Bericht über einige seiner frühen Forschungen im Bereich der psychotherapeutischen Technik der Wortassoziation geschickt hatte. Freud antwortete ihm mit einer Einladung nach Wien. Jung lebte in Zürich, wo er Psychiatrie praktizierte und an der Universität lehrte. Bei diesem ersten Treffen in Freuds Wohnung unterhielten sich die beiden Männer „dreizehn Stunden lang buchstäblich ohne Unterbrechung”. Jeder war fasziniert vom genialen und leidenschaftlichen Interesse des anderen an der Psychologie, und sie begannen eine rege Korrespondenz, wobei sie bis zu dreimal wöchentlich Briefe austauschten. Jung nahm bald eine führende Rolle in der psychoanalytischen Bewegung ein und wurde ein zuverlässiger Verfechter und Hauptverbreiter von Freuds Ideen. Freud gestand Jung, dass er ihn als seinen „Nachfolger und Kronprinzen” sah, und Jung wurde für alle Beteiligten sein Thronanwärter. Von Anfang an fand Jung in den Theorien Freuds über „Verdrängung” und „das Unbewusste” eine geniale Erklärung für viele Dinge, auf die er in seiner Arbeit mit seinen eigenen Patienten gestoßen war. Aber, wie zuvor Adler, kämpfte auch er mit Freuds Beharren auf der Vorrangstellung des Sexualtriebes. Es gab aber noch eine weitere bedeutsame Spannung zwischen Freud und Jung: Jungs wachsendes Interesse an den Weltreligionen, der Mythologie und der Alchimie, wofür Freud wenig Verständnis aufbrachte. Religiöse Fantasien und Okkultismus hatten Jung in der Tat immer wieder fasziniert, und in seiner Jugend hatte er einige „paranormale” Erfahrungen und Begegnungen mit hellsichtigen Medien gehabt. Ein entscheidender Wendepunkt in Jungs intellektueller Karriere war sein Buch Symbole der Wandlung, das er in den Jahren 1909–1912 recherchiert und geschrieben hatte, während er noch Freuds Hauptsprecher und -organisator war. Jung widmete sich den Weltmythologien und tauchte tief in die unterirdischen Höhlen von Traum, Fantasie und präverbalen Bildern ein, wo alle möglichen Götter und Dämonen beheimatet sind. „Das Ganze ist wie ein nicht aufzuhaltender Erdrutsch über mich gekommen,” so beschrieb er seine Arbeit in dieser Zeit. „Es ist die Explosion all dieser psychischen Inhalte gewesen, die in der einengenden Atmosphäre von Freuds Psychologie und in der Begrenztheit seiner Sichtweise keinen Platz und keine Luft zum Atmen hatten finden können.” 1914 brach Jung mit Freud, um seine eigene Schule der Psychologie zu entwickeln, die bei der Interpretation der psychischen Symbole mehr Gewicht auf eine universell-mythologische Sichtweise als auf eine persönlich-biografische legte. „Die Psyche stammt nicht von heute,” behauptet er. „Sie lässt sich über viele Millionen Jahre hinweg zurückverfolgen. Das individuelle Bewusstsein ist nichts anderes als Blüte und Frucht einer Jahreszeit.” Für Jung ist es das Ziel des Lebens, sich selbst zu erkennen, und sich selbst zu erkennen heißt eintauchen in die Tiefen der unbewältigten Ozeane, nicht nur des persönlichen, sondern auch des kollektiven Unbewussten. Was ist das Ego? Ist es der malträtierte Diener der Ansprüche dreier gestrenger, miteinander wetteifernder Herren, wie Freud behauptet? Oder ist es, wie Jung sagt, das zentrale Gebilde in den Breiten des Bewusstseins, das den machtvollen Launen und Verrücktheiten des größeren Unbewussten unterliegt? Oder hat es keinen Sinn, über das Ego als etwas zu sprechen, das von der Gesamtheit des menschlichen Charakters getrennt ist, wie Adler es betont? Viele Namen haben in das Pantheon der modernen Psychologie Eingang gefunden, seit Freud, Jung und Adler dort ihre jeweiligen Plätze einnahmen. Psychologen, die in ihrer Methode und ihrem Schwerpunkt so unterschiedlich sind wie B. F. Skinner und Abraham Maslow, haben geniale Versuche unternommen, das Geheimnis des „Ich” zu entschlüsseln und das Wesen des Geistes in der Maschine zu entdecken
|
|||||||||||||