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Artikel
Und was das Christentum betrifft, so fragt man sich, was Jesus wohl gedacht hätte, wenn seine Wiederkehr, die von der frühen Kirche sehnlichst erwartet wurde, tatsächlich stattgefunden hätte. Was hätte wohl der Mann, der die Tische der Geldverleiher im Tempel umgeworfen hatte, von dem Überfluss des Vatikans gehalten, oder Mohammed von den heutigen Ayatollahs im Iran oder den Taliban in Afghanistan? Oder was würde der Buddha, ein Mann, der das häusliche Leben ablehnte und gegen das Leben eines Einsiedlers eintauschte, der am Rande der Gesellschaft im Dschungel lebte, von der Tatsache halten, dass die ursprünglich monastische Bewegung, die er gegründet hatte, praktisch eine Laienbewegung geworden war zumindest so, wie sie gegen Ende des 20. Jahrhunderts im Westen praktiziert wird? Und was würde er von Anhängern halten, deren häusliche Verpflichtungen ihnen als Entschuldigung dafür dienen, dass sie an seinem Weg bestenfalls in der Form einer halbherzigen Freizeitbeschäftigung festhalten? Zu Lebzeiten des Buddha antwortete zum Beispiel der brahmanische* Laien-Anhänger Dhananjani dem ältesten Schüler des Buddha, Sariputta, auf die Frage, ob er in spirituellen Angelegenheiten eifrig gewesen sei, mit der Klage: Wie könnte ich eifrig sein, lieber Sariputta, wenn ich meine Eltern unterstützen muss, meine Frau und meine Kinder unterstützen muss, meine Sklaven, Diener und Arbeiter unterstützen muss, wenn ich meinen Freunden und Bekannten Dienste erweisen, Blutsverwandten Dienste erweisen, Gästen Dienste erweisen muss, Riten für die Ahnen vollziehen, Riten für die Götter vollziehen, Pflichten gegenüber dem König erfüllen muss und dieser Leib muss auch gesättigt und gepflegt werden! Worauf Sariputta antwortete: Was hältst du davon, Dhananjani: Angenommen, jemand würde versäumen, das heilige Leben zu führen, wegen der Notwendigkeit, seine Eltern, seine Frau und Kinder, seine Sklaven, Diener und Arbeiter zu versorgen, weil er seinen Freunden und Bekannten Dienste erweisen, seinen Blutsverwandten Dienste erweisen, seinen Gästen Dienste erweisen muss, Riten für die Ahnen durchführen, Riten für die Götter durchführen, Pflichten für den König erfüllen muss und außerdem noch einen Leib hat, für den er sorgen muss. Wegen seines Versäumnisses werden die Wächter der Niraya-Hölle ihn in ihre Hölle schleppen. Würde es ihm nützen, wenn er sagte: „Ich habe versäumt, das heilige Leben zu führen, weil es notwendig war, meine Eltern und so weiter zu unterstützen?” Worauf Dhananjani schließlich antwortet: „Nein, lieber Sariputta, denn die Wächter der Niraya-Hölle würden ihn weh-klagend in die Niraya-Hölle werfen.”(M II 186f). Zwar haben mich der Meister und die Mönche, die ihren Geist weiterentwickelten, lange Zeit besucht, doch habe ich noch nie eine solche esoterische Rede vernommen. Worauf Sariputta antwortet: Esoterische Reden wie diese, Haushalter, werden nicht vor weiß gekleideten Haushaltern gehalten. Nur vor denjenigen, die fortgegangen sind, Haushalter, werden esoterische Reden wie diese geführt. (M III 2600) Angeblich hat der Buddha einen „Mittleren Weg” gelehrt den Mittelweg zwischen der Sucht nach Sinnesfreuden einerseits und der Sucht nach Selbstkasteiung andererseits. Warum er das getan haben soll, wird besser verständlich, wenn man es vor dem Hintergrund seiner eigenen Lebenserfahrungen, die seiner Erleuchtung vorausgingen, betrachtet. Der Tradition zufolge war der Buddha der Sohn eines Fürsten im Norden Indiens. Ein Wahrsager, der gerufen wurde, um die Zukunft des Kindes zu prophezeien, sagte, er würde ein mächtiger Herrscher werden, wenn er Laie bliebe, jedoch ein Buddha, wenn er der Welt entsa-gen und fortgehen würde. Sein Vater, der hoffte, er würde ein Laie bleiben und später sein Nachfolger werden, schirmte das Kind von allen Übeln des Lebens ab und umgab ihn mit jedem erdenklichen Luxus. Eines Tages jedoch gelang es dem künftigen Buddha, sich unbemerkt von den Wächtern aus dem Palast zu stehlen, und
Er war natürlich nicht der einzige, der sich einer derart strengen Askese unterwarf. Es ist bekannt, dass solche Praktiken unter den religiösen Aussteigern seiner Zeit verbreitet waren. Auf ähnliche Weise verwarfen zum Beispiel die Jains den luxuriösen, üppigen Lebensstil der kleinen religiösen Elite, die ihren Reichtum ständig vermehrte und ihre Macht festigte, indem sie mehr und mehr komplizierte Opferrituale einführte, die von den Laien bezahlt wurden. Tatsache ist, dass zur Zeit des Buddha eine große Anzahl solcher Asketen am Rande einer Gesellschaft lebten, von der sie verabscheut wurden. Dass der Buddha diese Praktiken schließlich zugunsten eines Mittelweges zwischen den beiden erwähnten Extremen aufgab, bedeutet jedoch nicht, dass der Mittlere Weg, den er empfahl, nicht streng war er war nur weniger streng als die Praktiken, welchen er sich früher unterworfen hatte. Denn die nomadische Lebensweise, die der Buddha, nachdem er erleuchtet worden war, seiner monastischen Gemeinschaft empfahl, war kein leichter Weg: Mit nichts als einem zerlumpten Gewand zum Schutz vor Insektenstichen, kalten Nächten und Monsunregen, und mit einer Ernährung, die wenn sie Glück hatten aus Abfällen und Speiseresten bestand, waren seine Mönche verpflichtet, abgeschnitten von der Gesellschaft ein streng entsagungsvolles Leben im tiefen Dschun gel zu führen, wo sie wenn über haupt wenig schliefen. Die Mönchs regeln schrieben jeden Augenblick ihres wachen Lebens vor: Die Mönche waren verpflichtet, außer wenn sie die Lehren des Buddha diskutierten, das „arische** Schweigen” zu wahren, es war ihnen vorgeschrieben, wie sie gehen, stehen oder sitzen sollten, wie sie urinieren und ihren Darm entleeren sollten und wann und wie sie schlafen sollten. Es stand dem Mönch nicht einmal frei, wann er essen durfte und wenn er aß, war er verpflichtet, alles, was er in seiner Bettelschale empfangen hatte, zu einer unappetitlichen Masse zu vermischen und selbige dann in kleinen Brocken zu verzehren, und währenddessen musste er sich klar machen, dass er nur aß, um seinen Körper zu erhalten, bis er die Befreiung erreicht hatte. Es ist wohl kaum überraschend, dass diejenigen, die eine solche Existenz führten, von ihren Zeitgenossen nicht beneidet wurden. Noch weniger wurden sie bewundert: Mönche, dies ist die niedrigste Berufung, die eines Almosenempfängers. Ein Schimpfwort in der Welt ist es, wenn jemand sagt: Du Restesammler! Mit der Bettelschale in der Hand wanderst du umher! (It 89) Diese glatzköpfigen Einsiedler sind minderwertig, schwarz, der Schmutz von den Füßen unserer Verwandten. Sie sagen: „Wir sind Meditierende” und mit gebeugten Schultern und gesenktem Kopf, als wären sie betäubt, meditieren sie. (M I 334) * Angehöriger der höchsten Kaste der Hindu-Gesellschaft ** edel *** die Personifikation des Bösen und der Versuchung
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