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Kommt zusammen


Einführung zu dieser Ausgabe
von Andrew Cohen
 






Andrew Cohen
„In Einheit ist Stärke”, erklärte der große Swami Krishnananda der vor ihm sitzenden Zuhörerschaft in der Satsang-Halle des Ashrams seines Gurus. Das war 1984 und ich besuchte gerade Rishikesh, die heilige Pilgerstadt am Ganges im Vorgebirge des Himalaja.

Während der Swami sprach, wurde ich in eine andere Dimension, jenseits der Zeit, fortgezogen. Als dieser winzige Mann seinen Nachmittagsvortrag hielt, kehrte eine außergewöhnliche Kraft in den Raum ein; es war, als ob Krishna sein wahres Gesicht vor uns enthülltewenn auch nur eine Sekunde lang. „Aus dem Jenseits kommt ein Flüstern” sagte er zu uns. „Und wenn man sorgfältig genug lauscht, hört man, wie aus dem Flüstern ein wilder Chor wird, der alle anfleht, die seinen Ruf vernehmen können: ‚Kommt zusammenin Einheit ist Stärke'”. Er wiederholte die Botschaft noch einmal: „In Einheit ist Stärke. Kommt zusammen, kommt zusammen, kommt zusammen. In Einheit ist Stärke.” Ich war benommen, überwältigt, nicht so sehr von dem, was er sagte, sondern davon, wie er es sagte.

Tatsächlich davon, wo diese Worte herkamen. Niemals zuvor hatte ich so etwas gehört. Es war so einfach und trotzdem war es alles. Es war so als ob der Swami den Schleier der Illusion gelüftet hätte, wenn auch nur vorübergehend, und uns allen erlaubte, die Stimme Gottes zu hören. Oder, was viel wichtiger ist, den Wunsch unseres Schöpfers zu vernehmen: uns in seiner Gestalt zu vereinigen; als EINS zusammenzukommen.

Mir schien es schon immer offensichtlich, dass die unvermeidliche Antwort auf die spirituelle Erfahrung das Erwachen des unpersönlichen Bedürfnises sein sollte, mit anderen als Eins zusammen zu kommen. Die spirituelle Erfahrung, die befreit, ist die Offenbarung von vollkommener Non-Dualität,



jener flüchtige Einblick in die Endgültigkeit, der in uns die Erkenntnis unserer eigenen wahren Natur erwecktdas Eine ohne ein Zweites. Trotzdem bleibt dieses Erwachen für viele von uns meist nur eine innere Erfahrung. Aber muss nicht die Erfüllung dieser inneren Offenbarung von Ganzheit letztendlich ihren äußeren Ausdruck im Nicht-Getrenntsein finden? Seit ich vor fünfzehn Jahren zu lehren begann, war es mir nie möglich, das eine von dem anderen zu trennen. Und wenn der Offenbarungserfahrung eines Menschen nicht eine spontane und immer umfassender werdende Erfahrung von Kommunion mit anderen folgte, habe ich immer an der Tiefe und letztendlichen Bedeutung dessen gezweifelt, was da passiert war. Das einzige, worum es wirklich geht, ist zusammen zu kommen, wie Swami Krishnananda verkündet hatte.

Alle Experten, mit denen wir für diese Ausgabe von What Is Enlightnenment? gesprochen haben, machten es sehr deutlich, dass die Lösung für die aktuelle Weltkrise in Bezug auf Globalisierung, Überbevölkerung, drückende Armut, Umweltverschmutzung und Missbrauch der natürlichen Umwelt, von der Verbreitung von Waffen und Massenzerstörungsmitteln gar nicht zu reden, nicht politisch oder technologisch ist, sondern spirituell. Tatsächlich waren sich alle in der Überzeugung einig, dass dies der Fall ist. Aber worüber sie sich nicht so ganz im Klaren waren, ist das wie. Und „Wie?” ist natürlich die Eine-Millionen-Mark-Frage.

Die Lösung ist spirituell und diese Lösung verlangt von uns unweigerlich, um des Überlebens eines jeden Einzelnen und des gesamten Lebens auf diesem Planeten willen, einen Weg zueinander zu finden. Aber für das Individuum und für uns alle als Menschheit ist es anscheinend die größte Herausforderung, zusammen zu kommen. In Zeiten tiefster Krisen, wie während einer Naturkatastrophe oder eines Krieges, finden wir Gründe, vereint zu sein, aber interessanter Weise ist es für uns viel schwerer, die Bereitschaft oder gar das Interesse daran zu finden, wenn die Notwendigkeit zur Gemeinschaftlichkeit aus einer tieferen Berufung, aus einem zerbrechlicheren und zarteren Ort in uns selbst entsteht. In diesem Gebiet führe ich schon seit langem einen Kampf und versuche Menschen dazu zu inspirieren, aus dem edelsten aller Gründe, zueinander zu finden: damit die spirituelle Offenbarung hier auf der Mutter Erde manifest werden kann. Damit wir tatsächlich diese Erkenntnis der Non-Dualität oder der vollkommenen Unteilbarkeit als uns selbst gemeinsam manifestieren können. Letzten Endes ist das die größte Erfüllung der spirituellen Visionwenn die innere Offenbarung äußere Wirklichkeit geworden ist. Wenn wir alle leere Gefäße geworden sind, transparente Bezeugungen des einen Selbst in seiner Vielzahl, frei von jedem Bedürfnis, uns als getrennt zu sehen, frei von jeglicher Ego-Motivation, auf irgendeiner Ebenegrob oder feinTrennung zu schaffen. Dann, und nur dann, wird der Himmel auf genau dieser Erde offenbar werden.

Aber wir wollen das nicht tun. So weit wollen wir nicht gehen. Noch nicht. Nicht jetzt. Niemals jetzt. Wir müssen anfangen zu erkennen, dass wir unweigerlich immer irgendeinen vernünftigen Grund finden werden, unsere schädlichen Handlungen zu rechtfertigen, deren Ursprung unsere Unwissenheit oder Selbstsucht ist, solange das Bedürfnis, getrennt zu seinuns selbst als getrennt von anderen, von der Welt, vom ganzen Universum zu sehenintakt bleibt. Und es ist genau dieses Bedürfnis, getrennt zu bleiben und uns als entfernt, außerhalb und separat vom Ganzen zu sehen, das aus dem Blickwinkel der Erleuchtung die Manifestation von Ego istdas Empfinden eines getrennten Selbst, das fast alles tun kann und auch tun wird, um sich nicht hingeben zu müssen. Hingabe um der Liebe willen, Hingabe um der Wahrheit willen, Hingabe zum Wohle eines jeden Einzelnen.

Was uns dazu motiviert, uns aus einem übergeordneten Anlass zu vereinen, ist selten mehr als der Überlebenstrieb oder ein gemeinsames Eigeninteresse, das lediglich den Ängsten und Begierden des getrennten Selbstgefühls dient. Während des Golf-Kriegs sah ich einmal im Fernsehen, wie sich eine Reihe von Panzer-Battaillonen nach der anderen durch die Wüste schob und der Fernsehsprecher dazu erklärte, dass Tausende von Männern und Frauen in einer seltenen und hochgradig ausgeklügelten Organisation hatten zusammenkommen müssen, um diese außergewöhnliche Demonstration von Zusammenarbeit unterstützen zu können. In diesem Moment überkam mich ein starkes Gefühl; es bewegte mich zutiefstnicht was sie da taten, sondern die einfache Erkenntnis, dass so viele Menschen wirklich in der Lage gewesen waren, als Eines zusammenzukommen, wenn auch nur vorübergehend.

Wenn wir es schaffen, uns um unseres eigenen Überlebens willen zusammenzureißen, um des Überlebens unserer Söhne und Töchter willen und aller Pflanzen und Tiere und der Biosphäre selbst, wird dann das Opfer groß genug gewesen sein, um uns in eine völlig andere Beziehung zu Leben und Tod zu katapultieren? Eine Beziehung zu Leben und Tod, wo das, was uns zur Selbstaufgabe bewegt, nicht mehr nur die Erhaltung des Lebens wäre, sondern tatsächlich die Evolution des Lebens? Was ist Evolution? Aus der spirituellen Perspektive betrachtet, ist Evolution die Bewegung weg von einer selbstbezogenen Beziehung zum Leben zu einer hin, die auf dem unmittelbaren Verständnis der immanenten, ungeteilten Natur des Lebens selbst beruht. Es ist dieses Wissen allein, in direktem Wahrnehmen und Erkennen, das die Macht hat, unsere Beziehung zur Bedeutung unserer Bürgerschaft auf dem Raumschiff Erde völlig zu transformieren. Unser evolutionäres Potential ist so außergewöhnlich und trotzdem hängt im Moment alles an einem seidenen Faden. Es kommt auf jeden einzelnen von uns annicht um unserer selbst willen, sondern zum Wohle des Lebens selbst.

. . .In Einheit ist Stärke.
    Kommt zusammen,
    Kommt zusammen,
    Kommt zusammen.


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WIE Ausgabe 6:
Unsere Ausgabe zum Thema: Kann Erleuchtung die Welt retten?


Immer mehr Menschen sind heutzutage der Ansicht, dass jede Lösung, die eine umfassende Antwort auf die Krise unserer Welt sein soll, in ihrem Kern eine spirituelle Komponente bergen muss. Aber auf welche Weise kann denn Erleuchtung die Welt retten? Artikel und Interviews mit: Roshi Bernie Glassmann, Rabbi Michael Lerner, Ma Jaya Sati Bhagavati, Vimala Thakar und anderen …



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