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Die Zerreißprobe


Ein Interview mit Duane Elgin
von Carter Phipps
 

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Einleitung



Duane Elgin
Meine erste Begegnung mit Duane Elgins Werk warmit einem Wort gesagterschreckend. Als ich sein Buch Promise Ahead: A Vision of Hope and Action for Humanity's Future zur Hand nahm, stürzte ich beim Lesen der ersten Kapitel gleich Hals über Kopf in eine ausgesprochen klare, überzeugende und äußerst niederschmetternde Zustandsbeschreibung unserer ständig im Kampf stehenden Welt. Während Elgin die beängstigenden ökologischen und sozialen Probleme darlegte, denen wir als eine sich entfaltende Spezies derzeit entgegensehen, entwickelten sich in meiner Fantasie alle möglichen Zukunftsszenarien, die Blade Runner und Waterworld weit mehr ähnelten als Star Trek oder The Jetsons. Doch ganz im Gegensatz zu diesem ersten Eindruck stellte ich schon bald fest, dass Elgin mit Leib und Seele Optimist ist. Wie sein gesamtes Werk, so ist auch Promise Ahead erfüllt von einer positiven Zukunftsvision, die das geistige Kind eines Menschen ist, der ganz offensichtlich großes Vertrauen in das vielversprechende Potential der Menschheit setzt. Elgin scheint sich jedoch durchaus darüber im Klaren zu sein, dass Realismus der Preis ist, den wir alle heute zahlen müssen, wenn die Welt noch eine von Optimismus geprägte Zukunft haben soll. Mehr als fünfundzwanzig Jahre lang hat er den Zustand der Menschheit schonungslos unter die Lupe genommen und sich bemüht, unsere schlummernde Spezies mit der Wahrheit über unsere Lage wachzurütteln, damit wir endlich beginnen können, uns bewusst zu entwickeln.

Elgin stand schlagartig im Rampenlicht der Öffentlichkeit, als er 1981 sein mittlerweile zum Klassiker avanciertes Werk Voluntary Simplicity herausbrachte, ein Buch, das eine Hinwendung zu einfacheren und ausgewogeneren Lebensweisen ins Bewussein rückte. Damals arbeitete er als Sozialwissenschaftler in leitender Position für das Stanford Research Institute, was ihm die seltene Gelegenheit bot, gerade im Entstehen begriffene Trends in der Gesellschaft zu beobachten und zu dokumentieren. Die Ergebnisse dieser Arbeit bildeten die Grundlage sowohl für Voluntary Simplicity als auch für sein 1991 erschienenes Buch Awakening Earth: Exploring the Evolution of Human Culture and Consciousness. Letzteres war ein Versuch, dieso Elgin„tiefere Natur und Richtung der menschlichen Reise zu verstehen”. Es erforschte den Bewusstwerdungsprozess der menschlichen Spezies auf dem Weg zur Gestaltung einer gereiften globalen Zivilisation. In Awakening Earth spricht Elgin erstmals über unsere aktuelle globale Krise im Kontext der größeren evolutionären Reise unserer Gattungein kritisches Thema, das seither zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Arbeit geworden ist.

Heute, als populärer Autor, Redner und Aktivist, wendet Elgin „Zuckerbrot und Peitsche” an, um Individuen wie auch Institutionen zu ermutigen, nicht nur über die außergewöhnlichen Möglichkeiten, sondern auch über die ernüchternden Gefahren unserer Zeit gründlich und ehrlich nachzudenken. Elgin betrachtet die spirituelle Reise als einen entscheidenden Faktor zur Lösung unserer Hauptprobleme, eine Reise, die seiner Meinung nach, mehr denn je sowohl eine individuelle als auch eine kollektive sein muss. Als wir im vergangenen Sommer ein Exemplar seines Buches Promise Ahead erhielten, fanden wir darin eine von Elgin beigefügte Notiz mit der ebenso schlichten wie bedeutsamen Frage: „Wie sieht das Erwachen aus, wenn es in diese Welt einzieht?” Es ist Elgin bewusst, dass unsere gesamte Zukunft in der Tat von unserer Antwort auf diese Frage abhängen könnte, davon, ob es uns gelingen wird, von einer spirituellen Perspektive aus auf die drängenden globalen Schwierigkeiten, denen unsere erwachende Spezies in dieser entscheidenden Krisenzeit unserer evolutionären Reise gegenübersteht, einzuwirken.

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