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Einleitung
Michael Lerner wurde in seiner Jugend sehr stark von Abraham Heschel, einem großen jüdischen Theologen der Moderne, inspiriert. Als Radikaler, der er während seines Philosophiestudiums in den sechziger Jahren an der Universität Berkeley war, kam er zu dem Schluss, dass die liberalen und fortschrittlichen Bewegungen deshalb erfolglos geblieben sind, weil sie die ethischen und spirituellen Dimensionen des Menschseins nicht berücksichtigten. Anschließend erwarb er seinen Doktorgrad in klinischer Psychologie und gründete das „Institute for Labor and Mental Health” (Institut für Arbeit und geistige Gesundheit). Als Psychotherapeut erkannte er dort, dass viele Menschen aus der Arbeiterklasse „nach rechts abdrifteten, weil die Liberalen die Entfremdung und Sinnlosigkeit, die sich durch die „Ich-komme-zuerst-Haltung” in der Wirtschaft manifestierte, nicht erkannten oder thematisierten.” Als unermüdlicher politischer Aktivist wurde er auch eine führende Persönlichkeit in der „Jewish Renewal”-Bewegung. Ihm wurde klar, dass die Liberalen eine „Politik der Sinnhaftigkeit” brauchten, und dass das Judentum dafür ein Fundament bieten konnte, worauf hin er 1986 die Zeitschrift Tikkun ins Leben rief. 1993 wurde er durch die Washington Post bekannt, die ihn den „Guru des Weißen Hauses” nannte. Es kam zu einer kurzen Begegnung mit den Clintons, die von seinem einflussreichen Buch The Politics of Meaning inspiriert waren. 1996 wurde er von Rabbi Zalman Schachter-Shalomi zum Rabbiner ordiniert und gründete die Beyt Tikkun Synagoge in San Francisco. Da ich selbst ein spiritueller Lehrer bin, war es für mich sehr erfrischend, die kompromisslosen Ansichten von Rabbi Lerner zu hören. Auf dem spirituellen Marktplatz unserer westlichen Welt Mit einer unbändigen Flut mitfühlender Betroffenheit drängt Rabbi Lerner jeden einzelnen von uns dazu, sich anzuschauen, wie weit wir uns unseren tiefsten Überzeugungen gegenüber tatsächlich verpflichten. Dieses lebendige Interview fand letzten Dezember in seinem Wohnzimmer in Berkeley Hills statt.
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