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Umfassendes Mitgefühl


Ein Interview mit Brian Swimme
von Susan Bridle
 

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Einleitung



Brian Swimme
Für den mathematischen Kosmologen Brian Swimme ist das Universum fortwährend eine strahlende, geheimnisvolle Offenbarung. Die Wunder der sich entfaltenden kosmischen Kreativität zu betrachten ist für ihn eine mystische, ekstatische und ehrfurchterregende Erfahrung. Und wenn Sie mit ihm sprechen, seine Bücher lesen oder seine Lehrvideos ansehen, dann hat das etwas Ansteckendes. Als Spezialist für die evolutionäre Dynamik des Universums hat Swimme es zum zentralen Thema seiner Arbeit gemacht, eine neue Geschichte des Universums zu vermitteln: Die den Verstand sprengende Geschichte von 14 Milliarden Jahren kosmologischer Evolution, die erst durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte enthüllt wurde. 1989 gründete er das Zentrum für die Geschichte des Universums am California Institute for Integral Studies (CIIS), wo er auch Professor für Kosmologie ist. Swimme erzählt die Geschichte des Universums in der Hoffnung, dass uns diese enorme Vision aus unserem kurzsichtigen, kleinkarierten Primatengeist herauskatapultiert. Die Geschichte des Universums, wie sie die unendliche Weite von Raum und Zeit durchmisst, ist im tiefsten Sinne unsere eigene Geschichte, so glaubt Swimme. Sein Interesse gilt hierbei ganz besonders der einzigartigen Möglichkeit, die wir als Menschen jetzt im zeitgeschichtlichen Ablauf habenda sich das Universum jetzt, durch die Entwicklung der Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins zur Selbstreflexion, seiner selbst bewusst werden kann. Und für ihn ist es bei der gegenwärtigen planetarischen Krise das Wichtigste, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, wo wir bewusst damit anfangen können,
„… den Menschen als eine Dimension des entstehenden Universums” neu zu erfinden und uns als menschliche Wesen in eine Daseinsebene zu entwickeln, in der wir in tiefer Verbindung mit dem Leben sind und umfassendes Mitgefühl und Verantwortung für das Leben in seiner Gesamtheit erfahren.

Swimme machte 1978 seinen Dr. phil. in mathematischer Kosmologie an der Universität von Oregon. Bevor er nach New York umzog, um dort bei Thomas Berry an dessen Riverdale Center of Religious Studies zu studieren, hatte er mehrere Jahre an der Universität von Puget Sound gelehrt. Swimme und Berry begannen damals eine langjährige Zusammenarbeit, zu deren Früchten unter anderem die Autobiografie des Universums zählt, die sie gemeinsam 1992 schrieben. Swimme kehrte dann an das Holy Names College in Oakland zurück, wo er sieben Jahre lang lehrte und zusammen mit Matthew Fox das Manifesto for a Global Civilization schrieb, bevor er sich CIIS anschloss. Er ist Autor verschiedener Bücher, darunter Das Universum ist ein grüner Drache. Swimme reist regelmäßig, um bei Konferenzen und Organisationen zum Thema Kosmologie und Ökologie Vorträge zu halten, unter anderem bei den Vereinten Nationen, der UNESCO und The State of the World Forum.

Als ich im letzten Oktober das Vergnügen hatte, mit Dr. Swimme in der Harvard University zu sprechen, wo er an einer Konferenz zum Thema Ökologie und Religion teilnahm, sprengte das buchstäblich die Grenzen meiner Vorstellungskraft. Während wir uns zum Gespräch hinsetzten, erwähnte er, dass er eben erst von einer anderen Konferenz in Thoreaus Walden Pond State Reservation zurückgekommen wäre. Und als er dann die Größe und Majestät des Kosmos zum Leben erweckte, und ich die Art und Weise hörte, wie er über die Geburt von Galaxien sprach mit der Vertrautheit, dem Staunen und der Beredsamkeit eines Dichters, der von Grashalmen oder stillen Teichen schwärmt, da wusste ich, dass ich hier einen Natur-Mystiker getroffen hatte: Einen Natur-Mystiker des 21. Jahrhunderts allerdings, dessen Naturbegriff noch die Sphären der entferntesten Sterne umfasst.

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