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Einleitung Beim Schmökern und bei der umfangreichen Recherche für diese Ausgabe von Was ist Erleuchtung? sind wir immer wieder auf den Namen eines französischen Jesuiten-Paters und Paläontologen der 50er Jahre gestoßen: Pierre Teilhard de Chardin. Wir sahen, dass seine visionären Schriften eine wichtige Quelle der Inspiration für die zahlreichen Wissenschaftler, Ökologen, Futuristen und Theologen waren, die sich heutzutage mit kritischen Fragen zum Zustand der Erde und der Bedeutung des Menschen hierbei auseinandersetzen. Als wir Teilhard de Chardins Der Mensch im Kosmos, Das göttliche Milieu, und Die Zukunft des Menschen lasen, verstanden wir auf der Stelle, warum. Brian Swimme studiert bereits seit vielen Jahren die Arbeiten Teilhards. Als Wissenschaftler hat er ein anhaltendes Interesse an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Spiritualität, und seine Leidenschaft und sein Verstädnis sind zutiefst von Teilhards Denkweise beeinflusst worden. Wer, so dachten wir, könnte Teilhards Vision wohl besser lebendig werden lassen als er? Swimme beschreibt in seinem Vorwort zur neuen Übersetzung von „The Human Phenomenon” von Sarah Appleton-Weber, wie er Teilhard entdeckte: In New York gibt es Tage, an denen man die Sonne nie sieht und ihre Gegenwart nur an den heißen Luftströmen, die durch die Beton-Täler fegen, spürt, und an den Hitzewellen, die vom Asphalt emporsteigen. Meine Kleidung war von meinem eigenen Schweiß ganz schwer geworden, und nachdem ich mich zum dritten Mal verirrt hatte, war mir ganz danach, mich in einem klimatisierten Hotelzimmer zu verstecken, aber ich brauchte nur an meine eigene Misere zu denken, das reichte aus, um mich bei der Stange zu halten. Erst kürzlich hatte ich meinen Posten als Professor für Mathematik und Physik aufgegeben und befand mich nun auf der Suche nach Weisheit. Viele Leute hatten mir den Weg nach New York gewiesen, besonders [Aurelio Peccei], der Gründungsvater des Club of Rome, jener schöpferischen Gruppe planetarischer Denker und Visionäre. Als Peccei auf seinem Totenbett gefragt wurde, welchen von all den brillanten Köpfen, mit denen er zusammengearbeitet hatte, er am meisten empfehlen würde, sagte er einfach: Unsere größte Hoffnung ist Thomas Berry. Als ich es dann endlich bis zu Berrys Riverdale Research Center geschafft hatte und in seine Bibliothek eingeladen wurde, hätten meine Erwartungen nicht größer sein können. Er hörte mir sehr genau zu, als ich ihm meine Qual über die Zerstörung des Planeten zu schildern versuchte und meine Unklarkeit darüber, was nun zu tun sei. Nach einer langen Pause und ohne auch nur ein Wort zu sagen, holte Thomas Berry aus den Tausenden von Büchern auf den Regalen seiner Bibliothek eines hervor. Mit ernster Miene schob er Teilhard de Chardins großes Werk Der Mensch im Kosmos über den Tisch. Ich war auf der Stelle enttäuscht. Das war altes Zeug. War ich einmal quer über den Kontinent gereist, nur um ein Buch zu erhalten, das ich bereits vor langer Zeit während meiner Schulzeit bei den Jesuiten gelesen hatte? Schlimmer noch "Teilhard war der erste, der das Universum auf neue Art sah, da ist es wohl unvermeidlich, dass er kritisiert wird. Wenn es Sie schon stört, was ein paar Wissenschaftler sagen, dann sollten Sie erst mal lesen, was die Theologen alles schreiben! Im Grunde ist das Problem eine Sache des Maßstabs. Jeder Versuch, Teilhard zu verstehen, der nicht von dem Gesamtkomplex der Zivilisationen sowie dem enorm weiten Panorama des sich entwickelnden Universums ausgeht, ist zum Scheitern verurteilt. Weil das einfach ein zu enger Ansatz wäre, um zu begreifen, was Teilhards Größe ist. Sicherlich hat es doch auch ähnliche Situationen in der Geschichte der Wissenschaft gegeben?" Meine Gedanken überschlugen sich. Ich dachte an Albert Einstein und Nils Bohr, welche Revolutionen sie ausgelöst hatten, und wie diese die Grenzen der Welt der klassischen Physik gesprengt hatten Er lächelte wieder: er war sich bewusst, dass es noch vieles gab, das einer Erklärung bedurfte Ich las ihn also für mich allein, und einmal pro Woche diskutierte ich mit Thomas Berry seine Ideen; ich war immer wieder darüber verblüfft, in welchem Umfang man sich dabei auf die intellektuelle Weltgeschichte beziehen musste. Nicht nur, dass Teilhard ständig Gedanken aus der Physik und der Biologie aufgriff, sondern auch aus der Philosophie, Poesie, Linguistik, Musik, und vor allem aus der Weltgeschichte und der Kosmologie. Im Verlauf der nächsten Monate kam mir der Verdacht, dass sich irgendwie die grundlegenden Kategorien meiner Gedankenwelt veränderten. All die ungeprüften Annahmen, die bis dahin meine Erfahrungen in der Welt strukturiert hatten, gerieten durch Teilhards massive und durchdringende Kosmologie zunehmend unter Druck. Die intensive Kontemplation der Arbeit Teilhard de Chardins gipfelte bei Swimme eines Tages in einer tiefgehenden spirituellen Erfahrung, die ihn in einem Wald nördlich von New York City auf einem Spaziergang mit seinem vierjährigen Sohn überkam. Es war ein Dreikönigsfest des mystischen Feuers im Herzen von Teilhards Vision, ein zeitloser Moment lebendiger Erkenntnis des kreativen und glühenden Hervorströmens des Kosmos
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