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Auf der Suche nach Babaji


WIE macht den schwer zu fassenden Yogi-Christus aus dem Himalaya ausfindig
von Carter Phipps
 

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Babaji
„BABAJI WURDE VON GOTT auserwählt, um für die Dauer dieses speziellen Weltenzyklus in seinem Körper zu verbleiben. Zeitalter werden kommen und gehendoch der unsterbliche Meister, der das Schauspiel der Jahrhunderte betrachtet, wird gegenwärtig sein auf dieser irdischen Bühne.” So begann die Legende des unsterblichen Weisen Babaji. Diese Worte wurden 1946 in dem spirituellen Klassiker Autobiographie eines Yogi von Paramahansa Yogananda veröffentlichtein Werk, das den damals gerade erst beginnenden spirituellen Dialog zwischen Ost und West maßgeblich beeinflussen sollte. Das Buch machte Tausende, wenn nicht gar Millionen von ernsthaften spirituellen Suchern der westlichen Hemisphäre mit einem Mann bekannt, derso die Legendevielleicht der größte der Heiligen aus alter Zeit ist, ein unsterblicher Yogi aus Indien, der über die irdische Ebene wacht wie ein gütiger und allwissender geistiger VaterBabaji.
Die Autobiographie eines Yogi zu lesen und Yoganandas klare, beinahe überirdische Schilderungen des spirituellen Lebens in sich aufzunehmen bedeutet, sich auf die Reise nach einem Ort zu begeben, der weit jenseits der Grenzen unserer materialistischen westlichen Weltanschauung liegteiner Sphäre, wo Wunder ganz alltäglich sind und physikalische Gesetze in den Händen der großen Yogis so geschmeidig und verformbar sind wie Ton in den Händen großer Künstler. Das ist in jeder Hinsicht das Werk eines Genies, ein Meisterstück, das eine inspirierende Einführung in den traditionellen Yoga-Weg mit einer philosophischen Erforschung der grundlegenden Einheit von östlichen und westlichen Religionen kombiniert und all dies mit der bemerkenswerten Geschichte von Yoganandas eigenem, wegweisendem Leben und Lehren verwebt. Gleich nach seinem Erscheinen eroberte das Buch die Herzen Tausender. Es führte Amerika in die esoterische Welt der Weisen des Himalaya ein, indem es wissensdurstige Seelen ermutigte, den ungeahnten Möglichkeiten der Evolution des Bewusstseins zu vertrauenMöglichkeiten, die nach Aussage der Yogi-Meister in jedem von uns verborgen schlummern. Das Buch offenbarte aber auch, und das ist vielleicht noch wichtiger, die Existenz eines bis dahin unbekannten Meisters, der sich in den Bergen des Himalaya aufhalten sollte, ein unsterblicher Weiser, der für einige Auserwählte darshan [Audienz mit dem Meister] hielt, einer der Hauptakteure der menschlichen Evolution, der, verborgen zwischen den Berggipfeln Asiens, das sich entfaltende Schauspiel der spirituellen Entwicklungsgeschichte dirigierteBabaji.

Wer genau also ist dieser Babaji? Meine eigenen Erkundungen dieser Frage wurden im vergangenen Jahr durch einige Bücher inspiriert, die uns Leute zugeschickt hatten, welche von sich behaupteten, vom großen Meister persönlich eingeweiht worden zu sein. Obwohl ich mit der Geschichte dieses legendären Yogi, wie sie von Yogananda wiedergegeben wurde, nur peripher vertraut war, wusste ich doch genug, um die Ungeheuerlichkeit eines derartigen Anspruchs erkennen zu können, und die Bücher führten zu mehreren faszinierenden Diskussionen in unserem Redaktionsteam. „Werden wir plötzlich Zeugen einer Woge des Interesses an diesem legendären Heiligen?”, fragten wir uns. Die Popularität der Autobiographie eines Yogi hatte schon seit langem aus Babajis Namen und seinem Bildnis Pop-Ikonen der spirituellen Gegenkultur gemachtman denke nur an sein heiter-gelassenes Konterfei, wie es über der Menschenmenge auf dem Sgt. Pepper's Album der Beatles schwebt. Doch kam es uns so vor, als ob Babajis Präsenz in der spirituellen Welt derzeit, fast ein halbes Jahrhundert nach Yoganandas Tod, noch im Steigen begriffen war. Und je intensiver wir suchten, desto mehr fanden wir. Sein Einfluss wirkte sich, wie wir überrascht feststellten, in unterschiedlicher Ausprägung quasi überall aus, in den Höhlen des Himalaya ebenso wie in kalifornischen Kommunen. Bücher wurden über ihn geschrieben, Seminare hatten seine Lehre zum Thema, medial Begabte channelten ihn, Gemeinschaften wurden ihm geweiht, manche Menschen behaupteten, seine persönlichen Schüler zu sein, und einige gar, Babaji selbst zu sein. Dieser obskure, zurückgezogen hinter den Kulissen agierende, unsterbliche Weise schien in seinen mannigfaltigen modernen Inkarnationen plötzlich rapide seine Anonymität zu verlieren.

Als wir mit der Erforschung der spirituellen Evolution, dem Thema dieser Ausgabe von WIE, begannen, wurde die Beschäftigung mit dem Phänomen Babaji sogar noch zwingender. Manch einer sagte, Babajis Erleuchtung überträfe selbst die des Buddha, sie wäre eine vollkommene Transformation des Bewusstseins, deren machtvolle Kraft radikale Veränderungen bis in die Zellen des physischen Körpers hinein bewirken würde. Und auch Yoganandas Aussage über Babajis physische Unsterblichkeit war nicht auf taube Ohren gestoßen. Das Thema Unsterblichkeit schien sich tatsächlich, vielleicht gestützt durch jene beeindruckende Bemerkung, über die New Age-Grenzen hinausbewegt zu haben und nun von einer wachsenden Zahl spiritueller Sucher als unsere wahre, kollektive evolutionäre Bestimmung angesehen zu werden. Was ging da nun wirklich vor sich? Yoganandas Erzählung hatte vor fünfzig Jahren eine Explosion gezündet, eine Explosion des Interesses an diesem legendären Weisen und seinen spirituellen Errungenschaften, deren Nachhall tatsächlich ein eigenständiges Leben angenommen hatte. Aber hatte irgendetwas davon mit dem wirklichen Babaji zu tun? Ja, hatte ein realer Babaji überhaupt je existiert? Für diese Ausgabe von Was ist Erleuchtung? entschlossen wir uns, die Herausforderung anzunehmen und auf die Suche nach diesem unsterblichen Weisen zu gehen, dessen bloße Existenz allem Anschein nach schon vieles über Erleuchtung, Evolution und die Zukunft Gottes würde sagen können.

Für die kleine Zahl von Suchern, die lediglich den Titel von Yoganandas Klassiker gelesen habendie Geschichte geht ungefähr so: In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts erschien Babaji, der unsterbliche „Yogi-Christus” Indiens, wie Yogananda ihn nannte, persönlich einem Postangestellten namens Lahiri Mahasaya, der im Hochgebirge des Himalaya stationiert war. In einer Reihe außergewöhnlicher und fantastischer Begegnungen mit diesem himalayischen Weisen wurde Lahiri in die Praktiken des Kriya-Yoga, einer alten Yoga-Methode eingeweiht, die, wie man uns sagte, nach der Bhagavad Gita Krishna einst Arjuna lehrte und auf die sich Patanjali, der große Pionier des Yoga, in seinen klassischen Yoga-Sutren bezieht. Die Technik war für Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, ehe sie in der Neuzeit durch Babaji „wiederentdeckt und gereinigt” wurde. Yogananda beschreibt den Kriya-Yoga als ein „Werkzeug, durch das die menschliche Evolution beschleunigt werden kann.” Er schreibt, dass wir durch die Anwendung dieser machtvollen Methode der Atembeherrschung unsere Verbindung mit dem Göttlichen rasch vertiefen können und unser Gehirn, das Rückenmark und die Zellen verjüngt werden. Letztendlich könne, so Yogananda, auf den höchsten Stufen der Kriyapraxis, unser gesamter Körper in reine Energie umgewandelt werdenwohl eine attraktive Vorstellung für ein westliches Bewusstsein, das nicht gewillt ist, viele Leben lang auf die Erleuchtung zu warten. Yogananda beschreibt den Kriya-Yoga als einen evolutionären Sprung nach vorneein Flugzeug in einer Welt von Ochsenkarren, wie er es formuliert. Und in einem der phänomenaleren Sätze des Buches geht er sogar so weit zu behaupten, dass eintausend Kriya-Atemzüge, während einer achteinhalbstündigen Übung praktiziert, einem ernsthaften Yogi in einem Tag „das Gleiche zu geben vermögen wie eintausend Jahre natürlicher Evolution.” Es war diese, an die Neuzeit angepasste und auf den aktuellsten Stand gebrachte Yogatechnik des Kriya, von der Babaji wollte, dass Lahiri Mahasaya sie den Wahrheitssuchenden Indiens brächte. Und im Gegensatz zu früheren Verboten war es Lahiri nun gestattet, nicht nur der Welt entsagende Asketen sondern auch Familienoberhäupter, ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung und Religion, einzuweihen. Mit seiner Lehre unterstützte Lahiri gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts in der indischen Stadt Benares die Etablierung einer spirituellen Tradition, die eine der bedeutendsten der Moderne werden sollte. Der nächste Lehrer dieser berühmten Tradition wurde dann Sri Yukteswar, ein junger, ernsthafter Schüler Lahiris, der während der Jahre, die er mit seinem Meister verbrachte, selbst mehrere wundersame Begegnungen mit Babaji hatte. Bei einer dieser Begegnungen teilte Babaji, der große Yogi, Yukteswar mit, dass eines Tages ein junger Mann zu ihm gesandt werden würde, um Unterweisung zu erhalten, ein indischer Sucher, der auf eine große Bestimmung vorbereitet werden müsse: die Lehren des Kriya-Yoga in der westlichen Welt zu verbreiten.

Babajis Worte erwiesen sich als Prophezeihungein Schüler namens Mukunda erschien schließlich bei Yukteswar und bat um spirituelle Führung. Er war ein leidenschaftlicher junger Mann; Yukteswar nahm ihn als Schüler an und begann, ihn auf die geweissagte Mission vorzubereiten. Da er sich zum Yoga-Weg hingezogen fühlte wie ein Fisch zum Wasser, machte Mukunda unter Yukteswars strenger Obhut rasch Fortschritte, und nach mehreren Jahren in des Meisters Einsiedelei war er bereit, das Banner des Kriya-Yoga aufzunehmen und sich auf den Weg nach Westen zu machen. Die Ankunft dieses begnadeten jungen Indersan der Universität von Kalkutta ausgebildet und von Sri Yukteswar im Kriya-Yoga instruiertin Amerika entpuppte sich als Wendepunkt in der Entwicklung der westlichen Spiritualität. Die Menschen erschienen in Scharen, um diesen außergewöhnlichen Yogi zu sehen, der unter den großen erleuchteten Heiligen Indiens geweilt hatte und nun seine Weisheit mit der Neuen Welt teilte. Swami Yogananda, wie man ihn da nannte, wurde noch zu Lebzeiten eine Legende. Die Lehre des Kriya-Yoga verbreitete sich mit rasanter Geschwindigkeit unter den westlichen Suchern, und die Geschichten von dem unsterblichen Weisen Babaji, der offensichtlich den höchsten Gipfel der menschlichen Evolution erreicht hatte, schlugen im Westen ganze Generationen in ihren Bann, die die Autobiographie eines Yogi schon bald weit oben im Kanon neuzeitlicher Spiritualität platzierten.

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WIE Ausgabe 7:
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Fünfzehn Milliarden Jahre nach dem Urknall und nur 150 Jahre nach Darwin zieht Was ist Erleuchtung? Bilanz: Hat sich die Erleuchtung verändert? Entwickelt sie sich weiter? Wie sieht die Zukunft Gottes im 21. Jahrhundert aus?



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