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Ein Lied, das nie endet


Ein Interview mit Dr. Beatrice Bruteau
von Amy Edelstein und Ellen Daly
 

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Einleitung



Dr. Beatrice
Bruteau
DIE EVOLUTIONÄRE Spiritualität ist ein noch relativ junges Forschungsgebiet, das nicht sehr überlaufen ist. In den letzten Jahren lässt sich zwar ein wachsendes Interesse an den Zusammenhängen zwischen Evolution und Erleuchtung feststellen, doch gibt es bis heute nur sehr wenige, die sowohl die ewigen Wahrheiten des Geistes als auch die sich stetig wandelnden Strukturen des sich entfaltenden Schöpfungsplanes gründlich untersucht haben. Deshalb waren wir auch hellauf begeistert, als wir im vergangenen Herbst auf die Arbeiten von Dr. Beatrice Bruteau stießen. Über fünfzig Jahre lang hat Dr. Bruteau einen wirklich einmaligen Weg zurückgelegt, quer durch die Welten der Wissenschaft, Philosophie, Mathematik und Evolutionstheorie sowie der östlichen und westlichen Mystik.

„Begonnen hat alles”, so berichtet sie uns eines Nachmittags aus ihrem Büro in North Carolina, „als ich in der Carnegie-Bibliothek von Pittsburgh ein Buch von Ramakrishna entdeckte.” Bruteau bereitete sich damals gerade auf ihre bevorstehenden Magisterprüfungen in Mathematik, Philosophie und Religion an der Universität vor.

„Meistens saß ich auf einer großen, schwarzen Steinbrücke in der Nähe der Schule, ließ die Beine baumeln, völlig verzaubert von Ramakrishnas Philosophie – sie sprach mich unmittelbar an.” Ein Freund berichtete ihr von der Ramakrishna-Mission in New York City, und kaum hatte sie ihr Diplom in der Tasche, zog die frei gesinnte Bruteau nach Manhattan in ein Nachbarhaus der Mission, begann die Lehren des Vedanta zu studieren und absolvierte zudem ein Doktorat in Philosophie an der Fordham Universität. „Die Fünfziger Jahre”, erinnert sich Bruteau lebhaft, „waren eine aufregende Zeit in New York. Ich traf Bruder David Steindl-Rast, der gerade sein Studium bei Tai Shimano Roshi begonnen hatte, Rabbi Gelberman, der mit Swami Muktanandas Ashram verbunden war; Swami Satchitananda und noch viele andere. Ich liebte Vedanta, und ich liebte die christlichen Mystiker, die ich zur gleichen Zeit zu lesen begann. Und, was glauben Sie, was ich in den Seminaren der Mission erfuhr? Man erklärte mir, der Katholizismus sei Vedanta im europäischen Gewand.”

Dr. Bruteaus weitreichende Interessen führten bei der heute praktizierenden Katholikin zu einer nicht alltäglichen Verbindung von spirituellem und wissenschaftlichem Scharfsinn und Feingefühl. In ihren zahlreichen Aufsätzen und Artikeln gleitet sie mühelos und elegant zwischen beiden hin und her, sucht das Mystische im Materiellen und die unermessliche Kreativität Gottes in der zeitlichen Entfaltung des Kosmos. Ihr außerordentliches Verdienst ist ihre gründliche Erforschung der visionären Werke von Teilhard de Chardin sowie von Sri Aurobindo – dieser beiden herausragenden Pioniere des zwanzigsten Jahrhunderts auf dem Gebiet der evolutionären Spiritualität. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen liegen in mehreren Buchveröffentlichungen vor. Wie Teilhard de Chardin, so ist auch Beatrice Bruteau der Ansicht, dass wir an einem einzigartigen Zeitpunkt in der Geschichte stehen, wo die Evolution, vielleicht zum ersten Mal, nicht vorrangig biologisch-physikalisch, sondern vielmehr noetisch, also durch eine Transformation des Bewusstseins, vorwärts schreiten wird. Und wir Menschen haben dabei eine entscheidende Position inne: Damit der nächste Schritt der Evolution stattfinden kann, müssen wir, so Dr. Bruteau, an der Entfaltung und Steuerung des evolutionären Prozesses bewusst mitwirken. Zu dieser so „bedeutsamen Wahl” ruft Dr. Bruteau uns auf; in diesem entscheidenden Augenblick im Schicksal der Menschheit, in dem „das Universum entweder zunehmend höher entwickelte und bewusstere Einheiten erschaffen oder aber letztendlich in eine zersplitterte Gleichartigkeit maximaler Entropie zurückfallen wird. Es hängt”, so schreibt sie, „allein von unserer Entscheidung ab.”

Momentan lebt Dr. Bruteau in der kleinen Gemeinde Pafftown, östlich von Winston-Salem in North Carolina. Sie ist die Herausgeberin der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift American Vedantist und beaufsichtigt zwei christlich-kontemplative Orden, während sie gleichzeitig an ihrem dreizehnten Buch arbeitet. Trotz ihrer nunmehr zweiundsiebzig Jahre scheint ihre kreative Energie unerschöpflich, und sie sprach mit uns, als hätten wir alle Zeit der Welt, um einander kennenzulernen, gemeinsam über das Abenteuer des Menschseins nachzusinnen und das erhabene Mysterium der Evolution Schritt für Schritt bei seiner Entfaltung zu beobachten.

Dieses Interview wurde finanziell unterstützt seitens des Trust for the Meditation Process, einer gemeinnützigen Stiftung, welche die Wiederentdeckung christlich-kontemplativer Praktiken sowie den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen allen kontemplativen Traditionen fördert.

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Fünfzehn Milliarden Jahre nach dem Urknall und nur 150 Jahre nach Darwin zieht Was ist Erleuchtung? Bilanz: Hat sich die Erleuchtung verändert? Entwickelt sie sich weiter? Wie sieht die Zukunft Gottes im 21. Jahrhundert aus?



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