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Aus der Redaktion


Einleitung zu dieser Ausgabe
 




ICH KANN MICH AN DEN AUGENBLICK GENAU ERINNERN. Es war an einem Nachmittag im letzten Herbst, und wir waren in der Redaktion gerade in ein Gespräch über das Thema dieser Ausgabe vertieft, als unser spiritueller Lehrer plötzlich die folgende Bemerkung machte: „Allem Anschein nach reden wir über eine andere Art von Erleuchtung. ”

„Eine andere Art von Erleuchtung?” Wir alle vom Redaktionsteam blickten einander verwirrt und fasziniert ob dieser unerwarteten Vorstellung an. Was hatte das nur zu bedeuten? Erleuchtung wird traditionell als die Erkenntnis des Zeitlosen, Ungeborenen, Ewigen verstanden – dessen, was immer war, ist und sein wird. Wie könnte sich eine derartige Erkenntnis je verändern? Wie könnte es je eine „andere” Art der Erleuchtung geben? Doch zugegebenermaßen war die Beweislage eindeutig. Etwas Neues war in der spirituellen Welt aufgetaucht, eine neue Sichtweise, eine neue Vision, die sich auf einer Begeisterung für die Evolution gründete, die maßgeblich die Weise veränderte, in der wir – Moment mal, sagte ich gerade Evolution? Ist die Evolutionstheorie in den meisten religiösen Kreisen nicht seit langem als der Hauptfeind des Geistes bekannt? Ist Evolution nicht die atheistische Antwort auf den religiösen Glauben, der „blinde Uhrmacher”, der das Leben langsam und ohne göttliche Unterstützung aus der unbelebten Materie heraus formte – Darwins Revolution der natürlichen Auslese und Zufallsmutation, die alle bis dahin geltenden Paradigmen zunichte machte und mittels einer einzigen folgenschweren Einsicht in die Wirkungsweise von Mutter Natur Gott für nicht existent erklärte?

So wird die Geschichte oft erzählt. Weniger bekannt scheint hingegen die Tatsache, dass auf dem Weg zu Darwins Revolution etwas Entscheidendes geschehen war: Bevor der Materialismus rücksichtslos Gott verdrängte und sich selbst zum unangefochtenen König über die Natur krönte, hatten sich einige vorausschauende spirituelle Denker seinen Hauptverbündeten, den Begriff der Evolution, angeeignet – und die Welt dadurch vielleicht für immer verändert. Sie erklärten nämlich, dass die neu in Erscheinung tretende evolutionäre Sichtweise des menschlichen Lebens tatsächlich die perfekte Ergänzung zur Spiritualität – nicht ihr Feind, sondern ihr bester Freund – sei. Ja, sie verkündeten laut und deutlich jedem, der es hören wollte, dass unser neues Verständnis der evolutionären Dynamik dieses Kosmos, in dem wir leben, als Ganzes gesehen eines der bedeutsamsten spirituellen Ereignisse in der Geschichte der Menschheit darstellt.

Als wir nun im letzten Herbst begannen, diese neuen aus den sich kreuzenden Welten der Evolution und der Spiritualität hervorgehenden Visionen genauer zu betrachten, nahm die Möglichkeit, dass wir Zeugen der Geburt einer „anderen Art der Erleuchtung” werden könnten, sehr reale Dimensionen an. Die Implikationen dieser Möglichkeit waren für uns nicht bloß reine Theorie. Tatsächlich hatten wir vor kurzem im Zusammenleben unserer eigenen spirituellen Gemeinschaft das Auftauchen einer intensiven spirituellen Kraft erfahren, die jeden, der dabei gewesen war, in einen von Grund auf anderen Bewusstseinszustand gehoben hatte. Es war ein kollektiver, explosiver Schwall aus spiritueller Leidenschaft und Möglichkeit, verbunden mit einem überwältigenden Gefühl evolutionärer Dringlichkeit. Und während man dies kaum als „Erleuchtung” im traditionellen Sinn hätte bezeichnen können, so schloss es doch die Freiheit, Glückseligkeit und Erlösung, die wir für gewöhnlich mit diesem Begriff assoziieren, mit ein. Konnte dieses Ereignis, so fragten wir uns, etwas mit der gerade in Erscheinung tretenden evolutionären Spiritualität zu tun haben, die in der heutigen spirituellen Welt immer mehr Aufmerksamkeit erregt?

Wir suchten zunächst in der Vergangenheit nach Antworten auf diese und andere Fragen hinsichtlich unserer evolutionären Zukunft. Einige zeitgenössische Denker wie Ken Wilber und Michael Murphy verfolgen die Anfänge der evolutionären Spiritualität bis ins späte 18. Jahrhundert zurück, als die deutschen Idealisten, vor allem Hegel, Fichte und Schelling, über die menschliche Geschichte als eine wachsende herrliche Entfaltung des Geistes in der Welt sprachen. Inspiriert durch die aufblühende industrielle Revolution kam der Begriff Fortschritt im Westen groß in Mode, ein Begriff, der im Laufe der folgenden Jahrzehnte den Unterbau für die Entwicklung der Evolutionstheorie bilden und von Darwin und anderen auf weit mehr als nur die Kulturgeschichte angewendet werden sollte. Und als gegen Ende des 19. Jahrhunderts einige mutige Denker begannen, den Zusammenhängen zwischen Evolution und Spiritualität nachzugehen, da sprühte es helle Funken. Doch es sollte noch bis ins frühe 20. Jahrhundert dauern, ehe es zur Explosion kam, und im Pionierwerk des großen indischen Philosophen und Weisen Sri Aurobindo und den inspirierten Schriften des Jesuitenpaters und Paläontologen Pierre Teilhard de Chardin eine neue evolutionäre Vision geboren wurde – eine Vision, die in den natürlichen Prozessen der kosmischen Evolution eine spirituelle Entfaltung erkannte. Was aber vielleicht noch bedeutsamer ist: diese großen Männer nahmen beide einen mächtigen evolutionären Impuls wahr, der in der Natur wirkt und nichts anderes ist als das Gottesprinzip selbst, das aufwallt, um uns zu immer höheren Gipfeln des Bewusstseins voranzutreiben. Aus ihrer Feder floss die Leidenschaft und Überzeugung derer, die einen flüchtigen Blick auf eine herrliche Zukunft erhascht und deren Drängen in der Gegenwart gespürt hatten. Sie stellten die traditionellen Vorstellungen über das religiöse Leben auf den Kopf und forderten eine neue Spiritualität. Indem sie jene lange vernachlässigten Waisen aus der Vergangenheit der Erleuchtung adoptierten – Zeit, Fortschritt und Veränderung – erkannten sie, dass der wahre Zweck des spirituellen Lebens weder in der Transzendenz der Welt noch in deren mitleidsvoller Akzeptanz liegt, sondern vielmehr in der weiteren Evolution des Bewusstseins auf Erden.

Für diese Ausgabe von WIE machten wir uns daran zu erforschen, welchen Einfluss die Evolutionsrevolution auf die Welt des Geistes hat. Möglicherweise wird ihr Einfluss darauf noch bedeutender sein als der, den sie bereits auf die Welt der Wissenschaft hatte. Und wirklich, obwohl die Urheber der folgenden Seiten sehr unterschiedliche philosophische Hintergründe haben, sind sie doch alle gleichermaßen vom Begriff der Evolution intellektuell und spirituell fasziniert. Und jeder von ihnen fordert uns auf seine Weise, auf seinem Sachgebiet und von seiner persönlichen Sichtweise aus auf, einmal gründlich über einige kühne, überraschende und Ehrfurcht gebietende Visionen spiritueller Erleuchtung und über die Bedeutung von Gott im 21. Jahrhundert nachzudenken.

Carter Phipps


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WIE Ausgabe 7:
Unsere Ausgabe zum Thema Evolution


Fünfzehn Milliarden Jahre nach dem Urknall und nur 150 Jahre nach Darwin zieht Was ist Erleuchtung? Bilanz: Hat sich die Erleuchtung verändert? Entwickelt sie sich weiter? Wie sieht die Zukunft Gottes im 21. Jahrhundert aus?



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