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Buchauszug
Wir freuen uns, einen Abschnitt aus Andrew Cohens neuem Buch Erleuchtet leben vorstellen zu können, das im Herbst im Via Nova Verlag erscheinen wird. In diesem Auszug erläutert Andrew einen der fundamentalsten, herausforderndsten und letztlich befreiendsten Aspekte seiner Lehre: die Entdeckung der unpersönlichen Sichtweise. Frage: Sie nennen, glaube ich, einen der wesentlichen Bestandteile Ihrer Lehre „die unpersönliche Sichtweise”. Würden Sie bitte erklären, was Sie darunter verstehen? A: Ja. Was ich als die „unpersönliche Sichtweise” bezeichne, ist die eigentliche erleuchtete Perspektive. Aus der erleuchteten Perspektive gibt es nur eine menschliche Erfahrung, und diese wird als eine unpersönliche Angelegenheit erkannt, eine universale Entfaltung. Die unpersönliche Sichtweise durchschaut das nur Persönliche und blickt stets darüber hinaus. Eine ausschließlich persönliche Perspektive hält uns für immer in dem zutiefst schmerzlichen und nicht enden wollenden Melodram des getrennten Selbst gefangen und beschränkt ihrer Natur nach unsere Fähigkeit, über die Illusion einer unabhängigen eigenen Existenz hinauszusehen. Vom Standpunkt der erleuchteten Perspektive aus sehen wir, dass es die zutiefst konditionierte, grundsätzlich mechanische Gewohnheit des Personalisierens ist, die das Ego erzeugt, jene psychologische und emotionale Barriere, die uns von Augenblick zu Augenblick von unserem eigenen Selbst und dem Rest des Lebens trennt. Wenn wir frei sein wollen, ist es daher wesentlich, sich zu bemühen, über eine ausschließlich persönliche Perspektive hinaus zu gelangen. Wie können wir diese unpersönliche Perspektive für uns selbst entdecken? Indem wir offen und ehrlich auf unsere eigene Erfahrung achten. Ohne dass wir uns dessen gewahr sind, nehmen wir fast jede gedankliche und gefühlsmäßige Regung persönlich. Jede einzelne Erfahrung, die wir haben, von der gröbsten bis zur subtilsten, nennen wir zwanghaft „meine”. Doch wenn wir uns auch nur ein wenig distanzieren, werden wir schnell entdecken, dass so vieles, was wir erleben, in keiner Weise einzigartig oder persönlich ist. Denken Sie einmal darüber nach. Sie werden feststellen, dass sehr viele der menschlichen Erfahrungen, die wir miteinander teilen, exakt die gleichen sind. Und trotzdem kreieren wir durch die tief eingefahrene Gewohnheit des Personalisierens zwanghaft den Anschein eines Unterschiedes Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, "es existiert nicht wirklich"? Sobald Sie herausfinden, wer Sie wirklich sind, sehen Sie unmittelbar, dass das persönliche, an Zeit und an der eigenen Geschichte haftende Selbst in einer Traumwelt lebt, einem nicht enden wollenden Albtraum zahlloser Sorgen und Ängste, Begierden und Hoffnungen, welche buchstäblich transparent werden, wenn man sich seiner eigenen unpersönlichen absoluten Tiefe bewusst wird. Und wenn das unpersönliche Absolute Selbst als eine lebendige Gegenwart im Bewußtsein aufzutauchen beginnt, dann wird aus dem "Persönlichen" statt der uneinnehmbaren Festung, in der das getrennte Ego verharrt, ein durchlässiges Gefäß, durch welches das unpersönliche Absolute Selbst seinen Weg in die Welt findet. Sie sagen also, dass das "Absolute Selbst" unpersönlich ist, und dass es dieses Selbst ist, welches im erleuchteten Zustand durchzuscheinen beginnt. Was geschieht dann mit der alten Persönlichkeit? Was geschieht mit dem persönlichen Selbst? Es wird befreit! Und diese Befreiung ist das Ergebnis der immer und immer wieder erfahrenen direkten Wahrnehmung der letztlich unpersönlichen Natur der scheinbar persönlichen Dimension der menschlichen Erfahrung, einschließlich aller ihrer einzigartigen Windungen, Wenden und endlosen Varianten. Das heißt also, dass es von der Perspektive aus, die Sie beschreiben, weder in der absoluten noch in der relativen Dimension unserer Erfahrung irgendetwas Persönliches gibt? Ja, genau das ist es, was ich sagen will. Aus einer persönlichen Perspektive wird man die persönliche Dimension als persönlich ansehen. Aber aus einer unpersönlichen Perspektive wird dieselbe persönliche Dimension als unpersönlich angesehen. Worum es eigentlich geht ist, dass unsere Beziehung zu unserer Erfahrung davon abhängt, wie wir sie erleben, wie wir sie interpretieren. Die entscheidende Frage ist also: Personalisieren wir immer noch zwanghaft alle unsere Erfahrungen? Hat die Art, wie wir unsere Erfahrungen interpretieren, irgendetwas mit der unpersönlichen Sichtweise zu tun? Man darf nämlich nicht vergessen, dass die erleuchtete Perspektive uns immer auf das verweist, was singulär, bar jedes Persönlichen und frei von jeglicher egoistischer Motivation ist. Wenn wir frei sein wollen, dann können wir dieser erschreckenden, aber befreienden Wahrheit des Unpersönlichen nicht entkommen. Früher oder später müssen wir den Mut aufbringen, uns der letztlich unpersönlichen Natur unserer ureigensten persönlichen Erfahrung zu stellen. Denn, sehen Sie, die Wahrheit ist, dass wir alle im selben Boot, auf demselben Ozean demselben Ziel entgegentreiben. Das Problem bei einer grundsätzlich persönlichen Perspektive ist, dass sie diese Erkenntnis unmöglich macht. Sie verhindert, dass wir über unser eigenes Ego hinaus auf die erleuchtete Freiheit selbst blicken, wo wir eine Wahrheit entdecken, die universal, absolut und definitiv nicht persönlich ist. Ich beginne zu spüren, worauf Sie hinauswollen, aber es bewirkt, dass sich mir alles im Kopf dreht! Ich fühle mich, als wüßte ich nicht mehr, wer oder was ich bin ... Das ist es, was geschieht. Und wenn Sie dranbleiben und weiterforschen, werden Sie einen Ort innerhalb Ihres eigenen Selbst erreichen, wo es nur noch absolute Singularität gibt, wo das Persönliche zum Unpersönlichen und das Unpersönliche zum Persönlichen wird. An jenem Ort ist es buchstäblich unmöglich, zwischen den beiden zu unterscheiden. Aber weshalb ist das so? Weil es nur ein Selbst und nur eine menschliche Erfahrung gibt. Das ist Befreiung. Aber, um das für sich selbst zu entdecken, müssen Sie den Weg bis zu Ende gehen. Wenn Sie sich nur oberflächlich bemühen, werden Sie nie dorthin gelangen. An dem Ort der absoluten Singularität findet man wahre Freiheit und erleuchtetes Verstehen. Dort vermischen sich das Relative und das ABSOLUTE, das Persönliche und das Unpersönliche und werden eins. An diesem geheimnisvollen Ort werden Sie zu einer ungebrochenen, universalen Entfaltung, frei von den Fesseln der Dualität. Unpersönliche Erleuchtung Als Sie gerade eben über die unpersönliche Sichtweise sprachen, fühlte ich die Macht der über das Persönliche hinausgehenden Sicht. Es war beinahe so, als ob mein individuelles Selbstverständnis sich auflösen würde, und ich erfuhr die Art von Transparenz, die Sie beschrieben haben. Das ist gut Moment mal! Wie sind wir von der Anerkennung dessen, dass ein Großteil unserer Erfahrung unpersönlich ist, dorthin gelangt, dass die Last der menschlichen Entwicklung auf unseren Schultern ruht? Nun, so ist das nun einmal. Allerdings gelangen nur wenige Suchende weit genug, um das direkt für sich selbst zu erfahren. Aber, wenn man schließlich das Bedürfnis, alle Erfahrungen zwanghaft zu personalisieren, transzendiert, dann wird sich dieses geheimnisvolle Gefühl einer Verpflichtung gegenüber einem evolutionären Imperativ spontan offenbaren. Das ist der Moment, in dem man erkennt, worauf J. Krishnamurti hinwies, als er sagte: „Du bist die Welt.” Dann erkennt man, dass man selbst das menschliche Wesen als Ganzes ist. Und in dieser Erkenntnis fühlt man sich automatisch dafür verantwortlich, ganz einfach, weil man sich für sein eigenes Selbst verantwortlich fühlt. Das ist ein inhärenter Teil der Erkenntnis, von der ich rede Sagen Sie damit, dass ich versuchen sollte, für die Entwicklung aller meiner Mitmenschen mehr Verantwortung zu fühlen? Nein. Ich sage, sobald Sie Ihre Faszination für die Ängste und Sehnsüchte Ihres eigenen Ego für immer verloren und jenen wundersamen Sprung über das Persönliche hinaus erfahren haben, dann wird zu Ihrer Überraschung eine tiefgreifende und wahrhaftige Anteilnahme am Wohlergehen ihres eigenen Selbst, das uns alle einschließt, auftauchen. Können Sie beschreiben, wie sich das Ihrer eigenen Erfahrung nach anfühlt? Ja. Es ist eine Leidenschaft, die tief aus dem Innern emporsteigt Was Sie beschreiben ist wirklich stark. Aber so habe ich mir Freiheit wirklich nicht vorgestellt. Von einer nie zu befriedigenden Leidenschaft inspiriert zu sein klingt eher nach einer Art Sklaverei. Das ist es! Aber darum geht es letztlich
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