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Dr. Mihaly Csikszentmihalyi
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ZUR EVOLUTION KAM Dr. Mihaly Csikszentmihalyi [sprich: tschik-sent-mi-hayi] über die Kreativität seine eigene, die anderer und die des Lebens an sich. Csikszentmihalyi ist ein echter internationaler Renaissance-Mensch: Als Sohn ungarischer Eltern machte er sein Abitur am humanistischen Torquato-Tasso-Gymnasium in Rom, wurde Künstler und erwarb 1965 zudem seinen „Dr. Phil.” in Psychologie an der University of Chicago, an der er schließlich auch lehren sollte. Doch bot der begrenzte Rahmen der Psychologie weder für seine Kreativität genügend Raum, noch für sein Verlangen, eine höhere Ordnung zu finden: „Irgendwie haben mich in den verschiedenen Disziplinen, sei es in der Psychologie, der Soziologie oder in der Anthropologie, stets jene Menschen angezogen, die eine gewisse Einheit in ihrem Fachbereich erkannten, die also keine postmodernen Reduktionisten waren, wie man das später nannte”, erklärte er uns am Telefon seines Büros an der Claremont Graduate University in Kalifornien. C.G. Jungs Werk hat ihn stark beeinflusst, auch auf dem Gebiet der Weltreligionen ist er sehr belesen, und seit jeher war er fasziniert von Menschen, die schon mal einen Schritt zurücktreten, um herauszufinden, was da im Laufe der Zeit in unseren so verfahrenen, wie verwirrenden menschlichen Verhaltensmustern eigentlich so vorgeht. „Ich war zum Beispiel zutiefst beeindruckt von Teilhard de Chardin, dem Jesuitenpater, der unsere Vorstellungen von der Evolution so maßgeblich weiterentwickelte”, sagt Csikszentmihalyi, dessen gegenwärtige Professur an der Drucker School of Management in der kalifornischen Stadt Claremont eine weitere evolutionäre Wende in seinem mit Leidenschaft und Neugier gelebten Leben darstellt.
Weithin bekannt wurde Csikszentmihalyi vor allem wegen
seines 1990 erschienenen Bestsellers Flow: The Psychology of Optimal Experience*, in dem er den Begriff „Flow” erforscht und charakterisiert als ein „Im-Flow-sein” als die optimale und zutiefst erfüllende menschliche Erfahrung, vollkommen in einer Tätigkeit aufzugehen. Flow findet sich in den bildenden Künsten, im sportlichen Wettkampf, in der spirituellen Praxis oder bei einer fesselnden Arbeitsaufgabe und beschreibt den starken, ausschließlich beim Menschen zu findenden Antrieb, über sich selbst hinauszuwachsen, über Begrenzungen zu triumphieren. Sein Lebenswerk beschreibt Csikszentmihalyi als den Versuch, „herauszufinden, was uns Menschen wirklich glücklich macht”, wobei er das Wort „wirklich” betont denn für ihn ist Glück weder einfach „Flow”, noch das Gefühlserlebnis von Freude und Vergnügen. Das Glück, auf welches er verweist, beinhaltet die permanente Herausforderung, über ein reines Eigeninteresse hinauszugehen und sich als Teil
von etwas Größerem einzubringen. Wir wollten unbedingt mit Dr. Csikszentmihalyi sprechen, weil er sein Verständnis von der Entfaltung des Individuums im Kontext der Evolution ständig weiterentwickelt. Ganz der Empiriker, hat er systematisch erforscht, welche Bedeutung die Gesetze der materiellen Evolution sowohl für die menschliche als auch für die kulturelle Entwicklung haben. In seinen Büchern The Evolving Self** und Finding Flow*** entwickelt er eine ethisch-moralische Perspektive auf Flow als einer evolutionären Kraft. Indem er das Konzept des Flow mit unserem heutigen Verständnis der alten Weisheitslehren verknüpft, bietet er ein neues Paradigma für das menschliche Leben an, welches in seiner
Erkenntnis wurzelt, dass wir Menschen jetzt die einzigartige Gelegenheit und Verpflichtung haben, bewusst an der Evolution mitzuwirken. Im folgenden Interview lädt Dr. Csikszentmihalyi uns ein, uns am Entwurf einer evolutionären Psychologie zu beteiligen, die auf einem tieferen Verständnis der menschlichen Motivationen beruht und nie außer Acht lässt, dass wir alle unabänderlich miteinander verbunden sind.
*dt. Titel: Flow: Geheimnis des Glücks
**dt. Titel: Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben. Eine Psychologie für das 3. Jahrtausend
***dt Title: Die außergewönliche Erfahrung im Alltag. Die Psychologie des Flow-Erlebnises



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