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Das Moderne Spirituelle Dilemma


Über die Popularisierung der
East-meets-West Spiritualität
von Andrew Cohen
 






Andrew Cohen
Das philosophische Klima des modernen spirituellen Marktplatzes, auf dem Ost und West sich treffen, ist nun schon seit einiger Zeit ähnlich wie das kalifornische Wetter: sehr angenehm. Nicht zu heiß, nicht zu kalt, gerade richtig. Dieses Klima ist angenehm, weil es bequem ist. Und genau deshalb, weil es so bequem ist, ist es so beliebt. In diesem Klima ist Komfort wichtiger als Wahrheit, und viele Ideen sind deshalb im Laufe der Zeit heilig geworden, damit sichergestellt ist, daß keine Wolken den sonst blauen Himmel trüben. Es gibt einen Status quo in der alternativen spirituellen Subkultur, und dieser hat seine eigenen Gesetze, seine eigenen Gebote und seine eigenen Grundsätze. Und obwohl es offensichtlich sehr wichtig ist, daß sich immer mehr Menschen dazu bewogen fühlen, die spirituelle Dimension des Lebens mit einzubeziehen, wird es uns, solange wir nicht selbst herausfinden, was diese Dimension eigentlich ist, nur allzuleicht passieren, daß wir Schlüsse über diese Dimension des Lebens ziehen, die sich letztendlich als unwesentlich herausstellen könnten. Während das gegenwärtige Interesse an der spirituellen Dimension des Lebens stetig wächst und nun sogar in die breitere Öffentlichkeit Eingang findet, scheinen die tieferen Implikationen spiritueller Offenbarungen in dem vorherrschenden Klima angenehmer Gefühle, naiver Erwartungen und allzuoft auch sentimentaler Hoffnungen und Träume gleichzeitig immer mehr unterzugehen. Inmitten dieser Welle aktuellen Interesses sind die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale, die uns helfen, unseren Weg zu finden, unscharf geworden. Es scheint zum Beispiel (wenn man das ganze Kleingedruckte liest), daß Meditation und Massagetherapie, Selbsterforschung und vegetarische Diät, ein Wochenend-Intensivkurs und ein Eintritt ins Klosterleben uns alle früher oder später an das gleiche Ziel bringen. Der entscheidende Unterschied zwischen Selbstverbesserung und Selbstauslöschung (Erleuchtung) wird immer mehr verwischt. Und die bedeutendste Auswirkung davon ist, daß die Unterscheidung zwischen dem Heiligen und dem Profanen verlorengeht.

Weil der spirituelle Markt mit immer mehr Informationen über äußerst esoterische und zutiefst subtile Bereiche des menschlichen Bewußtseins überflutet wird, ist es wert zu bemerken, daß übermäßige intellektuelle Vertrautheit, anstelle einer größeren Ehrfurcht vor dem Unbegreiflichen, ein Milieu geschaffen hat, das eher beiläufig als wirklich aufmerksam im Umgang mit dem Heiligen ist. Und obwohl das größere Interesse zweifellos auch eine größere Sympathie für die spirituelle Dimension des Lebens im allgemeinen bewirkt hat, sollten wir nicht automatisch davon ausgehen, daß in gleichem Maße ein größeres Interesse an wirklicher Tiefe besteht.

Eines der fundamentalsten Gebote des spirituellen Status quo in unserer Zeit heißt, "Du sollst nicht urteilen", was in Wirklichkeit nur die Angst davor ist, wichtige Unterscheidungen zu treffen. Das Licht der Wahrheit, frei von Hoffnung, Aberglauben und Sentimentalität, ist unbarmherzig in seiner absoluten Einfachheit. Einer Furcht vor der Strenge dieses Lichts in irgendeiner Weise nachzugeben, wird automatisch seine Reflektion in dieser Welt verzerren. Die Abneigung, Schlüsse zu ziehen, aus Angst urteilen zu müssen, zusammen mit einem Anhaften an angenehmen Vorstellungen, erzeugt ein Milieu, das wenig Platz für wirkliche Tiefe läßt.

Die direkte Erkenntnis jener profunden Weisheit, die die Kraft hat, Ignoranz zu zerstören, erfordert enormen Mut und eine seltene geistige Unabhängigkeit. Diese Erkenntnis zu erhalten, erfordert eine stets wachsame Bereitschaft, unsere Erfahrung auf eine Weise zu hinterfragen, die wenig Raum für Falschheit läßt.

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Unsere Ausgabe zum Thema: Das moderne spirituelle Dilemma


Werden die großen östlichen Weisheitslehren verwässert, um sie unserem westlichen Konsum-Denken anzupassen? Dieses Heft beinhaltet einen Artikel von Ken Wilber und Interviews mit Georg Feuerstein, Talk-Radio Gastgeberin Dr.Laura Schlessinger, Deepak Chopra und dem Sozialkritiker, Poeten und Mitarbeiter des National Public Radio (NPR), Andrei Codrescu.
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