Zweifellos ist Huston Smith heutzutage eine der führenden
Autoritäten, was die großen Religionen der Welt betrifft. Seit
über einem halben Jahrhundert widmet er sich der Vermittlung der
Weisheit dieser religiösen Traditionen durch Bücher, Film,
Fernsehen und Unterricht. Sein bekanntestes Werk The World's
Religions [dt.: Eine Wahrheit, viele Wege: Die großen
Religionen der Welt] ist mit
einer Auflage von mehreren
Millionen Exemplaren seit dreißig Jahren in den
Religionsseminaren der
Universitäten das einführende
Standardwerk. Dr. Smith produziert drei Fernsehreihen für den
Sender PBS und stand im Mittelpunkt einer fünfteiligen
Spezialsendereihe mit Bill Moyers bei PBS: "The Wisdom of Faith
with Huston Smith." [Die Weisheit des Gottvertrauens mit
Huston Smith]. Seine Dokumentationen über den tibetischen
Buddhismus, über Hinduismus und Sufismus erlangten
internationale Anerkennung. Jemand wie Huston Smith, der sich
ein Leben lang dem Studium der erhabenen Traditionen der Welt
gewidmet hat, war für uns die erste Wahl bei der Beantwortung
der Frage: Sind die Religionen den unzähligen Herausforderungen
des dritten Jahrtausends gewachsen?
Zuerst antwortete Huston Smith auf unseren Wunsch nach einem
Interview mit einem Brief, in dem er schrieb: "Ich zögere, mich
an dem von Ihnen geplanten Artikel zu beteiligen, weil ich
befürchte, als Spielverderber dazustehen. Ich nehme an, dass Sie
die Gefahren, welche unseren Planeten bedrohen, sehr deutlich
aufzeigen wollen, um Ihren Lesern dann schließlich Hoffnung zu
machen. Nach meiner persönlichen Einschätzung unterscheiden sich
meine Ansichten so wesentlich von den Vorstellungen
Ihrer
Leser, dass Sie mich bei diesem Thema vielleicht besser außen
vor lassen..." Da waren wir erst recht interessiert. Welche
Antwort könnte uns der Dekan der Stipendien für vergleichende
religiöse Studien auf diese vielleicht wichtigste spirituelle
Frage unserer Zeit geben, und warum hatte er das Gefühl, dass
unsere Leser das nicht hören wollen? Gab es denn wirklich
keinen Grund zur Hoffnung?
In seiner innovativen und scharfsinnigen Kritik der Postmoderne,
"Why Religion Matters", [Warum Religion Bedeutung hat]
schreibt Smith: "Der ‚Sandwichmann', welcher sich zwei Plakate
umgehängt hat und uns verkündet, dass das Ende naht, hat uns
etwas Wichtiges zu sagen... Er protestiert nicht nur gegen die
herrschende Kultur. Er weist uns wenn auch
unbeholfen auf eine himmlische Stätte hin, als
Alternative zu diesem irdischen Platz voller Unzulänglichkeiten
und Mängel." Dies könnte in der Tat Huston Smith selbst sein.
Als wir diesen weisen und großmütigen Mann von mehr als achtzig
Jahren dann in seinem bescheidenen Haus in Berkley besuchten er hatte sich schließlich doch zum Interview bereit
erklärt erfuhren wir, warum er glaubt, dass uns die
traditionellen Religionen angesichts dieser apokalyptischen
Zeiten zwar die Hoffnung auf ein gutes Ende geben
können, dass sie aber nicht über das Rüstzeug verfügen, um uns
dabei zu helfen, dieses gute Ende zu manifestieren zumindest nicht hier auf der Erde!



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