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Kann die Religion uns retten?


Über Tradition, Transzendenz und die ultimative Wirklichkeit

Ein Interview mit Huston Smith
von Jessica Roemischer
 

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Huston Smith
Zweifellos ist Huston Smith heutzutage eine der führenden Autoritäten, was die großen Religionen der Welt betrifft. Seit über einem halben Jahrhundert widmet er sich der Vermittlung der Weisheit dieser religiösen Traditionen durch Bücher, Film, Fernsehen und Unterricht. Sein bekanntestes Werk The World's Religions [dt.: Eine Wahrheit, viele Wege: Die großen Religionen der Welt] ist mit einer Auflage von mehreren Millionen Exemplaren seit dreißig Jahren in den Religionsseminaren der Universitäten das einführende Standardwerk. Dr. Smith produziert drei Fernsehreihen für den Sender PBS und stand im Mittelpunkt einer fünfteiligen Spezialsendereihe mit Bill Moyers bei PBS: "The Wisdom of Faith with Huston Smith." [Die Weisheit des Gottvertrauens mit Huston Smith]. Seine Dokumentationen über den tibetischen Buddhismus, über Hinduismus und Sufismus erlangten internationale Anerkennung. Jemand wie Huston Smith, der sich ein Leben lang dem Studium der erhabenen Traditionen der Welt gewidmet hat, war für uns die erste Wahl bei der Beantwortung der Frage: Sind die Religionen den unzähligen Herausforderungen des dritten Jahrtausends gewachsen?

Zuerst antwortete Huston Smith auf unseren Wunsch nach einem Interview mit einem Brief, in dem er schrieb: "Ich zögere, mich an dem von Ihnen geplanten Artikel zu beteiligen, weil ich befürchte, als Spielverderber dazustehen. Ich nehme an, dass Sie die Gefahren, welche unseren Planeten bedrohen, sehr deutlich aufzeigen wollen, um Ihren Lesern dann schließlich Hoffnung zu machen. Nach meiner persönlichen Einschätzung unterscheiden sich meine Ansichten so wesentlich von den Vorstellungen Ihrer Leser, dass Sie mich bei diesem Thema vielleicht besser außen vor lassen..." Da waren wir erst recht interessiert. Welche Antwort könnte uns der Dekan der Stipendien für vergleichende religiöse Studien auf diese vielleicht wichtigste spirituelle Frage unserer Zeit geben, und warum hatte er das Gefühl, dass unsere Leser das nicht hören wollen? Gab es denn wirklich keinen Grund zur Hoffnung?

In seiner innovativen und scharfsinnigen Kritik der Postmoderne, "Why Religion Matters", [Warum Religion Bedeutung hat] schreibt Smith: "Der ‚Sandwichmann', welcher sich zwei Plakate umgehängt hat und uns verkündet, dass das Ende naht, hat uns etwas Wichtiges zu sagen... Er protestiert nicht nur gegen die herrschende Kultur. Er weist unswenn auch unbeholfenauf eine himmlische Stätte hin, als Alternative zu diesem irdischen Platz voller Unzulänglichkeiten und Mängel." Dies könnte in der Tat Huston Smith selbst sein. Als wir diesen weisen und großmütigen Mann von mehr als achtzig Jahren dann in seinem bescheidenen Haus in Berkley besuchtener hatte sich schließlich doch zum Interview bereit erklärterfuhren wir, warum er glaubt, dass uns die traditionellen Religionen angesichts dieser apokalyptischen Zeiten zwar die Hoffnung auf ein gutes Ende geben können, dass sie aber nicht über das Rüstzeug verfügen, um uns dabei zu helfen, dieses gute Ende zu manifestierenzumindest nicht hier auf der Erde!

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