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Vielleicht Engel


Ein Zusammenfluss von Imagination und rationaler Untersuchung 

Ein Interview mit Rupert Sheldrake
von Hal Blacker
 

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Einleitung



Rupert
Sheldrake
Ich traf den umstrittenen Biologen Rupert Sheldrake an jenem Abend, als er mit dem Theologen Matthew Fox die Veröffentlichung ihrer neuen Dialogsammlung Engel, die kosmische Intelligenz feierte. Es war mir bekannt, dass Sheldrake sich nicht scheut, die Lehrmeinung herauszufordern, indem er Gedankenwelten betritt, die andere Wissenschaftler für gewöhnlich meiden. Sheldrake war ehemals Research Fellow of the Royal Society und Studiendirektor in Biochemie und Zellbiologie am Clare College der Universität von Cambridge in England, deshalb können seine sehr unorthodoxen Arbeiten nicht einfach als Unfug abgetan werden, auch nicht von Seiten seiner eher traditionell orientierten Forscherkollegen. Sein erstes bedeutendes Buch, das umstrittene Das schöpferische Universum, welches 1981 auf den Markt kam, wurde von dem führenden [amerikanischen] Wissenschaftsmagazin Nature zum „besten Kandidaten für eine Bücherverbrennung seit Jahren“ erklärt, gleichzeitig jedoch von dem ebenso hoch angesehenen New Scientist als eine „bedeutende wissenschaftliche Untersuchung über das Wesen der biologischen und physikalischen Realität“ gelobt. Seither wird sein Werk für seinen revolutionären Versuch geschätzt, ein Bewusstsein für die intelligente, lebendige Qualität dessen zu fördern, was wir oft als brutale Natur betrachten, für den Versuch, die kartesische Spaltung zwischen dem Physischen und dem Geistigen zu heilen, und für die abenteuerliche Überquerung der gut bewachten Grenze zwischen der Welt der Wissenschaft und der Welt der Spiritualität. Dennoch fragte ich mich, wie weit ein Wissenschaftler wohl gehen könnte, bis er den legitimen Geltungsbereich der Wissenschaft wahrhaftig verlassen würde. Engel? Das muss doch ganz sicher eine skurrile Metapher für etwas Rationaleres sein, etwas mehr der Moderne Gemäßes, etwas, hmm… Materielleres.

Das Gespräch mit Sheldrake zeigte mir, dass ich falsch lag – zumindest teilweise. Sein Glaube an die Möglichkeit der Existenz von Engeln oder uns überlegenen Intelligenzen, die im Universum agieren, ist kein metaphorischer. Ebenso wenig ist er durch sehnsüchtige Fantasien gefärbt, die einen Großteil der New-Age-Spiritualität durchdringen. Er ist die neueste Erforschung eines visionären Denkers, der keine Angst hat, die enormen Risiken einzugehen, welche mit dem Betreten von Neuland stets einhergehen. In unserem Gespräch erwies sich Rupert Sheldrake nicht nur als innovativer Wissenschaftler, sondern auch als Mann von großer Gelehrsamkeit auf anderen Fachgebieten – und als jemand, dessen wissenschaftliche und philosophische Untersuchungen von einer leidenschaftlichen Sorge um das Leben als Ganzem angetrieben werden. Wenn auch manche seiner Theorien eher fantasievoll als sachlich scheinen und die Grenze zwischen Wissenschaft und Science Fiction verschwimmen lassen, so war doch das Gespräch mit ihm eine bewusstseinserweiternde Reise, die mich einige Tage später in den Sternenhimmel hinaufstarren ließ, während ich mich – ganz untypischerweise – fragte, ob wohl irgendjemand oder irgendetwas gerade zurückschaute. Zudem zeichnete sich Sheldrake durch eine Eigenschaft aus, die für unsere Erkundung der Beziehung zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Erleuchtung von noch größerer Bedeutung war und die man selten bei Männern seiner Intelligenz und seines Wissens findet: eine tief greifende Demut und Achtung vor dem, was unbekannt ist und was der Intellekt vielleicht niemals erfassen kann.

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