Your email address is kept confidential, and will never be
published, sold or given away without your explicit consent.
Thank you for joining our mailing list! Close |

|
|||||||||||||
|
1 | 2 WAS WUNDER BETRIFFT, scheint es bei den Weisheitstraditionen des Ostens keine einhellige Meinung zu geben. Im vorigen Jahrhundert zum Beispiel: Da gab es zum einen Paramahansa Yogananda. Mit einem Schlag war 1946 seine heute längst klassische Autobiogr afie eines Yogi auf der Bildfläche erschienen und zog damit die Vorstellungskraft einer ganzen Generation westlicher Sucher mit den faszinierenden Geschichten lebender spiritueller Supermänner in Bann. Angesichts ihrer wundersamen Kräfte wurden unsere fantastischen Helden aus den Comic-Heften doch ein wenig in den Schatten gestellt: geheimnisvolle Weise, die das Wetter mit dem Willen kontrollieren konnten, große Meister, die durch die Luft fliegen und durch Wände gehen oder an verschiedenen Orten zugleich erscheinen konnten. Strenge Yogis, die die Macht hatten, Gedanken zu lesen und den menschlichen Geist zu kontrollieren, herkulische Kräfte aufzubringen und unerträgliche Schmerzen auszuhalten, ohne eine Miene zu verziehen. Im Verein mit einigen weiteren bedeutenden Büchern wie Baird Spaldings Leben und Lehren der Meister im Fernen Osten und Lama Govindas Der Weg der weißen Wolken entwarf Yogananda in unserer Vorstellung das Bild einer spirituellen Erleuchtung, die eine Art übernatürlicher Omnipotenz nicht nur für möglich hält, sondern für jeden quasi als vom Schicksal gegeben ansieht, der den Weg der Meditation ernsthaft beschreitet. Zum anderen war da Sri Ramana Maharshi. Mit seiner Zugehörigkeit zur Advaita Vedanta- oder nondualistischen Schule des Hinduismus bestand er darauf, dass jegliches Interesse an der Erlangung von Siddhis nicht nur ein Irrweg, sondern auch ein Abweichen vom Pfad zur letztendlichen Verwirklichung wäre. „Okkulte Kräfte bringen niemandem Glück“, behauptete er. „Sie sind nicht natürlich für das Selbst ... und ... nicht erstrebenswert.“ Unterstützt wurde er bei dieser Sichtweise durch spirituelle Größen wie Nisargadatta Maharaj und Sri Ramakrishna, welche die Siddhis als „einen Haufen Unsinn“ bezeichneten, und damit führte er das Vermächtnis einer langen Tradition von Mystikern fort, zu denen auch der Buddha gehörte, die vor jedem Versuch warnten, Wunder bewirken zu wollen. Unter den Weisen des Ostens gab es Uneinigkeit über dieses Thema, und im Westen sah es, zumindest anfangs, nicht viel anders aus. Einerseits schien es bei vielen psychologisch und rational orientierten Westlern eine natürliche Ignoranz gegenüber den übernatürlichen Bereichen der indischen Spiritualität zu geben, und mehr Interesse für die psychologischen und emotionalen Vorzüge der Praxis der Meditation. Andererseits fand die Aussicht auf die Erlangung wundersamer Kräfte aber viele Konvertiten, was wohl vorwiegend den kraftvollen Marktstrategien für Maharishi Mahesh Yogis Siddhi-Programm der Transzendentalen Meditation (TM) und Yoganandas Self-Realization Fellowship zu verdanken war, und nicht zuletzt auch der ungeheuren Popularität des Wunder wirkenden indischen Gottesmannes Sai Baba. Bei ihnen zumindest gab es einen wachsenden Kader von wissenschaftlich gesinnten Suchern, für welche die Siddhis ein faszinierendes Potenzial zur Untersuchung bildeten – die Gelegenheit, um der etablierten Wissenschaft die Existenz Gottes zu beweisen. Eine kurze Betrachtung der spirituellen East-meets-West-Szene heute zeigt jedoch
in letzter Zeit ein gewisses Nachlassen des Interesses an übernatürlichen
Kräften. Vielleicht haben die Warnungen der Mystiker einfach die beabsichtigte
Auswirkung. Vielleicht hat auch die Tatsache, dass Sai Baba mehrere Male beim
Fälschen seiner Wunder erwischt und dabei gefilmt wurde, bei einigen seiner
früheren Anhänger zu Zynismus geführt. Vielleicht haben wir aber
auch alle zu lange darauf gewartet, dass unsere Freunde, die TM machten, uns
etwas demonstrieren würden, das wenigstens entfernt nach „yogischem
Fliegen“ aussieht. Aus welchem Grunde auch immer, hier, im modernen Westen,
verliert die Aussicht auf ein Wunder langsam seine Faszination. Dieser Militär, der als hoch dekorierter indischer Luftwaffen-Kampfpilot in zwei Kriegen kämpfte und auch Indira Gandhi als persönlicher Pilot diente, wurde zu einem Mahayogi, der regelmäßig Zehntausende von devoten Hindus zu Zeugen seiner Vorstellungen macht, die traditionell als Bhugarbha-Samadhi oder Jal-Samadhi oder Asht-Lakshmi-Maha-Yagna-Samadhi bekannt sind. In unserer Sprache bedeutet das, dass er sich unter der Erdoberfläche eingräbt, in einen luftdichten Glaskasten einschließen lässt oder sich unter Wasser aufhält – tagelang oder zeitweise auch wochenlang. Unter Anwendung einer uralten yogischen Methode, die man am ehesten als eine Art menschlichen Super-Winterschlafs beschreiben kann, wird vom Piloten-Baba berichtet, dass er fähig sei, mit voller Absicht alle Körperfunktionen bis zum Punkt, wo man ihn als klinisch tot bezeichnen würde, herunter zu schalten, um dann aber an einem vorher bezeichneten Datum zu einer bestimmten Uhrzeit ins Leben zurückzukehren – eine Leistung, die bisher der Überprüfung von zumindest einigen westlichen Wissenschaftlern standgehalten hat. Und wenn sich das jetzt so anhört wie das, was Sie in der Fernsehshow „That’s Incredible!“ in den 80er Jahren gesehen haben, dann bedenken Sie doch, dass der große Yogi Kudu nur eine Stunde auf dem Grund des Swimmingpools gewesen war, als er unter großem Applaus der Moderatoren wieder herausgezogen wurde. Die Rekordzeit von Piloten-Baba unter Wasser ist vier Tage. Doch scheint diese Zahl an Bedeutung zu verlieren, wenn man an seine 33 Tage unter der Erde denkt. Wie kommt ein gefeierter Luftwaffenpilot zu dem Beschluss, diese uralte yogische Tradition ins dritte Jahrtausend hinüber zu nehmen? Als er im letzten September New York besuchte, bat ich Piloten-Baba, mir seine Geschichte zu erzählen. Wie er berichtet, hatte er nie geplant, ein Yogi zu werden, allerdings gab es da einen Yogi, der offensichtlich seinerseits so etwas mit ihm vorhatte. Dieser geleitete ihn durch seine Kindheit und rettete ihm während seiner Zeit bei der Luftwaffe, wie durch ein Wunder, mehr als einmal das Leben. Schließlich bewog ihn dieser mysteriöse heilige Mann dazu, der Welt zu entsagen, und er initiierte ihn 1973, mit Hilfe einer Gruppe von vier weiteren Weisen, in die Mysterien des Yoga. Aber erst nach drei Jahren (und einer Wanderung von mehreren tausend Meilen im Himalaya) begannen sich diese Mysterien in seiner eigenen Erfahrung zu entfalten. Im Laufe einer Periode intensiver spiritueller Praxis in und nahe seiner Höhle in der Wildnis des Himalaya-Gebirges erzielte Piloten-Baba einen plötzlichen Durchbruch, der seinen Lebensweg für immer verändern sollte. „Ich hatte mehrere Tage lang auf einem großen, freistehenden Stein in der Mitte des Flusses gesessen, als mir der Gedanke kam: „Könnte das Wasser nicht über mich wegfließen, ohne mich zu berühren?“ Und das passierte dann auch. Es begann, über mich und überall um mich herum zu fließen, ohne mich zu berühren.“ Voller Ehrfurcht über das, was sie da beobachten konnten – und das ging mehrere Tage so – versammelten sich Menschen aus dem nahe gelegenen Dorf am Ufer des Flusses, und es dauerte auch nicht lange, bis sich die Nachricht von jenem mysteriösen Yogi verbreitete, der das Fließen des Flusses unter seiner Kontrolle hatte. Wenn Menschen entdecken, dass sie die Macht haben, die Naturgewalten unter ihre Kontrolle zu bringen, würden einige sicher versucht sein, damit ihr Leben zu verbessern (oder zumindest ein übernatürliches Kanalisierungssystem in ihrer Höhle zu installieren). Bei Piloten-Baba hatte das jedoch genau den umgekehrten Effekt. Als er erkannte, dass der menschliche Wille Wunder bewirken kann, „wenn er klar, positiv und frei von Begierde ist“, begann er in den Dörfern der ganzen Region mit seinen frisch gefundenen Kräften leidende Menschen zu heilen. Und wie es häufig geschieht, wenn sich jemand einen Ruf als Heiler erwirbt, bildeten sich Schlangen von Menschen, die seine Segnung erhalten wollten. Aber damit hörten die Wunder nicht auf.
|
|||||||||||||