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1 | 2 eine liebesgeschichte des 21· jahrhunderts „Eine Liebesgeschichte des 21. Jahrhunderts ist die maßgebende Chronik zweier junger Menschen kurz vor der Selbstverwirklichung – aufwühlend und inspirierend, köstlich und absolut einmalig. Ihr Schriftwechsel ist von quälend überzeugender Unschuld und enthüllt eine nüchterne und scharfe Intelligenz, welche in dieser Generation ihresgleichen sucht… Mit großem erzählerischem Elan gelingt es diesen frühreifen spirituellen Suchern, das Landschaftsbild der klassischen Erzählung über das Erwachsenwerden grundlegend zu verändern. Ihr oftmals vergnüglicher, aber auch bewegender Dialog – eine sich gewagt kreuzende Untersuchung des moralischen, philosophischen und spirituellen Kontextes ihres eigenen Lebens – wirkt durchaus erleuchtend und transzendierend. Wir lieben – nein, brauchen – Evan und Ella.“ — Postmodern Times Review Teil 1 Datum: Mi, 03 Dez 2003 19:45:33–0700 (PDT) was geht ab in brooklyn? wie geht’s deinem alten? mann, ich weiß nicht, was ich zu dieser ganzen geschichte sagen soll… außer, dass sie echt beschissen ist. ich will ja nicht kalt oder unsensibel klingen, aber ich frage mich, ob er auch nur die geringste überlebenschance hat. er ist total im eimer, oder? sieht so aus, als müsste man mit dem schlimmsten rechnen… ich weiß nicht viel über seine krankheit, aber das hört sich reichlich mies an. trotzdem, ich hoffe echt, dass alles okay ist. meine schwester betet für ihn und so. und zu mir…na ja, also bei mir ist alles soweit okay. letzte woche bin ich von santa cruz zurückgekommen und hab’ mich montag morgen zum kurierdienst zurückgemeldet. gestern bin ich tatsächlich fast von einem dieser neureichen heinis über den haufen gefahren worden, als er mit einem affenzahn rückwärts aus der einfahrt schoss. der blödmann hat mein vorderrad kaputtgemacht! aber er hat’s mir bezahlt, also was soll’s. und courtney hat gerade so nen preis als angestellte des monats september gewonnen, jetzt erwartet sie von mir, dass ich sie heute auf der party treffen, was nicht so mein ding ist. mit mir und courtney läuft’s in letzter zeit nicht besonders. jedenfalls hoffe ich, dass du dich entspannst und dass dein dad okay ist und so…(btw: ich hänge noch ein foto von mir an, dann hast du was, das du stundenlang anstarren kannst. :) bis später, ecco! ;) love, p.s. hast du eigentlich mal diesen artikel in der onion gelesen, „delfine entwickeln gegenüberstellbare daumen“? du würdest bestimmt total drauf abfahren... der ist echt cool.
Evan, „Im Eimer?“ Das nennt sich Lymphdrüsenkrebs. Ich sag’s dir nur einmal: hör auf, mir zu mailen! du bist sowas von unreif, ich kann mit dir nicht länger meine Zeit verplempern. Ich lass Deine Emailaddy bei Yahoo blockieren. Auf Nimmerwiedersehen. E
Liebste Ella, es tut mir leid. du hast recht. mein ganzes leben ist eine lüge. Ich bin ein loser, ein unechtes, unerleuchtetes arschloch, auf ewig in Samsaras brandung verloren. vielleicht hab ich das auch schon erkannt, bevor wir uns begegnet sind, aber erst, seit ich dich kennen gelernt habe – vielleicht sogar in dem augenblick, in dem ich dich traf – dachte ich, die dinge könnten anders sein. Du gabst mir hoffnung, ein gefühl von klarheit. In deiner nähe spürte ich vertrauen in mich und in das LEBEN, wie nie zuvor. we nie. aber jetzt bist du weg – jetzt machst du es amtlich, für immer und ewig. Irgendwie hatte ich so was ja schon kommen sehen. aber, ach, Ella… wenn ich dir noch was zum abschied sagen kann, bevor ich dieser inkarnation ein ende setze und diese ebene verlasse, dann das hier: „gott ist die liebe, und wer in der liebe wohnt, der wohnt in gott und gott in ihm.“ --Johannes 1, 4:16 Vielleicht sind die christen im endeffekt gar nicht so verrückt. vielleicht bin ich es ja. Aber das macht jetzt auch nichts mehr. auf widersehen, Ella Paris. und so abgedroschen das klingen mag, jetzt ist es an der zeit zu sagen: auf wiedersehen welt, auf wiedersehen samsara. ich werde dich immer lieben, ella. bitte sage meinen eltern und meiner schwester, dass ich sie aufrichtig liebe und erzähle ihnen das hier (oder auch nicht). herzlichst, dein unreifer freund. Von: „Ella Paris“ <ellaparis@hotmail.com> Evan, Falsch. Ich fordere dich geradezu auf, es zu tun. Für einen, der behauptet, dass er sich nach wahrem Sinn in seinem Leben sehnt, wäre das die sofortige Lösung des Problems. Ich meine, wenn du dich umbringst, dann weißt du wirklich, was das Wort „Feigling“ bedeutet. Und überhaupt: Warum schickst du mir ständig diese unechten Selbstmordankündigungen? War das jetzt nicht schon der VIERTE? Was gefällt dir daran, über diese Dinge Witze zu machen? Ich wette, du träumst von deiner eigenen Beerdigung und all den Leuten, die sich spontan einfinden würden, in Tränen aufgelöst vor Kummer, dich verloren zu haben? Reden wir lieber über was anderes…
liebreizende ella, politesse, du hast mich gerettet! mich davor bewahrt, mich selbstsüchtig einfach auszulöschen! zum vierten mal schon! wie cool ist das denn? ich wusste, auf dich ist verlass. jetzt mal im ernst… du fragst, warum ich über das sterben witze mache? Weil ich sterben WILL! ich will sterben, um so in die ewige leere zu gelangen, zur ungeborenen quelle von ALLEM. ich träume nicht von meiner beerdigung und schwelge auch nicht in fantasien über längst vergessene pappkameraden, die meinen abgang von dieser welt feiern. nein, ich träume vom Ewigen Leben, jenseits des kommens und gehens armseliger, vergänglicher formen. unsere körper sind nur psychische Qualitäten (Skandhas) in sterblichem fleisch, dazu verdammt, zu dem staub, aus dem sie entsprungen sind, zurückzukehren. aber wer bist DU wirklich? jenseits des körpers, jenseits des verstandes, wer bist DU? ella, ich will dir wirklich helfen, dies besser zu verstehen, weil ich glaube, das es dir bei dem was du gerade mit deniem vater und seiner krankheit durchmachst, SEHR helfen wird. denk drüber nach, ella: wir werden in diese seltsame welt hinein geboren, wir leben unser leben, schwimmen mit dem strom, schlucken all die lügen, mit denen die welt uns zwangsernährt, ringen und leiden zusammen mit all den anderen, und dann, eines tages, versagen unsere körper, und alles ist so schnel vorbei, wie es angefangen hat. und die leute fragen sich WARUM? WAS soll das ganze? also, ich weiß warum, ich weiß, was das ganze soll – nämlich nichts. Es ist nur ein spiel (ein spiel der götter) oder ein traum – je nachdem, welche metapher einem mehr liegt. ella, tut mir leid, wenn ich dich mit meinem rumgealbere genervt habe. ich will nicht, das mein glücklichsein unsere freundschaft zerstört, okay? ella, wenn du wirklich willst, dass ich damit aufhöre und in den schwerfälligen akademikermodus umschalte, dann mach ich das – nur für dich. du bist so schön ella, so rein – wie ein strahlender bodhisattva der perfektion in dieser welt. dein süsses lächeln, dein glänzendes dunkles haar, deine augen – wie erdbälle, blaue welten, die eine matrix aus unendlich vielen fenstern bilden, welche jeder anschauen, aber nur ich wirklich sehen kann. In unendlicher liebe,
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