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IM HAUS NR. 530 DER 27. STRASSE WEST durchquerten wir eine enge, mit Stahl verstärkte Tür und standen nach ein paar Schritten gleich einem Dutzend Bauarbeitern gegenüber, die fieberhaft an Böden und Wänden arbeiteten. Unter dem ohrenbetäubenden Kreischen und Singen von Elektrowerkzeugen umrundeten wir große Fässer mit nassem Zement und stiegen über elektrische Kabel – die uns beschriebene Szenerie, die dort in sechs Wochen stattfinden sollte, schien kaum vorstellbar. Aber wenn Sie diesen Artikel lesen, wird diese noch so unfertige Baustelle durch die Energie von Künstlern, Musikern, spirituellen Persönlichkeiten und Tausenden partyhungriger Clubbesucher spürbar aufgeladen und transformiert sein. Als Teil eines größeren Plans, bei dem Phänomen der nächtelangen Dance-Partys, als Raves bekannt, durch die Verbindung zum Bereich des Spirituellen eine Revolution zu bewirken, wurde das 70 000 qm große Gebäude dafür vorgesehen, der zweite von insgesamt sieben Nachtclubs zu werden, die auf den „Lichtzentren der Erde“ ihren Platz finden sollen. Dieses Multimillionen-Dollar-Unternehmen speist sich aus einer ehrgeizigen Vision, die aus einer für manche wohl ungewöhnlichen Quelle kommt. Vor zwei Jahren begann Robbie Wooton, Restaurant-Unternehmer, Veteran der Musikindustrie und erfahrener Unterhaltungskapitalist, eine Reise, die ihn schließlich in den afrikanischen Busch führte. Dort erhielt er den von ihm so bezeichneten „Auftrag“, sieben „Spirit“ Clubs rund um die Welt zu eröffnen, deren Mission es sein würde, „eine Rolle dabei zu spielen, Menschen zu einer Evolution zu neuen Ebenen des Bewusstseins hin zu ermutigen“. Als wir nach New York fuhren, um Robbie zu treffen, war der Spirit Club Dublin gerade eröffnet worden, und nach der Eröffnung des Spirit Club New York sollen noch Kapstadt, Athen, Sydney, Schanghai und Rio de Janeiro folgen. Als wären wir in einen Kaninchenbau gefallen, fanden wir uns mit Eintritt durch die Eingangstür mitten in einem kreativen Prozess wieder, Robbies Vision zu einer realen materiellen Manifestation in den Straßen New Yorks zu machen. Was die Raves betrifft, so sind sie einfacher zu definieren, wenn man sie im Kontrast zu ihren Vorgängern in der Club-Szene betrachtet. In Kürze: Die Achtziger produzierten die narzisstischen Kokain schnupfenden Materialisten, die wiederum der Ursprung der schrecklich unechten, ebenfalls Kokain schnupfenden Disco-Generation waren. So zumindest würde ein Raver es einem erklären. In Wahrheit haben Narzissmus, von Drogen induziertes Vergnügen und sexuelle Obertöne schon immer die Club-Szene definiert, egal welche Sub-kultur gerade führend war. Der wirkliche Unterschied zwischen den Raves und ihren nahen Verwandten liegt in dem Glauben auf Raver-Seite, dass Tiefe ein wesentlicher Aspekt der Rave-Erfahrung ist. Wörter wie Spiritualität, Einheit, Liebe und Gemeinschaft sind das übliche Vokabular zur Beschreibung der Erfahrung, wie es ist, wenn man bis acht Uhr morgens mit Tausenden zusammen tanzt. Das mögen keine unzutreffenden Wörter sein, aber leider werden sie oft von jemandem ausgesprochen, der auf Ecstasy ist, und nicht von einem erwachten Individuum. Ecstasy und Methamphetamine jeder Art haben die Rave-Subkultur in den Neunzigern in so einem Maße bestimmt, dass die Gesetzeshüter und die allgemeine Öffentlichkeit dazu getrieben wurden, auf die gesamte Subkultur mit Geringschätzung und Gewalt zu reagieren. Ironischerweise hatte sich dort, wo jetzt der neue „drogenfreie“ Spirit Club New York ist, der verrufene Nachtklub Twilo befunden. Twilo wurde vor zwei Jahren geschlossen, zumindest zum Teil wegen des Todes von zwei Stammgästen durch eine Überdosis. Aber es war auch das Resultat von Bürgermeister Guilianis Razzia in der übel beleumdeten Szene des New Yorker Nachtlebens, das vielfach von Drogen beeinflusst ist. Und wo Raves waren, da waren auch Drogen. Zumindest so lange, bis Robbie Wootton die Szene betrat. Als wir den aus Dublin stammenden Mann trafen, waren wir gleich von der ansehnlichen Länge seiner Gliedmaßen beeindruckt, die sich sogar bei der Länge seiner Finger zeigte. Robbie hat die Angewohnheit, in die Ferne zu schauen, wenn er versucht, eine bestimmte persönliche Erfahrung oder eine Idee mitzuteilen, und dann schnell und in kompakter Weise über alles – von Elvis („Elvis war ein Prophet“) bis zu Ansichten darüber, wie man mit Architekten arbeitet – zu reden. Aus dem Gespräch mit ihm wurde mir klar, dass wir in einer Zeit leben, in der wir nicht weit nach Osten gehen müssen, um mit der spirituellen Dimension des Lebens in Berührung zu kommen, oder gar die Anstrengung machen müssen, ein New Age-Zentrum oder ein Meditationsretreat zu besuchen. Vielmehr können sich solche Dinge im 21. Jahrhundert auf Rock-Konzerten offenbaren. Robbie kennt U2, seit er am Aufbau der Windmill Studios in Dublin mitgewirkt hat, in denen viele der Alben von U2, unter anderem The Joshua Tree, aufgenommen wurden. Auf ihrer Elevation Tour 2001 machte Robbie hinter der Bühne in einem Gespräch mit einem Fremden, wie er es beschreibt, zum ersten Mal die Bekanntschaft „mit einer Welt, die mir bis dahin ein völliges Geheimnis gewesen war, aber die ich immer kennen lernen wollte“. Diese Begegnung veränderte unwiderruflich seine Wahrnehmung. Nachdem er dann ein Jahr freigenommen hatte, um die Welt zu bereisen, stellte er fest, dass er, sei es nun in Südostasien, Südamerika, Nordamerika oder Afrika, ununterbrochen Menschen traf, deren Verständnis von Spiritualität ihn in feurige Erregung versetzte. Diese Reisen haben für ihn eindeutig bewiesen, dass der menschlichen Erfahrung eine fundamentale Einheit zu Grunde liegt, ein Eindruck, der sich mit jeder Landesgrenze, jedem Kontinent oder jeder Sprache, der er begegnete, vertiefte. Wenn man Robbies persönliche Geschichte in der Unterhaltungsindustrie
betrachtet, scheint wohl nichts Mysteriöses daran zu sein, dass er den
„Aufruf“ dazu erhielt, einen spirituellen Nachtclub zu eröffnen.
Bemerkenswert an seiner Geschichte ist, dass er seine Vergangenheit als die
eines Playboys beschreibt, der nicht nur viele Clubs gründete, sondern
auch an der ihn umgebenden Drogenkultur mitwirkte. Als im aber klar wurde, wie
negativ sein Lebensstil war, lehnte er nicht einfach die gesamte Welt, in Schon die räumlichen Dimensionen dieser Örtlichkeit waren atemberaubend. Als ständiges künstlerisches Projekt wird es vor allem aus drei Stockwerken bestehen: Körper, Geist und Seele genannt. Robbie erklärte uns, was das zu bedeuten hatte. Das dritte Stockwerk, sagte er uns, würde die meiste Zeit der Woche offen sein und verschiedene Studios für ganzheitliche Heiler, Aromatherapeuten, Yoga-Lehrer und möglicherweise eine Galerie für die Installation Sieben Spiegel des Künstlers Alex Grey Raum bieten. Er zeigte uns die klinisch sauber geflieste Küche des Restaurants im zweiten Stockwerk, welche die Kunden mit vegetarischem Essen und Rohkost versorgen wird. Es würde von verschiebbaren Glastüren umgeben sein, so dass die Gäste beim Essen auf die Tanzfläche, die 2000 Menschen Platz bietet, hinunter schauen könnten. Im Erdgeschoss würde sich die Bühne befinden, wo jede Samstagnacht choreographierte Auftritte von aktuellen Performance-Künstlern wie Gabrielle Roth stattfinden würden. „Unsere Show beginnt um Mitternacht, was eigentlich schon Sonntag ist. Also ich möchte nicht sagen, dass das ein Ort für Gottesdienste wird, aber es ist ein Ort für Gemeinschaft, ein Ort der Feier…“ Die Auftritte im Spirit Club sind ein Teil dessen, was diesen Treffpunkt von der „DJ-orientierten Dunkelheit“ unterscheidet, von der die Club-Erfahrung so oft bestimmt ist. „Alles in unseren Räumen ist zum Licht hin orientiert“, erklärt Robbie. „Es geht um das Gute, es ist ein Triumph des Lichts über das Dunkel.“ In einem buchstäblichen Sinne erleuchtet das Licht auch die Botschaft, die hier auf der Bühne und durch verschiedene Medien ausgedrückt werden soll, um die Aufmerksamkeit der Clubbesucher in eine bestimmte Richtung zu lenken. Robbie hat beim Aufbau des Spirit jedes Detail selbst kontrolliert, wie zum Beispiel Platzierung und Einsatz der Beleuchtung, und diese bewusste Absicht ist für ihn sehr wichtig. Natürlich gibt es keine Möglichkeit, Menschen, die sich nur betrinken und eine schöne Zeit haben wollen, davon abzuhalten, in den Spirit Club zu kommen (obwohl die drogenfreie Umgebung sehr stark betont wird, wird es eine vollständig ausgerüstete Bar im zweiten Stock geben, wenn auch von frischen Säften und Energie-Drinks ergänzt). Aber wie Robbie erklärte: „ Selbst wenn die Leute einfach nur kommen, weil sie gehört haben: ‚Oh, das ist ein wirklich heißer Club zur Zeit‘“, werden die Absicht, die sich in den Details ausdrückt, die überall spürbare Energie und die Struktur dieses Treffpunkts dafür garantieren, dass die Leute „nur positiv beeinflusst werden können von dem, was hier geschieht...“ Ein sehr wichtiges Element dieser Positivität wird die Musik sein, aber es ist wohl ein Blick auf den Zusammenhang nötig, um zu verstehen, warum. House, Techno, Trance: wie immer man es bezeichnet, von Ravern wird Musik als weit mehr als Unterhaltung verstanden – für sie ist sie buchstäblich ein Medium für Transzendenz. Einige gehen so weit, wissenschaftliche Beweise für diesen Glauben anzuführen, zum Beispiel, dass eine Drum-Maschine einen wiederholten Beat viel länger halten kann als ein Mensch und damit Menschen in einem Tanz-Marathon zusammenbringt und sie zu dem Gefühl führt, Teil eines kollektiven Organismus zu sein. Robbie glaubt das, weil viel von der Dance-Musik von Jugendlichen in ihrem Schlafzimmer gemacht wird und deshalb die Musikindustrie umgeht, Musik, die direkt vom Göttlichen durch den Jugendlichen, der sie macht, hindurchgeht und dann auf die Tanzfläche. DJs, die spirituell bewusst oder erwacht sind, können mit ihrer Musik einen Fluss erschaffen, eine Schwingung, die, davon ist Robbie überzeugt, wirklich das Bewusstsein der Menschen, die dazu tanzen, steigert. Kein Raver würde dem widersprechen. In diesem Sinne ist Musik zweifellos eines von Robbies kraftvollsten Werkzeugen. Er bekräftigte das, als er uns sagte: „In den letzten zehn Jahren haben viele Raver gesagt, Gott sei ein DJ, weil sie auf der Tanzfläche religiöse Erfahrungen machten. Was wir zu sagen versuchen ist: Ja, Gott kann ein DJ sein; Gott ist Musik; Gott ist Klang; Gott ist Schwingung; alles im Universum ist Schwingung.“ Es gibt keinen Zweifel, dass Spirit Teil einer größeren Bewegung ist, hin zu drogenfreien Umgebungen in der Rave-Subkultur, als Antwort auf den destruktiven Drogenkonsum, der sie so lange definierte. Ob das der Ausdruck einer größeren Bewegung in unserer Kultur ist, um die positiven, erhebenden Elemente von Kunst, Musik und Unterhaltung im Kontext von Spiritualität hervorzuheben, bleibt abzuwarten. Wenn Robbie damit Recht hat, wenn er sagt, dass die Jugend von heute die erste Generation seit Jahrzehnten ohne eine „Droge der Wahl“ ist, dann mag dies der Fall sein. Nach seiner Aussage werden wir endlich in der Lage sein, uns für Gemeinschaft, Ganzheit und wahres Erwachen zu entscheiden, statt für die illusionäre Welt der Drogen, die seit den Sechzigern über die Neunziger bis heute jede Subkultur definierte. Das ist keine Kleinigkeit, und Spirit könnte der Ort sein, wo wir hingehen sollten, um den Ball ins Rollen zu bringen. Weitere Informationen über Spirit Vorführungen, Veranstaltungen etc. bei www.spiritdublin.com or www.spiritnyc.com
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