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WIE: John, Ihre Denkfabrik, das Arlington Institute, wurde gegründet, um die kulturellen Trends zu beobachten, die gerade auftauchen und die einen tiefgreifenden Einfluss auf die Zukunft unserer Zivilisation haben werden. Welche neueren Entwicklungen haben Sie beobachtet? JOHN PETERSEN: In den letzten paar Monaten haben sich mehrere
Dinge verändert, was Auswirkungen auf grundsätzliche Gesichtspunkte
des menschlichen Lebens und der zwischenmenschlichen Kommunikation und Interaktion
haben wird. Es gibt eine solche Veränderung jeweils in der Biotechnologie,
in der Technologie, im Energiebereich und in der Geopolitik. Und es ist bedeutsam,
dass all diese Ereignisse innerhalb einer so kurzen Zeitspanne aufgetreten sind.
Zuerst zur Biotechnologie. Da tauchen eine ganze Reihe von Dingen auf, von denen
das bedeutendste das Klonen ist, die Fähigkeit, menschliche Wesen zu erzeugen.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit besitzen wir die Fähigkeit,
Menschen zu erzeugen und zu duplizieren, nicht nur pflanzliches oder tierisches
Leben, sondern menschliches. Und wir sind kaum in der Lage auch nur ansatzweise
zu verstehen, welche Bedeutung und Auswirkung das aus soziologischer Sicht hat. WIE: Über welchen Zeitrahmen reden wir bei dieser Veränderung in der Energieproduktion? JP: Ich glaube zwei oder drei Jahre. WIE: Sie haben auch die Geopolitik erwähnt? JP: Ja. An der geopolitischen Front gibt es die Situation im Irak und die im Mittleren Osten allgemein. Gerade fällt Saudi-Arabien auseinander. Das geschieht von Innen heraus – und das in einem Ausmaß, dass die Führung des Landes kürzlich versuchte, die Pässe aller ausländischen Arbeitnehmer einzusammeln. Aber das sind gerade die Leute, die die Industrie des Landes am Laufen halten. Im schlimmsten Fall wird vielleicht die Regierung Saudi-Arabiens auseinander brechen, und das könnte zu einer riesigen Störung auf dem Energiemarkt führen und eine globale Depression verursachen.Das ist eine ganz große Sache. Da haben wir also diese großen, bedeutungsvollen Ereignisse, die in unterschiedlichen Ausmaßen in Erscheinung treten und zur selben Zeit zusammentreffen. Und die ethische Bedeutung all dessen verstehen wir nicht. Eigentlich hangeln wir uns irgendwie über einen Abgrund, und dabei benutzen wir die Moral und die Wertvorstellungen der Vergangenheit bei dem Versuch, diese Ereignisse und die neuen technischen Möglichkeiten der Zukunft zu verstehen, und dabei ist das so anders als alles, was wir bis dahin gesehen haben. Und zwischen all dem die Balance zu halten, ist das Beste, was die verschiedenen menschlichen Gemeinwesen tun können. Sie haben das aber nicht im Blick, sie leiten keine Überbrückungsmaßnahmen ein, die helfen würden, damit zurecht zu kommen. Da wird doch zum Beispiel durch die Probleme im Irak und Saudi-Arabien die reale Möglichkeit eines lang andauernden „kleinen“ Krieges zwischen dem Islam und dem Westen geschaffen – wenn wir nicht richtig damit umgehen. Das ist ja nun ein ernstes Thema. Und um das auf effektive Art zu antizipieren und damit umzugehen, müsste man sich nicht nur mit den Symptomen befassen und den Problemen, wie Terrorismus und so weiter, die jeden Tag auftauchen, sondern man muss sich auch mit den Themen beschäftigen, die all dem zu Grunde liegen. Und, bei allem Respekt, ich kenne keinen in unserer Regierung, der weiß, wie er mit diesen fundamentalen Dingen umgehen soll. Aber gerade das ist hier gefordert – eine Art aufgeklärte Sichtweise, die auf die grundlegenden Probleme in umfassender und systematischer Weise reagiert und die zukünftige Entwicklung nicht außer Acht lässt: eine Sichtweise, die proaktiv ist und nicht nur reaktiv, wie bei unseren herkömmlichen Handlungsweisen. WIE: Sehen Sie diese aufgeklärtere Sichtweise bei irgendeinem der Präsidentschaftskandidaten der USA – diese Art systemischen Denkens? Sehen Sie da Potenziale? JP: Ja, schon. Momentan kann man das noch nicht sehen, weil sie alle versuchen, die Vorwahlen zu gewinnen. Aber ich glaube, wir werden es zuerst bei Howard Dean und ein oder zwei anderen Kandidaten sehen, wenn es aufs Frühjahr und die Wahl zugeht. John L. Petersen ist Gründer und Leiter des Arlington Institute,
eines Forschungsinstitutes in Washington D.C. Er ist der Autor des Buches Out
of the Blue: How to Anticipate Big Future Surprises.
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