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Aufsteigendes Bewusstsein


Eine wachsende Anzahl Wissenschaftler und Gelehrter ist fest entschlossen, eines der undurchdringlichsten Geheimnisse des Lebens zu begreifen
 




Die Antwort auf die Frage "Was ist das Bewusstsein?" entwickelt sich zu einem der schwierigsten Rätsel des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Auf den ersten Blick scheint die Frage simpel. Jeder hat es, oder? Ja schon, nur, was genau ist es, und woher kommt es? Je länger man darüber nachdenkt, desto schwieriger wird das Thema. Ist das Bewusstsein ein Nebenprodukt des menschlichen Gehirns, oder der Boden für dessen Aktivitäten? Hat es sich entwickelt, oder war es immer schon da? Trotz dieser großen Lücken in unserem grundlegendsten Verständnis der Wirklichkeit ist die Erforschung des Bewusstseins nicht gerade auf weit verbreitetes Interesse gestoßen. "Die Mehrheit der modernen Psychologen", schrieb der Nobelpreisträger Francis Crick 1994, "vermeidet jede Erwähnung dieses Themas ... und die meisten modernen Neurowissenschaftler ignorieren es." Doch dieses Versäumnis könnte jetzt sehr wohl der Vergangenheit angehören. Seit kurzem wird die Diskussion von David Chalmers, Philosophieprofessor an der Universität von Arizona und Leiter des Zentrums für Bewusstseinsstudien, mit seiner "Towards a Science of Consciousness"-Konferenz ("In Richtung auf eine Wissenschaft des Bewusstseins") angeheizt, die er seit 1996 veranstaltet. Die letzte dieser Konferenzen wurde im April letzten Jahres in Tucson abgehalten. Chalmers bringt Kognitionsforscher, Philosophen, Psychologen, Anthropologen, Parapsychologen und sogar spirituelle Lehrer zusammen und nähert sich damit dieser schwierigen Thematik mit dem breitest möglichen Ansatz. "Das ist eine bedeutende Frage. Sie wird nicht über Nacht zu lösen sein", sagte er zu WIE. "Es ist sehr wahrscheinlich die große Herausforderung der Wissenschaft des kommenden Jahrhunderts." Er ist allerdings auch der Meinung, dass es Fortschritte gibt. "Das Grundgerüst für eine Wissenschaft des Bewusstseins ist bereits sichtbar, doch es werden sich wahrscheinlich noch ein oder zwei Revolutionen ereignen müssen, bis wir so weit sind."

Natürlich glaubt nicht jeder, dass wir eine Revolution brauchen. Der populäre Schriftsteller und angesehene Kognitionsforscher Daniel Dennet nimmt auch an der Konferenz teil, trotz seiner Behauptung, dass sich Bewusstsein leicht auf Gehirnfunktionen reduzieren lässt. Dennet ist, selbst für wissenschaftliche Verhältnisse, ein Erzmaterialist. Seine Ansichten finden denn auch bei den meisten Konferenzteilnehmern nicht gerade Anklang– eine Tatsache, die ihm nicht entgangen ist. "Jetzt weiß ich, wie sich ein Polizist in Woodstock gefühlt haben muss", scherzte er nach der Veranstaltung im vorigen Jahr.

Chalmers steht nicht allein mit seinen Bestrebungen, mehr Bewusstheit in die Frage nach dem Bewusstsein zu bringen. Er befindet sich vielmehr an der Spitze einer interdisziplinären Woge des Interesses, welche die üblichen akademischen Trennungslinien überschreitet. Man kann ihn Denkern wie dem Autor von Nonzero, Robert Wright, zurechnen, die den Wissenschaftlern nahe legen, zu akzeptieren, was Mystiker schon lange behaupten, nämlich, dass es innere Dimensionen der menschlichen Erfahrung gibt, die man nicht auf materielle Vorgaben reduzieren kann. "Sie werden Bewusstsein nicht auf einen Prozess im Gehirn reduzieren können", erklärt er. "So, wie ich es sehe, ist das Bewusstsein in gewissem Sinne nicht weiter reduzierbar. Vielleicht ist es sogar etwas Grundlegendes in der Welt." Man kann es eine neue Gegenkultur des Bewusstseins nennen, wenn man so will–aber wenn Dr. Chalmers sich durchsetzt, dann wird diese neue Woodstock-Nation die alte Garde kräftig aufmischen und an den Stangen der akademischen Käfige rütteln und dabei in den kommenden Jahren das Aussehen von Wissenschaft, Philosophie und vielleicht sogar Religion grundlegend verändern.



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