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Eine neue Herausforderung für die interreligiöse Bewegung


Ein christlicher Mönch hat einen Vorschlag für den Umgang mit der Al-Quaida (Hinweis: Es soll dabei niemand überfallen werden.)

Bruder Wayne Teasdale gehört zu den Pionieren der interreligiösen Bewegung und ist Autor von A Monk in the World.

von Carter Phipps
 




Raten Sie mal: Wer bietet ein Forum für zehntausende Menschen, hat wohl hunderte Millionen Fernsehzuschauer und wird von einem Großteil der politischen Intelligenzia dieser Welt bisher weitgehend ignoriert? Nein, es ist nicht der Super Bowl, nicht Mekka und auch nicht Britney Spears' Auftritt beim Superdome. Es handelt sich um das Parlament der Weltreligionen, das man auch die Antwort der Religionen auf Davos nennen könnte. Dieser Großvater aller modernen interreligiösen Foren wird sein nächstes Treffen in diesem Sommer in Spanien abhalten, und es verspricht, in jeder Hinsicht ein gigantisches Unterfangen zu werden. Fast eine Woche lang wird Barcelona mehr als zwanzigtausend Menschen aus nahezu allen Gesellschaftsschichten von Gottes grüner Erde beherbergen– spirituelle, weltliche und was es sonst noch so gibt. Die ganze Bandbreite von regionalen bis zu globalen, von theologischen bis zu ökologischen, von praktisch-pragmatischen bis zu heilig-erhabenen Themen wird zur Sprache kommen.

Sollte Ihnen der Begriff "Parlament der Weltreligionen" irgendwie bekannt vorkommen, so könnte dies an dessen inzwischen legendären Anfängen im Jahr 1893 liegen, als der große Hindu-Weise Swami Vivekananda in Chicago das Podium betrat und mit einer bewegenden Ansprache an die dort versammelten Religionsführer Ost/West-Geschichte schrieb. Damals hatten nur wenige je einen Swami aus dem Osten gesehen, und der Anblick dieses edlen Herren in Mönchsrobe gab Amerika eine Vorstellung von einer interreligiösen Harmonie, die weit über die abrahamitischen Religionen hinausging–und sicherlich auch über eine Entspannung zwischen Katholiken und Presbyterianern, Lutheranern, Methodisten und Baptisten. 1993, genau einhundert Jahre später, trat das Parlament erneut in Chicago zusammen und hat seither einen bedeutenden Beitrag für Versöhnung und Dialog zwischen den nicht immer friedlich nebenein--ander existierenden Glaubensrichtungen unseres globalen Dorfes geleistet. Aber die drängende Frage, mit der diese Bewegung heute konfrontiert ist, lautet: Wie können noble, religionsübergreifende Ideale in einer zunehmend weltlich eingestellten Gesellschaft in reale Ergebnisse auf der Weltenbühne umgesetzt werden? Haben die religiösen Traditionen immer noch die Macht, auf die politischen und kulturellen Tagesordnungen der internationalen Gemeinschaft einzuwirken? Diese Frage mag ein wenig befremdlich klingen, angesichts der Tatsache, dass wir am Rande eines Zivilisationskriegs zu stehen scheinen, bei dem es im Wesentlichen um grundlegende Differenzen unserer Werte geht–Werte, die in vielerlei Hinsicht zutiefst religiös sind. In der Tat: Wie will das Parlament die zunehmenden Spannungen zwischen dem Islam und dem Westen handhaben, welche die zaghaften Schritte in Richtung Solidarität zu untergraben drohen, die uns Menschen im letzten Viertel Jahrhundert gelungen sind? Bruder Wayne Teasdale, ein Laienmönch, Mystiker und christlicher Pionier der interreligiösen Bewegung, sprach kürzlich mit WIE und legte dar, was geschehen wird–und wichtiger noch, was geschehen sollte und könnte, um den gegenwärtigen Sorgen hinsichtlich des Terrorismus adäquat zu begegnen–diesen Sommer an der Ostküste Spaniens.

WHAT IS ENLIGHTENMENT?: Auf welches Thema will sich das Parlament der Weltreligionen in diesem Jahr konzentrieren?

WAYNE TEASDALE: Das Parlament will in seiner Ausrichtung im Hinblick auf die vier Themenschwerpunkte, die es untersuchen will, aktivistischer werden: Das sind Wasser, Schuldenerlass, Flüchtlinge und das Ende religiös motivierter Gewalt. Es will sich mit diesen Themen auf eine Weise befassen, dass es wirklich einen Beitrag zur Lösung leistet. Das europäische Fernsehen plant eine Berichterstattung von täglich zwei Stunden ein–das bedeutet eine halbe Milliarde Zuschauer. Es steht noch vieles mehr auf dem Programm–Gespräche, Vorträge, ein Wissenschaftssymposium. Ich denke, das Ganze wird ein historisches Ereignis werden.

WIE: Wir scheinen in einer Zeit zu leben, in welcher der Einfluss der Religionen auf globale Angelegenheiten, zumindest im Westen, drastisch gesunken ist. Was könnte das Parlament angesichts dieser Realität tun, um in der heutigen krisengebeutelten Welt weiterhin von Bedeutung zu sein?

TEASDALE: Nun, zunächst einmal besteht das Parlament ja nicht nur aus Vertretern der religiösen Traditionen. Die Assembly, eine Zusammenkunft von Führungspersönlichkeiten, die sich vor der Hauptsitzung des Parlaments in der Abtei Montserrat trifft, besteht aus vierhundert Mitgliedern, die keineswegs nur religiöse und spirituelle Oberhäupter sind. Die Religionen machen zwar den Hauptteil aus, doch ebenso vertreten sind inspirierte Mystiker und Weise et cetera, aber auch Medienleute, Menschen aus der Geschäftswelt, Diplomaten, Gelehrte, Wissenschaftler und Aktivisten. Es ist ein Mikrokosmos der menschlichen Gemeinschaft–die facettenreichste Gruppe, die je auf diesem Planeten zusammengekommen ist. Offen gesagt ist sie vielfältiger als die Vereinten Nationen, denn man sieht in den Vereinten Nationen nie eingeborene Völker. Doch in dieser verschiedenartigen Gruppe ist jeder Teil der Welt vertreten. Es gibt aber noch etwas, wodurch das Parlament meines Erachtens eine ungeheure Wirkung erzielen könnte, und das wäre, auch einige Wahhabi Mullahs aus dem Jemen, Somalia, Ägypten und Saudi Arabien einzuladen.

WIE: Sie beziehen sich hier auf die saudiarabische Sekte, die eine sehr extremistische Vision des islamischen Lebens in der islamischen Welt verbreitet. Wird nicht die Al-Quaida größ-ten-teils vom Wahhabismus beeinflusst?

TEASDALE: Ja, die Wahhabi sind eine sehr exzentrische Sekte, die ihren Ursprung vor 150 Jahren in Saudi Arabien hatte. Nach Auffassung vieler Gelehrter sind die Wahhabi nicht wahrhaft koranischen Ursprungs. Es handelt sich dabei eher um eine arabisch kulturelle Bewegung, welche viele Elemente beinhaltet, die man vor allem bei den Taliban feststellen kann, da diese vom Wahhabi-Modell inspiriert sind. Für den Islam ist das wirklich problematisch, aber wir müssen uns mit diesen Menschen befassen, denn sie sind die spirituellen Führer der Terroristen.

WIE: Ich könnte mir vorstellen, dass ihr Erscheinen beim Parlament wohl eher unwahrscheinlich wäre.

TEASDALE: Ich denke, einige von ihnen würden kommen. Es gibt auch ein paar gute Mullahs unter ihnen. Es wäre für sie eine Bildungschance. Sie könnten von einer umfassenderen Perspektive aus informiert werden und einen intensiven Einblick in eine größere Wirklichkeit der Welt erhalten.

Nun ist es ja nicht so, dass die gesamte islamische Welt zu Wahhabi-Anhängern würde, aber wir müssten das Gespräch suchen, denn es wird mit Sicherheit keinen Dialog zwischen den USA und der Al-Quaida geben. Aber im Hintergrund des Forums wären Dialoge zwischen den Wahhabi und Mitgliedern anderer Traditionen möglich. Es wäre eine prägende Gelegenheit für die Wahhabi zu entdecken, dass es noch eine andere Wirklichkeit auf dem Planeten gibt und dass der Wahhabismus im Grunde ein Rückschritt ist–weit zurück–und dazu noch nicht mal ein authentischer. Der Wahhabismus ist ein Wüstenphänomen. Er würde in den Städten–und in der Moderne–nicht überleben. Deshalb zerstört man ihn nicht, sondern reformiert ihn, baut auf ihm auf und entwickelt ihn weiter.

WIE: Gab es bisher irgendeinen Kontakt?

TEASDALE: Ja, ein wenig. Das Parlament hatte vor zwei Jahren eine Begegnung mit dem islamischen Weltrat, einer einflussreichen, saudi-arabischen Organisation. Ich hatte die Gelegenheit, mit einigen Oberhäuptern dort zu sprechen und regte an, dass es für den Islam wichtig wäre, ein autoritatives Gremium zu entwickeln, das den gesamten Islam vertritt, den Koran auslegen kann und ihn diesen einzelnen Mullahs aus den Händen nimmt, die nur ihre eigene Auslegung verkünden und die Gemeinde in die Irre leiten. Ich konnte aber nicht feststellen, dass sie selbst ein Teil der Assembly waren. Die Teilnehmer an der Assembly sind bereits einer Art universeller Zusammenarbeit verpflichtet.

Anstatt also die Wahhabi mit Dialogen und mit der Tagesordnung des Parlaments zu erdrücken, wäre es das Beste, wenn sie einfach einmal dorthin kämen und ihre Erfahrungen sammelten, um dann in ihre Gemeinden zurückzukehren und das Ganze zu verarbeiten. Ich denke, es könnte sehr, sehr nützlich sein, wenn sie einfach nur die Möglichkeit hätten, vorbeizukommen und zu sehen, was hier vor sich geht.



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