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Die Herausforderungen unserer Zeit sind so groß, dass unser persönliches Erwachen von einem kollektiven Erwachen abgelöst werden muss–durch uns als Gemeinschaften, als Nationen und als Menschheit insgesamt. Gegenwärtig sind wir konfrontiert mit zerstörerischen Klimaveränderungen, mit einer gewaltigen Verstädterung, mit dem Schwinden lebenswichtiger Ressourcen wie Wasser und billigem Öl, mit einem weltweiten massiven und rasch fortschreitenden Artensterben in Flora und Fauna, mit der wachsenden, durch die Kommunikationsrevolution unübersehbar gewordenen Kluft zwischen Arm und Reich sowie mit der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Angesichts dieser–nicht einmal vollständigen–Liste wird evident, dass die Menschheit aufwachen muss. Das Ziel, unsere Zukunft nachhaltig zu sichern, erfordert tief greifende Veränderungen in unserem Lebensstil, unserem Konsumverhalten, unserer Arbeitswelt und im Umgang miteinander. Aber was ist dieses für unsere Zukunft so entscheidende "kollektive Erwachen" eigentlich? Manche mögen darunter eine kollektive mystische Erfahrung verstehen, die wie durch Zauberhand ein Gefühl der Verbundenheit und des Mitgefühls mit allem Lebendigen in uns entfacht. Ich sehe unser Erwachen allerdings als etwas, das sehr viel praktischer und viel leichter zugänglich ist. Für die spirituellen Traditionen der Welt, wie auch für die Psychotherapie, besteht der erste Schritt zum Erwachen übereinstimmend darin, einfach zu sehen, "was ist". Anders gesagt: Wir werden gleichsam zu einem objektiven Zeugen oder unparteiischen Beobachter, welcher uns die Wahrheit über unsere tatsächliche Situation vermittelt. Ehrliche Reflexion und wertungsfreie Beobachtung sind unabdingbar, sowohl für das individuelle, wie auch für das kollektive Erwachen. In dem Maße, wie wir unser Potenzial für ein derartig reflektives Bewusstsein aktivieren, werden wir zu selbstbestimmt Mitwirkenden an unserer eigenen Evolution–im individuellen und im sozialen Bereich. Wenn wir einzelne gut informierte Staatsbürger einer Demokratie sind, dann "wissen" wir. Wenn wir zudem jedoch als Staatsbürger miteinander kommunizieren und reflektieren–indem wir öffentlich unsere gemeinsame Empfindung einer größeren Gemeinschaft positiv entwickeln–dann "wissen wir, dass wir wissen". In der gefährlichen und schwierigen Zeit globaler Veränderungsprozesse, in der wir jetzt leben, reicht es nicht aus, als Zivilisation weise zu sein; wir müssen vielmehr mittels gesellschaftlicher Kommunikation, durch die uns unser kollektives Wissen erst bewusst wird, "doppelt weise" werden. Erst wenn wir zu nachhaltiger und authentischer sozialer Reflexion fähig sind, werden wir zu einem gemeinsamen Verständnis und zu einem Arbeitskonsens darüber kommen, was im Interesse einer positiven Zukunft getan werden muss. Dann kann das Handeln schnell und spontan erfolgen. Mit einer lebensbejahenden Zukunft als Ziel vor Augen werden wir in der Lage sein, unsere Ressourcen auf die gewünschten Ziele hin zu mobilisieren, und jeder wird dabei seine einzigartigen Fähigkeiten einbringen können. Wie aber kann die Aufmerksamkeit einer ganzen Nation mit mehreren hundert Millionen Menschen auf dieses Ziel gelenkt werden? Wo in den modernen Gesellschaften ist "Wissensfähigkeit" zu finden? Ich glaube, für die "Wissensfähigkeit" moderner Gesellschaften ist insbesondere das Fernsehen von ganz grundlegender Bedeutung. Die Behauptung, Fernsehen sei für das Funktionieren eines reflektiven Bewusstseins in modernen Gesellschaften lebenswichtig, wird vielen Menschen allerdings ungeheuerlich vorkommen. Fernsehen wird als "Glotze", "kulturelles Barbiturat", "riesiges Ödland" oder Schlimmeres bezeichnet. Wie kann eine vermeintlich disfunktionale Technologie wie diese für unsere Fähigkeit, als Gesellschaft intelligent zu agieren, von so zentraler Bedeutung sein? Es gibt mehrere sachliche Statistiken, die eindeutig belegen, wie stark das Fernsehen in den modernen Gesellschaften das Bewusstsein und die Wahrnehmungen beherrscht. 99 Prozent aller Haushalte in den USA sind an das Fernsehnetz angeschlossen. Es gibt kein anderes Haushaltsgerät, das so verbreitet ist wie der Fernseher. Der Durchschnittsmensch sieht täglich rund vier Stunden fern, und die Mehrheit der Bevölkerung bezieht ihre Informationen über die Welt größtenteils einzig aus dieser Quelle. Das Fernsehen bildet unseren gemeinsamen Bezugsrahmen, und Fakt ist: Was nicht im Fernsehen erscheint, existiert auch nicht im Massenbewusstsein der Gesellschaft. Das Fernsehen ist also unser sozialer Zeuge geworden, unser gemeinsames Instrument, um "zu wissen, dass wir wissen". Trotz der Macht des Fernsehens, unser kollektives Wissen zu erwecken, dient es diesem Zweck momentan ganz eindeutig nicht. Das Fernsehen mag unser wichtigster gesellschaftlicher Spiegel sein, aber das Bild, das es uns reflektiert, ist verkleinert, verzerrt und kurzsichtig. Folglich denke ich, dass das wirklich entscheidende Umweltproblem, das die Menschheit hat, kein Problem mit der physischen Umwelt ist, sondern vielmehr eines mit der von den Massenmedien geschaffenen elektronischen Umwelt. Wenn wir eine gesicherte, von Mitmenschlichkeit geprägte Zukunft gestalten wollen, müssen wir die kulturelle Hypnose unseres Konsumdenkens überwinden, die vom kommerziellen Fernsehprogramm tagtäglich erzeugt wird. Wenn wir hinnehmen, dass sich unsere Fernsehprogramme in erster Linie am wirtschaftlichen Erfolg ausrichten, programmieren wir damit gleichzeitig die Geistesverfassung ganzer Zivilisationen auf evolutionäre Stagnation und ökologisches Versagen. Unsere Reife für die weitere Evolution unserer Spezies wird jetzt einem Test unterworfen. Wir brauchen eine neue "Politik des Bewusstseins", welche die Massenmedien bei unserem kollektiven Erwachen als faire Zeugen und reife Partner in die Pflicht nimmt. Unsere Zukunft als menschliche Spezies könnte davon abhängen. Duane Elgin ist Autor, Vortragsredner, Trainer und Aktivist für die Verantwortlichkeit der Medien. Auf seiner persönlichen Website–www.awakeningearth.org–finden sich seine Schriften sowie Informationen über seine nächsten Vortragstermine, Fernsehkurse und Seminare. Elgin ist auch Mitbegründer der gemein-nützigen Vereinigung Our Media Voice: www.ourmediavoice.org
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