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Eine Volksrevolution der Erleuchtung: die Kabbala


Eine alte Geheimlehre kommt im Kabbalah Centre ganz groß raus
von Maura R. O'Connor
 

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EINE VOLKSREVOLUTION DER ERLEUCHTUNG:

DIE KABBALA

Eine alte Geheimlehre kommt im Kabbalah Centre ganz groß raus

von Maura R. O'Connor

Ich lege den Hörer auf und schalte das Aufnahmegerät aus. Ein Welle der Übelkeit überschwemmt mich. "So also fühlen sich völlige Niederlage und Demütigung an“, denke ich, fast erstaunt darüber, wie unerträglich dieses Gefühl ist. Ich habe gerade das zweifellos schlechteste Interview meiner gesamten, wenn auch erst kurzen, journalistischen Laufbahn geführt. Das an sich scheint eigentlich nicht der Rede wert zu sein, aber ich führte dieses Interview mit einem der–wie es heißt–heiligsten Weisen unserer Zeit: mit dem großen Rabbi Adin Steinsaltz.

Das ist jener Mann, den das Time Magazin einen Gelehrten nennt, wie es ihn nur in tausend Jahren gibt. Er ist der Duchovny Ravin–der "spirituelle Führer“–des gesamten russischen Judentums, der Mann, der siebenunddreißig Bände Übersetzungen und Kommentare zum babylonischen Talmud veröffentlicht hat und an weiteren arbeitet–ein Vorhaben, das, wenn es vollbracht ist, fast seine gesamte Lebenszeit beansprucht haben wird. Rabbi Steinsaltz' tiefes Verständnis von den spirituellen Grundsätzen der Kabbala ist fast schon übernatürlich. Und ich habe gerade die Ehre, mit ihm sprechen zu dürfen, sabotiert, indem ich ihm eine oberflächliche Frage nach der anderen gestellt habe.

Während des Interviews, als meine offensichtliche Unfähigkeit, einen intelligenten Dialog mit ihm zu führen, quälend deutlich wurde, erkannte ich, dass das Problem nicht auf eine mangelhafte vorbereitende Untersuchung dieser alten spirituellen Tradition zurückzuführen war. Immerhin hatte ich mich gerade drei Monate lang–selbst während ich aß, schlief und träumte–mit nichts anderem als der Kabbala beschäftigt. Ich hatte alle Bücher verschlungen, das ich in die Finger bekommen konnte und verliebte mich in die wunderbaren und überzeugenden Offenbarungen, von denen sie berichteten.

Nein, das Problem war viel schlimmer. Im direkten Kontakt mit der lebendigen Verkörperung dieser altehrwürdigen Weisheit wurde ich zum ersten Mal in meinem Leben mit meinem eigenen inneren Mangel an Tiefe konfrontiert. Für diesen Mangel an Tiefe war keine einzelne Ursache verantwortlich. Im Gegenteil, er schien vielmehr das Ergebnis einer ganzen Reihe miteinander konspirierender Elemente zu sein: meine Generation, meine Jugend, meine Bildung, meine Geburt an diesem besonderen, "postmodernen“ Zeitpunkt der Geschichte und auch die Tatsache, dass ich sehr "amerikanisch“ bin. Doch hinter diesen Lebensverhältnissen, über die ich, wie man einwenden könnte, kaum Kontrolle habe, erkannte ich noch etwas anderes, und zwar etwas ziemlich Erschreckendes: Ich selbst hatte diese heimtückische Oberflächlichkeit genährt, hatte sie unendlich attraktiv gefunden und war mein Leben lang von Äußerlichkeiten und Sensationsgier berauscht gewesen.

Als ich mit Rabbi Steinsaltz sprach, trat das Ganze in aller Deutlichkeit zutage. Nach Worten, nach einem passenden Vokabular, nach einem Weg suchend, der zeitlosen spirituellen und intellektuellen Größe dieses ehrwürdigen Mannes angemessen zu begegnen, kam ich doch immer wieder nur seicht und substanzlos daher. So sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte nicht einmal die trügerische Tiefe heraufbeschwören, die mich durchs College gebracht hatte, die so viele meiner Freunde und ich als gemeinsame Währung benutzen, um uns durchs Leben zu mogeln, und die–wie ich nun mit dem Schock der echten Erkenntnis sehe–die Kultur durchdringt, in der ich lebe. Als ich in mein Büro zurückkam und den unvollendeten Artikel auf dem Bildschirm des Computers anstarrte, überwältigte mich ein merkwürdiges Gemisch aus Scham und Ironie.



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