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Von der Kanzel


Die Verwirklichung des Göttlichen
von Audrey Kitagawa
 




Audrey Kitagawa arbeitet als Beraterin im Büro des Sonderrepräsentanten des Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte bei den Vereinten Nationen. Außerdem ist sie Leiterin einer weltweiten spirituellen Gemeinschaft, deren Hauptsitz sich in Honolulu befindet. Die folgenden Ausführungen machte sie bei einem Podiumsgespräch über globales Bewusstsein, das im Juli 2004 in Barcelona anlässlich des Parlaments der Weltreligionen stattfand.

Ich glaube, dass in jedem von uns die Stimme der Verantwortung und die Stimme der Inspiration wohnt. Die Stimme der Verantwortung hilft uns, uns darüber bewusst zu werden, was in der globalen Landschaft passiert, denn wir können das Leiden unserer Brüder und Schwestern in dieser modernen Welt nicht ignorieren. Wir müssen alles tun, um überall auf der Welt die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass das Leiden ein menschliches Gesicht hat und dass wir nicht unabhängig voneinander leben, sondern uns in allen Angelegenheiten unserer Menschenfamilie gemeinsam engagieren müssen. Letztendlich sind wir alle Teil einer einzigen menschlichen Familie und wir bewohnen alle dasselbe Zuhause, und dieses Zuhause ist der Planet Erde. Wir müssen vollkommen verinnerlichen, dass wir keine voneinander getrennten Leben führen, sondern dass wir alle verbunden und unsere Leben miteinander verwoben sind. Und so ist dein Leid auch mein Leid. Und deine Freude ist meine Freude. Wenn sich ein Mensch erhebt, dann erheben sich alle, und genauso ist die Erniedrigung eines Menschen die Erniedrigung von uns allen.

Ich möchte nun Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, dass allein zwischen 1986 und 1996 mehr als 300.000 Kinder gegen ihren Willen gezwungen wurden, in den von Erwachsenen gemachten Kriegen zu kämpfen. Wer ein Volk oder eine Kultur zerstören will, wird die Kinder töten. Es ist verwerflich, unsere Kinder als Mittel für einen Krieg zu benutzen, und wir müssen unser Bestes tun, sie zu retten und zu beschützen, denn sie sind unser größter Reichtum und die Quelle unserer Zukunft. Wenn wir erkennen wollen, wie zivilisiert eine Kultur ist, müssen wir darauf schauen, wie dort die Kinder behandelt werden. Und wenn wir sehen, dass die Hälfte aller Flüchtlinge auf der Welt Kinder sind, müssen wir uns ernsthaft damit auseinandersetzen, wie es dazu kommt, dass wir, so genannte “zivilisierte Menschen”, so etwas zulassen.

Angesichts dessen muss die Stimme der Verantwortung letztlich in der Stimme der Inspiration verwurzelt sein. Und die Stimme der Inspiration findet ihre nährende Quelle in unserer engen individuellen und kollektiven Verbindung mit der göttlichen Quelle. Wir müssen verstehen lernen, dass die Erkenntnis des Göttlichen nicht irgendwo weit entfernt im Himmel verborgen liegt, sondern dass wir sie direkt hier, in der heiligen Kammer unseres eigenen Herzens finden können. Die Verwirklichung des Göttlichen im täglichen Leben entspringt unserer Fähigkeit zu lieben und Liebe in unserem eigenen Leben zu leben, als tägliche Übung unserer Gedanken, Worte und Handlungen. Dies verlangt von uns, dass wir unsere Suchscheinwerfer nach innen richten, um eine unentwegte furchtlose Selbstbetrachtung vorzunehmen, damit wir erkennen können, wie wir uns verändern müssen. Wir müssen bereit sein, allen Hochmut und Egoismus auszulöschen, um zu dem demütigen Zustand des “nicht ich, sondern Du”, “nicht mein Wille, sondern Dein Wille” zu gelangen. Wir müssen in diesem Zustand der Hingabe gelangen, in dem wir die Weisheit der kleinen stillen Stimme Gottes empfangen können, die in unserem Herzen ist und in jedem Moment unseres Lebens zu uns spricht. Und wenn wir darüber sprechen, Gott zu verwirklichen, müssen wir erkennen, dass Gott in der Herrlichkeit des gewöhnlichen täglichen Lebens ist. Gott ist darin, wie wir unsere Liebe teilen, von Herz zu Herz, mit unseren Brüdern und Schwestern, in unseren Familien und in unseren Gemeinschaften. Sind unsere Gedanken freundlich und liebevoll? Sind unsere Worte freundlich und liebevoll? Sind unsere Handlungen freundlich und liebevoll? Wir können nicht über all das sprechen, was in der Welt passiert, wir können nicht über Liebe als eine Philosophie sprechen, ohne fähig zu sein, diese Liebe in unserem täglichen Leben auszudrücken.

Für uns alle bedeutet das, dass wir eine tiefe persönliche Verantwortung besitzen. Jeder von uns ist wertvoll, jedes Leben zählt, und was wir in der Welt tun, hat einen Einfluss auf die gesamte Menschheit. Deshalb dürfen wir niemals in unserem persönlichen Engagement nachlassen, unser Bestes zu geben, unser Leben gerecht zu leben, in Einheit mit dem Göttlichen, um das Göttliche in unserem täglichen Leben verwirklichen zu können und Liebe zu leben.



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