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Das Unternehmen, die Welt zu retten


Kann der Kapitalismus eine treibende Kraft für ein neues globales Bewusstsein werden?
von Elizabeth Debold
 

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Schwerpunkt

Treten Sie einmal zurück, ganz weit zurück,
und stellen Sie sich den majestätisch rotierenden Planeten, auf dem wir leben, vor. Welches Bild kommt Ihnen da in den Sinn? Die gefurchte, blauweiß marmorierte Murmel, welche die Astronauten als Erste erblickten, die sich so leuchtend klar von der unendlichen Schwärze des Weltraums abhebt? Oder die vertraute Form der Kontinente mit ihren grünen Tälern und Gebirgskämmen, die sich wie ein Rückgrat an der Erdoberfläche abzeichnen? Vielleicht sehen Sie auch das Spiel ursprünglicher Kräfte – Wasser und Wind – , die in Wolkenmustern über die Weiten von Land und Meer eilen und dabei stetig ihre Form verändern. Oder betrachten Sie die Lichter, die auf der dunklen Hälfte funkeln, verbunden durch die Elektrizität, die uns ermöglicht, mit jedermann überall und sofort zu kommunizieren? Spüren Sie vielleicht den unsicheren Allianzen von Demokratien, Sozialismen, Monarchien und Diktaturen nach; den ständig wieder aufflammenden Konflikten, die zu immer größeren Flächenbränden zu werden drohen, weil die Interessen der verschiedenen Kulturen und Menschen sich überall auf der Welt aneinander reiben?

Nur wenige Jahrzehnte sind vergangen, seit die Raumfahrt uns die Augen für den großartigen Anblick unseres in der Leere schwebenden, gemeinsamen Zuhauses geöffnet hat. Doch inzwischen scheint unsere Welt so fragmentiert wie nie zuvor, und das, obwohl wir – ungeachtet unserer Nationalitäten, Religionen oder Ideologien – im Netz des Handels enger aneinander gebunden sind denn je. Handelsnetzwerke verbinden heute die Lofts der Park Avenue mit den Slums vor Nairobi. Die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaftskooperationen war ein gewaltiger evolutionärer Schritt in eine komplexe globale gegenseitige Abhängigkeit. Die gigantischen Unternehmen – Mitsubishi, Nestlé und DaimlerChrysler, einige sind sogar so bekannt, dass man nur noch ihre Akronyme benutzt, wie IBM, GE, GM oder HP – sind von Standortzwängen und nationaler Zugehörigkeit befreit und weiten ihren Einfluss von Boston bis nach Bangkok aus. Da sie in der Stratosphäre internationaler Kapitalmärkte operieren, haben sie so viel Macht und Reichtum angehäuft, dass sie es mit vielen Nationen aufnehmen können. Tatsächlich sind einundfünfzig der hundert größten Wirtschaftseinheiten dieser Welt multinationale Konzerne, und nur neunundvierzig sind echte unabhängige Staaten. Angefangen bei ihrem wirtschaftlichen Einfluss bis hin zu ihrer interkulturellen People-Power stellen die Wirtschaftskonzerne einen wirklichen Sprung in der menschlichen Fähigkeit dar, sich für einen gemeinsamen Zweck zu organisieren.

Unternehmen sind im wahrsten Sinne des Wortes Triebfedern für die Transformation der modernen Welt, indem sie einen konstanten Bedarf an Kreativität und Innovation erzeugen. Alexander Graham Bell erfand das Telefon, daraus wurde die Firma Bell Telephone, aus der sich die Bell Laboratorien entwickelten, die den Transistor erfanden, der das elektronische Informationszeitalter einläutete. Praktisch endlos ist die Liste der Konsumgüter, die in einem Wimpernschlag der Evolution auftauchten – von Zahnpasta über flüssiges Bohnerwachs und Aspirin bis hin zu Kontaktlinsen. In weniger als einem Jahrhundert sind wir von der Pferdekutsche bis zum Geländewagen mit 4-Radantrieb gelangt, weil die Wirtschaft unerbittlich das Neue fordert, und dies immer schneller und noch schneller. Alle fünf Minuten entwickelt Disney ein neues Produkt und wirft es auf den Markt. Sony bringt stündlich drei neue Produkte heraus. 70 Prozent des Umsatzes von Hewlett-Packard wird durch Produkte generiert, die es vor einem Jahr noch gar nicht gab. Dieses ständige Drängen auf den Markt hat das menschliche Leben dramatisch verbessert und verändert – unsere Lebenserwartung hat sich verdoppelt, die Lebensqualität ist gestiegen, und der Horizont des Möglichen liegt jetzt irgendwo im Sternenhimmel.

Gleichzeitig jedoch hat der von Profitgier getriebene Ansturm auf mehr Marktanteile unsäglichen Schaden für diesen Planeten und seine Bewohner verursacht. Der Energieriese Unocal wurde von burmesischen Dorfbewohnern kürzlich verklagt, weil das Militär von Myanmar, das der Konzern zur Überwachung von Bauarbeiten an der Gaspipeline im Land angeheuert hatte, "ermutigt" worden sei, sie zu Zwangsarbeit heranzuziehen, sie zu ermorden, zu vergewaltigen und zu foltern. Coca-Cola steht wegen Wasserverunreinigung und "Vorteilsnahme" bei Wasserknappheit unter der genauen Prüfung von Überwachungsorganisationen. Es ist wohl kaum erfrischend, wenn wir 1993 im Jahresbericht des Unternehmens lesen: "Wir in der Coca-Cola-Familie wachen jeden Morgen in dem Wissen auf, dass jeder einzelne der 5,6 Milliarden Menschen auf dieser Erde an diesem Tag durstig werden wird. Wenn wir es für diese 5,6 Milliarden Menschen unmöglich machen, Coca-Cola zu entkommen, dann sichern wir über viele Jahre unseren Erfolg. Alles andere ist keine Alternative." Die Dynamik der Unternehmensmaschinerie – angetrieben vom grundlegenden menschlichen Überlebenswillen und von Statusinteressen – ist so stark, dass eine Kursänderung kaum möglich zu sein scheint. "Wir marschieren nicht bloß in die Richtung einer Katastrophe", sagt der bekannte Unternehmensberater Dr. Ichak Adizes, "wir sprinten förmlich darauf zu."

Nichtsdestotrotz arbeitet innerhalb dieser Unternehmen auch noch eine andere starke Kraft – eine unkalkulierbare menschliche Kraft. Die Menge und Vielfalt der Menschen, die dort, ungeachtet ihrer Nationen, Rassen und Kasten, zusammenkommen, ist etwas ganz und gar Neues. Wal-Mart, der weltweit größte Arbeitgeber, hat über eine Million Mitarbeiter, und McDonald's beschäftigt vermutlich die meisten Jugendlichen dieser Welt, denn McDonald's gibt es überall. Wenn sich in einem globalisierenden Arbeitsmarkt immer mehr Menschen miteinander engagieren, wenn die Armen mit den Reichen auf Tuchfühlung gehen und eine Kultur die andere befruchtet, dann bildet sich Druck. Innerhalb und außerhalb dieser Unternehmen wächst das Wissen darum, wie sich kollektive Aktivitäten auf den Planeten und seine Bewohner auswirken, erwacht die Erkenntnis, dass wir eine Menschheit sind, die eine Welt bewohnt.

Was wäre, wenn sich diese riesigen Einheiten kreativen Potenzials tausender Menschen, dieser neuen globalen Realität zunehmend bewusst würden? Diese Frage habe ich etwa dreißig Managern und Unternehmensberatern gestellt, die sich mit den Grundlagen der Unternehmensumstrukturierung befassen. Sie alle stimmen in der Einschätzung überein, dass dies – sollte die Wirtschaft erwachen und sich entsprechend verändern – beispiellose Auswirkungen hätte und die Welt auf eine Weise verändern würde, die wir uns nicht annähernd vorstellen können. Einige meinen sogar, dass dergleichen die Rahmenbedingungen für eine neue Ebene globalen Bewusstseins schaffen würde. Aber kann dieses alles verschlingende Ungeheuer, das so sehr in den wirtschaftlichen Systemen dieses Planeten eingebettet ist, sich selbst wirklich so grundsätzlich verändern? Was wäre nötig, um die Kreativität dieser mächtigen Handelsmaschinen zu befreien und ihrer Zerstörungskraft Einhalt zu gebieten? Auf dieser Ebene wurde noch nie zuvor bewusst Veränderung betrieben. Wird sie geschehen? Es kommt ganz darauf an, meinen diese bemerkenswerten Menschen: Eine weltweite Veränderung ist möglich, aber nur, wenn wir es wollen. Und dieses große "Wenn" wird bestimmen, welche Zukunft wir haben – oder auch, ob wir überhaupt eine Zukunft haben werden.

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