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Wir, die Ungläubigen . . .  


von Andrew Cohen
 






Andrew Cohen

Vor einigen Jahren machte ich eine schockierende, außergewöhnliche und zugleich völlig offensichtliche Entdeckung: Die meisten von uns glauben einfach nicht an die Evolution des Bewusstseins. Und ich meine damit nicht nur jene, die überzeugt sind, dass Gott die Welt in sechs Tagen erschuf. Ich meine jene von uns, die die Evolutionstheorie akzeptieren und die sich, zumindest bis zu einem gewissen Grad, der multidimensionalen Natur ihrer Manifestation in unserer Umwelt bewusst sind. Wir glauben an eine kosmologische Evolution und begreifen, dass wir nicht in einem statischen Universum leben, sondern in einem, welches wesentlicher Bestandteil eines Tiefenzeit-Evolutionsprozesses ist. Wir hegen keinerlei Zweifel daran, dass das Universum vor vielen Milliarden Jahren aus einem blendenden Licht- und Energieblitz entstanden ist. Wir glauben an die biologische Evolution, und es fällt uns nicht schwer zu verstehen, wie das Leben sich von niederen Formen, wie Würmern und Schmetterlingen, entwickelt hat, hin zu höheren, wie Delphinen und Menschen. Und viele von uns erkennen sogar, dass die Kultur sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt, und sehen diese Entwicklung–auf einer kollektiven Ebene– als Ausdruck unserer menschlichen Kapazität für immer größere Komplexität und Integration. Wir glauben an den evolutionären Prozess, weil wir ihn überall auf so überaus vielfältige Weise erfahren können: Bewegung, Ausdehnung, Veränderung, vom Leben zum Tod zu neuem Leben. Aber wenn es um Bewusstsein geht, insbesondere um das eigene, habe ich festgestellt, dass es da mit unserem Glauben an genau denselben Prozess doch sehr hapert.

Wir glauben an Evolution als eine objektive Tatsache des Lebens und des kreativen Prozesses, aber nicht notwendigerweise als ein lebendiges Potenzial, welches unserer eigenen subjektiven Erfahrung innewohnt. Ich war verblüfft, dass sogar viele von uns, die bereits engagierte Sucher sind, nie darüber nachdenken, dass unser ureigenstes Bewusstsein, unsere tiefstempfundene Erfahrung des Selbst, sich tatsächlich weiterentwickeln könnte. Es muss daran liegen, dass es für ein Subjekt ein unglaublicher Quantensprung ist, zum Objekt seiner eigenen Aufmerksamkeit und Intention zu werden. Ich meine nicht nur das Gewahrwerden der Erfahrung oder Tatsache des Bewusstseins auf rein subjektiver Ebene, um die es bei der spirituellen Erfahrung typischerweise geht. Ich weise auf etwas hin, das noch schwieriger zu begreifen ist, und das ist das lebendige Potenzial für Entwicklung und Wachstum, welches dem Bewusstsein selbst innewohnt.

Nun, was bedeutet das? Es bedeutet, dass die gefühlte/wissentliche Erfahrung, man selbst zu sein, sich entwickeln und in Richtungen verändern kann, die wir uns einfach nicht vorstellen können. Wie ist es für das Bewusstsein, sich weiter zu entwickeln? Wir können uns mit dem Verstand kein Bild davon machen, denn eine solche Entwicklung ist eine Reise vom Groben zum Subtilen und durch Denken nicht erreichbar. Wie sollen wir uns etwas bildlich vorstellen, das wir nicht begrifflich fassen können?

Solange wir sie gedanklich objektivieren können, sind wir in der Lage, uns unsere eigene Entwicklung vorzustellen. Wir können uns beispielsweise vorstellen, dass wir Gewicht verlieren und Muskeln aufbauen, oder dass wir Algebra, Chinesisch oder Gitarrespielen lernen. Wir können uns sogar vorstellen, wie wir weniger egoistisch und stattdessen mitfühlender werden. Aber wir können uns schlichtweg nicht unser eigenes Selbst vorstellen, wie es sich auf der Ebene des Bewusstseins an sich entwickelt. Es ist wichtig zu sehen, welch unvertrauter Gedanke dies in unserer Kultur eigentlich ist. Wir werden so gut wie nie dazu ermutigt, uns mit unserem eigenen evolutionären Potenzial auf einer solch grundlegenden Ebene auseinander zu setzen, und folglich haben es die meisten von uns auch nie in Erwägung gezogen. Denken Sie einmal nur einen Moment darüber nach: Wie wäre es für mein Selbst, sich in seinem ureigensten Wesen weiter zu entwickeln? Wie wäre es, auf einer Ebene zu wachsen und sich zu entfalten, die so grundlegend ist, dass ich nie fähig wäre, sie zu sehen, und dennoch andere in der Lage wären, ihren Ausdruck zu erkennen? Wenn wir auch nur beginnen können, uns intensiv mit dieser Frage zu befassen, dann nehmen wir auf geheimnisvolle Weise bereits an eben jener Evolution des Bewusstseins teil, von der ich gesprochen habe. Und wenn wir das ernsthaft tun, werden wir daran beteiligt sein, einen wundersamen Prozess bewusst zu machen, der vor vielen Milliarden von Jahren in einem Blitz aus Licht und Energie geboren wurde und erst jetzt beginnt, sich seiner selbst bewusst zu werden–durch uns.

Andrew Cohen, Gründer und Herausgeber von What Is Enlightenment?, ist seit 1986 spiritueller Lehrer und Autor zahlreicher Bücher, darunter Erleuchtet leben und Himmel und Erde umarmen. Weitere Informationen unter andrewcohen.org



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WIE Ausgabe 17:
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Mit weiteren Artikeln zu: Desmond Tutu, Thomas de Zengotita, Ken Wilber, John Petersen und anderen



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