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Achtung BLOB!


Mehr als eine Buchbesprechung
von Thomas de Zengotitas Mediated
von Maura R. O'Connor
 

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Artikel

Ich erinnere mich, dass man mich schon als kleines Kind fragte, was ich denn einmal werden wolle, wenn ich groß sei. Immer darauf erpicht, eine Antwort zu geben, verknüpfte ich meine Ambitionen mit den Büchern und Filmen, die ich so sehr liebte, schuf fantastische Szenarien in meinem Kopf und spann sie weit in die Zukunft. Ich sah mich als eine passionierte Meeresbiologin, Gischt auf der Haut, mit einem Boot über die Wellen des Ozeans tanzen, oder als eine meisterhafte Neurochirurgin einen Schnitt in jemandes Gehirn setzen. Unter vielen anderen Zukunftswünschen, die ich letztlich fallen ließ, wollte ich Modeschöpferin sein, in die Fußstapfen großer Künstler wie John Galliano treten, und einmal sonderbarerweise sogar ein einfacher Zimmermann. Nun gut, ich war vielleicht etwas zu sehr mit Fantasie gesegnet, aber als junge Amerikanerin hätte ich jede dieser Möglichkeiten in die Tat umsetzen können, wenn ich es ernstlich gewollt hätte.

Möglichkeiten. Welche Eltern wünschen sie sich nicht für ihre Kinder? "Du kannst werden, was immer du möchtest", hörte ich von meinen Lehrern. "Astronautin oder die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika." Und das war (theoretisch zumindest) die Wahrheit. Ob es uns nun bewusst war oder nicht, meine Generation wuchs in der Annahme auf, dass unbegrenzte Möglichkeiten unser Geburtsrecht seien. Dieses Gefühl von Freiheit und berechtigten Ansprüchen wäre früheren Generationen völlig unbegreiflich gewesen. Wir ernteten die Früchte des Kampfes um Chancengleichheit jenseits von Klasse, Geschlecht, Rasse und sexueller Orientierung, der die Generation unserer Eltern definiert hatte. Wir wurden mit einem außerordentlichen Privileg geboren: die Schöpfer unseres Geschicks zu sein, weitgehend befreit von vergangenen gesellschaftlichen Normen und traditionellen Formen der Moral.

Wen wundert es, dass ich, wie viele meiner Altersgenossen, meine Teenagerjahre damit verbrachte, aus einer subkulturellen Identität in die nächste zu driften. Die meiste Zeit fühlte ich mich ungebunden. Ich wusste nicht, wer ich war, und kostete mit Feuereifer alle sich mir bietenden Möglichkeiten aus. Eine auf Indie-Rock stehende Intelligenzbestie vom College? Nichts konnte mich aufhalten. Bisexuelle GLAAD (Gay And Lesbian Alliance Against Defamation) Aktivistin? Klar, warum nicht? Punk Rocker? Auch probiert. Identitätskrisen waren in den Collegejahren regelmäßige nicht auf dem Lehrplan stehende Vorkommnisse, als wir alle unsicher unsere möglichen Identitäten ausprobierten. Sich selbst zu erfinden war tatsächlich eine Vollzeitbeschäftigung für sich, zumal mit der unentbehrlichen Feldforschung und Praxis. Was mich rückblickend allerdings am meisten überrascht, ist, wie früh ich gewahr wurde, dass meine Identität mir selbst in die Hand gegeben war, dass ich sie meinen tiefsten Wünschen oder vorübergehenden Launen entsprechend umformen und für mich maßschneidern konnte. Irgendwann allerdings schaltete ich um – vom bloßen Erfahren des Lebens auf eine Wahrnehmung der Lebenserfahrungen als Helfershelfer beim Aufbau meines ICHs. Die Musik, die ich hörte, die Bücher auf meinen Regalen, meine Träume und Ambitionen – ganz zu schweigen von den interessanten Kombinationen und ironischen Widersprüchen zwischen ihnen – waren wie Spiegel, die mir eine Myriade Identitäten reflektierten.

All das hat auch etwas Tragisches. Was meine Altersgenossen und ich suchten, war ein Fehlen von Anmaßung, ein Gefühl der Echtheit, das sich uns jedoch beständig entzog. Außerstande, die Authentizität zu finden, die wir suchten, wurden wir letztlich zynisch, und unserer Haltung dem Leben gegenüber fehlte es mehr und mehr an Ehrlichkeit. Überwältigt von der Fülle der Möglichkeiten stiegen einige von uns einfach aus.

Ich erlebte eine Offenbarung hinsichtlich dieser Dinge, als ich von dem angesehenen Schriftsteller Thomas de Zengotita ein Manuskript seines neuen Buchs Mediated: How The Media Shapes Your World And How You Live In It [Mediatisiert: Wie die Medien unsere Welt und wie wir in ihr leben formen] erhielt. Da ich Zengotita bereits früher einmal interviewt hatte, waren mir seine Gedankengänge vertraut. Nichtsdestotrotz hätte mich so gut wie nichts auf das vorbereiten können, was ich auf den Seiten seines jüngsten Buchs vorfand: Ich entdeckte, dass es tatsächlich Termini und Konzepte gibt, mit denen die Erfahrung des Aufwachsens in der postmodernen Ära beschrieben werden kann. Ich stellte fest, dass wir in einer mediengeformten Welt leben und ich eine mediatisierte junge Frau bin.

Der zentrale Fokus von Thomas de Zengotitas Buch: Mediated (Bloomsbury 2005) liegt darauf, "wie die Medien unser Leben und die Art, wie wir es leben, beeinflussen". De Zengotitas Arbeit gehört einer kurzen, aber reichhaltigen Tradition von Medienstudien an, die mit dem Pionier Marshall McLuhan (1911 – 1980) einsetzte – "dem Propheten des digitalen Zeitalters", wie man ihn auch nennt. McLuhan sagte einmal: "Wenn die Dinge schnell auf dich einstürmen, dann ist es ganz natürlich, dass du den Kontakt mit dir selbst verlierst. Jeder, der in eine neue Welt eintritt, verliert seine Identität." Bereits in seinem ersten Buch Die mechanische Braut (1951), begann McLuhan die Kartografie dieser "neuen Welt" zu entwickeln, indem er erkannte, dass diese durch die Kräfte rascher technischer Entwicklung und die beschleunigte Verbreitung neuer Medien unter großen Bevölkerungsgruppen geformt und geschaffen wird. Er war der Ansicht, dass elektronische Medien buchstäblich "Erweiterungen des Menschen" seien, Ausdehnungen des Nervensystems und der Selbstidentität des Einzelnen, die seine oder ihre Beziehung zur Welt grundlegend veränderten und somit wiederum auch die Welt an sich.

McLuhan hatte auch die Vision eines zukünftigen "globalen Dorfes" (er prägte diesen Ausdruck), in dem es kein "Hauptzentrum, sondern nur viele frei flottierende Zentren" geben werde, "in einem kosmischen System, das nur Vielfalt schätzt" – eine Metapher für die harmonische Existenz gänzlich autonomer Individuen. Heute bewohnen wir ein globales Dorf, doch das in McLuhans Vision implizit enthaltene utopische Versprechen ist noch längst nicht verwirklicht. Tatsächlich hat sich unsere Gesellschaft in den letzten fünfzig Jahren zunehmend auf das Individuum fixiert. Dieses Phänomen untersuchte Christopher Lasch in seinem bahnbrechenden Werk Das Zeitalter des Narzissmus (1979), in dem er den Archetypen des postmodernen Menschen beschrieb als jemanden, der "die Logik des Individualismus ... und das Streben nach Glück bis in die Sackgasse eines narzisstischen Verfangenseins im Selbst" geführt hat. Richtungsweisende Untersuchungen der gesellschaftlichen Entwicklungen im späten 20. Jahrhundert – eine Periode, in der die Medientechnik und ein hohes Maß an Individualismus einander auf nie vorher gekannte Weise und blitzschnell beeinflussten – sind nicht nur in Laschs und McLuhans Schriften zu finden, sondern auch in anderen Büchern, wie Jean Baudrillards The Consumer Society (1970) [Konsumgesellschaft], Umberto Ecos Reise ins Reich der Hyperrealität (dt. 1977 in Über Gott und die Welt) und Jean Francois Lyotards Das postmoderne Wissen (dt. 2005)

Thomas de Zengotita greift den Faden dort auf, wo diese Autoren ihn fallen ließen, und führt ihre Arbeiten zu einer Synthese, welche die Gestalt des Postmodernismus in einer ungewöhnlich leicht zugänglichen Art enthüllt. Mediated zeigt die technisch fortgeschrittene, mediensaturierte westliche Welt als zusammengesetzt aus Millionen individueller "geblähter Egos", die alle in ihrer isolierten "Ichwelt" leben. De Zengotita glaubt, dass dieser Narzissmus geradezu epischen Ausmaßes erzeugt und beständig genährt wird durch die mediale Darstellung in sämtlichen Bereichen unseres Lebens, vom privatesten (Hochzeitsvideos, Fotos unserer Lieben) bis hin zum öffentlichsten (Werbung in U-Bahn und Fernsehen). Er schreibt: "Unser Hirn ist, schon rein quantitativ, vollgestopft mit mediatisierten Einheiten. Fragen Sie sich doch einmal selbst: Ist irgendetwas, das Sie tun, im Wesentlichen nicht mediatisiert, etwas, das Sie nicht reflexiv durch eine vermarktete Darstellung erfahren haben? Geburt? Heirat? Krankheit? Denken Sie an all die Filme und Memoiren, Philosophien und Techniken, Selbsthilfebücher, Berater, Programme, Vorträge, Workshops ... und das modische Vokabular, das dort erschaffen wird. Überlegen Sie, wie das alles Ihre Erfahrungen beeinflusst."

Die Lebensqualität eines postmodernen Individuums, zu ungeahnten Höhen der Selbstbezogenheit getrieben, entspricht laut de Zengotita der eines von Stanislavsky geprägten Schauspielers. In einer Kultur, die von Darstellung in den Medien gesättigt ist, wird das eigene Leben an dargestelltem "Leben" ausgerichtet und wird dadurch zu einer subtil selbstbeobachtenden Vorstellung. Als Beispiel erwähnt de Zengotita, wie Sportler im Fernsehen einen Sieg feiern:

Da ist dasselbe Element, diese gleiche Qualität, in der Art wie diese überschwänglichen Männer sich vor einander, vor einem größeren Publikum und vor der Kamera präsentieren: Kräftige Gesichter glühen in einer seltsamen Mischung aus Jubel und Feindseligkeit, Halssehnen schwellen an, geballte Fäuste stoßen in die Luft oder werden in die Höhe gereckt wie ein Bischofsstab; Körper drängen nach vorn, so als wollten sie jeglichen Kompromiss niederwalzen, offenbar außer sich, rasend, brüllend in suggestiven Tönen befriedigter Rachgier: "Yeaauh! Yeaauh! Yeaauh!", und jedes "Yeaauh!" übertrifft das vorige, wie um es zu verstärken, aber auch zu kommentieren, sogar zu parodieren. Und plötzlich merkt man, wenn man in ihre Augen sieht, wie sie so die Menschen auf den Tribünen anstrahlen, dass auch das eine Vorstellung ist, ein Wettbewerb, eine volkstümliche Kunstform – und letzten Endes, ach so selbstdarstellerisch.

Wir sind, sagt er, "allesamt Berühmtheiten, endlich Berühmtheiten" geworden – die wissenden Stars in den selbst inszenierten Filmen unseres Lebens.

De Zengotitas Stil ist von ungezwungener Brillanz, und seine kritischen Abhandlungen zeugen von scharfem Verstand und eindrucksvoller Tiefe. Seit sechs Jahren schreibt er für Harper's Spezialartikel, die sich eingehend mit der Popkultur befassen und von einer intellektuellen Präzision sind, wie man sie für gewöhnlich in den Hörsälen der Universitäten findet. (Und in der Tat hat er fast ein Jahrzehnt lang im Rahmen des Draper Program Philosophie an der New York University gelehrt). Er verwendete immer schon die Sprache und die Metaphern, den Humor und Geist der Gegenwartskultur als eine Art trojanisches Pferd für seine philosophischen Ideen, und sein jüngstes Buch bildet da keine Ausnahme. Mediated untersucht sowohl die Gemeinplätze als auch die subtilen Eigentümlichkeiten unseres postmodernen Zeitalters, es schwingt sich über scheinbar unzusammenhängende Themen, von Kinderliteratur, über den Verlust des Helden in der Gesellschaft, Bill Clinton, die Epistemologie des Wortes "whatever", Weblogs, die Schulklassen 5 bis 8, Klonen und die Wettervorhersage bis hin zu Nietzsche, John Locke und Plato. Die meisten Leser werden zweifellos auf fast jeder Seite einige Facetten ihrer selbst wiedererkennen, und was sich da spiegelt, kann abwechselnd erhellend oder erschreckend sein. Während de Zengotita an diesem Buch schrieb, erwog er – dem wachsenden Markt für Selbsthilfebücher trotzend – folgenden Klappentext für Mediated: "Wenn Sie ein Buch suchen, das Ihnen hilft, sich gut zu fühlen und aufzeigt, wie Sie sich noch besser fühlen könnten, dann sind Sie hier falsch."



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WIE Ausgabe 17:
Unsere Bewusstsein Ausgabe


Mit weiteren Artikeln zu: Desmond Tutu, Thomas de Zengotita, Ken Wilber, John Petersen und anderen



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