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Selbst die Himmel sind nicht unsterblich


Eine verlockende Vision des Todes

Ein Interview mit Connie Barlow
von Craig Hamilton
 

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In einer Kultur, die geradezu davon besessen ist, Leben zu erhalten und zu verlängern, scheint die Verteidigung des Todes eine Aufgabe zu sein, die - außer dem Teufel - nur wenigen liegt. Für die Biologin Connie Barlow jedoch wird das Lobpreisen der Verdienste des Sensenmannes zur inspirierten Mission.

Die "Wanderpredigerin" der Evolution und Autorin so bekannter wissenschaftlicher Bücher wie Ghosts of Evolution und Evolution Extended hat jetzt–nach einer drei Jahre dauernden landesweiten Non-Stop-Vortragsreise mit ihrem Ehemann Michael Dowd–ein neues Kapitel ihrer fortgesetzten Verkündigung "der großen Geschichte" unserer kosmischen und terrestrischen Entwicklung enthüllt. Laut Barlow ist der Tod nichts, was man fürchten oder lediglich akzeptieren müsste, sondern vielmehr ein gesunder, Leben spendender Teil des kosmischen Prozesses, den es aufrichtig anzunehmen gilt.

Ist der Wettlauf der Wissenschaft um unsere Befreiung aus dem Griff der Sterblichkeit ein fehlgeleiteter, wenn nicht gar gefährlicher Versuch, sich über die kosmische Ordnung hinwegzusetzen? Welche evolutionären Implikationen hätte die dauerhafte Unterbrechung eines der am längsten erprobten Zyklen der Natur? Was würde aus dem Leben werden, wenn wir uns des Todes entledigten? Bei einem kürzlichen Besuch bei What Is Enlightenment? sprach Barlow mit uns über ihre Leidenschaft für das Vergängliche und ihre Gedanken über die Suche nach Unsterblichkeit.

WHAT IS ENLIGHTENMENT: Eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern ist davon überzeugt, dass wir über kurz oder lang–einige meinen sogar, im Laufe der nächsten zwanzig Jahre–dazu fähig sein werden, die menschliche Lebenszeit unbegrenzt zu verlängern und physische Unsterblichkeit zu erlangen. Glauben Sie, auf der Grundlage Ihres Verständnisses der Biologie, dass so etwas möglich sein könnte?

Connie Barlow: Ehrlich gesagt wollte ich nie darüber nachdenken. Aber ich schätze, da muss ich ja sagen. Wenn wir von einer Verlängerung der Lebensspanne sprechen, wenn nicht sogar von Unsterblichkeit, würde ich sicherlich ja sagen. Aber ich wollte nie darüber nachdenken.

WIE: Warum nicht?

Barlow: Weil mir diese Aussicht nicht gefällt. Zum einen wird sich dadurch die Spaltung zwischen Arm und Reich vergrößern, denn selbstverständlich wird nicht jedermann Zugang zu dieser Möglichkeit haben. Zum anderen sehe ich es als nicht wünschenswert an, weil wir bereits genug Schwierigkeiten damit haben, unsere Vermehrung in Grenzen zu halten. Und wenn sich nun eine signifikante Anzahl Menschen auf diese Art von Lebensverlängerung einlässt, wird das Problem der Überbevölkerung der Erde noch größer.

Grundsätzlicher gesehen denke ich, dass unsere Neigung, dem Gedanken an den Tod aus dem Weg zu gehen, oder anzunehmen, dass am Tod an sich etwas falsch sei, in Wirklichkeit unser Verständnis vom Leben und unsere Lebensfreude einschränkt. Es ist für mich ein Zeichen von Unreife, wenn Leute ein solch übertrieben individualisiertes Ichgefühl haben und so selbstherrlich sind, dass sie nicht fähig sind, den größeren Zusammenhang zu erkennen, in dem der Tod eine Funktion hat. Nun, wenn man sich mit diesem Körper und diesem Verstand hier identifiziert, dann mag die Aussicht auf den Tod in der Tat ziemlich beängstigend sein. Aber in einem, wie ich meine, umfassenderen, reiferen Verständnis des Selbst lässt die Furcht vor dem Tod nach. Ja, er wird sogar als etwas Gutes–sowohl für das Ganze als auch für jeden Einzelnen–angesehen.

Wenn ich die neue Kosmologie betrachte, die ja Entdeckungen aus allen modernen Wissenschaftszweigen zusammenträgt, dann komme ich zu dem Schluss, dass der Tod nicht nur natürlich, sondern auch generativ ist. Auf jeder Stufe menschlicher Entwicklung kann man den Tod als etwas Natürliches begreifen und Frieden mit ihm schließen. Jahrtausendelang haben unsere Mythen und Schöpfungsgeschichten uns diesen Frieden geschenkt. Aber erst seit kurzem wurde es möglich, den Tod auf allen Ebenen der Realität nicht nur als natürlich, sondern auch als schöpferisch und generativ anzusehen; sich mit der Tatsache des Todes nicht nur zu versöhnen, sondern das Gute in ihm zu sehen und Dankbarkeit ihm gegenüber zu empfinden. So vieles von dem, was uns im Leben lieb und teuer ist, gäbe es ohne den Tod gar nicht. Zu dieser faszinierenderen Sichtweise des Todes kam ich durch das, was ich gerne das Kultivieren von "Augen der tiefen Zeit" nenne–Augen, welche die 14 Milliarden Jahre alte Entwicklungsgeschichte des Universums als eine heilige Geschichte betrachten.

WIE: Könnten Sie uns einige Beispiele dafür nennen, wie Sie zu dieser anziehenderen Sichtweise vom Tod kamen?

Barlow: Ja gern. Mein eigenes Fachgebiet ist die evolutionäre Biologie und Ökologie–was bedeutet, ein tiefenzeitliches Verständnis von der Ökologie und der Biologie zu haben. Der Anlass jedoch, der mir in entscheidender Weise die Augen öffnete, kam später in meinem Leben, und zwar von außerhalb meines eigenen Fachgebiets. Es war die Erkenntnis aus der Astronomie und der Astrophysik, dass die Kraft der Sterne in ihrer Erzeugung von Elementen liegt.

Das ursprünglichste, einfachste Element im Universum ist der Wasserstoff; ihn gibt es seit Anbeginn, seit dem Urknall. Im Zentrum von Sternen verbindet die Schwerkraft Wasserstoffatome zu komplexeren Atomen. Unsere Sonne vereint derzeit Wasserstoffatome zu Helium. Und wenn ihr Tod naht, wird sie Helium zu Kohlenstoff fusionieren. Größere Sterne als unsere Sonne führen diesen Prozess weiter und verwandeln Kohlenstoff in Silizium, Silizium in Kalzium und so fort. Jedes einzelne Element in unserem Körper, außer dem Wasserstoff, existierte einst in einem gigantischen Stern, der lebte und starb, ehe unsere Sonne geboren wurde. Wenn Sterne starben und sich selbst recycelten, sandten sie ihre Elemente pulsierend oder explodierend in die Galaxie hinaus. Diese Elemente stießen schließlich auf Urwolken aus Wasserstoffgas, wurden von deren Schwerkraft, wie von Spinnweben, gefangen gehalten und lieferten das Material, aus dem neue Generationen von Sternen gebildet werden konnten. Und diese Sterne von der Art unserer Sonne–so angereichert, wie sie es waren, mit der Kreativität vorhergehender Sternengenerationen–konnten steinerne Planeten um sich kreisen lassen, etwas, wozu die ersten Generationen nicht fähig waren.

Wir sind recycelter Sternenstaub. Alles, was wir lieben, alles, was wir sehen, ist wieder aufbereiteter Sternenstaub. Und wir sind nur hier, weil die Himmel und die Sterne nicht unsterblich sind. Diese Erkenntnis hat mir die Augen geöffnet, insbesondere, wenn man bedenkt, dass unsere religiösen Traditionen den Himmel als unsterblichen Sitz Gottes betrachteten. Sterne kommen und vergehen nicht in der Lebensspanne menschlicher Kulturen, sicherlich aber über Zeiträume geologischer Perioden. Den Tod gibt es in den Himmeln ebenso wie auf Erden.

WIE: In diesem Beispiel aus der Kosmologie benutzen sie den Begriff Tod als Metapher, da Elemente und Sterne nicht im Sinne unserer biologischen Definition von Leben lebendig sind. So, wie wir normalerweise Leben als Gegensatz zum Tod verstehen, sind sie tote Materie–tote Materie, die neue Formen annimmt. Kann man Ihrer Meinung nach dieselben Prinzipien auch auf lebendige Systeme anwenden?



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WIE Ausgabe 18:
Unsere Ausgabe zum Thema Unsterblichkeit


Mit weiteren Artikeln von: Ray Kurzweil, Jakob von Uexküll, Cheri Huber, Ken Wilber & Andrew Cohen, Pierre Teilhard de Chardin



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