Your email address is kept confidential, and will never be published, sold or given away without your explicit consent.

Thank you for joining our mailing list!

Close
















Erleuchtung ist die denkbar einfachste Art zu leben


über die bewährten und echten Bedingungen der Erleuchtung
von Cheri Huber
 




Verzicht? Authentische Jüngerschaft? Egotod? Auf dem spirituellen Sektor, der unser postmodernes Leben bedient, sieht es so aus, als seien diese traditionellen Bedingungen für Erleuchtung überholt. Aus diesem Grund fällt die buddhistische Lehrerin Cheri Huber auf. Unerbittlich lehnt Cheri die Mittelmäßigkeit und Oberflächlichkeit unserer postmodernen spirituellen Welt ab und bestätigt erneut, dass auf dem Weg zur Realisierung der wunderbaren und transzendenten Realität, zu unserem eigenen wahren Selbst, in Wirklichkeit das Ego der ewige Gegner ist.
Jessica Roemischer

Viele Leute verstehen Verzicht als etwas, das hauptsächlich mit Sex zu tun hat. Aber das Einzige, das wir in unserem spirituellen Leben mit einer Haltung des Verzichts angehen müssen, ist das Ego. Das Ego will dies und will nicht jenes. Es ist immer hinter irgendetwas her–das lässt es zum Zentrum des Universums werden. Für manche Menschen ist Sex eine wirklich wichtige Sache, also müssen sie auf ihn verzichten. Für einige Menschen ist es die Macht, für andere das Geld. Aber für uns alle, egal in welcher Form, ist es letztlich das Ego. Und der wesentliche Punkt eines spirituellen Lebens ist, das Ego zu erkennen und dann zu entwaffnen, es aus dem Verkehr zu ziehen.

In unserem Land ist Spiritualität ein wichtiges Thema und es ist leicht geworden, oberflächlich mitzumachen. Es ist, als wärst du fett, und diese scheinbar "alternative" Spiritualität würde dich mit all dem fettigen und süßen Essen versorgen, das du haben willst. Aber du wirst fett bleiben! Wir sind so daran gewöhnt, dass alles mühelos leicht geht, aber es ist nicht leicht, das Ego aufzugeben. Wo Transformation stattfinden soll, muss Ehrlichkeit sein.

Eigentlich wissen die Leute gar nicht, was das Ego ist; sie wissen nicht, wann es agiert. Sie denken, dass sie das Ego sind. Also brauchen wir eine Struktur, die es uns ermöglicht, das Ego als das zu erkennen, was es ist, und die uns hilft zu unterscheiden zwischen dem Ego–das von sich selbst glaubt, dass es überdauernd, real und außerhalb unseres Lebens existiert–und dem Selbst–das vor uns hier war und noch da sein wird, wenn wir nicht mehr leben. Ich denke nicht, dass man diese Bewusstheit erlangen kann ohne eine Struktur, die von uns fordert, uns nicht nach dem Ego zu richten. Und da kommt der Verzicht ins Spiel. Das Herzstück und die Seele des Verzichts oder der Achtsamkeitsübung ist eine Struktur–ohne eine klösterliche Struktur und jemanden, der anleitet, ist es für einen Menschen fast unmöglich, diese wesentliche Unterscheidung zwischen dem Ego und dem Selbst zu treffen.

Aber die wenigsten werden ihr weltliches Leben aufgeben, um ein klösterliches Leben zu leben, und die Ursache dafür ist das Ego. Ich spreche oft mit Menschen, die unbedingt ein klösterliches Leben führen wollen, aber dabei dreht das Ego durch: "Dann müsste ich auf dies verzichten und auf jenes ..." Die wenigsten bemerken dann: "Ich habe alle diese Dinge ja schon und mir geht's trotzdem schlecht." Dann erzähle ich diesen Menschen, dass ich niemals etwas aufgegeben habe, was ich noch wollte. Als ich in meinem Leben an einen Punkt kam, an dem ich nur noch Frieden und Ruhe haben wollte, nur noch Raum und Zeit haben wollte, um mich auf Bewusstheit zu konzentrieren, und sehen wollte, was die Welt im Innersten zusammenhält, musste ich Familie, Sex, Geld, Ehrgeiz nicht aufgeben. Ich wollte sie gar nicht.

Im Buddhismus sagen wir, wenn du genug gelitten hast, wirst du dich an den Punkt bringen, der alles verändert. Jeder kommt dahin, wenn er will. Es ist perfekt. Du kannst solange leiden, wie du es wünscht, und wenn du nicht länger leiden willst, dann kannst du damit aufhören. Das ist eine Supersache! Und es ist wirklich einfach, Asket, Mönch oder Nonne, ein religiöser Mensch zu sein! Aus der Mitte zu leben ist einfach. Erleuchtung ist die einfachste Art zu leben. Schwer, streng, schrecklich, deprimierend, elend und unterdrückend ist nur das Ego. Und wenn wir mit dieser kleinen Illusion des getrennten Selbst identifiziert sind, bemerken wir nicht, dass das ganze Universum hinter uns steht. Dieses kleine Ego ist in Wirklichkeit eine Illusion, und alles, was wahr und authentisch ist, alle Liebe, die Bewusstheit, die Dankbarkeit, die Weite, die Großzügigkeit, die Güte–das sind wir. Wir sind dieser Geist und er ruft uns nach Hause. Aber der verheerende Angriff des Ego, das uns in seinen Klauen behalten will, ist Ehrfurcht gebietend. Deshalb ist alles hilfreich, was uns ein bisschen erhebt und uns eine klarere Sicht der Dinge bietet–alles, was das Ego als das enthüllt, was es ist. Das ist der wahre Wert des Verzichts.



[ zurück zum Inhalt ]




artikel drucken

email an die redaktion

artikel versenden

inserieren

nachdrucken
abonnieren abonnieren geschenk abo


home | aktuell | archiv | bestellen | über wie
herausgeber | kontakt | links | site map
WIE Ausgabe 18:
Unsere Ausgabe zum Thema Unsterblichkeit


Mit weiteren Artikeln von: Ray Kurzweil, Jakob von Uexküll, Cheri Huber, Ken Wilber & Andrew Cohen, Pierre Teilhard de Chardin



full table of contents

buy this issue

Neues bei WIE
Letzte Neuigkeiten und Aktuelles!

E-Mail-Adresse hier angeben.